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Nur zwischenzeitliche Pfundstärke nach Austritt aus dem Binnenmarkt

17.03.2021

  • Britisches Pfund durch Impfvorsprung unterstützt
  • Aber britische Wirtschaft durch Corona härter getroffen
  • Handel mit der EU im Januar eingebrochen
  • Leistungsbilanzdefizit muss finanziert werden

Außenhandel mit tiefen Bremsspuren
Ende 2020 lief die Übergangsphase nach dem Brexit aus und Großbritannien schied aus dem Binnenmarkt endgültig aus. Die ersten harten Wirtschaftsdaten vom Januar zeigen, dass das reale BIP im Vergleich zum Dezember um 2,9% gefallen ist und noch 9% unterhalb des Vorkrisenniveaus liegt. Der Grund für den schlechten Start ins neue Jahr waren in erster Linie der Lockdown und ein Einbruch des Handels mit der EU. So sanken die Ausfuhren in die EU im Januar um 40% M/M, die Importe aus der EU gingen um 29% M/M zurück. Dagegen stiegen die Exporte in andere Länder sogar um 3,6% M/M an.

Warenhandel bricht ein

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Fortschritte bei Impfungen stimmen positiv
Positiv stimmt, dass ein Drittel der Bevölkerung mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft ist. Die Neuinfektionszahlen gingen in den letzten Wochen deutlich zurück. Die britische Regierung hat einen Plan zur Öffnung des wirtschaftlichen Lebens vorgestellt und bereits damit begonnen. Seit 8. März sind die Schulen geöffnet, ab 12. April dürfen alle Einzelhändler öffnen und am 17. Mai können Pubs, Restaurants, Kinos, Theater und Museen Besucher wieder drinnen empfangen. Dies stärkt die Hoffnung, dass Mitte des Jahres alle Corona-Beschränkungen aufgehoben sein werden. Das ist sicherlich ein Vorteil für Großbritannien. Allerdings wurde es auch von der Coronapandemie deutlich stärker getroffen. Nach einem realen BIP-Rückgang um 9,9% 2020 (Euroraum: -6,6%) rechnen wir mit einer kräftigen Erholung um 5,0% in diesem Jahr.

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Keine negativen Leitzinsen zu erwarten
Die zum Jahreswechsel aufgekommenen Zinssenkungsspekulationen sind wieder gänzlich ausgepreist. Vor allem der positive Konjunkturausblick der Bank of England (BoE) hat die Zinslockerungserwartungen gedämpft. Die BoE hat bereits in ihrer Februar-Sitzung Spekulationen über die Einführung von Negativzinsen eingedämmt. Sie kündigte zwar Vorbereitungen für die technische Einführung eines solchen Schrittes an, plant jedoch nicht, den Zins in absehbarer Zeit zu senken. Die Geldmarkt-Futures haben inzwischen eine Zinssenkung gänzlich ausgepreist, vielmehr wird bereits 2022 mit ersten Zinsstraffungen gerechnet.

Impferfolge und BoE haben das britische Pfund gestärkt
Das britische Pfund hat sich zuletzt deutlich ggü. Euro und US-Dollar aufgewertet. Seit Jahresbeginn legte es zum Euro um gut 5% zu. Im G10-Universum war nur noch der kanadische Dollar stärker. Ein Grund dafür war, dass die Zinssenkungserwartungen der BoE gänzlich ausgepreist wurden und sich der Renditevorteil britischer Gilts ggü. Bundesanleihen deutlich erhöhte. Das Zustandekommen eines Handelsabkommens zu Weihnachten 2020 wurde mit Erleichterung aufgenommen. Außerdem unterstützte der rasche Impffortschritt gegen Corona mit der Aussicht auf ein Ende des Lockdowns die Währung. Im Euroraum gehen die Impfungen dagegen nur schleppend voran.

Auf/Abwertung ggü. dem Euro seit Jahresbeginn

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Quelle: Bloomberg

Außenhandel belastet
Die ersten Außenhandelszahlen nach dem Ausscheiden der Briten aus dem EU-Binnenmarkt fielen dramatisch schlecht aus. So gingen im Januar die Exporte in die EU um 40% M/M und die Importe aus der EU um 29% M/M zurück. Es war klar, dass der Ausstieg aus dem Binnenmarkt den Handel belasten wird. Allerdings war der Einbruch größer als erwartet und er droht, sich deutlich auf das Wirtschaftswachstum niederzuschlagen. Möglicherweise nehmen die Handelsfriktionen noch zu, wenn nach einer Übergangsphase Großbritannien beginnt, Zollkontrollen an den Grenzen durchzuführen. Ein schwächeres Pfund würde helfen, die durch den Brexit entstandenen höheren Handelskosten zu kompensieren. Laut Kaufkraftparität ist das Pfund ggü. dem Euro nach wie vor überbewertet. Insofern würde eine Pfundabwertung helfen, denn die britischen Güter und Dienstleistungen sind im Vergleich zum Euroraum immer noch teuer.

Leistungsbilanzdefizit dürfte Pfund schwächen
Seit dem Brexit hat sich das Leistungsbilanzdefizit, wohl dank der Pfundschwäche, wieder eingeengt. Dennoch benötigt Großbritannien Kapital, um das Defizit zu finanzieren. Insofern ist es hilfreich, wenn das britische Pfund sich nach der starken Aufwertung wieder abschwächt. Zwar hat sich der Renditevorteil wieder erhöht, jedoch ist inzwischen viel Positives eingepreist. Wir senken daher unser Votum für das britische Pfund von Neutral auf Untergewichten.

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Fazit

Fazit

Das britische Pfund hat sich nach dem Zustandekommen des Handelsabkommens mit der EU sowie den Erfolgen bei den Corona-Impfungen kräftig aufgewertet. Inzwischen sind gut ein Drittel der Briten mindestens einmal gegen Corona geimpft und es besteht ein Ausstiegsplan aus dem Lockdown. Der eingebrochene Außenhandel mit der EU dürfte jedoch das Wirtschaftswachstum zunehmend belasten, das ohnehin schon stärker als im Euroraum durch die Coronapandemie in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir senken daher das Votum von neutral auf untergewichten. GBP-Anleihen votieren wir jetzt mit Verkaufen.


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Autor: Martin Hartmann, CEFA

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