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Ausblick 2021: Aktien - Licht am Ende des Tunnels

12.01.2021

  • Aktienmärkte blicken durch die Belastungen der aktuellen COVID-19-Eindämmungsmaßnahmen hindurch
  • Erwartete konjunkturelle Erholung spricht für Aktien
  • Unterstützung durch Fiskal- und Geldpolitik
  • Positiver Gesamtjahresausblick, Indizes aber immer wieder kurzfristig anfällig, da bereits viel Positives eingepreist und Sentiment sehr optimistisch
  • Europa und die Emerging Markets als Regionenfavoriten

Impfhoffnungen
Der Optimismus der Investoren hinsichtlich einer Normalisierung der Konjunktur und der Unternehmensgewinne für das Jahr 2021 zeigte sich bereits in den letzten Wochen des alten Jahres. So stiegen zyklische Sektoren in der Gunst der Investoren, wenngleich sich die Wachstumsbranchen Informationstechnologie und Healthcare noch recht gut halten konnten. Wobei hier allerdings der IT-Sektor klar die Nase vorn hatte. Defensive und anleiheähnliche Sektoren waren die größten Underperformer. Versorger, Immobilien und Konsumgüter litten unter der Erwartung steigender Zinsen und dem optimistischen Konjunkturausblick im Hinblick auf eine - mehr oder weniger - zügige Impfkampagne.

Diese Entwicklung setzt sich auch im neuen Jahr weitgehend fort. Der Konjunkturoptimismus bekam sogar noch weiteres Futter mit dem Ergebnis der US-Senatswahlen im Gliedstaat Georgia, wo die demokratischen Kandidaten beide noch offenen Sitze erobern konnten. Damit verfügt der neue US-Präsident Biden faktisch über eigene Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. Dies lässt kurzfristig weitere Stimulusmaßnahmen der Finanzpolitik erwarten, bei denen ansonsten die „Gefahr“ bestanden hätte, dass der Senat diese blockiert oder abschwächt.

Covid 19 – von den Finanzmärkten ausgeblendet?
Dass bis zu dieser Stelle noch keine Rede von den steigenden Infektionszahlen mit SARS-Cov-2 war, zeigt, dass dieses Thema an den Aktienmärkten immer noch keine allzu große Rolle spielt. Dies werden sie wohl erst dann, wenn sich diese nicht auch in wieder steigenden Todesfallraten bzw. weiter steigenden Auslastungen der Intensivbetten und damit auch noch restriktiveren Lockdown-Maßnahmen niederschlagen.

Grafik: Prognostizierter Verlauf der Immunitätsrate bezüglich SARS-CoV-2

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Quelle: World Bank, Deutsche Bank, Unternehmens- und Regierungs-Meldungen

Bisher hält sich am Markt die Einschätzung, dass die bevorzugte Impfung von Risikogruppen genau diese Risiken abmildert. Zudem gehen die Erwartungen davon aus, dass es bereits ab Mitte des Jahres zu hohen Immunitätsraten kommen sollte (s. Grafik). Mit den neuen Virus-Mutationen aus Großbritannien bzw. Südafrika, die möglicherweise ansteckender sind als die bisherigen Varianten, ist dieses Szenario aber möglicherweise zu optimistisch. Hier gilt es, die weitere Entwicklung bzw. Forschung zu beobachten. Dies gilt auch für die weitere Entwicklung der Infektionszahlen insgesamt und hier insbesondere in den USA.

Konjunktur – Erholung im 2. Halbjahr
Insgesamt scheint der konjunkturelle Pfad für das neue Jahr klar: Zunächst belasten die Lockdownmaßnahmen, bis dann der Sommer und die zunehmende Impfdurchdringung dafür sorgen werden, dass es zur Erholung in der zweiten Jahreshälfte kommt.

Somit sieht es derzeit – auch wenn es mehr als seltsam klingen mag – nach einem sehr guten Umfeld für Aktien aus. Es gibt konjunkturelles Wachstum in Verbindung mit fiskalpolitischen und geldpolitischen Unterstützungsmaßnahmen, die vielleicht sogar in der nicht allzu fernen Zukunft die Frage werden aufkommen lassen, ob es nicht vielleicht sogar zu viel des Guten ist. Aber das ist ein anderes Thema.
Derzeit ist nicht zu erwarten, dass die Notenbanken vor 2023 auf einen restriktiveren Kurs umschwenken.

