• Insights - Analysen, Märkte und Prognosen

    Insight

Unterhaus stimmt für Binnenmarktgesetz – kommt der harte Brexit?

30.09.2020

  • Binnenmarktgesetz mit großer Mehrheit im Unterhaus
  • Kaum Fortschritte bei Verhandlungen
  • „Abgespecktes“ Freihandelsabkommen wahrscheinlich
  • Das Votum für das britische Pfund bleibt neutral

Starke Zustimmung für Binnenmarktgesetz
Das von der britischen Regierung ins Parlament eingebrachte Binnenmarktgesetz hat die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU noch einmal deutlich erschwert. Das Gesetz sieht vor, dass Nordirland zum britischen Binnenmarkt gehören soll. Damit müsste wieder eine physische Grenze zwischen Irland und Nordirland eingeführt werden. Das Gesetz hebelt das bisherige Abkommen aus, das zwischen Nordirland und dem Rest von Großbritannien lediglich eine Zollunion vorsieht. Das britische Unterhaus hat das Binnenmarktgesetzt aber trotzdem mit 340 zu 256 Stimmen verabschiedet.

Verhandlungen gehen weiter
Die EU hat den Verhandlungstisch aber nicht verlassen. Offenbar will die EU nicht diejenige sein, die den Verhandlungstisch zuerst verlässt. Die britische Regierung pocht jedoch darauf, dass das Gesetz als „Sicherheitsnetz“ für den Fall eines harten Brexits gebraucht werde. Derzeit findet die neunte und zugleich letzte geplante Verhandlungsrunde zwischen der EU und Großbritannien statt. Bei den Verhandlungen gibt es offenbar weiterhin keine Fortschritte. Insbesondere werden sich die Unterhändler nicht über die Regeln zur Fischerei einig. Außerdem streitet man noch über die staatliche Unterstützung britischer Unternehmen. Details und Verhandlungsergebnisse sollen aber erst nach dem Ende der Verhandlungsrunde bekanntgegeben werden.

BoE bereitet sich auf harten Brexit vor
Die BoE stellt ihren Werkzeugkasten für den Fall der Fälle zusammen. Alle Mitglieder des geldpolitischen Rates waren sich auf ihrer Sitzung am 17. September einig, dass aktuell zwar kein Handlungsbedarf bestünde, man sich aber für den Jahreswechsel vorbereiten müsse, falls ein harter Brexit die britische Volkswirtschaft hart treffen sollte. Die BoE hat signalisiert, dass sie dann nochmals das Anleihekaufprogramm ausweiten könnte. Aber auch Negativzinsen hat die BoE ganz oben auf ihrer Liste. Beschlossen ist damit noch nichts, allerdings will die Notenbank signalisieren, dass man jederzeit einsatzbereit ist, falls Negativzinsen nötig werden. Sollte das britische Pfund bei einem harten Brexit jedoch kollabieren, könnten sogar Zinserhöhungen notwendig werden.

Muster Bild

Harter Brexit nicht unser Basisszenario
Das Risiko, dass Großbritannien Ende des Jahres ohne jegliches Abkommen aus dem Binnenmarkt ausscheidet, ist gestiegen. Es gibt aber noch gute Chancen, dass es wenigstens zu einem abgespeckten Handelsabkommen kommt. Schließlich gibt es auf beiden Seiten starke Interessen, einen „no-deal“- Brexit zu vermeiden. Es dürfte deshalb ein Abkommen geschlossen werden, dass zunächst nur Sektoren mit einer wirtschaftlichen Bedeutung abdeckt. Außerdem könnte es zu Übergangsregelungen kommen. Damit würden die Verhandlungen nach dem 31. Dezember aber weitergehen.

Votum für britisches Pfund bleibt bei neutral
Da ein starkes Interesse an einem Freihandelsabkommen besteht, ist es recht wahrscheinlich, dass eine Einigung, wenn auch nur auf ein Teilabkommen, noch möglich ist. Es ist nicht abwegig, dass die britische Regierung Druck auf die EU ausüben möchte, am Ende aber erneut einknicken könnte, sollte keine Einigung zustande kommen. Je weiter die Zeit verstreicht, desto höher ist aber auch die Wahrscheinlichkeit für einen No-Deal-Brexit. Insofern bleiben wir erst einmal bei unserem Votum „neutral“ für das britische Pfund.

