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Edelmetalle gegen Kryptowährungen

22.02.2021

  • Bitcoin kein Geld im herkömmlichen Sinn
  • Motivation hinter Bitcoin durchaus ähnlich zu Gold, aber dennoch keine Alternative
  • Kein innerer Wert ermittelbar, daher vor allem Spekulationsobjekt
  • Damoklesschwert: Regulierung von Krypto-Währungen

Was ist ein Bitcoin? Und die Blockchain?
2008 wurde der Bitcoin als „kryptographische Währung“ ins Leben gerufen: eine „Währung“ also, die durch Verschlüsselungstechniken geschaffen und übertragen werden kann. Als ihr Erfinder gilt Satoshi Nakamoto. In der realen Welt ist der Bitcoin-Erfinder nie in Erscheinung getreten und als Person unbekannt. Satoshi Nakamoto dürfte ein Pseudonym sein, es könnte auch eine Gruppe dahinterstecken.

Der Bitcoin wird dezentral in einem Rechennetzwerk mit eigener Software verwaltet und neu geschaffen. Transaktionen von Geldeinheiten werden mit einer digitalen Signatur versehen und in einer öffentlichen, d.h. vom gesamten Netzwerk betriebenen Datenbank, der sogenannten Blockchain, aufgezeichnet. Die Nutzergemeinde stellt dabei sicher, dass bei jeder Durchführung einer Bitcoin-Transaktion der Eigentumsübergang im digitalen Kontobuch verzeichnet wird. Dabei wird jede Transaktion an die Liste der bereits durchgeführten Transaktionen angefügt. Entscheidend da-bei: Um die korrekte Erfassung der Transaktionskette sicherzustellen, ist ein aufwendiger Verifizierungsprozess gefordert, welcher viel Rechenzeit beansprucht. Die Wächter des Systems (Bitcoin-Miner), die diesen Aufwand leisten, werden mit Bitcoins und zu einem immer größeren Teil durch eine Gebühr bezahlt. Da die Bitcoins „wertvoll“ sind, stehen die Systemkontrolleure im Wettbewerb, das Verifizierungsproblem möglichst schnell zu lösen. Technisch gesehen ist ein Bitcoin nichts anderes als ein komplexer Computercode.

Zentrales Charakteristikum der Blockchain-Technologie ist, dass mit ihr direkt von Nutzer zu Nutzer kommuniziert bzw. gehandelt wird. Zentrale Abwicklungsparteien, wie sie jetzt z.B. im Zahlungsverkehr oder Wertpapierhandel erforderlich sind, entfallen dadurch. Sie ist also vollkommen anonym, zumindest aber pseudonym, mit allen Vor– und Nachteilen.

Welche Motivation steht hinter Bitcoins?
Übergeordnete Motivation der Bitcoin-Initiatoren war es, sich vom Staat und den Banken unabhängiger zu machen, das staatliche Geldmonopol nicht länger zu akzeptieren oder gar zu brechen, denn über die Blockchain hat niemand die Kontrolle. In diesem Sinne lässt sich die Bitcoin-Bewegung als eine Variante der Anti-Establishment-Bewegung sehen, die die traditionelle Finanzarchitektur radikal in Frage stellen will. Nährboden für den Aufstieg des Bitcoins lieferten die Finanzkrise von 2008/2009 und die aktuelle Coronakrise mit ihren vielfältigen Folgen. Etwa die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken, die mit Anleihekäufen die Notenbankbilanz und mithin die Zentralbankgeldmenge massiv ausweiten. Nach klassischer Lehre birgt dies ein Inflationsrisiko.

Bitcoin eine Alternative zu Geld bzw. Gold?
Geld muss vor allem zwei Eigenschaften besitzen - allgemeine Akzeptanz und hinreichende Wertstabilität. Daneben spielen die Transaktionskosten und die Transaktionssicherheit eine wichtige Rolle.

Allgemeine Akzeptanz: Rückenwind erhielt der Bitcoin-Kurs zuletzt u.a. durch die Meldung eines großen Zahlungsdienstanbieters aus den USA, der zukünftig Bitcoin akzeptieren will und von Tesla, die für 1,5 Mrd. USD Bitcoins gekauft haben und diese irgendwann auch als Zahlungsmittel akzeptieren möchten. Dies vermittelt den Eindruck, dass sich Bitcoin immer mehr als Transaktionsmittel etablieren könnte.

