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Chinesische Festlandbörsen erzielen 2020 kräftige Outperformance

30.07.2020

  • CSI 300-Index legt seit Anfang 2020 um rd. 14% zu
  • Chinas Konjunktur gewinnt wieder deutlich an Fahrt
  • Kleinanleger dominieren nach wie vor den Markt
  • Voten für A- und H-Aktien weiter Übergewichten

Chinas Börsen trotzen der Coronakrise
Einige Anleger reiben sich nach sieben aufregenden Börsenmonaten bestimmt verwundert die Augen. Der Leitindex (CSI 300) des Landes, in dem das Coronavirus im Dezember 2019 vermutlich seinen Ursprung hatte und sich sehr schnell weltweit verbreitete, legte in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres (per 30. Juli) um satte 13,7% zu. Neben dem US-Technologieindex Nasdaq Composite (+17,5% seit Anfang 2020) gehören chinesische A-Aktien, die wir am 3. Januar 2020 von Neutral auf Übergewichten gestuft hatten, somit zu den besten Performancebringern in diesem Jahr. Selbst der sehr breit gefächerte Schanghai A-Index, der 1.448 Titel umfasst, gewann seither rd. 7%. Vor allem in der ersten Julihälfte legten festlandchinesische Aktien kräftig zu, bevor es in der zweiten Monatshälfte zeitweise zu deutlicheren Gewinnmitnahmen kam.

Chinas Konjunktur gewinnt wieder spürbar an Fahrt
Die Gründe für den rasanten Kursanstieg und die kräftige Outperformance von Chinas Börsen sind vielfältig. Zum einen zeigte sich in den vergangenen Wochen, dass die chinesische Wirtschaft wieder spürbar Fahrt aufnimmt. Das BIP im Reich der Mitte wuchs in Q2 2020 auch infolge der fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen der Regierung um 3,2% (J/J), wobei der Aufschwung vor allem durch die Industrie getragen wird (+4,4%; Q1 2020: ca. -10%, jeweils J/J).

Der private Konsum hinkt aber noch hinterher, da die real verfügbaren Einkommen im ersten Halbjahr 2020 um 2% gesunken sind (Q2 2020: +2,6% J/J). Die Einzelhandelsumsätze fielen in Q2 2020 um rd. 4% (Q1 2020: -20% J/J). Coronabedingt entwickelten sich aber die Onlineverkäufe im ersten Halbjahr 2020 sehr robust (+14% J/J).

Das Stimmungsbarometer für das chinesische Dienstleistungsgewerbe (Caixin/Markit) kletterte im Juni 2020 sogar von 55 auf 58,4 Punkte und lag damit deutlich über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Das ist das höchste Niveau seit April 2010. Der Konsensus (Juni 2020) rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg des chinesischen BIP von 1,4% gegenüber dem Vorjahr. Für das Jahr 2021 wird dann ein Zuwachs von satten 8% (J/J) prognostiziert.

Muster Bild

Auch die Firmengewinne in der chinesischen Industrie zogen den zweiten Monat in Folge an. Im Juni 2020 kletterten diese um 11,5% (Mai: +6%, jeweils J/J). Auch wenn die Industriegewinne für das erste Halbjahr 2020 somit noch um 12,8% unter dem vergleichbaren Niveau des Vorjahres liegen, zeigt der jüngste Trend in die richtige Richtung.

Die Industrieproduktion zeigte sich ebenfalls im Juni 2020 mit einem Plus von 4,8% (J/J) weiter erholt. Viele chinesische Firmen konnten bereits im März/April 2020 wieder die volle Produktionskapazität erreichen.

Eine wieder dynamischer wachsende Volkswirtschaft, steigende Gewinne in der Industrie, eine lockere Geld- und Fiskalpolitik sowie ein Mangel an Anlagealternativen (nachdem die Immobilienpreise in China in den vergangenen Jahren schon sehr stark gestiegen sind) waren offenbar gute Gründe für viele Kleininvestoren, an den Aktienmarkt zurückzukehren.

