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Lagarde kündigt Zinswende für Juli an

24.05.2022

  • EZB strebt neutralen Leitzins an
  • Falken fordern größere Zinsschritte
  • Renditeanstieg geht weiter
  • Euro bekommt zunehmend Unterstützung

Neue Prognosen für die EZB-Leitzinsen
EZB-Präsidentin Lagarde sorgte gestern für Aufmerksamkeit, in dem sie in einem Blogbeitrag den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik ankündigte. Im Prinzip sei zunächst mit zwei Zinsanhebungen um jeweils 25 Basispunkte (Bp.) im Juli und September zu rechnen. Da im Juni keine Erhöhung möglich ist, da die EZB die erste Zinserhöhung plant, nachdem die Anleihekäufe eingestellt worden sind, ist von Zinserhöhungen um je 25 Bp. im Juli und September auszugehen. Für die Zeit danach avisiert Lagarde eine schrittweise Normalisierung in Richtung des neutralen Zinssatzes, den die EZB bei 1% bis 1,5% sieht.

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Wir erwarten, dass die EZB bis April 2023 den Einlagensatz von derzeit -0,5% auf dann 1,25%, insgesamt also um 175 Basispunkte, anheben wird. Das bedeutet, dass die EZB in jeder Sitzung ab Juli 2022 bis Mai 2023 den Leitzins um 25 Bp. anhebt. Danach rechnen wir mit einer Pause bei den Zinserhöhungen, da sich die Inflationsraten im kommenden Frühjahr vorübergehend wieder in die Nähe von 2% einpendeln dürften. Die Kerninflationsrate wird dann über der Gesamtinflationsrate liegen.

Marktreaktion nur anfänglich gelassen
Bisher gab es Zweifel, ob die EZB insbesondere mit Blick auf den Ukraine-Krieg den Leitzins in naher Zukunft anheben wird und auch darüber, wie weit der Straffungszyklus gehen wird. Mittlerweile scheinen die Zweifel größtenteils ausgeräumt zu sein. Trotzdem reagierten die Marktteilnehmer zunächst recht gelassen auf die Aussagen Lagardes, da die Zinserhöhungen bereits eingepreist waren. Im Tagesverlauf verbuchten Staatsanleihen jedoch wieder Kursverluste. Das Falkenlager der EZB-Ratsmitglieder forderte zum Teil größere Zinsschritte im Juli in Höhe von 50 Bp. Sie waren laut Presseberichten erstaunt über die Festlegung Lagardes. Bundesbankpräsident Nagel meinte unter anderem, dass die Lohnzurückhaltung in Deutschland vorüber sei.

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Renditeanstieg noch nicht vorüber
Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden. Der Inflationsdruck bleibt hoch. Aufgrund der Null-Corona-Politik Chinas, den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und den gestiegenen Energiepreisen bleibt die Inflationslage angespannt. Somit ist die Neubewertung an den Rentenmärkten noch nicht zu Ende. Allerdings sind die jetzt von uns erwarteten EZB-Zinserhöhungen schon größtenteils eingepreist und ein Großteil des Renditeanstiegs liegt bereits hinter uns. Wir rechnen weiterhin damit, dass die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen auf 1,25% bis 1,50% ansteigen dürfte, die 5-jährige in Richtung 1,00%. Damit sind weiter hohe Kursverluste möglich. Im kurzen Laufzeitenbereich bis 5 Jahre sehen Bundesanleihen wieder interessanter aus. Vor allem Unternehmensanleihen in diesem Laufzeitenbereich sind für eine Investition wieder attraktiv geworden.

Euro bekommt zunehmend Unterstützung
Sicherlich werden viele Beobachter die EZB weiterhin als zu zögerlich erachten. Aber, die Tatsache, dass ein Lift-off im Juli mittlerweile ziemlich sicher erfolgen wird und die EZB Bereitschaft zeigt, die Zinsen auch danach noch weiter anzuheben, ist positiv für den Euro. Es gilt weiterhin die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg im Auge zu behalten. Wenn sich die Lage aber nicht nennenswert verschlechtert, könnte der Euro von der Aussicht auf eine restriktivere EZB-Geldpolitik noch eine Weile profitieren. Der US-Dollar gab zuletzt wieder nach. Allerdings bleibt auch er gut unterstützt. Die USA ist weniger vom Krieg in der Ukraine betroffen als Europa. Damit liegen die Risiken stärker beim Euro. Wir belassen daher das Votum für den US-Dollar bei neutral.

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Fazit

Fazit

EZB-Präsidentin Lagarde betonte, dass es bis Ende des 3. Quartals keine negativen Leitzinsen mehr geben dürfte. Damit signalisiert sie Zinserhöhungen um je 25 Bp. im Juli und September. Für die Zeit danach avisiert Lagarde eine schrittweise Normalisierung in Richtung des neutralen Zinssatzes, den die EZB bei 1% bis 1,5% sieht. Wir erwarten, dass die EZB bis April 2023 den Einlagensatz von derzeit minus 0,5% auf dann 1,25% anheben wird. Wir rechnen weiterhin damit, dass die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen auf 1,25% bis 1,50% ansteigen dürfte, die 5-jähriger in Richtung 1,00%. Der Laufzeitenbereich besonders bis 5 Jahren ist für einzelne Unternehmensanleihen attraktiv geworden. Der Euro bekommt zunehmend Unterstützung von der EZB. Da der US-Dollar weiter noch Rückenwind von der Fed bekommt und der Euro Risiken wegen des Krieges in der Ukraine ausgesetzt ist, bleiben wir beim Votum neutral für den US-Dollar.


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UnitedHealth Group, WKN – 869561
Votum Starker Kauf geändert am 13. Oktober 2020
Votum Kein Votum geändert am 12. Oktober 2020

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