Allerdings lässt der Zahlungsanbieter zwar zu, dass Kunden ihre Konten dazu nutzen können, Bitcoin zu kaufen, zu halten und zu verkaufen. Doch für Überweisungen lässt er lediglich Bitcoin als Finanzierungsquelle, nicht aber als eigentliches Transaktionsmittel zu. Das heißt, die Bitcoins müssen zunächst in gängiges Notenbankgeld umgewandelt werden, bevor sie überwiesen werden können. Bitcoin bleibt immer noch weit davon entfernt, breite Akzeptanz als Transaktionsmittel zu erlangen. Einige Händler mögen Zahlungen per Bitcoin akzeptieren. Aber das ist nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Im Alltag ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich oder praktikabel, mit Bitcoin zu bezahlen.

Ein großes Hindernis dafür ist eine hinreichende Wertstabilität: Die Hergabe und die Erlangung von Gütern, Dienstleistungen und Investitionen möchten Wirtschaftssubjekte nicht immer im selben Zeitpunkt vornehmen. Verliert ein Transaktionsmittel in der Zeitspanne zwischen Einnahme und Ausgabe zu sehr an Wert (d.h. ist die Wertaufbewahrungsfunktion von Geld nennenswert beeinträchtigt), ist es ungeeignet, als Zahlungsmittel von vielen angenommen werden.

So schwankten die Preise für den Warenkorb des Euroraum-Konsumkorbes (HCPI) zwischen 2014 und 2020 in Euro um 0,5% von Monat zu Monat, in Bitcoin hingegen um 21,1%. Das heißt, hohe Inflations- und hohe Deflationsraten würden sich innerhalb kürzester Zeit abwechseln, wenn Bitcoin als Zahlungsmittel zu Grunde gelegt würde. Für die Kalkulierung von Preisen wäre dies ein Alptraum.

Bitcoin ist extrem volatil
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Auch die Transaktionskosten sind im Fall von Bitcoin keineswegs vernachlässigbar. Die maximale Transaktionsgeschwindigkeit ist mit etwa 7 Transaktionen pro Sekunde niedrig. In umsatzstarken Zeiten wie zuletzt kommt es zu erheblichen Verzögerungen, was nicht nur die Liquidität des Systems limitiert, sondern auch die Kosten für Transaktionen in die Höhe treibt, da für eine raschere Abwicklung höhere Gebühren zu zahlen sind.

Eine Sicherheit, dass die Transaktion innerhalb eines bestimmten Zeitraums tatsächlich abgewickelt wird, besteht insbesondere in solchen Zeiten nicht. Bedenklich ist vor allem auch die hohe Konzentration im Bitcoin-Markt. Laut einem Bloomberg-Bericht kontrollieren fünf „Minen-Unternehmen“ 49,9% des Bitcoins-Netzwerkes, allesamt mit Sitz in China. Zudem ist der Streubesitz von Bitcoins, trotz einer zunehmend breiteren Streeung, relativ gering. Marktmanipulationen sind daher leicht möglich. Bei Gold ist die Produktion dagegen über viele Länder und Unternehmen verteilt und das größte Minenunternehmen steuert nur gut 4% zum Angebot bei. Der größte Goldbesitzer, die US-Notenbank bzw. das US-Finanzministerium, besitzt 4% des gesamten Goldes.

Bitcoin ist somit als Geld im klassischen Sinn ungeeignet. Für Nischen, in denen die Anonymität bzw. Pseudonymität der Transaktionsteilnehmer entscheidend ist, könnten sich Bitcoin oder andere Krypto-Währungen als Transaktionsmittel aber etablieren.

