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    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 15. Oktober 2021

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Explodierende Energiepreise

  • Einkaufsmanagerindizes – weniger Optimismus
  • Zentralbanken beginnen umzusteuern
  • Positiver Start der Berichtssaison liefert Impulse

Die geradezu explodierenden Energiepreise werden zu einer wachsenden Belastung für die Industrieländer. Die in der zweiten Wochenhälfte anstehenden Stimmungsindikatoren werden dem wohl Rechnung tragen – in den USA macht der Index der Philadelphia Fed den Anfang.

Es folgen die Einkaufsmanagerindizes von Markit u.a. für Deutschland und dem Euroraum. Neben der Ölpreisentwicklung wird wohl der fortdauernde Mangel an Halbleitern besonders die Stimmung in der deutschen – vom Automobilbau bestimmten Industrie – belasten. Verglichen mit den Rekordniveaus im Sommer haben die Einkaufsmanagerindizes zwar bereits deutlich korrigiert, denn von der Euphorie im Sommer – getragen von den Impferfolgen und den sinkenden Coronazahlen – ist nur noch wenig übrig. Auch wenn glücklicherweise nun die Inzidenzen in den südostasiatischen Ländern ebenfalls sinken, so behindert die Pandemie den Welthandel weiter und stört die Lieferketten. Der Halbleitermangel wird sich erst im kommenden Halbjahr nach und nach entspannen. Und die hohen und weiter steigenden Rohstoff- und Energiepreise belasten zunächst die Unternehmen, die aber die Kosten zunehmend an die Kunden weiterreichen werden.

Den Kostendruck werden die Erzeugerpreise für Deutschland widerspiegeln, die im September um weitere 0,8% zum Vormonat gestiegen sein dürften. Damit würde die Jahresrate auf 12,5% steigen.

Der Gegenwind ist global spürbar und dürfte sich bereits in den Geschäftszahlen für das dritte Quartal niedergeschlagen haben. Die von Bloomberg befragten Analysten rechnen mit einem Rückgang des Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Euroraum von 58,6 auf 57,0 Punkte. Es würde uns nicht wundern, wenn der Optimismus im Oktober noch etwas deutlicher zurückgekommen wird. Eine ähnliche Schwäche dürfte der Index der Philadelphia Fed für die USA zeigen, allerdings weichen die regionalen Indizes nicht selten von dem gesamtwirtschaftlichen Muster ab.

Verlässlicher als die Stimmungsindikatoren sind harte Daten, wie z.B. die Industrieproduktion im Euroraum. Aber auch hier wird mit einer langsameren Gangart gerechnet – ein Zuwachs von 0,2% im September zum Vormonat wird erwartet, nach +0,8% bzw. +0,4% im Juli bzw. August.

Der außerordentliche Zuwachs der Wohnungsbaubeginne in den USA im August (+5,6%) dürfte sich als Ausnahme erweisen und die Baubeginne dürften wieder zurückfallen, sich aber auf einem guten Niveau halten.

Anleihen
Die hohen Energiepreise sorgten seit Anfang August für kräftig steigende Renditen. In der zurückliegenden Woche setzte jedoch eine Gegenbewegung ein: Zehnjährige Bundrenditen fielen von -0,09% auf -0,16% zurück. Angesichts hoher Inflationsraten beginnen die Zentralbanken umzusteuern. Die geldpolitische Wende ist im Anleihemarkt jedoch schon sehr weit eingepreist.

Währungen
Die US-Dollarstärke dürfte prinzipiell weiter anhalten. Die EZB wird erst in der Dezembersitzung Änderungen in der Geldpolitik vornehmen, die Fed dürfte aber bereits in der nächsten Sitzung eine Reduzierung der Anleihekäufe beschließen. Die norwegische Krone profitiert weiter vom steigenden Ölpreis und der angekündigten Zinserhöhung für Dezember.

Aktien
Allen aktuellen Belastungen zum Trotz hat in der ablaufenden Börsenwoche das Sentiment an den Aktienmärkten gedreht. Vor allem der positive Start in eine neue Berichtssaison lieferte dazu einen wesentlichen Impuls. Nachdem also fast ausschließlich US-Großbanken im Fokus standen, wird nun mit Spannung erwartet, wie andere Wirtschaftszweige das dritte Quartal gemeistert haben.

