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    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 23. Juli 2021

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Fed-Sitzung, jede Menge an Daten und Berichtssaison

  • Fed dürfte Reduktion der Wertpapierkäufe diskutieren
  • Wachstumszahlen aus den USA und Europa
  • Berichtssaison erreicht Höhepunkt

Nach der EZB-Ratssitzung in der vergangenen Woche richtet sich der Blick der Investoren auf die Fed-Sitzung am Mittwoch. Es ist aber noch nicht zu erwarten, dass die Fed einen Kurswechsel vollzieht. Die Notenbank sieht sich noch zu weit von ihren Zielen entfernt, um einen allmählichen Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm zu verkünden. Vielmehr wird sie weiterhin monatlich Anleihen in einem Volumen von 120 Mrd. US-Dollar kaufen. Durch den starken Anstieg der Inflationsrate (Juni: 5,4% J/J), die Kernrate erreichte mit 4,5% den höchsten Wert seit 30 Jahren, kommt die Fed zwar zunehmend unter Druck, ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren. Sie geht aber unverändert davon aus, dass der Inflationsschub nur vorübergehend und eine Folge der Coronakrise ist. Dennoch dürfte die US-Notenbank, wie angekündigt, auf der Sitzung nächste Woche über eine Reduktion der Wertpapierkäufe (Tapering) diskutieren und dazu erste Informationen veröffentlichen. Der Markt muss ausreichend vorbereitet sein, damit es zu keiner Reaktion wie 2013 kommt. Damals stiegen die Renditen kräftig an. Wir gehen weiter davon aus, dass die Fed im Frühherbst das Signal zum Tapering geben und die tatsächliche Entscheidung dazu im 4. Quartal fallen wird.

In den USA dürfte die Wirtschaft im 2. Quartal angetrieben von der Normalisierung des öffentlichen Lebens und staatlicher finanzieller Hilfen kräftig gewachsen sein. Erwartet wird gut 8% annualisiert. Insbesondere der private Konsum dürfte stark zugelegt haben, nachdem mehr und mehr Arbeitnehmer einen Job gefunden und die bezugsberechtigten Verbraucher einen Scheck von 1.400 US-Dollar erhalten haben. Wir rechnen aber nicht damit, dass die zwischenzeitlich hohen Erwartungen voll erfüllt werden. Zeitweilig wurde ein Wachstum von bis zu 10% erwartet, inzwischen rechnet der Consensus „nur noch“ mit 7,5% für dieses Jahr. Grund dafür sind Engpässe in Teilen der Wirtschaft, insbesondere in der Autoindustrie. Aber auch beim Bau und den Dienstleistungen gab es Engpässe.

Auch für Deutschland, Frankreich und den Euroraum werden am Freitag die BIP-Daten für das 2. Quartal gemeldet. Überall sollte eine Erholung eingesetzt haben. Davor stehen noch Frühindikatoren (Ifo-Geschäftsklima am Montag, EU-Wirtschaftsvertrauen) auf dem Plan und es werden Preisdaten aus Deutschland und dem Euroraum gemeldet.

Anleihen
Die Nachfrage nach sicheren Häfen dürfte in der nächsten Woche zurückgehen. Damit können die sehr niedrig gewordenen Staatsanleiherenditen wieder etwas ansteigen. Die Notenbanken rechnen nur mit einem vorübergehenden Inflationsanstieg, so dass ein Zurückfahren der ultra-expansiven Geldpolitik noch länger auf sich warten lässt.

Währungen
Der US-Dollar wertet seit Anfang Juni in der Breite auf. Ob er sich weiter stärken kann, hängt maßgeblich von den Signalen der Fed ab und der allgemeinen Risikoaversion. Sichere Häfen waren nur kurzzeitig gesucht.

Aktien
Die Aktienmärkte zeigen sich robust gegenüber den ungünstigen Einflussfaktoren. Dies gilt vor allem für die US-Titel, die auch das Schwungrad für die Aktienmärkte weltweit bilden. Bisher haben ca. 20% der Titel im S&P 500 berichtet und 85% davon die Erwartungen übertroffen, zum Teil trotz der hochgesteckten Erwartungen deutlich. Allerdings wirken die Positivüberraschungen weniger stark an den Märkten als die Enttäuschungen. Entsprechend wird die kommende Woche mit dem Großteil der Quartalsberichte (u.a. Microsoft, Boeing, P&G oder 3M und 8 DAX-Titel) einen besonderen Akzent bekommen. Von weiter kräftigen Ertragszuwächsen ist auszugehen, der Markt erwartet in USA einen Anstieg um ca. 70% zum (sehr schwachen) Vorjahresquartal. Dies könnte den Rückenwind für die Märkte immerhin verlängern.