Grafik: Notenbanken weiterhin expansiv – Aktien profitieren

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Hier dürfte die zukünftige „Gefahr“ eher bei den Konjunkturprogrammen liegen, die in diesem Umfang sicherlich nicht fortsetzbar sind und später auch einmal wieder die Gegenrichtung werden einschlagen müssen. Dabei ist allerdings nicht erkennbar, dass die Staaten wieder zur Austerität der vorherigen Jahre zurückkehren.
Damit ist auch der Weg der Unternehmensgewinne vorgezeichnet. Hier dürfte es nach dem Einbruch zu einer starken Erholung kommen.

Grafik: Erwartete Gewinne und KGV (PE/Multiple) der kommenden 12 Monate für den MSCI Welt

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Für 2021 erwartet der Konsensus z.B. für die US-Gewinne einen Anstieg um rd. 23% (neues Rekordhoch bei den Gewinnen) und für die Gewinne in Europa um rd. 34%. Ein Plus von 34% wird auch für die EM erwartet. Und dies, obwohl die Region in 2020 mit -8% den geringsten Rückgang der Gewinne zu verzeichnen hatte.

Diese Erholung ist auch dringend erforderlich, haben die Märkte sie doch bereits über steigende Bewertungen vor-weggenommen.
Am deutlichsten wird dies am US-Markt, wo zumindest das Kurs-Gewinn-Verhältnis schwindelerregende Höhen erklommen hat.

Grafik: US KGV–Datastream Indizes

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Eine hohe Bewertung ist allerdings kein US-amerikanisches Alleinstellungsmerkmal, nahezu alle großen Märkte sind in dieser Hinsicht anspruchsvoll bewertet. Im Vergleich stehen dabei allerdings die Emerging Markets und Europa (beide „Übergewichten“) attraktiver dar. Wir ziehen beide Regionen dem US-Markt („Untergewichten“) vor.

Zyklisches Europa ist einer unserer Regionenfavoriten
Europa hilft dabei, dass die erwartete „Normalisierung“ verstärkt zyklische Sektoren in den Vordergrund bringt und diese auf der Indexebene stärker in Europa zu finden sind.

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Die USA sind bekanntermaßen recht IT-lastig und hier lässt nach dem exorbitanten Run auf IT-Werte die Dynamik etwas nach. Viele Investoren sind bereits ausreichend investiert, wie die entsprechenden Flow-Daten (siehe Grafik) erahnen lassen.

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Auch hat den Sektor bisher eine höhere Dynamik bei den Unternehmensgewinnen unterstützt. Im Zuge einer sich im Laufe des Jahres weiter erholenden wirtschaftlichen Entwicklung werden die klassischen zyklischen Sektoren aber aufholen, so dass der Vorsprung der Wachstumstitel hier – zumindest kurzfristig – wieder aufgeholt werden kann.

Ein guter Indikator hierfür sind auch die anziehenden Rohstoffpreise, wo die Baisismetalle und Öl hervorstechen und auch die entsprechenden Sektoren auf der Aktienseite nach oben ziehen.
Für den deutschen Markt sprechen auch die engen wirtschaftlichen Bande mit China.

Konjunktureller Rückenwind aus dem Reich der Mitte bedeutet auch Rückenwind für die Aktienkurse in Europa und am deutschen Markt. Dies verdeutlicht auch die folgende Grafik, in der der konjunkturelle Frühindikator aus China dem deutschen Aktienmarkt gegenübergestellt ist.

Grafik: DAX vs. China PMI

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Entspannung bei den politischen Risiken
Die Entspannung bei den politischen Risiken hilft den europäischen Märkten zusätzlich. Der Wiederaufbaufonds, der international eine starke positive Resonanz erfahren hat, ist verabschiedet. Der ganz harte Brexit konnte abgewendet werden, wenngleich noch diverse handelstechnische Hürden existieren, die den Unternehmern auf beiden Seiten das Leben schwer machen.

Grafik: Zuflüsse in die größten europ. ETFs

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Quelle: NDR Research

Es ist somit keine Überraschung, wenn sich abzeichnet, dass die Zuflüsse in europäische ETFs anziehen (s. obige Grafik) und damit ein Teil der gewaltigen – in geldmarktnahen Produkten geparkten - US-Liquidität auch nach Europa schwappen sollte.

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Emerging Marktes – Profiteur der Dollar-Schwäche
Die Emerging Markets sind ebenfalls ein Profiteur der globalen Konjunkturerholung. Diese sollte tendenziell auch eine Reihe von Rohstoffpreisen treiben, von denen insbesondere rohstoffreichere Regionen wie Lateinamerika und Osteuropa profitieren dürften.

