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Rohstoffe: Hohe Angebotsrisiken – Hohe Volatilität

28.02.2022

  • Wegen der ohnehin knappen Versorgungslage steigen durch den Ukrainekonflikt die Rohstoffpreise weiter
  • Die Karte, direkte Sanktionen gegen Rohstoffexporte auszuspielen, scheint Russland überlassen zu werden
  • Indirekt dürften aber die Sanktionen gegen Banken (Swift und Zentralbank) wohl Auswirkungen auf den Export haben
  • Mittelfristig sollte auch die Rohstoffproduktion durch die Sanktionen leiden
  • Die Inflationserwartungen dürften nicht nur durch steigende Rohstoffpreise Impulse bekommen
  • Rohstoffpreise dürften weiter in der Breite steigen. Edelmetalle bleiben favorisiert

Rohstoffangebot im Fokus der Sanktionen
DDie Rohstoffpreise waren am Tag der russischen Invasion extrem volatil. Der Goldpreis wies z.B. eine Schwankungsbreite von 95 USD/Feinunze, der Palladiumpreis von 400 USD/Feinunze, der Ölpreis von 8 USD/Fass und der Nickelpreis von 1.800 USD/t auf. Der Grund für den zunächst erfolgten scharfen Anstieg sind Sorgen über eine Angebotsverknappung durch Sanktionen gegen Russland oder Gegensanktionen durch Russland. Da der Westen auf Sanktionen, die Russlands Rohstoffexporte treffen würden, zunächst verzichtete, fielen die Preise wieder deutlich zurück. Dies hat sich mit dem Ausschluss von Banken aus dem Swift-System und den Sanktionen gegen die Zentralbank geändert. Es ist aber schwer abzuschätzen, wie stark dadurch der Rohstoffexport beeinträchtigt wird, da wohl Kanäle zur Rohstoffexportfinanzierung offengehalten werden sollen. Die Liste der sanktionierten Banken liegt aktuell noch nicht vor. Es scheint damit weiter so, als ob es der Westen Russland überlässt, die Karte der direkten Sanktionierung von Rohstoffexporten auszuspielen. Den größten Hebel hat Russland bei Gas und Palladium, da beide Rohstoffe kurzfristig nicht ersetzt werden können. Auch bei Weizen und Sonnenblumenöl besitzt Russland, zusammen mit der Ukraine und bei Kalidünger zusammen mit Belarus, besonders hohe Marktanteile. Es ist zudem zu bedenken, dass die Rohstoffpreise auch untereinander im Zusammenhang stehen. So verteuern steigende Energiepreise z.B. die Produktion von Metallen oder Kali und höhere Kalipreise sorgen für steigende Agrarpreise. Durch Einschränkungen bei den Transportwegen kommt es zu zusätzlichen Lieferproblemen.

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Quelle: Commerzbank Research

Würde Russland nur selektiv die Exporte einschränken, dann müsste es befürchten, dass der Westen seinerseits die gesamten Rohstoffexporte sanktioniert und umgekehrt. Mittelfristig dürfte der russische Rohstoffsektor unter den Kapital- und Technologiesanktionen leiden, aber China könnte hier zumindest zum Teil die Lücke füllen. Der Westen wird so oder so Anstrengungen unternehmen, unabhängiger von russischen Rohstoffexporten zu werden, was teuer wird. Genauso wird Russland aber seine Exporte weiter in Richtung China lenken, wovon China profitieren wird.

Auch wenn das Rohstoffangebot zunächst nicht durch direkte Sanktionen verknappt wird, so dürfte es dennoch erhebliche Einschränkungen geben und die höhere Risikovorsorge in Form von Lageraufstockungen wird gleichzeitig für eine feste Nachfrage sorgen. Wir gehen demnach von weiter steigenden Rohstoffpreisen aus. Die Risiken für die Nachfrage dürften bei steigendem Preisniveau aber zunehmen.

Ukrainekrise verstärkt den Inflationsdruck
Die ökonomische Auswirkung der Ukrainekrise ist deswegen vor allem ein zusätzlicher Inflationsimpuls durch steigende Rohstoffpreise. Zudem werden aber auch die Militärausgaben erhöht werden. Diese sind relativ zu anderen Investitionen unproduktiv und wirken deswegen ebenfalls inflationär. So war die „Friedensdividende“ nach dem Ende der Sowjetunion vor allem auch ein Umleiten der Militärausgaben in produktivere Investitionen. Zusammen mit der Globalisierung machte dies auch den großen technologischen Fortschritt möglich und führte seit 1990 zu einem robusten globalen Wachstum bei niedriger Inflation.

Inflationserwartungen dürften weiter steigen
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Aktuell reagieren die westlichen Notenbanken noch nicht auf die Ukrainekrise, sondern halten an ihren bisherigen Ausblicken fest. Die Märkte preisen aber eine höhere Unsicherheit für eine restriktivere Geldpolitik ein - die Zinserhöhungserwartungen sind rückläufig. Dies steht zwar konträr zum inflationären Impuls, den die höheren Rohstoffpreise kurzfristig liefern und vor allem zum wohl auch langfristig steigenden Inflationsdruck, aber angesichts der Konjunkturrisiken wird erwartet, dass die Notenbanken die Inflationsrisiken etwas zurückstellen. Dies schafft Raum für wieder sinkende Realzinsen.

Reale Renditen beginnen wieder zu sinken
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Fazit

Fazit

Wegen der zusätzlichen Angebotsverknappung durch die Ukrainekrise dürften die Rohstoffpreise weiter steigen, auch wenn der Rohstoffsektor nicht direkt sanktioniert werden sollte. Wegen des wohl nochmals verstärkten Trends zur De-Globalisierung und höherer unproduktiver Militärinvestitionen könnte die Inflation zudem auch langfristig gefestigt werden. Edelmetalle bleiben deswegen unser favorisiertes Segment, auch wenn vor allem der Goldpreis kurzfristig den Realzinsen vorgelaufen und daher korrekturanfällig ist. Aber wegen der konjunkturellen Unsicherheit zurückhaltende Notenbanken und gleichzeitig steigende Inflationserwartungen könnten die Realzinsen wieder sinken lassen.


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