• Insights - Analysen, Märkte und Prognosen

    Insight

US-Notenbank (Fed) stellt weitere kräftige Zinserhöhungen in Aussicht

22.09.2022

  • Fed erhöht ihren Leitzinspad (Dot Plot) kräftig
  • Inflationsbekämpfung bleibt oberste Priorität
  • US-Dollar mit anhaltender Stärke

Fed rechnet mit einem Leitzins von 4,4% Ende 2022
Die US-Notenbank hat in ihrer gestrigen Sitzung die Fed Funds Rate das dritte Mal hintereinander um 75 Basispunkte (Bp.) erhöht. Der Zinskorridor steht jetzt bei 3,00%-3,25%. Damit hat die Fed ihren Leitzins in diesem Jahr um 300 Bp. angehoben. Ein derartiges Tempo gab es zuletzt 1980. Einige Marktteilnehmer hatten sogar mit einer Anhebung um 100 Bp. gerechnet. Die Fed stellt weitere deutliche Zinsschritte in Aussicht. Die Entschlossenheit der Fed spiegelt sich auch im aktualisierten „Dot Plot“ wider, in dem die Fed-Mitglieder ihre künftigen Zinserwartungen wiedergeben. Die Fed-Oberen haben den Leitzinspfad deutlich nach oben verschoben. Sie gehen jetzt von einem Leitzins von 4,4% Ende 2022 und von 4,6% Ende 2023 aus. In der Juni-Projektion waren es noch 3,4% und 3,8%. Damit rechnen die Fed-Mitglieder noch mit weiteren Zinserhöhungen um 125 Bp. bei noch zwei ausstehenden Sitzungen in diesem Jahr.

Muster Bild

Zinserhöhungen trotz möglicher Rezession
Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum wurden gesenkt, für 2023 rechnet die Notenbank nur noch mit einem jährlichen Wachstum um 1,2%. (vorher 1,7%). Die Inflationsprognosen wurden angehoben, für dieses Jahr von 5,2% auf 5,4% und nächstes Jahr von 2,6% auf 2,8%, aber man erwartet erst 2025, dass das Inflationsziel von 2% erreicht wird. Die Arbeitslosenquote erhöht sich in den Projektionen nächstes und übernächstes Jahr lediglich auf 4,4%, ein Anstieg von aktuell 3,7%. Ein derart geringer Anstieg angesichts des geldpolitischen Bremsmanövers wäre im historischen Vergleich geradezu beispiellos. Dies gestand Fed-Chef Powell in der Presskonferenz zwar zu. Allerdings gebe es Hinweise, dass es dieses Mal anders sein könne und die Arbeitslosigkeit nicht so stark ansteigt; der aktuelle Konjunkturzyklus sei schließlich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich.

Powell betonte aber auch, dass die Zinsen schnell in den restriktiven Bereich (bisher: Leitzins höher als 2,5%) erhöht werden sollen. Er wolle überzeugende Belege für ein Nachlassen des Inflationsdrucks sehen, ehe man von Erfolg sprechen könne. Die Erhöhung der Zinsen in den restriktiven Bereich würde zwar die Chancen auf eine weiche Landung verringern, das würde man aber akzeptieren.

Powell hat damit erneut klargemacht, dass die Fed der Bekämpfung der Inflation Priorität einräumt. Die Leitzinsen werden daher deutlich höher steigen, als dies die meisten Beobachter und die Fed selbst ursprünglich erwartet hatten. Diese Zinsschritte werden wohl recht rasch erfolgen. Zudem wird man wohl einige Zeit an den hohen Zinsen festhalten. Denn laut Powell warnt die Wirtschaftsgeschichte deutlich davor, die Politik zu früh wieder zu lockern.

