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Marktmeinung der Woche – 21.07.2017

Keine Bindung zwischen Wachstum und Preisen?

  • US-Wachstum im zweiten Quartal wohl beschleunigt
  • Unternehmen im Euroraum: Erholung wird sich fortsetzen
  • Überangebot am Ölmarkt bleibt bestehen

Blick auf diese Woche im Detail

Nach dem schwachen Wachstum im ersten Quartal (annualisiert 1,4%) dürfte sich im zweiten Quartal das Wachstumstempo der US-Wirtschaft wieder merklich erhöht haben. Trotzt der guten Einkommensentwicklung wies die Statistik im ersten Quartal nur einen leichten Zuwachs beim privaten Verbrauch aus. Im zweiten Quartal dürfte dieser deutlich höher ausfallen. Die Mehrzahl der Analysten rechnet ferner damit, dass auch bei den Staatsausgaben und den Investitionen die Zuwächse wieder höher waren. Ein negativer Wachstumsbeitrag wird dagegen wegen der schwachen Exporte vom Außenhandel erwartet.

Der geldpolitische Rat der US-Notenbank tagt zwar am Mittwoch und wird auch sein Kommuniqué aktualisieren. Da diesmal aber keine Pressekonferenz ansteht, werden marktseitig keine großen Änderungen der Geldpolitik erwartet. Das Augenmerk liegt unverändert auf der Preisentwicklung. EZB-Präsident Draghi hatte am Donnerstag auf der Pressekonferenz nach der geldpolitischen Entscheidung daraufhin gewiesen, dass der Zusammenhang zwischen Konjunktur, Lohnentwicklung und Inflation derzeit nicht sehr ausgeprägt sei. Dies gilt insbesondere für die USA aber auch für Deutschland.

Man bedenke, dass in den USA die Situation heute ähnlich ist wie 2003/04: Die Geldmarktzinsen lagen damals wie heute bei etwa 1% und die Kerninflation war sogar niedriger als heute. Viele lobte Alan Greenspan dafür, dass die Fed an ihrer expansiven Politik festhielt. Zwei Jahre später war die Inflation aus dem Ruder gelaufen, die Fed musste die Zinsen steil nach oben ziehen und brachte damit letztlich den Immobilienmarkt zum Zusammenbruch. Daher teilen wir die Ansicht von Mario Draghi, dass der Zusammenhang von Konjunktur und Inflation nur vorübergehend so lose erscheint, wie augenblicklich. Tatsächlich dürften sich die Lohnabschlüsse an der in den vergangenen Jahren sehr niedrigen Inflation orientieren – und dies den Zusammenhang zwischen Konjunktur und Inflation lockern.

Während die in der kommenden Woche anstehenden Preisdaten für den Euroraum eine anhaltend niedrige Inflation ausweisen dürften, rechnen die Volkswirte allenfalls mit einer leichten Gegenbewegung bei den Stimmungsindikatoren (Ifo-Geschäftsklima, EU-Wirtschaftsvertrauen), die sich derzeit auf bzw. nahe ihrer Allzeithöchststände befinden.

Renten
Nach dem scharfen Renditeanstieg Ende Juni als Reaktion auf Draghis Sintra-Rede befanden sich die Renditen in der vergangenen Woche erneut in einer Gegenbewegung. Viel Spielraum für die Renditen nach unten sehen wir jedoch nicht. Weder im Euroraum – wo die Konjunktur immer besser Tritt fasst, noch in den USA – wo aktuell die u.a. Enttäuschung über die ausbleibenden Infrastrukturinvestitionen die Konjunkturerwartungen dämpft. Die Risikoaufschläge (EU-Unternehmensanleihen, Peripherieländer etc.) profitieren weiterhin von der Konjunktur und dürften auch künftig etwaige Renditeanstiege zum Teil ausgleichen.

Währungen
Die anhaltend guten Konjunkturdaten aus dem Euroraum unterstützen den Kurs des Euro zum US-Dollar. Die Europäische Zentralbank ist darüber nicht besorgt – so wurden jedenfalls die Aussagen von EZB-Präsident Draghi am Donnerstag interpretiert. Dies gab den Kursen weiteren Auftrieb. Dieser steht jedoch nach unserer Einschätzung auf tönernen Füßen, da die EZB noch lange an ihrer expansiven Politik festhalten dürfte.

Aktien
In den letzten beiden Wochen fehlten den Aktienbörsen die notwendigen Impulse für weitere Kurssteigerungen. Die neuen Höchststände an der Wall Street waren hauptsächlich der starken Erholung des IT-Sektors zuzuschreiben. Nächste Woche könnten wichtige Frühindikatoren, das Fed-Meeting und insbesondere die heiße Phase der Berichtssaison eine dynamischere Bewegung einleiten.

Rohstoffe
Trotz der leichten Erholung in den letzten Tagen bleibt der Ölpreis mittelfristig unter Druck – der OPEC dürfte es nicht gelingen, durch Produktionseinschränkungen das Angebot an die schwache Nachfrage anzugleichen. Schließlich weiten die USA, Nigeria und Libyen ihre Produktion aus.