Rohstoffe
Die rasche Erholung der Ölpreise zeigt, dass der Markt zunächst wohl unterversorgt bleibt und die Preise dadurch gut unterstützt sind. Auch die Preise für Basismetalle sollten stabil bleiben, nachdem sie auch auf die jüngste konjunkturelle Unsicherheit nur wenig reagiert haben. Die Edelmetallpreise besitzen gegenüber dem Rückgang der realen Renditen kurzfristig etwas Nachholbedarf nach oben.


Rückblick

Montags-Unwetter stört Hochdrucklage
Gemessen an der zuversichtlichen Stimmung der letzten Zeit begann die Woche mit einem heftigen Unwetter. Am Montag erlebten die Aktienmärkte in Europa den stärksten Tagesverlust in diesem Jahr und gaben fast 3% nach. Hintergrund bildete das rasante Wachstum der Inzidenzzahlen in Europa durch die Delta-Variante, so dass urplötzlich mögliche Lockdown-Maßnahmen thematisiert wurden. Hinzu kamen die dadurch deutlich gefallenen Renditen, was die Finanzwerte belastete. Zusätzlich drückte die sich abzeichnende Schadensbilanz der verheerenden Hochwasserkatastrophe Titel aus Assekuranz sowie den betroffenen Versorger RWE.

Wie schon so oft, wurde in den USA das Thema mit größerer Gelassenheit aufgenommen. Weder war dort der Fall der Aktienindizes so tief, noch hielt das Unbehagen lange an. Mit guten Zwischenberichten im Rücken (z.B. IBM, Coca-Cola, Verizon, Twitter) setzten die US-Märkte ab Dienstag zu einer Erholung an und konnten so die Verluste ausbügeln. Dies ließ auch die Anleger in Europa und den Emerging Markets wieder neuen Mut schöpfen. Der DAX holte so 500 Punkte seit seinem „Montagstaucher“ wieder auf. Damit ist die Wochenbilanz an den Aktienmärkten in den USA und Europa sogar leicht positiv und die Märkte liegen wieder in Schlagdistanz zu den Allzeithochs. Etwas schwächer lief es erneut in den Emerging Markets, wo Verluste um knapp 2% blieben. Auch die Währungen der Wachstumsländer neigten zur Schwäche.

Die Wirtschaftsdaten der Woche aus den USA z.B. aus dem Baubereich oder auch der überraschende Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung deuten auf eine Abschwächung der Dynamik der Konjunkturerholung. Dies mag die Begründung für den unerwarteten und sehr deutlichen Renditerückgang in der Breite sein. So gaben die Renditen bei 10-jährigen Bunds oder auch italienischen Staatsanleihen im Wochenvergleich um 7 Basispunkte nach, in den USA sanken die 5-jährigen Renditen in gleichem Umfang, bei den 10-jährigen waren es immerhin noch 3 BP. In der EZB-Sitzung bekräftigte die EZB ihr Festhalten an einer ultralockeren Geldpolitik bis zum Erreichen ihres neuen Inflationszieles.

Eine Berg- und Talfahrt gab es auch im Energiebereich. Anfangs belastete die Förderausweitung der Opec+ ab August im Gleichklang mit der durch Delta befürchteten Nachfrageschrumpfung. Im Anschluss normalisierte sich die Stimmung rasch, die Ölpreise beenden die Woche unverändert. Trotz des wenig veränderten Goldpreises gab Platin spürbar nach.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre -0,72 -0,03 -0,07 0,03
5 Jahre -0,73 -0,07 -0,18 0,01
10 Jahre -0,46 -0,09 -0,26 0,11
Bund Future (Kurs) 175,94 -0,02 0,03
USA
2 Jahre 0,21 -0,02 -0,03 0,08
5 Jahre 0,71 -0,07 -0,15 0,36
10 Jahre 1,27 -0,03 -0,21 0,35
10J-2J (Pkt.) 106,10 107,60 123,30 78,70

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,1793 -0,2 -0,9 -3,6
GBP pro EUR 0,8572 0,6 0,3 -4,2
CHF pro EUR 1,0830 -0,2 -1,1 0,1

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 15514,54 -0,7 -0,8 13,1
MDAX 34843,97 0,9 1,8 13,1
DJ Stoxx 600 456,53 0,1 0,0 14,4
Euro Stoxx 50 4059,05 0,1 -1,6 14,3
USA
S&P500 4367,48 0,2 2,9 16,3
Dow Jones 34823,35 -0,5 2,6 13,8
Nasdaq Comp. 14684,60 1,0 3,0 13,9
Asien
Nikkei 225 27548,00 -2,6 -4,6 0,4

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 72,34 -1,70 -3,40 39,41
Gold 1804,26 -1,05 1,32 -4,93

Quelle: Refinitiv Datastream


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor Ausblick: Martin Hartmann, CEFA
Autor Rückblick: Martin Roth, CEFA

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