Rohstoffe
Die globale Energiekrise sorgt für einen steigenden Bedarf an Rohöl, während jedoch die OPEC an ihren Produktionszielen festhält. Dies spricht für einen fortgesetzten Lagerabbau und damit für einen andauernden Preisauftrieb. Auch die Metallpreise werden weiterhin von steigenden Sorgen um das zu geringe Angebot getrieben.


Rückblick

Aussicht auf ein baldiges Tapering beflügelt die Märkte
Während in der Vergangenheit eine lockere Geldpolitik, also Wertpapierkäufe durch die Notenbanken und ein niedriges Zinsniveau, die Aktien- und Rentenmärkte beflügelte und ein Zurückfahren dieser Politik die Anleger eher zum Verkauf ihrer Positionen animierte, reagierte der Markt diese Woche anders. Sowohl die Kurse von Anleihen als auch von Aktien zogen nach Veröffentlichung des Protokolls der Septembersitzung der US-Notenbank Fed an.

Daraus geht hervor, dass voraussichtlich ab Mitte November mit dem Herunterfahren der Anleihekäufe (dem sogenannten „Tapering“) begonnen wird. Besonders der Aktienmarkt sieht dies als Ausdruck des Vertrauens der Notenbank in die Stärke der US-Wirtschaft. Außerdem setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, wie schädlich eine über mehrere Jahre andauernde lockere Geldpolitik für die Staaten, die Gesellschaft und die Wirtschaft ist.

Bei der Septembersitzung stimmten die Fed-Oberen überein, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg sei und der Abschluss des Tapering-Prozesses bis Mitte 2022 angemessen sei. Bezüglich einer ersten Zinserhöhung lässt die Fed die Marktteilnehmer im Unklaren. Fed-Chef Powell hatte aber nach der letzten Sitzung eine erste Zinserhöhung für 2022 signalisiert. Nachdem die Inflationsrate in den USA im September auf 5,4% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen war, wächst der Druck, hier gegenzusteuern. Laut Protokoll sieht die US-Notenbank die hohen Verbraucherpreisraten jedoch als nur vorübergehend an. Auch mehrere Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) äußerten sich in den vergangenen Tagen ähnlich und bezeichnen die steigenden Inflationsraten Im Euroraum als temporär. Angesichts immer stärker steigender Energie- und Erzeugerpreise zweifelt der Markt aber an dieser Sichtweise. So kostet zum Beispiel der Ölpreis der Sorte Brent inzwischen über 84 US-Dollar je Fass – so viel wie zuletzt 2018. Und in den USA zogen die Erzeugerpreise im September um 8,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Die zum Teil drastische Materialknappheit sowie die Lieferprobleme im weltweiten Handelsverkehr machen sich bei den Herstellungskosten weiterhin bemerkbar.

Der hochverschuldete chinesische Immobilienkonzern Evergrande verpasste die Woche erneut eine Zinszahlung. Nachdem weitere Immobilienfirmen in China ebenfalls ihre Anleihen nicht bedienten, wachsen die Sorgen vor einem Flächenbrand im chinesischen Immobiliensektor.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre -0,69 0,01 0,04 0,06
5 Jahre -0,58 0,03 0,10 0,16
10 Jahre -0,19 0,00 0,15 0,39
Bund Future (Kurs) 169,65 0,05 0,14
USA
2 Jahre 0,35 0,05 0,14 0,23
5 Jahre 1,05 0,03 0,27 0,70
10 Jahre 1,52 -0,05 0,24 0,61
10J-2J (Pkt.) 116,50 126,50 106,50 78,70

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,1590 0,3 -2,0 -5,3
GBP pro EUR 0,8471 -0,2 -0,7 -5,4
CHF pro EUR 1,0704 -0,1 -1,5 -1,0

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 15462,72 1,4 -1,7 12,7
MDAX 34169,46 2,0 -4,8 11,0
DJ Stoxx 600 465,92 1,6 -0,4 16,8
Euro Stoxx 50 4149,06 1,2 -1,0 16,8
USA
S&P500 4438,26 0,9 -0,1 18,2
Dow Jones 34912,56 0,5 1,0 14,1
Nasdaq Comp. 14823,43 1,2 -1,4 15,0
Asien
Nikkei 225 28550,93 3,2 -6,9 4,8

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 84,12 1,98 14,11 62,11
Gold 1797,15 2,18 -0,59 -5,30

Quelle: Refinitiv Datastream


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Autor Ausblick: Dr. Gerald Müller
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