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    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 15. Januar 2021

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Coronahilfen geben US-Wirtschaft kräftigen Schub

  • Kräftige Konjunkturspritze in den USA erwartet
  • EZB dürfte abwartende Haltung einnehmen
  • BIP in China zeigt anhaltende Erholung

Der designierte US-Präsident Joe Biden hat weitere Coronahilfen in Billionenhöhe angekündigt. Dieser fiskalische kräftige Impuls dürfte der US-Wirtschaft 2021 einen kräftigen Schub geben. Biden gab jetzt Details zum geplanten Konjunkturprogramm in Höhe von 1,9 Bio US-Dollar (etwa 9% des US-BIP) bekannt. Es enthält u.a. weitere Direkthilfen für Amerikaner. Zu den bereits im Dezember beschlossenen 600 US-Dollar soll jede Person weitere 1.400 US-Dollar erhalten. Außerdem soll das Arbeitslosengeld stärker als bisher beschlossen, erhöht werden. 400 Mrd. US-Dollar sind für die Pandemie direkt bestimmt, wie z.B. zur Verteilung des Impfstoffs usw. Der zweite Teil des Pakets ist für Infrastrukturmaßnahmen, Forschung und Entwicklung bestimmt. Das Gesamtpaket kommt zu den im letzten Jahr verabschiedeten vier Corona-Hilfspaketen im Umfang von 3,4 Bio. US-Dollar dazu. Das US-Defizit dürfte daher in diesem Jahr nur wenig unter dem vom letzten Haushaltsjahr (15% des BIP) liegen. Es gibt gute Chancen, dass dieses Programm umgesetzt werden kann, denn die Demokraten verfügen in beiden Kammern des US-Kongresses über eine knappe Mehrheit. Wir heben unsere BIP-Prognose für die USA für 2021 von 4,5% auf 5% an.

Die Frage ist, wie sich der Wachstumsschub auf die Inflation auswirkt. Zuletzt sind die Inflationserwartungen und auch die Nominalrenditen deutlich angestiegen. Tatsächlich dürfte die Inflationsrate von derzeit 1,4% auf 3% im Frühjahr anziehen. Dies liegt aber überwiegend daran, dass der Ölpreis zuletzt anstieg und der Rückgang im Jahresvergleich herausfällt. Es gab zwar Diskussionen innerhalb der Fed um eine baldige Reduktion ihrer Wertpapierkäufe. Fed-Präsident Powell betonte aber, dass die Fed noch lange Zeit sehr locker bleiben wird.

Auch die EZB bleibt expansiv, dürfte aber an dem Paket im Dezember in ihrer ersten Ratssitzung in diesem Jahr erst einmal nichts ändern und eine abwartende Haltung einnehmen. Noch stehen 60% des Volumens des Coronanotkaufprogramms PEPP zur Verfügung. Auch die Eurostärke dürfte nach dem jüngsten Rückgang kein großes Thema sein.

Bei den Konjunkturdaten sind die Einkaufsmanagerindizes im Fokus, die vor allem im Dienstleistungsbereich wieder etwas zurückgegangen sein dürften. Das chinesische BIP im 4. Quartal könnte um rund 6% zugelegt haben. Damit dürfte sich die stetige Erholung vom Einbruch im 1.Quartal durch Corona fortgesetzt haben.

Anleihen
Fed-Chef Powell betonte, dass die Fed wegen der lockeren Fiskalpolitik nicht die Wertpapierkäufe früher herunterfahren wird. Die Wirtschaft sei weit von den Zielen entfernt. Bei Bundesanleihen ist mit keinen Impulsen von der EZB-Sitzung zu rechnen. Die Ausweitung der Spreads in der Euro-Peripherie wegen der Regierungskrise in Italien dürfte nicht nachhaltig sein.

Währungen
Das US-Konjunkturprogramm könnte dem US-Dollar zu-nächst weiter unterstützen. Der Dollarverfall ist zuletzt gestoppt worden. Das britische Pfund hat sich durch die von BoE-Chef Bailey geäußerten Bedenken gegen Negativzinsen gestärkt. Das dürfte aber inzwischen eingepreist sein.

Aktien
Die Stimmung an den Aktienbörsen bleibt stark hoffnungsgetrieben. Nachdem nun das Antrittsgeschenk des designierten US-Präsidenten, ein 1,9 Bio. USD schweres Hilfsprogramm, an Konturen gewinnt, dürften sich die Anleger verstärkt auf das Infektionsgeschehen konzentrieren. Angesichts der ungebremsten Neuinfektionen, der steigenden Gefahr der Virus-Mutationen und der immer intensiveren Mobilitätseinschränkungen wächst die Gefahr, dass die andauernde Kauflaune kippen könnte. In der nächsten Woche wird auch die anlaufende Berichtssaison sukzessive in den Fokus rücken.

