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Asset-Allokation: Der Lockruf des Zinses

23.11.2022

  • Durch den starken Zinsanstieg erwächst den Immobilien mit dem Anleihemarkt ein neuer alter Konkurrent
  • Stabiler Renditebringer bleibt erhalten, aber nicht länger gegenüber Anleihen übergewichtet
  • Rezessionsszenario legt weiterhin Vorsicht bei Aktien nahe
  • Gestiegene Verzinsung macht Unternehmensanleihen attraktiv, die über ihren Spread die Risiken aus der Aktienuntergewichtung diversifizieren

Immobilien – auch 2022 ein stabiler Renditebringer …
Gemischte Portfolios haben im Jahr 2022 massiv gelitten. Die deutlichen Leitzinserhöhungen der Zentralbanken haben für einen Verfall der Anleihe- und Aktienkurse gesorgt, so dass der vielen Portfolios zugrundeliegende Ansatz einer Diversifikation von Aktienrisiken durch eine Anlage in (Staats-)Anleihen nicht funktionierte. Eine breiter angelegte Diversifikation durch Beimischung von Rohstoffen konnte dies zumindest teilweise abfedern. Ebenfalls hilfreich war eine Allokation in Immobilien, wo offene Immobilienfonds wie in den vergangenen Jahren verlässlich eine stabile Rendite von 2,5% und mehr lieferten.

Immobilien: solide 2,5% und mehr in den letzten Jahren
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Quelle: BVI

… aber Anleihen wieder ernstzunehmende Konkurrenz
Mit dem Zinsanstieg erwächst den Immobilien allerdings Konkurrenz im Renditelager – und zwar nicht nur im USD: Auch die Renditen im Euroraum sind deutlich gestiegen, für zehnjährige Bundesanleihen werden derzeit um die 2 % geboten; bei Unternehmensanleihen stehen je nach Bonität etwa 4 % zu Buche. Damit verdienen Anleihen nicht länger das Prädikat „Renditelos“ – und für die Asset Allokation ist nun nach vielen Jahren nicht mehr nur die (erhoffte) Diversifikation über gegenläufige bzw. voneinander unabhängige Kurseffekte ein Grund für ein Engagement in Anleihen, sondern eben auch wieder eine halbwegs akzeptable laufende Verzinsung. Dies ist ein Grund, die Übergewichtung des Immobiliensegments zu beenden.

Immobilien gehören auch im Jahr 2023 als stabiler Renditebringer ins Portfolio – aber halt in geringerer Ausprägung als während der Null- bzw. Negativzinsphase am Anleihemarkt. Dabei ist bei den Offenen Immobilienfonds weiter die individuelle Produktqualität von großer Bedeutung.

Positive Korrelation von Unternehmensanleihen mit Aktienvolatilität diversifiziert die Aktienuntergewichtung
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Quelle: Bloomberg, Commerzbank-Research

Unternehmensanleihen als Renditebringer im grundsätzlich defensiv aufgestellten „Winterportfolio“
In unserer grundsätzlichen Portfolioausrichtung für den Jahresstart steht weiterhin die für das erste Halbjahr 2023 erwartete Rezession mit erneuten Kursrückgängen an den Aktienmärkten im Fokus, weswegen wir bei Aktien eher vorsichtig sind und die Anleihemärkte bevorzugen. Auf Basis der aktuellen Gemengelage empfiehlt sich eine höhere Allokation in Unternehmensanleihen, die im Euroraum bereits mit etwa 4% rentieren. Zum einen bietet die höhere Umlaufrendite einen gewissen Puffer im Falle weiterer Zinsanstiege im Euroraum. Zum anderen diversifiziert der Spread dieser Anleihen einen Teil der Risiken aus der Aktienuntergewichtung, die insbesondere in den kurzzeitigen Erholungsrallys an den Aktienmärkten auftreten.

Relative Positionierung der einzelnen Anlageklassen (petrol) und jeweilige Gewichtungsverteilung innerhalb der Anlageklasse (gelb).
Die schwarze Linie zeigt für die Aktienregionen bzw. die Anleihesegmente, wo eine neutrale Positionierung innerhalb des Segments vorläge.
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Quelle: Commerzbank-Research

Fazit

Fazit

Das Portfolio sollte über den Winter weiterhin defensiv aufgestellt sein. Durch den Renditeanstieg sind Anleihen nicht mehr nur zur Diversifikation interessant – sie bieten insbesondere im Unternehmensanleihesegment erkleckliche Umlaufrenditen und diversifizieren das Aktienuntergewicht.


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Commerzbank Aktiengesellschaft, Kaiserplatz, 60261 Frankfurt am Main.
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Redaktion
Alexander Krämer, CFA, FRM

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