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    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 23. Oktober 2020

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Infektionsgeschehen überlagert alles andere

  • US- und Euroraum-BIP sowie Ifo im Fokus
  • Breites Spektrum an Makrodaten
  • Große Aufmerksamkeit für EZB-Statements
  • Berichtssaison gelangt in intensivste Phase

Auch wenn bei weiter ausufernden Neuinfektionen die vergangenheitsbezogenen realwirtschaftlichen Rahmendaten als Makulatur erscheinen, werden die Marktteilnehmer die in der kommenden Woche zu veröffentlichenden Makrodaten aufmerksam verfolgen, um die bisher erkennbaren Folgen der neuen Welle der Covid-19- Pandemie einstufen zu können.

Dementsprechend dürfte in der kommenden Woche insbesondere (neben dem EZB-Zinsentscheid) der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex für den Oktober im Fokus stehen. Speziell hier dürfte sich die wieder vorsichtigere Zukunftseinschätzung der Unternehmen ablesen lassen. So wird die Erwartungskomponente des Index schwächer erwartet, während sich die Einschätzung der aktuellen Lage sogar noch etwas positiver darstellen sollte. Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich der Gesamtindex kaum verändert hat. Steigt das Infektionsgeschehen allerdings weiter an, dürfte hier demnächst eine Wende anstehen.

Ein wesentlicher Blick der Anleger dürfte auch der Entwicklung der Gesamtwirtschaft im dritten Quartal gelten. Hierzu werden die BIP-Zahlen für die USA und den Euroraum veröffentlicht. Hier könnten angesichts der durchgeführten Lockerungen in diesem Zeitraum durchaus positive Überraschungen anstehen. In den USA erwarten wir einen Anstieg des BIP um 7,5% ggü. Vorquartal, womit ein großer Teil des Einbruchs im zweiten Vierteljahr (-9%) wieder wettgemacht werden sollte. Ähnliches gilt für den Euroraum. Ein Wachstum von 11% dürfte hier dem Rutsch von 12% im Vorquartal gegenüberstehen. Auch hier gilt, dass die Marktreaktionen auf diese Zahlen angesichts der neuesten Entwicklungen wohl relativ gedämpft ausfallen sollten.

Große Aufmerksamkeit ist auch der EZB-Ratssitzung beizumessen. In der aktuellen Entwicklung sieht Präsidentin Lagarde ein großes Risiko. Auch wenn derzeit keine Änderungen der Projektionen anstehen sollten, dürfte die Notenbank klarstellen, dass sie diese Tendenz mit Sorge verfolgt und mit ihren Instrumenten Gewehr bei Fuß steht, um notfalls einzugreifen.

Neben den genannten Themen erwarten wir in den USA das Verbrauchervertrauen und die Auftragseingänge langlebiger Güter. Für den Euroraum stehen die Verbraucherpreise sowie das Wirtschaftsvertrauen (ESI) an. Am Samstag werden in China die PMIs veröffentlicht. Auf Unternehmensebene gehen wir in die erste heiße Phase der Berichtssaison. In den USA berichtet fast ein Drittel der Konzerne des S&P 500.

Anleihen
Die EZB-Sitzung dürfte dem Markt keine neuen Richtungsimpulse geben. Denn die EZB wird wohl kaum bereits jetzt das Volumen ihrer Kaufprogramme anheben. Trotzdem erwarten die meisten Investoren bis zum Jahresende eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Das unterstützt die Staatsanleihekurse. Auch Unternehmensanleihen bleiben im Niedrigzinsumfeld gefragt – trotz größerer Risikoaversion.

Währungen
Die Aussicht auf eine kurzfristige Einigung im US-Kongress auf ein zweites Fiskalpaket hat den US-Dollar deutlich abwerten lassen. Auch steigende US-Inflationserwartungen belasten den Dollar, weil die Fed seit ihrer Strategieänderung die Inflation erst eine Weile überschießen lassen wird, bevor sie ihre Zinsen anhebt.

