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Marktmeinung der Woche – 21.09.2018

Die US-Notenbank erhöht die Zinsen en passant

  • Neue Testnorm bremsen die Autoproduktion
  • Beschleunigung im Euroraum wohl erst 2019
  • Nach Gewinnen ruhigere Gangart an den Börsen erwartet
  • OPEC und Nicht-OPEC-Exporteure treffen sich

Der detaillierte Blick auf die kommende Woche

Am Mittwoch wird die US-Notenbank den Leitzins von 2% auf 2,25% anheben – praktisch im Vorbeigehen, denn dieser Schritt wird an den Märkten schon seit Wochen eingepreist. Wichtiger ist dagegen die Frage, wo die Fed den Zinserhöhungszyklus beenden wird. Wird sie den Zins über ein neutrales Niveau anheben, um die Konjunktur zu bremsen und Inflationsrisiken zu verringern? Oder wird sie beim neutralen Niveau anhalten und abwarten, um nicht wie 2006 eine Rezession zu verursachen? Und wo liegt der neutrale Zins überhaupt? Eine verbreitete Theorie sieht den neutralen Realzins auf Höhe des Produktivitätswachstums – welches langfristig bei etwa 1% bis 1,5% liegen dürfte. Mithin läge bei 2% Inflation der neutrale Zins nominal bei 3% bis 3,5%. Da das Produktivitätswachstum aber schwankt, ist auch der neutrale Zins konjunkturabhängig – wie jüngst Notenbankchef Jerome Powell betont.
Somit wird sich im kommenden Jahr der Blick noch stärker auf die Konjunkturdaten richten. Im Moment stützen steigende Investitionen das Produktivitätswachstum in den USA. Die Bestellungen für langlebige Güter dürften dies in der kommenden Woche unterstreichen.
Die europäischen Autobauer arbeiten daran, die neue Richtlinie zu Verbrauchstests (WLTP) umzusetzen und Lizenzen für all ihre Modelle zu erhalten. Wo Lizenzen fehlen, kann es auch zu Produktionseinschränkungen kommen. Der negative Outputeffekt ausgehend vom Fahrzeugbau ist offenbar stärker als gedacht und dürfte – zusammen mit der weltweit für Verunsicherung sorgenden US-Handelspolitik – dafür sorgen, dass die Unternehmensstimmung in der Industrie deutlich schlechter ist als bei den Dienstleistungsunternehmen. Insgesamt ist mit einer Wachstumsbeschleunigung in diesem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen – das gilt für Deutschland und den Euroraum gleichermaßen.

Renten
Die Wachstumsabschwächung im Euroraum geht mit einer stagnierenden Inflation einher – ohne Energie und Nahrungsmittpreise gerechnet. Auch die Preisdaten für September dürften unter den Erwartungen der EZB liegen. Die nicht nur in Deutschland steigenden Stunden- und Tariflöhne dürften jedoch im kommenden Jahr den generellen Preisauftrieb verstärken. Die Inflationsrate, die die Energie- und Nahrungsmittelpreise mit einschließt, schwankt dagegen stärker und dürfte zunächst ansteigen und 2019 wieder abfallen – sofern der Ölpreis nicht weiter steigt.
Langfristig wird wohl die Lohnentwicklung im Euroraum für einen Renditeanstieg sorgen. Die EZB hat den geldpolitisch notwendigen Schrittwechsel bereits vollzogen. Statt auf die Anleihekäufe richten die Marktteilnehmer ihren Blick darauf, wie die EZB die Zinserwartungen steuert.

Währungen
Die Gefahr eines stärkeren Renditeanstiegs in den USA ist größer geworden. Höhere Renditen dürften zwar den US-Dollar stärken. Ob dies jedoch die Kursverluste von langlaufenden US-Anleihen ausgleichen würde, ist nicht sicher. Daher erscheint es sinnvoll, sich auf kürzere Laufzeiten (bis 3,5 Jahre) zu fokussieren.

Aktien
Die Aktienmärkte dürften in der kommenden Woche eher von Makrodaten getrieben sein. Unternehmensseitig stehen planmäßig nur sehr wenige Daten an (u.a. Nike, Hella und H&M). Nach den zum Teil deutlichen Kursgewinnen der vergangenen neun Handelstage erwarten wir tendenziell eine etwas ruhigere Gangart an den Börsen. Mögliche positive Nachrichten bei den Themen Handelsstreit USA vs. China sowie zu den Krisenwährungen könnten aber noch einmal für etwas Rückenwind bei den Aktienmärkten sorgen.

Rohstoffe
Auf dem informellen Treffen der OPEC und Nicht-OPEC-Exporteure in Algier am Sonntag steht vor dem Hintergrund der Iransanktionen vor allem wohl ein Produktionsausgleich auf der Agenda. Die Antwort der OPEC bzw. Saudi Arabiens auf die Forderung Trumps, die Produktion zu erhöhen, könnte für eine deutliche Bewegung sorgen. Die US-Dollarschwäche dürfte die Rohstoffpreise insgesamt, aber vor allem die Edelmetallpreise, weiter stützen.