• Insights - Analysen, Märkte und Prognosen

    Insight

Jahresausblick 2021 - Konjunktur: „Take Off“ nach ruckeligem Start

11.01.2021

  • Jahresstart durch Corona-Lockdown und Eindämmungsmaßnahmen überschattet: Erstes Quartal wohl mit negativen Vorzeichen
  • Aber: Ab Q2 2021 deutliche Erholung! Höhere Temperaturen und Impfstoffverfügbarkeit lassen Covid-19 in Hintergrund treten
  • „Sonderkonjunktur“ durch Fiskalpakete, Niedrigzinsen und Abbau der unnormal hohen Sparquote führt in USA und Europa zu 4-5% Wachstum im Gesamtjahr
  • Notenbanken ohne große Manöver in 2021, Abschmelzen der „Notfallmaßnahmen“ erst in 2022 zu erwarten

Jahresstart 2021: Härterer und längerer Lockdown
Der Start in das neue Jahr fällt realwirtschaftlich durchwachsen aus. Sowohl in Europa als auch in den USA dürften die unverändert hohen Covid-19-Neuinfektionszahlen das Wirtschaftswachstum bremsen. Die verschärften bzw. verlängerten Lockdown-Maßnahmen in vielen europäischen Volks-wirtschaften sollten hierzulande für ein moderates Wirtschaftsminus sorgen. Auch in den USA deuten die jüngsten Aktivitätsindizes auf eine spürbare Wachstumsverlangsamung. Das zähe Ringen um eine Verlängerung der Corona-Hilfen hat hier insbesondere viele Konsumenten verunsichert. Entsprechend dürfte auch hier der Jahresstart durch-wachsen ausfallen.

Grafik: Konsumentenvertrauen in USA hat gelitten

Grafik: Stimmungsindikatoren kurzfristig sehr optimistisch

Aber: Ab dem zweiten Quartal deutliche Wachstumsbelebung
Doch der schwache Jahresstart gibt keinesfalls das Motto für das Gesamtjahr vor. Denn ab dem zweiten Quartal erwarten wir eine dynamische Wirtschaftsbelebung. Sicher: Die Wachstumsraten profitieren dabei auch von der niedrigen Vergleichsbasis des Vorjahrs (erster Lockdown). Aber auch fundamental spricht vieles für eine anziehende Dynamik. So rechnen wir damit, dass mit den steigenden Temperaturen im Frühling das Ansteckungsrisiko von Covid-19 sinkt. Damit dürfte die Pandemie nicht mehr das dominante Thema sein und an Schreckenspotenzial für Realwirtschaft und Märkte verlieren. Ab Sommer rechnen wir dann in den meisten großen Volkswirtschaften mit einer ausreichenden Versorgung der Impfstoffe, so dass die Massenimmunisierung zur Mitte des Jahres erreicht werden dürfte. Damit wäre Covid-19 zumindest vorerst abgehakt.

„Sonderkonjunktur“ hilft
Den wirtschaftlichen Aufschwung befeuern daher auch eine ganze Reihe an corona-bedingten Sonderfaktoren. So hat sich die Sparquote durch Covid-19 massiv erhöht. Teilweise haben die Privathaushalte für eine länger anhaltende Negativphase vorgesorgt, teilweise gab es schlicht weniger Ausgabemöglichkeiten. So ist der Urlaub in vielen Familien seit Herbst aufgrund der Reiserestriktionen ausgefallen. Diese Zusatzersparnisse dürften nach Abflauen der Pandemie zügig ausgegeben werden. Dies sorgt für einen starken Nachfrageanstieg. Hinzu kommt, dass Regierungen und Notenbanken noch immer Vollgas geben. Konjunkturpakete und niedrige Zinsen verleihen Rückenwind. In Europa konnten zudem die realwirtschaftlichen Negativfolgen eines harten Brexits abgemildert werden. Und: Der EU Recovery Fonds steht in den Startlöchern und dürfte ebenfalls positive Wirkung entfalten. Entsprechend erwarten wir im Gesamtjahr 2021 5% Wachstum für die Eurozone.