Erfolg von Bitcoin weckt Begehrlichkeiten
Die Wertentwicklung des Bitcoins weckt immer größere Begehrlichkeiten. Die Motivation der Käufer ist nachvollziehbar – Bitcoin und viele andere Krypto-Währungen sind nicht beliebig vermehrbar. Die maximale Anzahl von Bitcoins beträgt aufgrund der Konstruktion knapp 21 Mio. wovon derzeit bereits 90% geschaffen wurden. Der letzte Bitcoin könnte etwa im Jahr 2140 produziert werden. 3-4 Mio. Bitcoins sollen aber durch Diebstahl, Datenverlust oder Malware unwiederbringlich verloren sein. Bitcoin ist unter den Kryptowährungen die prominenteste, erhält aber zunehmend Konkurrenz, denn das Modell verspricht hohe Gewinne, was Nachahmer inspiriert. Inzwischen gibt es geschätzt ca. 10.000 Krypto-Währungen. Die einzelne Währung ist zwar häufig nur begrenzt vervielfältigbar, aber die Anzahl der Krypto-Währungen wächst und ist beliebig vermehrbar. Ob Krypto-Währungen in Summe somit einen Inflationsschutz bieten, das ist zumindest unsicher.

Bitcoin das „bessere Gold“?
Bitcoin ist ertragslos und bietet durch seine Limitierun scheinbar einen Inflationsschutz. Diese Eigenschaften treffen auch auf Gold zu, das traditionell als alternative Währung gilt bzw. lange das Rückgrat von Währungssystemen war (Goldumlaufswährung, goldgedeckte Währung). Ist Bitcoin somit das „neue Gold“, nur „smarter“ und wesentlich ertragreicher? Gold hat im Gegensatz zu Bitcoin auch einen Gebrauchswert. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre entfielen 34% der Nachfrage auf Schmuck, 7% auf industrielle Anwendungen, 17% auf Notenbanken und 42% auf Investments (Quelle World Gold Council). Gold hat seit jeher einen hohen ideellen Wert und gilt als wertstabil. Dies liegt daran, dass Gold nicht beliebig vermehrbar ist und seine Gewinnung mit entsprechenden Förderkosten verbunden ist. Daher lassen sich u.a. die Förderkosten des Goldes als eine Art Maßgröße für den inneren Wert des Goldes heranziehen. Bitcoins indes fehlt es an dem Gebrauchswert und auch am ideellen Wert.

Gold und Bitcoin nur scheinbar im Gleichschritt
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Bitcoin ohne inneren Wert
Als Parallele zwischen Bitcoin und Gold ließe sich neben ihrer Knappheit und nicht beliebigen Vermehrbarkeit das Argument der „Förderkosten“ anführen. Bitcoins werden durch aufwendige Rechen- und Computertechnik generiert, die einen zunehmenden Stromverbrauch erfordert. Die damit verbundenen steigenden Grenzkosten könnte man mit der aggregierten Kurve der Förderkosten bei Gold vergleichen. Doch kann das Förderkostenargument nicht den Wert eines Bitcoins begründen. Ein Beispiel, das man auf Bitcoin-Wiki finden konnte: Lässt man von einem Bautrupp Löcher graben und von einem anderen ebenfalls gegen Bezahlung wieder zuschütten, so sind zwar Kosten entstanden, aber es wurde kein Wert geschaffen. Genauso fällt es uns schwer, im Bitcoin (wie im aufgegrabenen und zugeschütteten Loch) Wert zu erkennen. Uns fehlt das logische Glied in der Kette, weshalb diese Dienstleistung nicht wie jede andere Dienstleistung vergütet werden sollte: Nämlich durch Bezahlung in gesetzlicher Währung. Wären die Preise für die Erbringung dieser Leistung tatsächlich so hoch wie dies die Bitcoinpreise suggerieren, so müsste man sich fragen, ob die Blockchain-Technologie auf dem spezifischen Anwendungsfeld des Zahlungsverkehrs überhaupt wettbewerbsfähig ist. Letztendlich fehlen dem Bitcoin und anderen Krypto-Währungen, im Gegensatz zu Gold, der innere Wert. Ihr Wert hängt ausschließlich davon ab, ob ein anderer dafür bereit ist, Geld zu bezahlen. Das ist aber der klassische Fall einer Spekulation.

