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Notenbanken signalisieren höhere Leitzinsgipfel

16.12.2022

  • EZB und Fed heben Leitzins um 50 Basispunkte
  • Sie halten weitere Zinserhöhungen für notwendig
  • und deuten höhere Leitzinsgipfel als bisher an
  • In den USA scheint der Inflationsgipfel überschritten zu sein

EZB sieht Notwendigkeit für deutlich höhere Leitzinsen
Wie erwartet hat die EZB am 15. Dezember ihre Leitzinsen um je 50 Basispunkte (Bp.) erhöht. Der Einlagenzins liegt jetzt bei 2,00%. Die Zinserhöhung folgt zwei großen Zinsschritten von je 75 Bp. Die Notenbank hat 2022 die Leitzinsen damit um insgesamt 250 Bp. angehoben. Begründet wird die Zinserhöhung mit den erheblich nach oben korrigierten Inflationsaussichten. Der EZB-Rat betonte, dass die Leitzinsen noch deutlich steigen müssen, um ein ausreichend restriktives Niveau zu erreichen. EZB-Chefin Lagarde gab sich überraschend entschlossen. Sie betonte, dass die Markterwartungen zu niedrig seien und die Zinsen in der nächsten und vielleicht auch übernächsten Sitzung um jeweils 50 Bp. erhöht werden. Wir haben vor diesem Hintergrund unsere Prognose für den Leitzinsgipfel um 25 Bp. auf 3,25% für den Einlagensatz erhöht, der im 2. Quartal 2023 erreicht werden dürfte.

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Überrascht haben vor allem die neuen Inflationsprojektionen. So wurde die erwartete Inflationsrate für 2023 von 5,5% auf 6,3% und für 2024 von 2,3% auf 3,4% deutlich angehoben. 2025 rechnet die EZB immer noch mit einer durchschnittlichen Inflationsrate und auch mit einer Kernrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) von 2,3%. Die EZB wird außerdem fällig werdende Anleihen, die sie im Rahmen des allgemeinen Kaufprogramms APP gekauft hat, ab März 2023 nicht mehr völlig reinvestieren. Bis zur Jahresmitte soll dadurch der Anleihebestand pro Monat um durchschnittlich 15 Mrd. Euro sinken. Sie strebt also an, ungefähr die Hälfe der fällig werdenden Anleihen nicht wieder anzulegen. Wie erwartet, lässt sie die im Rahmen des Corona-Kaufprogramms PEPP gekauften Anleihen zumindest bis Ende 2024 außen vor.

Auch die Fed überrascht mit höherem Zinsgipfel
Die US-Notenbank Fed hat auch wie erwartet ihren Leitzins um weitere 50 Basispunkte auf 4,25% bis 4,5% erhöht. Dieser Leitzins erreicht damit den höchsten Stand seit 15 Jahren. Der Zinsschritt folgte vier sehr großen Zinsanhebungen um 75 Bp. hintereinander. Insgesamt hob die Fed die Leitzinsen 2022 um 425 Bp. an. Die Entscheidung fiel einstimmig. Gleichzeitig stellte die Notenbank weitere Zinsschritte auf über 5% in Aussicht. In den neu veröffentlichten Projektionen sehen die Fed-Notenbanker den Leitzinsgipfel bei 5,1% im nächsten Jahr. Damit hat sich der erwartete Zinsgipfel ein weiteres Mal erhöht. Nach den neuen Inflationsprognosen geht die Notenbank davon aus, dass die Inflation erst 2025 das Ziel der Fed von 2% wieder voll erreicht. In der Pressekonferenz zeigte sich Fed-Chef Powell zwar erleichtert, dass sich die Inflation abschwächt. Er halte aber weitere Leitzinserhöhungen für notwendig. Powell warnte erneut, den Fuß zu früh vom Bremspedal zu nehmen. Schließlich sei der Arbeitsmarkt immer noch im Ungleichgewicht. Wir gehen jetzt davon aus, dass die Fed die Leitzinsen im 1. Quartal 2023 auf 5,25% (vorher 5,00%) anheben wird.

