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Taktische Asset-Allokation: Rezession in Deutschland – was tun?

15.08.2022

  • Die weitere – und anscheinend dauerhafte – Drosselung der russischen Gaslieferungen hat das Rezessionsrisiko insbesondere für Deutschland zuletzt deutlich erhöht.
  • Auf den Aktienmarkt hat das zuletzt wenig Auswirkungen gehabt; eine bislang in Summe durchschnittliche Berichtssaison hat den Pessimisten die Suppe versalzen.
  • Auch am Anleihenmarkt scheinen die Rezessionssorgen abzuklingen. Die Renditen sind seit Anfang August wieder gestiegen, was auf einen stärkeren Marktfokus auf die Inflationsbekämpfung hindeutet.
  • Wir erachten den jüngsten Anstieg der Anleiherenditen und der Aktienmärkte nicht als nachhaltig und gewichten Anleihen jetzt über und behalten unsere Aktienuntergewichtung bei.

Es droht eine Rezession in Deutschland und in Europa …
Die Drosselung der russischen Gaslieferungen via Nord Stream 1 hat dem Konjunkturoptimismus einen weiteren Dämpfer verpasst. Nach Ansicht der Commerzbank-Volkswirte dürfte dies den Unternehmen in Deutschland und Europa über mehrere Kanäle zu schaffen machen:

Erwartungen von Verbrauchern und Industrie an den Tiefständen
Muster Bild
Quelle: Bloomberg, Commerzbank

Unsicherheit über die zukünftige Gasversorgung lastet auf Unternehmen und spricht für Investitionszurückhaltung. Die hohen Energiekosten machen Teile der Produktion unrentabel, was zu einer reduzierten Produktion unabhängig von der Nachfrage führen dürfte. Und die hohe Inflation führt zu einem Verlust an Kaufkraft und dementsprechend einem Rückgang beim privaten Verbrauch. Damit dürften sich die deutsche und auch die europäische Wirtschaft bereits im Herbst in einer Rezession befinden.

… die die EZB 2023 zu einer Pause bei der Inflationsbekämpfung zwingt
Trotz der Rezession dürfte der Euroraum und insbesondere Deutschland mit einer hohen Inflation zu kämpfen haben. Vor diesem Hintergrund sollte die EZB zunächst auch noch auf ihrem jüngst eingeschlagenen Zinserhöhungspfad bleiben. Allerdings erscheint eine Pause im Jahr 2023 wahrscheinlich, um die Konjunktur durch Zinserhöhungen nicht zusätzlich zu belasten.

Und was ist mit den USA?
In den USA haben wir zuletzt zwei Quartale mit negativem Wachstum gesehen – nach einer gerne verwendeten Definition also eine Rezession. Allerdings passt dazu die Situation am Arbeitsmarkt nicht ganz. Denn im Juli wurden erneut mehr als eine halbe Million Stellen neu geschaffen, und es sind immer noch knapp elf Millionen Stellen unbesetzt. Das hat zu einem deutlichen Anstieg der Löhne geführt und zwingt die US-Notenbank Fed zum zügigen Handeln – daran hat auch die zuletzt etwas niedrigere Inflationsrate nichts geändert. Will heißen: Die Fed wird weiter die Leitzinsen anheben, bis sie eine merkliche Abkühlung des Arbeitsmarktes sieht.

Was heißt das für die taktische Asset Allokation?
Der Rückgang an den Aktienmärkten im ersten Halbjahr 2022 war mit teilweise mehr als 20% bereits deutlich, und reflektiert damit sicherlich zu einem nicht unerheblichen Teil die aktuellen Rezessionsrisiken. Die Erholung im Juli und Anfang August sollte aber weniger Ausdruck einer Trendwende, sondern eher Abbau eines zu großen Pessimismus sein, so dass die Risiken für den Aktienmarkt im dritten Quartal weiterhin eher abwärts gerichtet sein dürften. Wir halten daher an unserer Aktienuntergewichtung fest.

Anleihen taktisch ins Übergewicht – Aktien weiterhin untergewichtet
Muster Bild
Quelle: Bloomberg, Commerzbank

Ähnlich sieht es im Anleihesegment aus. Hier wurde zuletzt die Rezession aus- und die Inflationsbekämpfung eingepreist. Zwar können wir auch das Risiko eines weiteren Zinsanstiegs nicht ausschließen. Aber insbesondere mit Blick auf die erwartete Rezession im Euroraum erscheint es uns opportun, vorhandene Liquidität nun ins Anleihesegment zu verlagern.

Fazit

Fazit

Nach der jüngsten Erholung am Aktienmarkt sehen wir mittelfristig eher das Risiko erneuter Kursverluste und bleiben deshalb bei Aktien untergewichtet. Nach dem jüngsten Renditeanstieg lohnt sich unseres Erachtens ein Ausbau der Anleiheposition zu Lasten von Kasse.


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