Bitcoin kein nachhaltiger Sachwert
Das „Mining“ neuer Bitcoins ist extrem energieintensiv und wird schwerpunktmäßig in Schwellenländern durchgeführt. Dort ist elektrische Energie meist knapp, so dass das „Minen“ oftmals strukturelle Verbesserungen für die Bevölkerung (Bildungsangebote, Infrastruktur etc.) bremst. Sicher: Auch die Goldförderung ist aktuell nicht flächendeckend „nachhaltig“, weil Sicherheitsstandards in einigen Minen mangelhaft sind und es mitunter auch im Umfeld der Minen zu Geldwäsche und Korruption kommt. Aber: Mittlerweile haben sich nachhaltige Goldprodukte etabliert, die diese Nachhaltigkeitsrisiken aktiv managen und dadurch auch einen nachhaltigen Weg für Goldinvestments frei machen.

Damoklesschwert: Regulierung
Anders als die von den Notenbanken herausgegebenen gesetzlichen Währungen sind Bitcoins keine offiziellen Zahlungsmittel. Niemand muss Bitcoins als Zahlungsmittel annehmen. Ihre Eigenschaft als Zahlungsmittel kann ihnen wieder abhandenkommen, wenn Händler, die sie bislang akzeptieren, sich dazu entschließen, sie einfach nicht mehr zu akzeptieren oder nicht mehr akzeptieren dürfen. Insbesondere für Letzteres besteht ein hohes Risiko, denn bisher sind Kryptowährungen kaum reguliert. Je mehr Unternehmen aber über die Akzeptanz von Kryptowährungen nachdenken, desto größer wird der Druck, diese strenger zu regulieren. Dabei sollte man sich bewußt machen, dass Regierungen und Notenbanken Kryptowährungen skeptisch gegenüberstehen. Zum einen untergraben private Parallelwährungen die Geld- und Finanzpolitik und zum anderen erleichtern sie kriminelle Zwecke wie Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche. In China ist der Handel zumindest für Banken bereits verboten und in einigen anderen Ländern wie Vietnam und Mazedonien ist die Verwendung von Bitcoins illegal. Die USA denken zumindest über eine umfassende Regulierung nach. Zudem könnten Notenbanken irgendwann ihre Währungen auch in einer digitalen Variante anbieten.

Vom Glauben und Manipulation
Dass sich der Bitcoin oder andere private Kryptowährungen als Zahlungsmittel etablieren und zu einer Art Reservewährung im Stil von Gold werden, ist unwahrscheinlich. Da sie keinen inneren Wert besitzen, bestimmt allein der Glaube und die Regulierung den Wert. Die Wertsteigerung des Bitcoins ist wohl ein spekulativer Exzess, der sich aus der Erwartung speist, dem Bitcoin gehöre die Zukunft, mehr aber noch aus der Hoffnung, später jemanden zu finden, der noch mehr für ihn zahlen wird. Dies erinnert eher an die Tulpenmanie in Holland anno 1636/37. In der Spitze des Booms kostete eine Tulpenzwiebel angeblich soviel wie ein Einfamilienhaus. Immerhin bekommt man derzeit für einen Bitcoin Computercode einen gehobenen Mittelklassewagen. Der Excess wird auch am Beispiel von Dogecoin ersichtlich – einer digitalen Währung, die nur geschaffen wurde, um sich über Bitcoin lustig zu machen, denn Dogecoin ist beliebig vermehrbar. U.a. dank eines nicht ernst gemeinten Tweets von Elon Musk stieg der Wert der Dogecoins zuletzt auf 10 Mrd. USD. Dies wiederum zeigt auch, wie leicht der Markt zu manipulieren ist.

Fazit

Fazit

Private digitale Währungen sind keine Alternative zu offiziellem Notenbankgeld und auch nicht zu Gold oder anderen Edelmetallen. Wir sehen bestenfalls minimalen volkswirtschaftlichen Nutzen, aber große Nachteile. Ob der Wert 0,01 EUR oder 1.000.000 EUR beträgt, ist reine Glaubenssache. Natürlich kann sich jeder an der Spekulation beteiligen, genauso wie er ins Kasino geht oder an einem Hütchenspiel auf der Straße teilnimmt. Unsere Aufgabe ist es aber, auf den spekulativen Charakter hinzuweisen und dass private digitale Währungen nur wenig mit Geldanlage zu tun haben.


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor: Michael Ott

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