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Marktmeinung der Woche – 16.11.2018

Politische Entwicklungen dominieren

  • Brexit-Chaos: Hält die englische Regierung?
  • Einblicke in fragilen Konjunkturstatus Europas
  • Thanksgiving mit gemischten Gefühlen
  • Hält der Ausverkauf am Ölmarkt an?

Der detaillierte Blick auf die kommende Woche

Die gewichtigsten ökonomischen Daten und politischen Nachrichten kommen nächste Woche aus Europa. Der Blick der Finanzmärkte dürfte stetig nach London gerichtet sein. Der Streit über das von der Regierung ausgehandelte Übergangsabkommen zum Brexit, wird sich nach den ersten Ministerrücktritten fortsetzen. Dabei zeichnet sich auch ein Misstrauensvotum gegen Premierministerin May ab, deren Stuhl in der Tat wackeln könnte. Damit würde sich das Risiko eines ungeregelten Austritts, des allseits gefürchteten „hard brexit“ erhöhen. Für ein neues Abkommen dürfte weder Zeit vorhanden sein, noch ist eine einheitliche Linie erkennbar, wie Einigkeit über Nachbesserungen hergestellt werden könnte. Folgen für das Pfund und mittelbar auch die europäische Konjunktur sind unausweichlich.

Dabei ist die europäische Konjunktur aktuell ohnehin in einer fragilen Lage. Nach der Delle im 3. Quartal mit einem nur mageren Wachstum von gerade noch 0,2 % Q/Q besteht Hoffnung auf Nachholeffekte für das Schlussquartal über jetzt wieder anlaufende Automobilproduktion. Allerdings schwächelten zuletzt vor allem in Deutschland auch die Exporte. Entsprechend dürfte am Freitag das Interesse an den Einkaufsmanagerindizes im Euroraum groß sein. Wir gehen von einem leichten Rückgang von 52 auf 51,5 im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich von 53,7 auf 53,0 aus. Dies sind noch immer recht gute Niveaus. Von daher halten wir das Szenario einer leichten Belebung weiter aufrecht. Die Prognoserisiken, gerade auch in Richtung 2019, liegen jedoch eher in Abwärtsrevisionen.

In den USA steht vor allem der monatliche Einblick in den Immobilienmarkt an, der sich zuletzt wenig dynamisch zeigte. Allerdings dürften in USA schon viele Marktteilnehmer gedanklich bei „Thanksgiving“ am Donnerstag sein. Die US-Börsianer sind weltweit auch nahezu die einzigen Aktienanleger, die aktuell mit Zuwächsen von 4 % in den breiten Indizes bis zu fast 9 % an der Nasdaq Dankbarkeit für den Börsenjahrgang 2018 empfinden dürften. Am Freitag ist der Börsenhandel sehr ausgedünnt, der Einzelhandel dürfte dann aber auf wichtige Umsatzeffekte am „Black Friday“ hoffen. Verbraucher haben dann auch schon die digitale Rabattschlacht am folgenden „Cyber Monday“ im Blick, was in Summe wichtige Rückschlüsse auf das Weihnachtsgeschäft und die aktuelle Kauflaune der US-Verbraucher erlaubt.

Anleihen
Die politischen und konjunkturellen Unsicherheiten dämpfen derzeit das Aufwärtspotenzial der Renditen in Europa. Die EU-Kommission äußert sich am Mittwoch zum italienischen Haushalt. Ein in Aussicht stehender Dialog könnte die ausufernden Spreads einbremsen. Insofern sollte sich die Wochenbewegung in Grenzen halten. Wir sehen die aktuellen Renditeniveaus in Europa weiter als unattraktiv an.

Währungen
Das britische Pfund ist und bleibt angeschlagen angesichts der erwarteten Turbulenzen um die Brexit-Frage. Auch der Euro kann aktuell nicht punkten. Daher bleiben Fremdwährungsbeimischungen attraktiv, wobei wir dem US-Dollar und den skandinavischen Währungen klar den Vorzug geben.

Aktien
Die Berichtssaison ebbt ab. Der Trend der recht guten US-Berichte und vergleichsweise durchwachsener Zahlen in Europa ist bis zum Ende geblieben. Dies erklärt auch die seit Oktober zu beobachtende Diskrepanz der Indexentwicklungen. Die Volatilität dürfte angesichts der politischen Einflussfaktoren hoch bleiben.

Rohstoffe
Ausgehend vom 8-Monatstief für Öl wegen höherer Förderung in USA und durch die OPEC sowie weniger gravierenden Auswirkungen des Iran-Embargos durch wichtige Länder-Ausnahmen wie Indien, China oder Japan lassen Reaktionen der OPEC erwarten. Im Dezember dürfte die Förderung gekürzt werden, was der Markt mit einer Stabilisierung vorwegnehmen könnte. Der Goldpreis ist aktuell relativ stabil und reagiert vor allem auf Währungsentwicklungen. Der 'safe haven appeal' wird mit politischen Unsicherheiten gestärkt.