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Asset Allokation: Anhebung Aktienquote auf übergewichten

02.03.2021

  • Marktskepsis zuletzt übertrieben
  • Notenbankaktionen zur Dämpfung der Zinsentwicklung erwartet
  • Aktienmärkte bieten Einstiegschance – daher jetzt Übergewichtung mit Schwerpunkt Europa und Wachstumsländer

Alternatives Marktszenario übertrieben
In den letzten Wochen entwickelte sich an den Finanzmärkten folgendes Szenario und beeinflusste stark die Marktbewegungen:

Impffortschritte führen zu Lockerungen und einer Normalisisrung der Wirtschaftstätigkeit und die volumensstarken Hilfsprogramme der Regierungen weltweit kommen zur zurückgestauten Nachfrage der Konsumenten noch hinzu. Das führt dazu, dass die Weltwirtschaft wie bei einer Springflut durch sich aufschaukelnde Effekte so stürmisch wächst, dass eine Überhitzung mit entsprechenden Inflationseffekten droht, die die Notenbanken mit restriktiven Maßnahmen auf den Plan ruft und Zinsanhebungen auslöst.

Dadurch sind zuletzt die Renditen insbesondere bei langen Laufzeiten deutlich geklettert (USA zuletzt bis 1,52% bei 10-jährigen), aber auch im Aktienbereich gab es ausgehend teils von Höchstständen Rückgänge vor allem bei den erfolgsverwöhnten Technologietiteln.

Sie stören sich aus deutscher Sicht vielleicht schon am Ausgangspunkt der Ableitungskette, den Impffortschritten. Aber auf globaler Ebene gibt es immerhin einige Hoffnungszeichen für ein Gelingen des gewaltigen Impfprogramms in vielen Ländern der Welt. Gerade bekam der Impfstoff von Johnson & Johnson als viertes Vakzin die Notzulassung in den USA, im März sollte dies auch für die EU zu erwarten sein. Hier ist nur eine Impfung notwendig, weshalb das ein wichtiger Schritt ist. Und die Erfahrungen aus Israel legen nahe, dass die Impfstrategie erfolgreich ist. Insofern wird sich mit Sicherheit dieses Jahr einiges tun, auch wenn es bis zum unbeschwerten Einkaufsbummel oder Urlaubsreise noch viel Zeit brauchen wird.

Auch stimmt es durchaus, dass die gewaltigen Unterstützungs- und Stimulierungspakete jetzt auf den Weg gebracht werden. In den USA hat das Repräsentantenhaus letzte Woche dem 1,9 Bio. Hilfspaket zugestimmt und es Richtung Senat gegeben. Es besteht allerdings aus einem sich zeitlich auch durch Adressaten und Vorhaben staffelnden Maßnahmenmix. Für die EU müssen die Ausgabenpläne für den „Corona Recovery Fund“ durch die Mitgliedsländer bis April eingereicht werden. Bis zur Umsetzung ist es dann aber durchaus noch ein langer Weg, so dass der konjunkturelle Rückenwind über mehrere Jahre wehen dürfte. Das Wirtschaftswachstum dürfte ausgehend von einem stagnierenden teils rezessiven ersten Quartal dann sich zwar in der Tat beschleunigen. Für das Gesamtjahr 2021 rechnen wir mit einem Wachstum um 5% in den USA und im Euroraum, wobei es in den USA eher etwas mehr, in Europa etwas weniger sein könnten.

Grafik: Stimmungsindikatoren kurzfristig sehr optimistisch

Als drittes sollte der Inflationstrend nicht überbewertet werden. Die absolute Preissteigerungsrate wird in den nächsten 2 Monaten wohl weiter zulegen, denn das (Corona-)Tief z.B. des Ölpreises lag im April 2020. Damit wird die Preissteigerungsrate basisbedingt Richtung 2% im Euroraum steigen, in den USA könnten auch kurzzeitig 3% überschritten werden. Dies ist den Notenbanken jedoch sehr bewusst, und sie sehen auch, dass die Kernraten (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) weiter nur recht moderat anziehen und sich sogar zurückgebildet haben. Angesichts einer unverändert schwierigen Lage an den Arbeitsmärkten wird sich kaum Lohndruck aufbauen und so wird das Preisklima mit abklingenden Basiseffekten insgesamt wieder milder.

In der letzten Woche haben deshalb die Notenbanken auch schon einmal verbal agiert und sowohl Christine Lagarde für die EZB als auch Jerome Powell von der amerikanischen Fed haben auf ein Andauern der Niedrigzinsphase hinge-wiesen. Als erste Notenbank hat heute die australische RBA auch Taten folgen lassen. Sie hat das Volumen ihrer Wertpapierkäufe angehoben, ein Instrument, mit dem die Notenbanken auch Einfluss auf den Verlauf der Zinskurve nehmen können. Wir rechnen auch bei anderen Notenbanken mit entsprechenden, zielgerichteten Maßnahmen. Mit einem verstärken Kauf längerer Laufzeiten, könnten sich die zuletzt gestiegenen Renditen auch wieder zurückbilden.

Positionsänderungen
Von einer solchen Markterwartung profitieren auch Renten. Bei Aktien dürfte sich jedoch der größere Performanceeffekt einstellen. Warum? Vor den Aktienmärkten liegt eine Phase von deutlichem Wachstum, einer deutlichen Unternehmensgewinnerholung und weiter sehr niedrigen Zinsen, die nach wie vor nur begrenzte Attraktivität für Anleger als Alternativanlage bedeuten (Im Euroraum vielfach weiter negativ!). Damit dürften weiter vor allem die Aktienmärkte von der reichlich sprudelnden Liquidität profitieren. Diese Betrachtung umfasst durchaus einen Zeitraum von 2 Jahren, weshalb wir weiteres Kurspotenzial sehen und dieses auch eher in den nächsten Wochen schon erwarten.
Die größte Bewegung erwarten wir in den Wachstumsländern und in Europa, wo die Bewertungen etwas niedriger sind und die Indizes auch insgesamt mehr konjunkturzyklischeTitel aufweisen. Diese haben nach dem großen Einbruch im letzten Jahr noch manches aufzuholen. Bei einem klaren Untergewicht bleibt es bei den Festverzinslichen. Hier sind weiter Alternativen gefragt.

Grafik: Stimmungsindikatoren kurzfristig sehr optimistisch

Fazit

Fazit

In Erwartung von weiteren zielgerichteten Maßnahmen der Notenbanken erwarten wir einen raschen Dreh der Stimmung an den Finanzmärkten. Von dieser Beruhigung wollen wir profitieren und sehen bei Aktien die besten Umsetzungsmöglichkeiten. Damit wird unsere Aktienposition übergewichtet, während sich die Rohstoffquote auf neutral reduziert. Ein Teil der für die Anhebung erforderlichen Mittel wird auch der Liquiditätsposition entnommen.


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Grafik: Stimmungsindikatoren kurzfristig sehr optimistisch
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Votum Starker Kauf geändert am 13. Oktober 2020
Votum Kein Votum geändert am 12. Oktober 2020

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