Inflationsgipfel in den USA überschritten
In den USA sind die Verbraucherpreise im November gegenüber dem Vormonat nur noch um 0,1% gestiegen (Erwartung: +0,3% M/M). Damit verringerte sich die Jahresrate der Inflation von 7,7% auf 7,1%. Die Kernverbraucherpreise (ohne Energie und Nahrungsmittel) stiegen um 0,2% auf Monats- und um 6,0% (Vormonat: 6,3%) auf Jahressicht. Damit ging der Preisauftrieb, der im Juni mit 9,1% J/J einen Höhepunkt erreichte, den fünften Monat in Folge zurück. Die Inflation dürfte in den USA ihren Höherpunkt überschritten haben, aber auch 2023 sehr hoch bleiben.

Im Euroraum ist das nicht so eindeutig. Im Dezember dürfte die Inflationsrate wegen des Sondereffekts der Entlastungen der Gaskunden in Deutschland zwar deutlich zurückgehen, im Januar aber wieder ansteigen. Der Sondereffekt fällt im Januar wieder weg und die Maßnahmen vieler Regierungen laufen zum Jahresende aus.

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Renditeausblick und Strategie
Wichtig für den weiteren Renditeausblick sind die Markterwartungen für die Leitzinsen. So haben sich die Zinsspekulationen für die EZB auch am Markt erhöht. Die Marktteilnehmer preisen jetzt für die EZB einen Zinsgipfel von 3,4% ein. Die Reaktion fiel nach der EZB-Sitzung sehr deutlich aus. Für die USA ist der Markt deutlich optimistischer. Dort rechnen die Marktteilnehmer nur mit einem Leitzinsgipfel von 4,9%. Der Markt hat auf die Aussagen der Fed und von Powell kaum reagiert. Und das, obwohl die Fed-Notenbanker ihre Zinserwartungen nach oben genommen haben und Fed-Chef Powell davor gewarnt hat, den Fuß zu schnell vom Bremspedal zu nehmen.

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Die nun von uns erwarteten etwas stärkeren Leitzinserhöhungen lassen für nächsten Monate auch höhere Anleiherenditen erwarten. Für die Bundesanleihen rechnen wir damit, dass die Rendite 10-jähriger Anleihen wieder in Richtung 2,50% tendiert. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries dürfte sich wieder über 3,50% etablieren und in Richtung 4,00% steigen.

Wir empfehlen daher weiterhin kurze Laufzeiten für Staatsanleihen im Euroraum. Dafür spricht auch die Renditekurve, die für Bundesanleihen invers ist, d.h. die Rendite kurzlaufender Bundesanleihen (2 Jahre: 2,5%) ist höher als die längerlaufender Bunds (10 Jahre: 2,2%). Euro-Peripherieanleihen sollten weiterhin gemieden werden. Inzwischen haben sich die Spreads für Italien wieder merklich ausgeweitet. Für US-Treasuries empfehlen wir auch unverändert kurze und mittlere Laufzeiten zum Kauf.

US-Dollar-Einschätzung weiterhin neutral
Die massive US-Dollarstärke scheint vorbei zu sein. Gegenüber den großen Währungen hat er korrigiert und konsolidiert momentan. Wir nehmen das Votum für den US-Dollar trotzdem nicht nach unten, weil die Aussicht auf eine globale Rezession und die immer noch hohen Sorgen wegen einer Energiekrise im Euroraum, den US-Dollar als sicheren Hafen wieder begünstigen. Nach der Korrektur des US-Dollar bleiben wir deswegen bei einer neutralen Votierung für den US-Dollar.

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Fazit

Fazit

Die Fed und die EZB haben beide höhere Zinsgipfel signalisiert. Insbesondere die EZB hat mit ihren „falkenhaften“ Worten die Märkte überrascht. Wir haben den erwarteten Leitzinsgipfel für die Fed und die EZB um je 25 Basispunkte. angehoben. Für die Fed sehen wir den Höhepunkt jetzt bei 5,25% im 1. Quartal 2023 und für die EZB bei 3,25% für den Einlagensatz im 2. Quartal. Die Staatsanleiherenditen könnten daher weiter ansteigen. Wir präferieren des-halb weiter kurze Laufzeiten bei Bundesanleihen und kurze und mittlere Laufzeiten bei US-Staatsanleihen. Wir rechnen damit, dass der Euro tendenziell stärker wird, aber kurzfristig vor dem Hintergrund der erwarteten Rezession der US-Dollar wieder als Fluchtwährung profitieren könnte. Das Votum bleibt bei neutral gewichten.


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Redaktion
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