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Ausblick 2021: Der neue DAX40

22.01.2021

  • Ausweitung des DAX auf 40 Titel
  • Neues Regelwerk für die DAX-Familie
  • DAX stärkt seine Rolle als wichtigster deutscher Index

Diverse Anpassungen bei den DAX-Auswahlkriterien
Während man sonst zum Jahreswechsel üblicherweise mit neuen steuerlichen Regeln oder Änderungen in der Straßenverkehrsordnung konfrontiert ist, ändert diesmal auch die Deutsche Börse ihr Regelwerk, aus dem sich die Zusammensetzung der deutschen DAX-Familie ergibt.

Mit dieser Index-Reform soll die Qualität der Auswahlindizes der Deutschen Börse AG weiter verbessert werden. Der Wegfall des bisherigen Liquiditätskriteriums (Ersatz durch ein Mindestliquiditätskriterium), die reguläre halbjährliche Überprüfung der Zusammensetzung der Auswahlindizes für alle Auswahlindizes (DAX, MDAX, SDAX, TecDAX und damit auch des HDAX) aber auch die Aufnahme eines Profitabilitätskriteriums sind wichtige Bausteine dieser Reform. Der neue DAX 40 wird sowohl die Rolle als deutscher Blue-Chips-Index als auch die als führender deutscher Gesamtmarktindex noch deutlicher ausfüllen.

Damit reagiert die Deutsche Börse u.a. auch auf Kritik an der Handhabung des „Falls Wirecard“, wo der bereits insolvente Titel noch rd. zwei Monate im Dax verblieben war und bei dem es zuvor auch zu Verspätungen bzw. Verschiebungen von Jahresabschlüssen und deren Testierung kam.

Der neue DAX 40 wird auf Basis der neuen Regeln aus den alten DAX 30-Titeln und 10 aktuellen MDAX-Titeln bestehen. Gleichzeitig wird der alte MDAX 60 zum MDAX 50, während der SDAX unverändert bleibt.

Die wichtigsten neuen Regeln

  • Sowohl die Titel aus dem Prime Segment der Deutschen Börse AG als auch die sonstigen Titel aus dem General Standard Segment der Deutschen Börse AG können sich ab Q1 2021 für die Auswahlindizes empfehlen, sofern sie die Anforderungen in Bezug auf die Finanzberichterstattung gemäß „Prime Standard“ (mehr Infos dazu finden Sie unter: https://www.deutsche-boerse-cash-market.com/dbcm-de/primary-market/marktstruktur/segmente) erfüllen.
  • Die Auswahlkriterien „Quartalsberichterstattung“ und ein Mindest-Free-Float von 10,0% bleiben erhalten und ein Unternehmen kann weiterhin nur von einer Aktiengattung (Vorzüge oder Stämme, etc.) in den Auswahlindizes vertreten werden.
  • Elemente aus dem „Deutschen Corporate Governance Kodex“ werden als Voraussetzung für die dauerhafte Mitgliedschaft in den Auswahlindizes übernommen. Dies gilt speziell für einen personell besetzten Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat. Für DAX-Titel wird eine Übergangsfrist, eine sogenannte „Grandfathering-Periode“ eingeräumt, wenn diese Ende Februar 2021 im DAX enthalten sind. Dieses Grandfathering-Privileg endet am Stichtag für die Erstellung der Rangliste August 2022.
  • Das bisherige Liquiditätsranking als Auswahlkriterium entfällt ab Q3 weg und wird durch ein „Mindest-Liquiditätskriterium“ ersetzt.
  • Die Zusammensetzung der Auswahlindizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX wird jetzt zweimal im Jahr (jeweils im März und im September) auf Basis der „Regular-Regeln“ und zweimal im Jahr (im Juni und Dezember) nach den „Fast Regeln“ überprüft.
  • Hinzu kommt ein „Profitabilitätskriterium“ (in den letzten beiden Geschäftsjahren ein positives EBITDA für neue DAX-Kandidaten).
  • Der DAX wir auf 40 Titel aufgestockt und der MDAX auf 50 reduziert. Der SDAX bleibt unverändert.
  • Die bisherigen Regular- und Fast-Regeln bei der Free-Float-Marktkapitalisierung werden entsprechend der neuen Index-Größen beim DAX und MDAX angepasst.

Wie könnte der „neue“ DAX aussehen?
Bei Anwendung der neuen Regeln würde der neue DAX 40 zurzeit aus den alten DAX 30-Titel plus 10 aktuellen MDAX 60-Titeln bestehen. Hierbei handelt es sich (Stand heute) um Airbus, Zalando, Symrise, Sartorius Vz., Siemens Energy, Brenntag, Qiagen, HelloFresh, Siemens Healthineers und LEG Immobilien. Auch die direkt dahinter positionierten Puma, Hannover Rück und Knorr-Bremse sind (noch) im Rennen um die beiden letzten DAX 40-Indexplätze. Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass es durch die künftige Kursentwicklung, Änderungen bei den Aktienanzahlen und Free-Float-Faktoren bis zur Entscheidung im September 2021 noch Verschiebungen geben kann. Sollten die Porsche Vz., die bisher nur im General Standard notiert sind, die neuen Index-Kriterien erfüllen, hätte auch diese Aktie eine Chance auf eine DAX 40-Mitgliedschaft.