Neben der Erwartung eines über dem langjährigen Trend liegenden globalen BIP-Wachstums im Jahr 2021 mit einer entsprechend einhergehenden erhöhten Nachfrage nach Rohstoffen dürfte auch eine von uns erwartete schwächere Nachfrage nach USD die EM-Währungen beflügeln. Historisch gesehen hat eine Abwertung des USD um 1 Prozent eine positive Performance in Höhe von 3,5% für EM-Aktien nach sich gezogen. Des Weiteren sollte die ultralockere Geldpolitik fast aller wichtiger Notenbanken den EM-Aktien ebenfalls Rückenwind verleihen.

Sehr positives Sentiment macht Aktien anfällig
Auch wenn der Anstieg an den Aktienmärkten auf breiten Beinen steht (98% der Länder-Indizes des MSCI Welt notieren über der 200-Tage-Durchschnittslinie), darf nicht übersehen werden, dass die Stimmung unter den Investoren bereits sehr positiv ist, was als kurzfristiges Warnsignal für Rückschläge gewertet werden kann.

Grafik: Sentimentindikator Europa (ex UK)

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Branchenstrategie: Sukzessive zyklischer ausrichten
Im Rahmen der im November letzten Jahres deutlich gestiegenen Impfstoffhoffnungen, die mit einem wachsenden Konjunkturoptimismus einhergingen, hatten wir in einem ersten Schritt damit begonnen, unsere zuvor eher defensiv ausgerichtete Branchenstrategie anzupassen und deutlich zyklischer aufzustellen.

Die bis dahin sehr schwach performende Finanzbranche wurde von „Untergewichten“ auf „Neutral“ angehoben und im Gegenzug senkten wir das Votum der äußerst defensiven Basiskonsumgüter von „Neutral“ auf „Untergewichten“.

Zum Jahresauftakt hat sich nun das Umfeld an den internationalen Aktienbörsen weiter aufgehellt. Nachdem nach lange festgefahrenen Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien doch noch ein Freihandelsabkommen abgeschlossen werden konnte, der US-Kongress das über Monate ausstehende Corona-Hilfspaket freigab und weltweit mit Impfungen gegen Covid-19 begonnen wurde, erhalten die bisher eher vage formulierten Konjunkturprognosen eine stabilere Basis. In diesem Rahmen sind vor allem die Basismetallpreise deutlich angestiegen und besitzen wegen der wieder verbesserten Nachfrageperspektiven vor allem längerfristig weiteres Potential.

Wir setzen unsere zyklischere Ausrichtung fort und heben in einem nächsten Schritt das Votum der Grundstoffbranche von „Neutral“ auf „Übergewichten“ an. Gleichzeitig werden die defensiv ausgerichteten Versorger wieder auf ein neutrales Votum gesenkt. Unter der Voraussetzung, dass sich angesichts fortgesetzter Impfungen und der aktuellen massiven Kontaktbeschränkungen die Neuinfektionen sukzessive zurückbilden und ein Teil „Normalität“ in Gesellschaft und Wirtschaft zurückerlangt wird, werden weitere Schritte erfolgen.

Auch wenn wir nicht ausschließen, dass bei einer allgemeinen Verschlechterung des Umfelds die im letzten Jahr überragend performende IT-Branche zwischenzeitlich Gewinnmitnahmen ausgesetzt sein könnte, sehen wir in dem Sektor den eindeutigen Gewinner der weiter andauernden Pandemie-Phase. Der ohnehin vorherrschende Trend der Digitalisierung hat sich durch Kontaktbeschränkungen, Arbeiten im Home-Office und immer intensiveres Internet-Shopping weiter beschleunigt. Die Informationstechnologie bleibt so-mit auch im Jahr 2021 weiterhin unser klarer Branchenfavorit.

Fazit

Fazit

Die erwartete konjunkturelle Erholung spricht klar für Aktien, die sich in vergleichbaren historischen Episoden immer auch besser als z.B. Anleihen entwickelt haben. Auch ist immer noch recht viel Geld in geldmarktnahen Produkten geparkt, das sicherlich auch am Aktienmarkt zum Einsatz kommen wird. Die hohen Bewertungsniveaus zeigen allerdings, dass bereits viel Gutes eingepreist ist und entsprechend das Kurspotenzial für das Gesamtjahr im Bereich von 5-10% begrenzt sein sollte.
Regional bevorzugen wir die Emerging Markets und Europa. Der US-Markt sollte sich zwar ebenfalls positiv entwickeln, im relativen Vergleich aber schlechter abschneiden.


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autoren:
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Hans-Jürgen Delp, CEFA
Andre Sadowsky, CEFA

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