Rohstoffe
Die Aussicht auf umfangreiche Konjunkturhilfen und die Kürzung der Fördermengen Saudi-Arabiens haben den Ölpreis kräftig ansteigen lassen. In den nächsten Monaten könnte sich aber wieder herausstellen, dass das Ölangebot trotz Konjunkturerholung reichlich ist. Im Jahresverlauf dürfte wieder mehr Öl aus den USA und dem Iran auf den Markt kommen.


Rückblick

Aktienmärkte konsolidieren
Nach dem starken Jahresauftakt in der ersten Woche des neuen Jahres ließen es die Börsen in der zweiten Handelswoche etwas ruhiger angehen. Die Leitindizes in den USA, in Deutschland und in China wiesen auf Wochenbasis leichte Minuszeichen auf. Der japanische Nikkei 225-Index legte dagegen noch einmal um 1,3% zu. Dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr um 5% gegenüber dem Vorjahr schrumpfte, spielte naturgemäß keine Rolle unter den Anlegern. Diese konzentrieren sich vielmehr auf die erwartete konjunkturelle Erholung im laufenden Jahr. Hier schätzen Analysten mit einem Wiedererstarken des deutschen BIP von 3,5% (J/J) oder mehr. So schielen die Börsianer momentan weiterhin auf die USA, wo die baldige Regierung unter Führung der Demokraten ein Hilfspaket plant, das ein Volumen von fast 2 Billionen US-Dollar haben könnte. Also bleiben die ultraexpansive Geldpolitik sowie die sehr expansive Fiskalpolitik in weiten Teilen der Welt der Treibstoff für die Börsen. Hochansteckende neue Virusmutationen, die in einigen Ländern zu noch härteren Lockdown-Maßnahmen mit entsprechend negativen Folgen für die Konjunktur führen, spielen an den Aktienmärkten weiterhin keine große Rolle.

Auf Einzelwertebene stachen im Dax in der zurückliegenden Woche unter anderem Bayer (positive Perspektiven für Landwirtschaft und Pharma) sowie Deutsche Post (Anhebung der Ergebnisprognose) und SAP (u.a. bessere Marge) positiv hervor. Die Aktie des französischen Unternehmens Carrefour profitierte zeitweise von Übernahmefantasien.
In den USA stand unter anderem die Aktie von Intel im Fokus der Investoren. Hier sorgte der Wechsel in der Konzernleitung für Aufsehen und Kursauftrieb. Auf europäischer Sektorenbasis lagen im Wochenvergleich (per Freitagvormittag, 10 Uhr) die Bereiche IT (+2,2%) und Pharma (+1,5%) an der Spitze. Versorger (-2,3%) hielten dagegen die rote Laterne. In den USA legten Energieaktien (+7,4%) kräftig zu, wohingegen Aktien aus dem Bereich Kommunikationsdienstleistungen im Schnitt 3,5% einbüßten.

Die Rendite für die 10jährige deutsche Bundesanleihe sank auf Wochenbasis von -0,519% auf -0,54%. Die Rendite für die vergleichbare italienische Staatsanleihe kletterte im Wochenvergleich aufgrund der schwelenden Regierungskrise von +0,531% auf +0,628%.

Während der Ölpreis im Berichtszeitraum leicht nachgab, legte der Preis für Gold um 0,5% zu.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre -0,71 -0,01 0,06 0,04
5 Jahre -0,76 -0,03 0,04 -0,02
10 Jahre -0,58 -0,03 0,04 -0,01
Bund Future (Kurs) 177,84 0,01 0,030
USA
2 Jahre 0,15 0,01 0,03 0,02
5 Jahre 0,48 0,03 0,13 0,14
10 Jahre 1,13 0,06 0,24 0,22
10J-2J (Pkt.) 98,10 93,00 77,50 78,70

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,2135 -1,0 0,1 -0,8
GBP pro EUR 0,8871 -2,0 -2,6 -0,9
CHF pro EUR 1,0787 -0,6 0,1 -0,3

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 13988,70 0,2 5,8 2,0
MDAX 31572,08 1,1 6,2 2,5
DJ Stoxx 600 412,00 0,9 5,1 3,2
Euro Stoxx 50 3641,37 0,5 3,9 2,5
USA
S&P500 3795,54 -0,2 4,1 1,1
Dow Jones 30991,52 -0,2 3,8 1,3
Nasdaq Comp. 13112,64 0,4 5,4 1,7
Asien
Nikkei 225 28698,26 4,4 7,4 4,6

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 56,48 3,73 12,02 8,85
Gold 1849,15 -3,55 1,21 -2,56

Quelle: Refinitiv Datastream


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor Ausblick: Martin Hartmann, CEFA
Autor Rückblick: André Sadowsky, CEFA

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