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    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 16. April 2021

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Wachstumsvorsprung der USA wächst

  • Erholung im Euroraum verzögert sich
  • Wachstumsprognose für die USA angehoben
  • Notenbanken bleiben aber sehr expansiv
  • Unterstützung für Aktien, Renten weiter angeschlagen

Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass die Wachstumskluft zwischen den USA und Europa kurzfristig größer wird. Im Euroraum haben wir unsere Wachstumsprognose gesenkt, in den USA angehoben. Im Euroraum liegt dies an zwei Dingen. Zum einen verzögert sich die wirtschaftliche Erholung wegen des schleppenden Impfverlaufs weiter. Erst 17% der Bevölkerung sind mindestens einmal geimpft. Bis Herdenimmunität erreicht ist, dürfte es nach aktuellen Schätzungen noch 7 Monate dauern. In den letzten Wochen stiegen in vielen Ländern des Euroraums die Infektionszahlen wieder an und es werden Lockdowns verlängert bzw. verschärft. Das belastet die Wirtschaft. Zum anderen sind die fiskalischen Hilfsmaßnahmen kleiner als z.B. in den USA. So kann der EU-Wiederaufbaufonds frühestens in der 2. Jahreshälfte die ersten Auszahlungen tätigen. Wegen der Klagen beim Bundesverfassungsgericht verzögert sich die Einrichtung des Fonds voraussichtlich aber bis Herbst. Wir senken unsere Wachstumsprognose für den Euroraum von 5,0% auf 4,0% für dieses Jahr.

In den USA haben wir dagegen unsere Prognose noch einmal angehoben und zwar von 6,0% auf 6,5%. Dafür spricht der rasche Impffortschritt. Fast 40% der US-Bürger sind mindestens einmal geimpft. Dort könnte schon nach 3 Monaten eine Herdenimmunität erreicht werden. Die US-Regierung schiebt die Wirtschaft zudem mit einem riesigen Haushaltsdefizit von 16% des BIP an. Dafür hat auch der Inflationsdruck zugenommen. Wir rechnen mit Inflationsraten von 3,5% im 2. Quartal. Dies dürfte aber nur ein vorübergehendes Phäno-men sein. Im zweiten Halbjahr sollte sich der Preisdruck wieder beruhigen, wenn die coronabedingten Verzerrungen und Basiseffekte abklingen.

Weiterhin sieht es sehr gut mit einer globalen wirtschaftlichen Erholung nach der Coronakrise aus. Wir rechnen mit einem Wachstum von 5,8% in diesem Jahr. Die Notenbanken bleiben aber weiterhin sehr expansiv. So bestätigte Fed-Chef Powell, dass Zinserhöhungen noch lange kein Thema seien. Davor würde die Notenbank zuerst beginnen, die Anleihekäufe zu reduzieren. Auch die EZB dürfte das Coronakaufprogramm PEPP bis März 2022 voll ausschöpfen und im Herbst sogar noch einmal erhöhen. Das gibt den Finanz- und Aktienmärkten erneut Unterstützung. Die Rentenmärkte bleiben weiterhin angeschlagen, auch wenn zuletzt eine Erholung in den USA eingesetzt hat und Zinserhöhungsspekulationen für die Fed wieder nach hinten verschoben wurden.

Anleihen
In dem Umfeld bleiben die Rentenmärkte weiter unter Druck. Die Kurserholung in den USA dürfte keine Trendumkehr sein. Vor allem der Inflationsdruck nimmt zu. Auf der EZB-Ratssitzung am Donnerstag stehen keinen Entscheidungen an. Über eine Volumenserhöhung vom PEPP dürfte erst im Herbst entscheiden werden. Von der Datenseite dürften die Einkaufsmagerindizes am Freitag den größten Impuls geben.

Währungen
Der Aufwind beim Euro dürfte sich allmählich legen, ansonsten könnte die EZB wieder verbal intervenieren. Wir gehen aber davon aus, dass der Wachstumsvorsprung der USA erneut den Dollar unterstützt. Die Norwegenkrone tendiert weiterhin stark gegenüber dem Euro. Sie bekommt Unterstützung von der Notenbank und dem gestiegenen Ölpreis.

Aktien
Die Aktienmärkte scheinen die Höhenluft zu genießen. Das Umfeld guter Makrodaten und bis heute sogar klar positive Überraschungen bei den Unternehmensberichten in Europa und den USA für das erste Quartal untermauern den Optimismus. Die Berichtssaison geht in der nächsten Woche in den USA in die Vollen, wenn nach den Banken auch Konsumtitel und mit Intel und Apple die ersten großen Technologiewerte Einblick in den aktuellen Geschäftsverlauf geben. Wir rechnen insgesamt mit positiven Nachrichten und damit auch mit einer Fortsetzung der Rekordfahrt.

