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Marktmeinung der Woche – 22.09.2017

Entspannte Marktteilnehmer vor der Bundestagswahl

  • Große Koalition wahrscheinlichstes Ergebnis
  • Ifo-Geschäftsklima dürfte sein Niveau halten
  • Plus bei den Aufträgen in den USA zu erwarten

Blick auf diese Woche im Detail

Die vor uns liegende Woche dürfte von Wahlanalysen und ersten Sondierungsgesprächen geprägt sein: Laut den letzten Wahlumfragen hätte nur eine Neuauflage der Große Koalition und eine Jamaika-Koalition die Mehrheit im nächsten Bundestag. Über 40 % der Befragten gaben allerdings zu, dass sie vielleicht noch anders entscheiden als angegeben und viele sind generell unentschlossen. Wir wären daher nicht überrascht, wenn es am Wahlabend einige Überraschungen gäbe: Z.B. neigen AfD-Wähler dazu, ihre Wahlabsichten zu verschleiern. Andere Wähler stellen taktische Überlegungen an. So könnten sich SPD-Wähler dafür entscheiden „Die Linke“ zu wählen, um ihren Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit auszudrücken. Eigentlich möchten in den Parteispitzen die derzeitigen Koalitionsmitglieder ihre Regierungsarbeit fortsetzen, daher wird es wohl erneut zu einer Großen Koalition kommen. Mit einer Jamaika-Koalition käme zwar frischer Wind in die deutsche Politik und die SPD hätte Gelegenheit, aus der Opposition mehr soziale Gerechtigkeit zu fordern. Doch es spricht wenig dafür, dass FDP und Grüne die trennenden Gräben überwinden könnten – auch wenn diese flacher sind als es scheint. In der Summe bedeutet dies, dass Kursausschläge nach der Wahl nicht auszuschließen sind – am Ende aber doch ein „weiter so“ auf der Agenda stehen dürfte.

Die Konjunkturdaten folgen derzeit global einem relativ klarem Muster: Die USA nähern sich einer Vollauslastung ihrer Produktionskapazitäten und die Arbeitslosigkeit ist rekordverdächtig niedrig. Im Euroraum nimmt die Belebung immer mehr Schwung auf. Gleiches gilt für die Emerging Markets. Aus Japan und China sind derzeit nicht immer alle Konjunkturdaten positiv – aber auch dort stimmt die Richtung.

Konkret ist kommende Woche Folgendes zu erwarten: Die Auftragseingänge in den USA dürften im August die Scharte im Vormonat zum Teil wieder wettgemacht haben. Die Folgen der Wirbelstürme dürften sich erst in den Septemberzahlen stärker niederschlagen. Die Stimmungsindikatoren befinden sich meist auf hohem Niveau und dürften sich dort auch halten. Ähnliches gilt für Deutschland. Gemessen an dem abermaligen Anstieg des Einkaufmanagerindex dürfte das Ifo-Geschäftsklima sein hohes Niveau zumindest halten. Eine Korrektur um 2-3 Punkte nach unten wäre aber nicht beunruhigend. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im August weiter gesunken sein. In der Summe dürfte die Teuerung in Deutschland nur leicht gestiegen sein: In den Urlaubsgebieten am Mittelmeer konnten die Hoteliers im Sommer höhere Preise durchsetzen, hier steht eine Normalisierung an. Dagegen sind die Energiepreise im August weiter gestiegen.

Sehr markant verläuft auch die Belebung in Frankreich – dort strebt das vom INSEE-Institut erhobene Unternehmensvertrauen monatlich neuen Hochpunkten zu.

Renten
Die US-Notenbank wird im Oktober damit beginnen ihre Bilanz zu reduzieren und die expansive Wirkung ihrer Geldpolitik zurückzunehmen. Der Prozess wird langwierig sein und soll nach dem Wunsch der Fed automatisch im Hintergrund ablaufen. Es entsteht ein permanenter Druck auf die Anleihekurse, der allerdings von den Markterwartungen zu weiten Teilen vorweggenommen sein dürfte.

Währungen
Die FDP wurde vom französischen Regierungschef Macron zum Gegner seiner Reformpläne für Europa stilisiert. Eine mögliche Regierungsbeteiligung der FDP dürfte den Euro aber nur vorübergehend unter Druck bringen. Auch die FDP würde sich einer Reform der EU nicht verschließen.

Aktien
Auch nach der Fed-Sitzung konnten die Aktienbörsen angesichts fehlender weiterer Impulse keine Fahrt aufnehmen. Auch in der kommenden Woche dürften sich daran wenig ändern, sofern Überraschungen bei den Bundestagswahlen ausbleibend. Die wesentlichen treibenden Faktoren sind zurzeit Fusionsphantasien.

Rohstoffe
Die Edelmetallpreise sollten sich bei einer fortgesetzten Dollarschwäche weiter erholen. Der Anstieg der Rohölpreise erscheint dagegen korrekturbedürftig. Auch Basismetalle dürften die jüngste Konsolidierung fortsetzen.