• Insights - Analysen, Märkte und Prognosen

    Insight

Fed erhöht Leitzins kräftig – riskiert sie eine Rezession?

05.05.2022

  • Fed wird deutlich restriktiver
  • Bilanzreduktion stärker als 2015 bis 2017
  • Inflationsbekämpfung hat höchste Priorität
  • US-Rezession möglich, aber noch kein Basisszenario

Die Fed erhöht erstmals seit 22 Jahre um 50 Basispunkte
Wie erwartet, hat die US-Notenbank (Fed) auf ihrer gestrigen Sitzung den Zinskorridor für ihre Leitzinsen um 50 Basispunkte (Bp.) auf 0,75% bis 1,00% angehoben. Ein großer Zinsschritt war von den Marktteilnehmern erwartet worden, aber es war der erste Zinsschritt um 50 Bp. seit 2000; üblich waren seitdem Erhöhungen um 25 Bp. Auch für die nächsten beiden Sitzungen im Juni und Juli werden Zinserhöhungen in Höhe von 50 Bp. von Fed-Chef Powell in Aussicht gestellt. Der Markt hat sie bereits eingepreist.

Muster Bild

Rasche Bilanzreduzierung ab 1. Juni
Zugleich hat die Fed den Startschuss für den Bilanzabbau ab 1. Juni gegeben. Der vorgelegte Plan entspricht dem Rahmen, wie im Protokoll der März-Sitzung veröffentlicht wurden. Danach werden zunächst höchstens 47,5 Mrd. US-Dollar fällige US-Treasuries und Hypothekengesicherte Anleihen (MBS) abgebaut. Nach drei Monaten soll das Tempo auf monatlich 95 Mrd. US-Dollar erhöht werden. Aktuell hält die US-Notenbank Wertpapiere in Höhe von knapp 8,5 Bio. US-Dollar. Im letzten Zyklus 2015 bis 2017 wurde die Bilanznormalisierung deutlich langsamer durchgeführt.

Powell verspricht entschlossene Inflationsbekämpfung
In der Presskonferenz wandte sich Fed-Chef Powell direkt an die US-Bevölkerung und gab zu, dass die Inflation derzeit viel zu hoch sei und vielen Amerikanern Probleme bereite. Er versicherte jedoch, dass die Fed rasch handeln werde, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Die Fed möchte den Leitzins schnell wieder in den neutralen Bereich bringen. Dazu stellte Powell für die nächsten Sitzungen Zinsschritte in Höhe von 50 Bp. in Aussicht, größere Zinsschritte würde die Fed nicht in Erwägung ziehen. Es sei durchaus möglich, dass die Fed ihren Leitzins sogar in den restriktiven Bereich anheben müsse. Die US-Wirtschaft sei aber in einer guten Position, um mit der weniger expansiven Geldpolitik zurecht zu kommen.

Fed muss Lohninflation dämpfen
In der Pressekonferenz zeigt sich Powell optimistisch, dass die Fed eine „weiche Landung“, also eine erfolgreiche Inflationsbekämpfung, ohne die US-Wirtschaft in eine Rezession zu treiben, hinbekommt. Die Inflationsbekämpfung sieht die Fed jedoch als oberste Priorität. Powell signalisierte, dass die Fed notfalls eine Rezession riskieren würde.

Ob die US-Notenbank erfolgreich sein wird, ist jetzt noch nicht vorauszusagen. Die Fed beabsichtigt, insbesondere die Nachfrage zu bremsen, um die Überhitzung am US-Arbeitsmarkt, die Powell bestätigt, zu dämpfen. Vor allem will die US-Notenbank, dass die Löhne nicht unkontrolliert steigen und zu einer Lohn-Preisspirale führen. Die Löhne legen bereits kräftig zu. Um den Lohnanstieg zu bremsen, muss die Arbeitslosigkeit steigen. Nach dem 2. Weltkrieg ist es jedoch nie gelungen, dies mit einem nur leichten Anstieg der Arbeitslosenquote zu erreichen (siehe Grafik).