Rohstoffe
Der Ölpreis und die Preise für Industriemetalle erhalten zunehmend Rückenwind von der Nachfrageerholung im wichtigsten Absatzmarkt USA.


Rückblick

Starke US-Wirtschaftsdaten treiben die Aktienmärkte
Die vergangene Woche wartete mit einer Reihe von positiven US-Konjunkturdaten auf. So stiegen die Einzelhandelsumsätze im März um 9,8% M/M deutlich stärker als vorhergesagt und liegen damit 17% über dem Vorkrisenniveau. Die Einzelhandelsdaten sind ein wichtiger Indikator für die Konsumausgaben der US-Verbraucher, die mit einem Anteil von rund 70% am Bruttoinlandsprodukt eine Schlüsselrolle für die US-Wirtschaft spielen. Stimmungsindikatoren wichtiger Industrieregionen verbesserten sich ebenfalls deutlich. Die Lage der Industrie in der Region Philadelphia stieg im April auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren. Auch New York meldete einen spürbaren Anstieg gegenüber März. Des Weiteren belebt sich der US-Arbeitsmarkt weiter: Die Zahl der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung nahm in der Woche zum 10. April weitaus deutlicher als erwartet ab. Dagegen enttäuschte die US-Industrieproduktion etwas, weil die Erholung im März mit 1,4% M/M nach einem witterungsbedingt schwachen Vormonat nicht so stark wie erwartet ausfiel. Die Aktienmärkte in den USA honorierten die guten Daten mit neuen Rekorden beim Dow Jones, der zum ersten Mal über die Schwelle von 34.000 Punkten sprang (Hoch 34.068) und S&P 500 (Hoch 4.173 Punkte). Unterstützung erhalten die Aktienmärkte auch durch die Notenbankpolitik. Jüngste Aussagen von Fed-Mitgliedern bestätigen ein Festhalten an der lockeren Geldpolitik.

Die weiter hohen Coronainfektionszahlen in Europa, schleppend verlaufende Impfkampagnen – die zudem durch Thrombosefälle bei den Vakzinen von AstraZeneca und Johnson & Johnson verlangsamt werden – und die Lieferengpässe, die die Industrie bremsen (die Industrieproduktion im Euroraum ging im Februar um 1,0% M/M zurück), lasten schwer auf den Aussichten für das Wirtschaftswachstum. Insgesamt wird zwar weiter mit einer kräftigen Erholung im Euroraum gerechnet, doch verschieben sich die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Belebung immer mehr nach hinten. Global gesehen hinkt der Euroraum anderen Volkswirtschaften weit hinterher – nicht nur wegen des langsameren Impftempos, sondern auch wegen der im Vergleich geringen Fiskalstimuli.

Chinas Wirtschaft brummt – wie die amerikanische – dagegen immer mehr: Im ersten Quartal 2021 betrug das BIP-Wachstum 18,3% gegenüber dem Vorjahresquartal (Prognose 18,5%). Die Industrieproduktion erhöhte sich im März um 14,1% J/J und damit geringer als erwartet (Prognose 18,0%).


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre -0,68 0,01 -0,01 0,07
5 Jahre -0,66 0,03 0,02 0,08
10 Jahre -0,33 0,04 0,04 0,24
Bund Future (Kurs) 171,33 0,01 0,01
USA
2 Jahre 0,16 0,01 0,01 0,03
5 Jahre 0,79 -0,03 -0,04 0,45
10 Jahre 1,53 -0,10 -0,08 0,62
10J-2J (Pkt.) 137,40 148,20 145,90 78,70

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,1970 0,6 0,4 -2,2
GBP pro EUR 0,8678 0,1 1,0 -3,0
CHF pro EUR 1,1037 0,2 -0,2 2,0

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 15255,33 0,4 5,5 11,2
MDAX 33007,27 1,2 3,8 7,2
DJ Stoxx 600 438,55 0,4 3,7 9,9
Euro Stoxx 50 3993,43 0,4 4,3 12,4
USA
S&P500 4170,42 1,8 5,1 11,0
Dow Jones 34035,99 1,6 3,3 11,2
Nasdaq Comp. 14038,76 1,5 4,3 8,9
Asien
Nikkei 225 29642,69 -0,2 -0,4 8,0

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 66,69 5,31 -3,32 28,52
Gold 1765,62 0,55 2,08 -6,96

Quelle: Refinitiv Datastream


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor Ausblick: Martin Hartmann, CEFA
Autor Rückblick: Burkhard Fehling

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