USA: Wildcard Fiskalpaket
Für die USA erwarten wir bislang „nur“ 4% Wachstum. Denn durch die weniger strikte Eindämmungspolitik rund um Covid-19 dürften hier die Folgewirkungen etwas länger zu spüren sein. Zudem haben wir die Sorge, dass – ähnlich wie im letzten Jahr – gerade in den Südstaaten auch im Sommer noch höhere Neuinfektionszahlen zu befürchten sind. Denn hier sind die Temperaturen meist im Frühsommer schon so hoch, dass sich viele Menschen in geschlossenen und mit Klimaanlagen versorgten Räumlichkeiten aufhalten, was das Infektionsrisiko erhöht.

Allerdings sehen wir nach dem überraschenden Sieg der Demokraten bei den Nachwahlen zum Senat eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der designierte US-Präsident Biden ein weiteres großes Konjunkturpaket auf den Weg bringt. Dieses könnte ca. 2 Billionen US-Dollar schwer sein und neben kurzfristigen Maßnahmen wie z.B. 2.000 US-Dollar Soforthilfe für Privathaushalte und regelmäßige Lohnzahlungen für corona-bedingt Arbeitslose auch langfristige Infrastruktur-Investitionen umfassen. Von daher ist unsere aktuelle Wachstumsprognose von 4% in 2021 möglicherweise zu vorsichtig.

China: Hohes Wachstum in 2021
Zwar erwarten wir auch in China einen durchwachsenen Jahresstart. Dennoch rechnen wir hier in Summe mit einem sehr starken Jahreswachstum von 8%. Das Land hat Covid-19 sehr hart und konsequent eingedämmt und geht von daher mit besseren Ausgangsbedingungen an den Start als viele westliche Industriestaaten. Die längerfristig strukturellen Probleme – hohe Verschuldung, Handelskonflikt mit den USA, negative Demographie – ändert das zwar nicht, wird aber dazu führen, dass das Land als einzige große Volkswirtschaft per Ende 2021 spürbar über dem Vorkrisenniveau stehen wird.

Tabelle: Unsere Prognosen für 2021 und darüber hinaus

Grafik: Stimmungsindikatoren kurzfristig sehr optimistisch

Inflation: Kurzes Zucken, aber kein nachhaltiger Trend
Die Inflation dürfte 2021 in Summe leicht steigen. Dafür sind aber vor allem Einmaleffekte verantwortlich, die nicht nachhaltiger Natur sind. So wird der Ölpreis ab dem Frühjahr wohl nicht mehr deflationär wirken. Auch andere Sondereffekte wie die MwSt.-Senkung in Deutschland lassen die Teuerungsrate im Jahresverlauf steigen. Aber: Wir sehen aktuell kein Risiko, dass die Inflation in den kommenden zwei Jahren spürbar steigt. Im Gegenteil: Die noch immer geringe Produktionsauslastung spricht zumindest in Europa dafür, dass die Teuerung noch mindestens bis Ende 2022 unter dem EZB-Ziel verharren wird.

Was heißt das für die Notenbankpolitik?
Die Notenbanken haben Covid-19 global für Zinssenkungen und zahlreiche unkonventionelle Maßnahmen genutzt. So wurde das Anleihekaufvolumen bei EZB und Federal Reserve massiv ausgeweitet. Wir gehen davon aus, dass wir angesichts der sich abzeichnenden konjunkturellen Erholung keine weiteren unterstützenden Maßnahmen der Notenbanken mehr erwarten können. Gleichzeitig ist es aber auch zu früh, ein Ende der aggressiven Maßnahmen zu erwarten. Ein sukzessives Zurückführen der Notfallmaßnahmen – bekannt als Tapering – erwarten wir frühestens zu Jahresbeginn 2022. Und wohlgemerkt: Dies würde nur die 2020 zusätzlich beschlossenen Maßnahmen betreffen, nicht aber die schon länger laufenden Programme. Ein Ende der aggressiven Notenbankpolitik ist also noch lange nicht in Sicht.

Fazit

Fazit

Nach schwachem Beginn wird 2021 in Summe ein gutes bis sehr gutes Wirtschaftsjahr. So rechnen wir ab dem zweiten Quartal mit einer starken konjunkturellen Dynamik, die die Weltwirtschaft bis Ende 2021 auf das Vorkrisenniveau zurückführen dürfte. Die Märkte dürften von daher durch die leichte Schwächephase in den kommenden Wochen hindurchschauen und sich genau auf diese Erholungsbewegung konzentrieren.


Impressum

Herausgeber

Commerzbank Aktiengesellschaft, Kaiserplatz, 60261 Frankfurt am Main.
Diese Ausarbeitung oder Teile von ihr dürfen ohne Erlaubnis der Commerzbank weder reproduziert, noch weitergegeben werden, ©2021.

Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA

Detailinformationen zu den Chancen und Risiken der genannten Produkte hält Ihr Berater für Sie bereit.

Wichtige Hinweise

Adressat
Die hier wiedergegebenen Informationen und Wertungen („Information“) sind primär für Kunden der Commerzbank AG in Kontinentaleuropa bestimmt. Insbesondere ist die Information nicht für Kunden oder andere Personen mit Sitz oder Wohnsitz in Großbritannien, den USA oder in Kanada bestimmt und darf nicht an diese Personen weitergegeben bzw. in diese Länder eingeführt oder dort verbreitet werden.

Kein Angebot; keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung.

Informationsquellen; Aktualisierungsbedingungen
Die in der Ausarbeitung enthaltenen Informationen wurden sorgfältig zusammengestellt. Wesentliche Informationsquellen für diese Ausarbeitung sind Informationen die die Commerzbank AG für zuverlässig erachtet. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch nicht übernommen werden. Einschätzungen und Bewertungen reflektieren die Meinung des Verfassers im Zeitpunkt der Erstellung der Ausarbeitung.
Ob und in welchem zeitlichen Abstand eine Aktualisierung dieser Ausarbeitung erfolgt, ist vorab nicht festgelegt worden.

Prospekt
Den aktuellen veröffentlichten Emissions- oder Verkaufsprospekt erhalten Sie in jeder Commerzbank-Filiale.

Interessenkonflikte im Vertrieb
Die Commerzbank AG erhält für den Vertrieb des genannten Wertpapiers den Ausgabeaufschlag und/oder Vertriebs-/Vertriebsfolgeprovisionen von der Fondsgesellschaft oder Emittentin bzw. erzielt als Emittentin oder Verkäuferin eigene Erträge.

Darstellung von Wertentwicklungen
Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers/Index von EURO abweicht.
Die folgende Musterrechnung verdeutlicht die Auswirkungen anfallender Transaktionskosten bei unterschiedlichen Szenarien/Kursverläufen:
Grafik: Stimmungsindikatoren kurzfristig sehr optimistisch
Bitte beachten Sie, dass diese Kosten in den abgebildeten Charts nicht berücksichtigt sind

Andere Interessen der Commerzbank AG; Hinweis zu möglichen Interessenkonflikten
Als Universalbank kann die Commerzbank AG oder eine andere Gesellschaft der Commerzbank Gruppe mit Emittenten von in der Information genannten Wertpapieren in einer umfassenden Geschäftsverbindung stehen (z.B. Dienstleistungen im Investmentbanking; Kreditgeschäfte). Sie kann hierbei in Besitz von Erkenntnissen gelangen, die in der Information nicht berücksichtigt sind. Ebenso können die Commerzbank AG, eine andere Gesellschaft der Commerzbank Gruppe oder Kunden der Commerzbank AG Geschäfte in oder mit Bezug auf die hier angesprochenen Wertpapiere getätigt haben.
Nähere Informationen zu möglichen Interessenkonflikten der Commerzbank AG finden Sie unter www.commerzbank.de/wphg .

Votenverteilung
Eine Übersicht der Votenverteilung für das vergangene Quartal über alle von der Investmentstrategie des Geschäftsfeldes Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank AG analysierten Werte, verglichen mit der Votenverteilung für Werte, für die die Commerzbank AG Investmentbanking-Dienstleistungen erbringt, finden Sie unter www.commerzbank.de/wphg .

Votenänderungen
Die Voten der Anlageexperten des Geschäftsfeldes Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank AG in den vergangenen 12 Monaten lauteten:

Air Liquide (WKN 850133)

Linde plc (WKN A2DSYC)

Das Votum bezeichnet die zentrale, auf Markt- und Produktmerkmalen begründete allgemeine Einschätzung der Commerzbank Anlageexperten zum jeweiligen Produkt. Das Votum stellt hingegen keine individuelle Anlageempfehlung dar. Weitere Informationen zu unseren Bewertungsmodellen und unserer Votensystematik finden Sie unter www.commerzbank.de/wphg .

Aufsichtsbehörden
Europäische Zentralbank, Sonnemannstraße 20, 60314 Frankfurt am Main
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn und Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt (Internet: www.bafin.de), BAK Nr. 100005