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Ausblick 2021: Solide Bankbilanzen, aber Anleiherenditen bleiben niedrig

14.01.2021

  • Renditen der Bankenanleihen sollten niedrig bleiben
  • Geringeres Neuemissionsvolumen als in den Vorjahren
  • Kreditausfallrisiken aufgrund der Coronakrise wachsen
  • Solide Bankbilanzen schützen den Anleiheinvestor

Anleihen mit guter Performance im vergangenen Jahr
Vor einem Jahresausblick lohnt zur Beurteilung immer der Blick in den Rückspiegel. Trotz der Coronakrise haben sich die Anleihen von Banken (sogenannte „Financials“) 2020 wacker geschlagen. Der durchschnittliche Wertzuwachs laut iBoxx-Senior-Financial-Index betrug 2,3%. Die massiven Kursverluste, die Bankenanleihen zu Beginn der Coronakrise verzeichneten, konnten überwiegend wieder aufgeholt werden. Die Risikoaufschläge (Spreads), gemessen an den Asset-Swapsätzen, haben sich im Jahresvergleich kaum verändert. So lagen die Risikoaufschläge von Seniorbankenanleihen am Jahresende wie schon zu Jahresanfang 2020 bei unter 50 Basispunkten (Bp.) und ließen die deutlichen Spreadausweitungen auf über 200 Bp. im März vergessen.

Grafik: Banken- und Unternehmensanleihen im Plus

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Wie erklärt sich dann die gute Performance der Bankanleihen? Dies lag am deutlich gesunkenen Zinsniveau: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate verringerten sich zum Beispiel die fünfjährigen Swapsätze von minus 0,15% auf minus 0,45%, was zu entsprechenden Kursgewinnen der Rentenpapiere führte.

Renditen dürften niedrig bleiben
Die ohnehin schon zum Jahresbeginn 2020 recht niedrigen Renditen gingen in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal zurück. Senior-Bankenanleihen weisen Anfang 2021 laut iBoxx-Index nur noch knapp eine positive laufende Verzinsung von ca. 0,15% auf, Bankennachränge bieten im Durchschnitt ungefähr 0,70%.

Grafik: Anleiherenditen im Jahresverlauf gesunken
iBoxx € Corporates, Renditen in Prozent

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Quelle: iBoxx, Commerzbank

Selbst die aktuellen Sorgen um eine Mutation des Virus und die Aussicht auf eine länger als ursprünglich erwartete Schließung der Geschäfte, Schulen und des öffentlichen Lebens in Deutschland und vielen Ländern Europas bewegen die Risikoaufschläge und damit die Renditen kaum. Kursstützend wirken die jüngsten positiven Nachrichten in Bezug auf die Brexiteinigung, die Impfstoffhoffnungen, die vermeintlich politische Sicherheit der neuen US-Regierung (die Demokraten beherrschen den Kongress und können damit durchregieren) sowie die andauernden Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Auch wenn die EZB keine Financials mit ihren Kaufprogrammen erwirbt, ergeben sich Verdrängungseffekte. Käufer wenden sich von den teureren Unternehmensanleihen ab und schauen sich nach Alternativen um, wie zum Beispiel Bankenanleihen. In der zweiten Jahreshälfte 2021 könnte die aufkommende Diskussion um eine Verringerung der Zentralbankkäufe die Spreads belasten und damit für einen Renditeanstieg sorgen.

Weniger Neuemissionen erwartet
Wir gehen für 2021 von einem sinkenden Finanzierungsbedarf der Banken aus, da viele Kreditinstitute förmlich in Liquidität ertrinken. Das Einlagenwachstum der Banken übertrifft besonders in Nordeuropa seit Jahren das Kreditwachstum. Selbst die in der Finanzkrise von der EZB aufgelegten und damals von den Banken dringend benötigten Langfristtender (TLTRO) werden inzwischen von immer mehr Banken nur noch als reiner zusätzlicher Ertragsbringer genutzt (Banken können nämlich einen Zinsertrag von bis zu 0,5% mit ihren TLTRO-Ziehungen generieren).

Trotz dieser Dynamik wird das Anleiheangebot natürlich nicht verschwinden. Wir gehen davon aus, dass die Banken weiter versuchen werden, die Effizienz ihrer regulatorischen Kapitalstruktur zu verbessern. So ist der regulatorisch erlaubte effektive Freibetrag für Nachrangtitel gestiegen.