US-Arbeitslosenquote
Muster Bild

Gibt es eine US-Rezession?
Die Analysten haben ihre Wachstumsprognosen bereits deutlich nach unten genommen. Gründe hierfür waren aber nicht nur die US-Notenbank, sondern vor allem auch die nachlassende globale Nachfrage wegen des Kriegs in der Ukraine, Lieferengpässe und die Wachstumsabschwächung in China. Erste Sorgen einer Wachstumsabschwächung kamen auf als die US-Renditekurve Anfang April 2022 zwischen 10-und 2-jähirgen US-Treasuries kurzzeitig invers wurde. Es wird befürchtet, die US-Notenbank könnte die US-Konjunktur abwürgen. Nach dem die US-Renditekurve invers geworden war, ist es in der Historie nach einigen Monaten fast immer zu einer Rezession in den USA gekommen. Die Renditekurve war jetzt aber nur sehr kurz invers und der Abstand zwischen den Renditen 10-jähriger US-Treasuries und den Zinsen von 3- Monats-Bills ist sogar noch größer geworden. Dies ist ein noch verlässlicher Indikator.

Muster Bild

Es ist nicht vorherzusagen, ob die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht. Noch geht die Mehrzahl der Analysten nicht davon aus. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedenfalls deutlich gestiegen. Klar ist auf jeden Fall, dass sich die US-Wirtschaft abschwächen wird.

US-Dollar und Renditeprognosen unverändert
Die Rendite 10-jähriger US-Treasuies sank kurzzeitig um 10 Bp. und der US-Dollar gab nach der Sitzung leicht nach. Wir sehen allerdings für unsere Erwartungen momentan noch keinen Änderungsbedarf. Es könnten jetzt zwei oder drei Zinsschritte von 50 Bp. folgen. Wichtiger als die Geschwindigkeit der Zinserhöhungen ist das Ausmaß. Wir rechnen bis Mitte nächsten Jahres mit Fed-Funds-Rate von 3,5%, was restriktiv wirkt. Der neutrale Leitzins wird von US-Notenbankern bei 2,4% gesehen. Damit dürfte die Rendite 10-jähirger US-Treasuries - wie bisher erwartet - auf etwa 3,50% ansteigen. Da die Bundrenditen nicht in gleichem Maße ansteigen dürften, sollte die Renditedifferenz weiterhin Unterstützung für den US-Dollar geben. Wenn sich baldige Zinserhöhungen der EZB bewahrheiten, dürfte der Euro wieder zulegen können.

Muster Bild

Fazit

Fazit

Die Fed-Sitzung hat zunächst beruhigt. Die Kapitalmärkte haben positiv auf die Zinserhöhung von 50 Bp. reagiert, weil Powell noch höhere Zinserhöhungen um 75 Bp. praktisch ausgeschlossen hat. Für die US-Notenbank hat die Inflationsbekämpfung höchste Priorität. Dabei würde sie auch eine Rezession riskieren. Ob es dazu kommt, ist nicht vorauszusagen, eine Wachstumsabschwächung kommt in jedem Fall. Wir rechnen weiterhin mit steigenden US-Renditen und mit einem gut unterstützten US-Dollar.


Impressum

Herausgeber
Commerzbank Aktiengesellschaft, Kaiserplatz, 60261 Frankfurt am Main.
Diese Ausarbeitung oder Teile von ihr dürfen ohne Erlaubnis der Commerzbank weder reproduziert, noch weitergegeben werden, ©2022.

Redaktion
Martin Hartmann, CEFA

Detailinformationen zu den Chancen und Risiken der genannten Produkte hält Ihr Berater für Sie bereit.

Wichtige Hinweise

Kein Angebot; keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung.

Darstellung von Wertentwicklungen
Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers/ Index von EURO abweicht.