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Mit der Einführung des neuen DAX 40 kommt es zu einer substanziellen Veränderung der Index-Landschaft bei den Auswahlindizes der Deutsche Börse AG. Der neue DAX 40 wird einen Anteil von ca. 82,5% am Prime Segment der Deutschen Börse aufweisen, sodass der Repräsentationsgrad für den deutschen Aktienmarkt weiter ansteigt.
Zudem würden auf die größten 6 Titel rd. 40% der gesamten Marktkapitalisierung entfallen.

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Es ändert sich allerdings nicht viel daran, dass der Index kein Abbild der deutschen Wirtschaft darstellt. Die starke Gewichtung des verarbeitenden Gewerbes, die im DAX30 rd. 60% der Marktkapitalisierung ausmacht, aber „nur“ rd. 20% der Brutto-Wertschöpfung, wird auch durch die wahrscheinlichen Neumitglieder (u.a. Airbus, Symrise) weiterhin erhalten bleiben.

Der Dax hat damit wohl auch weiterhin einen starken Bezug zur internationalen Konjunkturentwicklung und bleibt zyklisch ausgerichtet. Und ganz nebenbei… Apple wird – ceteris paribus - auch bei einer Aufstockung auf 40 Titel eine höhere Marktkapitalisierung aufweisen als der DAX. Zudem könnten die neu eingeführten Profitabilitätskennzahlen die Aufnahme junger wachstumsstarker, aber noch nicht profitabler – Unternehmen (z.B. aus dem IT-Sektor) erschweren. Aber hier gehen die Meinungen darüber, ob dies ein Vorteil oder ein Nachteil ist sicher auseinander. Ein Unternehmen wie Delivery Hero wäre dann jedenfalls nicht im Dax gelandet.

Auch was diverse Kennzahlen angeht bringt die Ausweitung keine großen Veränderungen. So hat die Deutsche Börse in einer Rückrechnung festgestellt, dass die durchschnittliche Performance eines DAX40 unverändert bei 6,1% gelegen hätte, bei einer leicht erhöhten Volatilität.

Schrittweise Einführung der neuen Regeln
Ab sofort gilt das neue Profitabilitätskriterium für DAX-Aufnahmekandidaten und u.a. die neuen Qualitätskriterien; die Voraussetzung „Prime Standard“ entfällt.
Ab Q3 2021 gelten alle anderen neuen Regeln - z.T. mit „Grandfathering Regeln“ für Indexmitglieder.
Am Freitag, den 17.09.2021 wird die Indexanpassung auf Basis der neuen Regeln berechnet. Am darauffolgenden Montag, den 20.09.2021 starten die Auswahlindizes mit der finalen neuen Zusammensetzung, d.h. DAX mit 40 Indextiteln und der MDAX mit 50 Indextiteln.

Sind die zu erwartenden neuen Indexmitglieder Kaufkandidaten?
Zwar ist die mögliche Aufnahme eines Titels in den DAX grundsätzlich eher positiv zu sehen, da Investoren, die sich an diesem Index orientieren und auch die vielen passiven Produkte (ETFs) auf den DAX diese Titel bei Aufnahme in den Dax kaufen würden bzw. müssten. Gleichwohl ist dies nur ein Kriterium bei der Betrachtung der Attraktivität eines Titels. Viel wichtiger als die – möglicherweise kurzfristig treibende Indexaufnahme – sind die jeweiligen fundamentalen Perspektiven des Unternehmens in Verbindung mit der Bewertung. Aktuell wird z.B. die Kursentwicklung stark von der Corona-Thematik und nicht von Indexüberlegungen getrieben.
Auch ist es bis zur Neustrukturierung im September noch eine Weile hin, so dass sich die Rangfolgen immer noch verändern können.

Fazit

Fazit

Das Index-System der Deutschen Börse nähert sich mit diesen Reformen den in den letzten Jahren bei anderen Index-Anbietern entstandenen internationalen Standards an. Die Ausweitung von 30 auf 40 Titel ist grundsätzlich begrüßenswert, da damit auch die Diversifikation innerhalb des Index etwas verbessert wird. Der neue DAX 40 wird sowohl die Rolle als deutscher Blue-Chips-Index als auch die Rolle als einer der führenden, deut-schen Gesamtmarktindizes ausfüllen können. Hierdurch sollte sich mittelfristig das Interesse - speziell von internationalen Investoren - auf diesen Index fokussieren. Das Standing des MDAX könnte sich damit verschlechtern, da er wohl mehr als 40% seiner aktuellen Marktkapitalisierung an den DAX abgeben würde.


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autoren:
Achim Matzke, techn. Analyst
Petra von Kerssenbrock, techn. Analystin
Thorsten Grisse, techn. Analyst
Andreas Wex, CEFA

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