Kleinanleger bestimmen nach wie vor Chinas Börsen
Da diese rund 80% des Aktienmarktumsatzes auf sich vereinen, kommt es an den chinesischen Festlandbörsen immer wieder zu recht starken Aufwärts- und Abwärtsschüben. Typischerweise steigt die Zahl von neu eröffneten Depotkonten spürbar an, nicht selten begleitet von einem Anstieg der Lombardkredite, die zuletzt so stark anzogen wie seit 2015 (der letzten markanten Börsenrally) nicht mehr.

Ausländische institutionelle Anleger machen mit rd. 3% des Gesamtmarktes nach wie vor nur einen kleinen Teil aus, auch wenn sich deren Beteiligung im Zuge der Finanzmarktöffnung in China von 500 auf 2.000 Mrd. Yuan erhöht hat.

Gewinnmitnahmen u.a. wegen politischer Spannungen
Nach den überraschend starken Kursgewinnen kam es dann in der zweiten Julihälfte 2020 zu Gewinnmitnahmen. Ausgelöst wurden diese neben dem vielleicht zu schnellen und kräftigen Kursanstieg auch durch die sich verschärfenden Spannungen zwischen China und den USA.

Nachdem die US-Regierung verfügt hatte, das chinesische Konsulat in Houston zu schließen (Vorwurf: „Drehkreuz der Spionage und des Diebstahls geistigen Eigentums“), ließ China im Zuge einer üblichen Retourkutsche das US-Konsulat in Chengdu schließen.

Die Beziehungen zwischen den beiden Großmächten sind seit Längerem schwer belastet. Neben dem Handelskrieg, der vor allem im Jahr 2019 die Gemüter erhitzte und weiter-hin schwelt, war es zuletzt das von Peking verabschiedete „Sicherheitsgesetz“ für Hongkong, das nicht nur in den USA für Unmut sorgte.

Hinzu kommt das rigide Vorgehen Pekings gegen die muslimische Minderheit der Uiguren, was die Verhängung von US-Sanktionen gegen ranghohe Vertreter der Kommunistischen Partei Chinas zur Folge hatte.

Chinas Börsen nach Kursanstieg nicht mehr so günstig
Nach dem kräftigen Kursanstieg haben sich die Bewertungsrelationen für chinesische Aktien erhöht. Für den MSCI China-Index rechnet der Konsensus für das laufende Jahr mit einem Anstieg der Firmengewinne von 14,1% (J/J), woraus sich ein KGV von 18,6 ergibt. Für 2021 rechnet der Konsensus mit einem Wachstum der Unternehmensgewinne von 18,6% gegenüber dem Vorjahr; das zugrundeliegende KGV beläuft sich dadurch auf 15,8.

Wir bestätigen aber unsere Übergewichten-Empfehlung
Das ist vor dem Hintergrund der vielfältigen Probleme, die nicht nur infolge des Coronavirus weltweit existieren, zwar nicht mehr als günstig zu bezeichnen.

Aufgrund einer sich aller Voraussicht nach fortsetzenden Erholung der chinesischen Wirtschaft im Jahr 2021 bestätigen wir aber zunächst noch unsere Übergewichten-Empfehlung für die Aktienmärkte in China (A-Aktien) und in Hongkong (H-Aktien). Letztere sind mit einem KGV von 8,5 (Hang Seng China Enterprises Index) weiterhin relativ moderat bewertet.

Fazit

Fazit

Die Chinas Aktienmärkte haben in den ersten sieben Monaten des turbulenten Börsenjahres 2020 stark positiv überrascht. Neben den US-Technologieaktien gehören sie mit zu den größten Outperformern. Nach dem kräftigen Kursanstieg seit Jahresbeginn 2020 ist die Bewertung zwar nicht mehr so günstig wie Anfang Januar 2020, als wir die festlandchinesischen Börsen auf Übergewichten heraufgestuft haben. Aufgrund der sich aller Voraussicht nach fortsetzenden Erholung der Konjunktur im Reich der Mitte im Jahr 2021 bestätigen wir aber zunächst noch unere Übergewichten-Empfehlung für die Aktienmärkte in China (A-Aktien) und Hongkong (H-Aktien).


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor: André Sadowsky, CEFA

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