Muster Bild

Renditeausblick
In dem aktuellen Umfeld, in dem die Inflationsraten immer noch nach oben überraschen und die Notenbanken der Inflationsbekämpfung oberste Priorität einräumen, ist weiterhin Vorsicht geboten. Die US-Notenbank will noch weiter kräftig erhöhen. So dürfte auch die nächste Zinserhöhung im November ein großer Zinsschritt um 75 Bp. sein. Die EZB hat ebenfalls in den vorigen beiden Sitzungen überrascht. Zuletzt erhöhte auch sie im September ihre Leitzinsen um 75 Bp., so kräftig wie noch nie in ihrer Geschichte. Möglich ist auch hier eine weitere Zinserhöhung um 75 Bp. im Oktober.

Die Renditekurven sind in den letzten Wochen flacher bzw. invers geworden, da die Renditen kurzer Laufzeiten deutlich stärker anstiegen als die Renditen längerer Laufzeiten. Das bedeutet, dass die Geldpolitik Wirkung zeigt und die Marktteilnehmer das auch wahrnehmen. Dies ist aber keine Gewähr dafür, dass der Renditeanstieg im längeren Laufzeitenbereich schon vorüber ist. Auch hier stiegen die Renditen bis zuletzt an. Anlagestrategisch bleiben wir daher noch vorsichtig und präferieren weiterhin kurze Laufzeiten bei Bundesanleihen und im Euroraum. Der mittlere Laufzeitenbereich ist aber noch gefährdet. Dort könnten Kurverluste den Zinsertrag leicht überkompensieren. Bei US-Treasuries sehen wir auch schon den mittleren Laufzeitenbereich als attraktiv an.

Muster Bild

US-Dollar bleibt weiterhin stark
Der US-Dollar hat sich nach der Fed-Sitzung weiter gestärkt, und zwar in der Breite. Er profitiert von der Fed-Politik, die sich nicht beirren lässt und an der Inflationsbekämpfung festhält. Natürlich kommt zunehmend Gegenwind durch die Zinswende der EZB auf. Der Renditevorteil von 2-jährigen US-Treasuries ggü. 2-jährigen Bundesanleihen hat sich seit der ersten Augusthälfte verkleinert. Aber der Euro bleibt durch die drohende Energiekrise in Europa belastet. Wir rechnen hier mit einer Rezession, die schon im laufenden Quartal begonnen hat. In den USA dürfte diese erst Anfang nächsten Jahres beginnen und deutlich milder ausfallen. Zudem profitiert der US-Dollar von seiner Funktion als sicherer Hafen. Wir gehen daher davon aus, dass die US-Dollarstärke noch weiter Bestand haben wird oder sich sogar noch verstärken könnte.

Muster Bild

Fazit

Fazit

Die US-Notenbank (Fed) überraschte erneut. Zwar hat sie ihren Leitzins wie erwartet um 75 Bp. angehoben, erhöhte zudem aber ihren Leitzinspfad kräftig. Zudem machte sie klar, dass sie die Leitzinsen so lange erhöht, bis es Belege für ein Nachlassen der Inflation gebe. Die Staatsanleiherenditen könnten daher weiter ansteigen. Wir präferieren deshalb weiter kurze Laufzeiten bei Bundesanleihen, bei US-Staatsanleihen kurze und mittlere Laufzeiten. Wir rechnen damit, dass der Euro anhaltend schwach ggü. dem US-Dollar tendieren dürfte oder noch stärker unter Druck kommt.


Impressum

Herausgeber
Commerzbank Aktiengesellschaft, Kaiserplatz, 60261 Frankfurt am Main.
Diese Ausarbeitung oder Teile von ihr dürfen ohne Erlaubnis der Commerzbank weder reproduziert, noch weitergegeben werden, ©2022.

Redaktion
Martin Hartmann, CEFA

Detailinformationen zu den Chancen und Risiken der genannten Produkte hält Ihr Berater für Sie bereit.

Wichtige Hinweise

Kein Angebot; keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung.

Darstellung von Wertentwicklungen
Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers/ Index von EURO abweicht.