Das Neuemissionsvolumen der Senior-Financials dürfte sich um rund 20 Mrd. auf 150 Mrd. Euro im Vergleich zu 2020 verringern (-12%). Zieht man noch die fällig werdenden Anleihen davon ab, liegt das Nettoangebot nur noch bei 65 Mrd. Euro. Bei Bankennachrängen gehen wir von einem unveränderten (Brutto-)Volumen von ca. 25 Mrd. Euro aus.

Grafik: Neuemissionsvolumina sinken vermutlich
iBoxx € Financials-fähige Emissionen nach Jahr, in Mrd. €

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Quelle: Bloomberg, Markit, Commerzbank; *FC-Prognose für 2021

Die Nachfrage nach Bankenanleihen seitens der Investoren sollte daher das Angebot deutlich übersteigen, was die Kur-se stützt bzw. die Risikoaufschläge und Renditen niedrig hält.

Solide Bankbilanzen helfen in der Krise
Die Banken im Euroraum haben seit der Finanzkrise ihre Bankbilanzen gestärkt: Sie erhöhten ihre Eigenkapitalquoten, verringerten die Risikoaktiva und bauten deutlich den Anteil notleidender Kredite ab. Zwar sind aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler Unternehmen in der Coronakrise die faulen Kredite wieder leicht angestiegen, sie liegen aber im Durchschnitt laut Europäischer Bankenaufsicht bei 2,7% aller Kredite. 2015 betrug die Quote je-doch noch über 6%. Die Kreditinstitute reagierten auf den coronabedingten Anstieg mit einer deutlichen Aufstockung ihrer Rückstellungen. Zusätzlich helfen staatliche Kreditgarantien, die Risiken direkt zu reduzieren. Zur Stärkung des Eigenkapitals trugen auch die vorübergehende Sperre der Ausschüttung von Dividenden und das Verbot von Aktienrückkäufen bei.

Für Anleihegläubiger sind solide Aktiva eine Beruhigung besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Weniger zufrieden dürften Investoren jedoch mit den Erträgen der Banken sein. Zwar steuerten viele Institute mit einer Ausweitung ihrer zinsunabhängigen (Provisions-)Erträgen dagegen, das anhaltende Niedrigzinsumfeld drückt jedoch weiter auf die Zinsmarge.

Hoffnung gibt der Beginn der Coronaschutzimpfungen, insbesondere im Hinblick auf den dann voraussichtlich sinkenden Rückstellungsbedarf. Zudem könnten die Einnahmen durch die einsetzende wirtschaftliche Belebung einen gewissen Aufschwung erfahren. Zwar würden die vorsorglichen Sparanstrengungen der Kunden wahrscheinlich zurückgehen und damit möglicherweise das Wachstum der Einlagen verringern. Das Kreditwachstum sollte aber wieder anziehen, da die Unternehmen optimistischer in die Zukunft blicken, was schließlich zu größeren Anleiheemissionsvolumen führen dürfte.

Die in unserem Investmentuniversum vorhandenen Banken weisen überwiegend starke Bilanzen auf. Der Mangel an Investitionsmöglichkeiten für private Anleger, der durch die Käufe der EZB entstanden ist, dürfte die Risikoaufschläge und damit die Renditen von Bankanleihen niedrig halten. In dem nach wie vor andauernden Niedrigzinsumfeld bleiben Bankenanleihen – trotz der geringen Renditen – weiter eine attraktive Alternative.

Fazit

Fazit

Investitionen in Bankenanleihen bleiben neben Unternehmensanleihen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld eine gute Wahl. Wir empfehlen kurze bis mittlere Laufzeiten, um einen möglichen Zinsanstieg abzufedern. Wir rechnen hier nicht mit kurzfristigen Kursgewinnen, sondern halten die Investition aus dem Gesichtspunkt der Risikostreuung sowie als Alternative für teure Staatsanleihen und Pfandbriefe für interessant. In erster Linie empfehlen wir die nicht-vorrangigen Senior Papiere (Senior non-preferred) wegen ihrer höheren Risikoaufschläge bei nur leicht höherem Risiko zum Kauf. Nachranganleihen bleiben als Beimischung attraktiv.


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor: Burkhard Fehling

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