Muster Bild

Britischer Aktienmarkt mit Underperformance
Der britische Aktienmarkt gehört zu den klarsten Verlierern der großen Aktienmärkte. Während es in den USA schon neue Rekordhochs gab, liegt der bekannteste britische Aktienindex, der FTSE 100 in Landeswährung seit Jahresanfang noch mit über 20% im Minus. Und auch im internationalen Vergleich zeigt sich, dass der Trend der Underperformance des britischen Marktes noch ungebrochen ist.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass der FTSE 100 als „exportlastiger“ Index von der Schwäche des britischen Pfundes relativ gesehen sogar profitiert, da die Gewinne der exportorientierten Unternehmen mit dem schwachen Pfund zunehmen. Denn der Umsatzanteil der FTSE100 Unternehmen, der außerhalb Großbritanniens erwirtschaftet wird, liegt bei fast 80% Historisch gesehen hat der FTSE100 eine klare negative Korrelation zum Pfundkurs.

Dass sich dies in diesem Jahr nicht wie sonst üblich zeigt, liegt an der gestiegenen Unsicherheit über die weitere Entwicklung beim Brexit, den hohen britischen Covid-19-Zahlen und der schwachen konjunkturellen Entwicklung mit einer unvermindert sehr hohen Arbeitslosigkeit. So haben sich viele der großen institutionellen Anleger von der Insel verabschiedet und der Aktienmarkt ist dadurch stärker unter Druck gekommen. Der britische Markt gehört somit zu den „ungeliebtesten“ Märkten weltweit.

Damit hat der britische Markt (MSCI UK) kurzfristiges Aufholpotenzial sollte es zu einem geordneten Abschied aus der EU kommen. Dies dürfte selbst für den FTSE100 gelten, obwohl die zu erwartende Erholung des Pfundes für diesen Fall eigentlich das Gegenteil erwarten lassen sollte. Etwas stärker dürfte das Kursplus dann beim FTSE250 ausfallen. Hier liegt der Umsatzanteil der im Ausland erwirtschaftet wird bei lediglich rd. 45%.
Ein Pluspunkt für den britischen Markt ist dabei auch die – optisch – niedrige Bewertung im relativen Vergleich.

Muster Bild

Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass diese Relation insbesondere deshalb so gut aussieht, da die anderen Märkte noch höher bewertet sind. Im Vergleich zur eigenen Historie ist der Markt auch nicht gerade ein Schnäppchen.

Muster Bild

Fazit

Fazit

Die Chinas Aktienmärkte haben in den ersten sieben Monaten des turbulenten Börsenjahres 2020 stark positiv überrascht. Neben den US-Technologieaktien gehören sie mit zu den größten Outperformern. Nach dem kräftigen Kursanstieg seit Jahresbeginn 2020 ist die Bewertung zwar nicht mehr so günstig wie Anfang Januar 2020, als wir die festlandchinesischen Börsen auf Übergewichten heraufgestuft haben. Aufgrund der sich aller Voraussicht nach fortsetzenden Erholung der Konjunktur im Reich der Mitte im Jahr 2021 bestätigen wir aber zunächst noch unere Übergewichten-Empfehlung für die Aktienmärkte in China (A-Aktien) und Hongkong (H-Aktien).


Impressum

Herausgeber

Commerzbank Aktiengesellschaft, Kaiserplatz, 60261 Frankfurt am Main.
Diese Ausarbeitung oder Teile von ihr dürfen ohne Erlaubnis der Commerzbank weder reproduziert, noch weitergegeben werden, ©2020.

Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor: Martin Hartmann, CEFA

Detailinformationen zu den Chancen und Risiken der genannten Produkte hält Ihr Berater für Sie bereit.

Wichtige Hinweise

Kein Angebot; keine Beratung
Diese Information dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Diese Ausarbeitung allein ersetzt nicht eine individuelle anleger- und anlagegerechte Beratung.

Darstellung von Wertentwicklungen
Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers/ Index von EURO abweicht.