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US-Dollar dürfte schwächer tendieren

29.09.2020

  • 2. Coronawelle gibt US-Dollar nur kurzfristig Auftrieb
  • USD-Renditevorteil ist stark gesunken
  • Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit belasten USD
  • Vertrauen in den Euro ist gestiegen

Zweite Coronawelle gibt US-Dollar Auftrieb
Seit einigen Tagen gehört der US-Dollar wieder zu den Gewinnern am Devisenmarkt. Treiber ist die Furcht vor einer zweiten Corona-Infektionswelle, die in einigen europäischen Ländern zur Wiedereinführung strikterer Beschränkungen geführt hat. Das droht die dortige Konjunkturerholung im Keim zu ersticken. Dies erinnert daran, wie zum Höhepunkt der Corona-Krise der Dollar eine starke Nachfrage erfuhr. Der Dollar stärkte sich insbesondere ggü. den Emerging Markets-Währungen, aber auch ggü. dem Euro. Nach dem Abklingen der Krise Ende Mai gewann aber der Euro ggü. dem US-Dollar an Wert, handelsgewichtet schon früher (siehe Grafik). Zum US-Dollar hat der Euro seit Erreichen der 1,20 USD pro EUR Anfang September aber wieder mehr als drei Cent verloren. Wir gehen davon aus, dass es sich nur um eine zwischenzeitliche Stärkung des handelsgewichteten Dollars handelt. Mittel- bis langfristig rechnen wir mit einem schwächeren Dollar und senken unser Votum von neutral auf untergewichten.

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Sehr expansiv ausgerichtete neue Strategie der Fed
Die Fed hat mit ihrer Strategieänderung eine beachtliche Wende in Richtung einer langfristig sehr expansiv ausgerichteten Geldpolitik vollzogen, auch wenn die Fed noch nicht eindeutig kommuniziert hat, wie weit sie ein Überschießen der Inflationsrate toleriert. Jedenfalls will sie vermeiden, die Leitzinsen zu früh wieder anzuheben. Die entscheidende Änderung ist der Übergang zu einem durchschnittlichen und damit flexibleren Inflationsziel. Damit hat die Fed ihren Handlungsspielraum erhöht. Für den US-Arbeitsmarkt stellt die Fed klar, dass aus ihrer Sicht eine robuste Beschäftigungsentwicklung erreichbar sei, ohne dabei eine starke Inflation auszulösen. Die Änderung folgt aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre, als die Arbeitslosigkeit in den USA stark gesunken war, der Verbraucherpreisanstieg aber niedrig blieb. Deshalb hatte auch die US-Notenbank ihr Inflationsziel meist verfehlt. Damit bewegt sich die Fed auf eine langfristig lockerere Geldpolitik zu.

Inzwischen machte aber auch die EZB den gestiegenen Euro-Kurs zum Thema und schürte Spekulationen über eine Ausweitung des QE-Programms und Zinssenkungen. Wir rechnen jedoch lediglich mit einer Ausweitung des PEPP-Programms um 300 Mrd. Euro. Da auch die Fed ihr Kaufprogramm noch einmal ausweiten dürfte, sollte die Wirkung auf die Währungsrelation gering sein.

USD-Renditevorteil stark gesunken
Vor allem der Zins- und Renditevorteil im US-Dollarraum ist ggü. dem Euroraum deutlich abgeschmolzen. Verantwortlich dafür ist die US-Notenbank Fed, die ihre Leizinsen zum Krisenbeginn überraschend schnell um 150 Bp. auf 0% bis 0,25% senkte. Die EZB hatte schon zum Krisenbeginn keinen Zinssenkungsspielraum mehr. Seit dem 4. Quartal 2018 hat sich der Zinsvorteil der USA ggü. dem Euroraum abgebaut, am stärksten nach den Fed-Zinssenkungen. Am deutlichsten wird die Entwicklung an den Realzinsen. Neben der geringeren Nominalzinsdifferenz hat sich die Inflationsdifferenz vergrößert. Die aktuellen Inflationsraten und auch Inflationserwartungen sind in den USA wieder angestiegen, dies spricht für eine schwächere US-Dollartendenz.

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Belastung des US-Dollars durch Zwillingsdefizit
Die Coronakrise lässt weltweit die Schulden steigen. Dabei tragen die Haushalte und Unternehmen einen großen Teil, die Hauptlast trägt aber der Staat. In den USA dürfte sich die Haushaltslücke in dem Fiskaljahr, das am 30. September endet, auf knapp 20% des BIP belaufen, womit die Defizitquote einen neuen Nachkriegsrekord markieren würde und größer werden dürfte, als in den meisten Ländern des Euroraums. Dies allein wäre nicht so schlimm, wenn nicht gleichzeitig das Handelsbilanz- und Leistungsbilanzdefizit in die Höhe schnellten. Im Juli schoss das Handelsbilanzdefizit auf das höchste Defizit seit 2008. Das Leistungsbilanzdefizit stieg im 2. Quartal von 135 Mrd. USD auf 178 Mrd. USD, das höchste Defizit seit dem 3. Quartal 2008. Das Handelsbilanz- und Leistungsbilanzdefizit dürfte den US-Dollar belasten, denn die USA ist auf einen Kapitalzufluss angewiesen (siehe Grafik). Diesen zu bekommen, wird in Zukunft schwieriger, da der Zins- und Renditevorteil kleiner geworden ist.

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US-Wahlen: Längere Periode der Unsicherheit möglich
Die Präsidentschaftswahlen in den USA bergen das Risiko einer längeren Unsicherheitsphase, in der besonderes der US-Dollar leiden würde. Die Wahl ist am 3. November. Erst am 14. Dezember wählen die Wahlleute den Präsidenten. Insgesamt umfasst das Gremium 538 Mitglieder. Der künftige Präsident muss davon mindestens 270 auf sich vereinen. Ansonsten verzögert sich der Wahlausgang entsprechend. Am schlechtesten wäre ein unklarer Wahlausgang, denn Nachzählungen und Gerichtsprozesse könnten zu wochenlangen Verzögerungen führen. Im Extremfall muss der Kongress entscheiden, wer Präsident wird. Außerdem hat US-Präsident Trump wiederholt gewarnt, dass er ein knappes Wahlergebnis womöglich nicht akzeptieren würde.

Vertrauen in Euro steigt
Die Einigung auf einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Mrd. Euro im Juli hat den Euro unterstützt und Auftrieb gegeben, der sich bis heute fortsetzt. Vor allem die Refinanzierung des Fonds mit EU-Anleihen hat das Vertrauen der internationalen Anleger in den Euro gestärkt. Dazu kommen massive Anleihekäufe der EZB im Rahmen des Programms PEPP, bei dem die EZB flexibel handelt und sich nicht an den Kapitalschlüssel hält. Dies führte zu einer deutlichen Einengung der Spreads von Euro-Staatsanleihen ggü. Bundesanleihen.

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Fazit

Fazit

Am Devisenmarkt ist eine 2. Corona-Infektionswelle Thema, dementsprechend hat sich der US-Dollar wieder gestärkt. Neben dem schwindenden Renditevorteil der USA dürfte die Einigung der EU auf einen Wiederaufbaufonds den Euro aber mittelfristig stärken. Die Strategieänderung der Fed ist ein negatives Signal für die US-Währung und dürfte den Greenback zukünftig negativ beeinflussen. Wir ändern daher unser Votum für den US-Dollar von neutral auf untergwichten.


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Autor: Martin Hartmann, CEFA

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Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers/ Index von EURO abweicht.