Aktien
Solange sich das Infektionsgeschehen weiter ausweitet, dürften die zuletzt gesehenen Erholungsansätze nur von kurzer Dauer sein. So können auch die erwarteten Makro- und Unternehmensdaten nur von unterstützender Wirkung sein. Wichtig für die Stimmung an den Aktienbörsen wäre ein klares Statement der EZB.

Rohstoffe
Bei den Rohölpreisen überwiegen aktuell die Abwärtsrisiken. Einerseits wegen der unsicheren Nachfragesituation, andererseits steigt die Produktion in Libyen. Der Goldpreis könnte vom sich wieder abschwächenden US-Dollar profitieren.


Rückblick

Pandemie hat die Aktienmärkte fest im Griff
In der zurückliegenden Woche hat die Coronakrise, die sich zuletzt vor allem in Europa weiter zuspitzte, die Aktienmärkte fest im Griff gehabt. Die europäischen Leitindizes fielen vier Tage in Folge und verzeichneten dementsprechend merkliche Verluste. Der Dax büßte auf Wochenbasis rund 2% an Wert ein (per Freitagvormittag, 10 Uhr) und fiel somit wieder deutlich unter die Marke von 13.000 Punkten.

Somit setzt sich die mittlerweile seit Monaten anhaltende Seitwärtspendelbewegung fort, wobei die Märkte sich jetzt wieder dem unteren Band der Spanne annähern.

Die Börsen bleiben damit weiterhin in einer sehr fragilen Lage. Die teilweise stark steigenden Covid-19-Neuerkrankungen führen in immer mehr Ländern zu (Teil-) Lockdowns. Sollten die Zahlen in den kommenden Tagen weiter stark steigen, könnte es möglicherweise auch in Deutschland, wo die Marke der täglichen Neuinfizierten zuletzt auf über 10.000 Personen angesprungen ist, zu weiteren einschneidenden Maßnahmen kommen, die die Konjunktur dementsprechend belasten dürften. Zu der erneut anschwellenden Coronakrise gesellen sich die Unsicherheiten in Bezug auf die US-Wahlen im November 2020, die vertrackten Brexit-Verhandlungen sowie wachsende geopolitische Risiken..

Der Internationale Währungsfonds gab für Europa zuletzt einen recht mauen konjunkturellen Ausblick. Laut IWF-Prognose dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr um 7% schrumpfen, bevor dann im Jahr 2021 mit einer BIP-Erholung von 4,7% zu rechnen ist. Die schwer zu berechnende Coronakrise und das Brexitchaos könnten die Prognose aber noch spürbar beeinflussen. Ein wenig Hoffnung liegt immerhin noch auf die mögliche Verabschiedung eines weiteren US-Konjunkturpakets, das eventuell noch vor den US-Wahlen implementiert werden könnte. Auf europäischer Sektorenebene waren in den vergangenen fünf Handelstagen (per Freitagvormittag, 10 Uhr) insbesondere Bankaktien gesucht, die im Schnitt um 3,6% zulegten. Am Ende der Performancerangliste notierten Technologieaktien mit durchschnittlichen Verlusten in Höhe von 3,9%.

In den USA waren auf Wochenbasis vor allem defensive Versorgertitel gesucht (+2%), wohingegen Gebrauchsgüterwerte im Schnitt 2,5% verloren.

Die Rendite für die 10jährige deutsche Bundesanleihe stieg auf Wochenbasis von -0,62% auf -0,57% an.

Die Preise für Gold und Öl tendierten seitwärts.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre -0,77 0,00 -0,10 -0,17
5 Jahre -0,79 0,02 -0,06 -0,33
10 Jahre -0,61 0,05 -0,06 -0,37
Bund Future (Kurs) 175,19 0,02 0,02
USA
2 Jahre 0,16 0,02 0,02 -1,42
5 Jahre 0,38 0,06 0,12 -1,31
10 Jahre 0,85 0,11 0,18 -1,07
10J-2J (Pkt.) 69,10 59,30 53,10 33,90

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,1828 1,1 1,0 5,4
GBP pro EUR 0,9033 -0,3 -1,8 6,6
CHF pro EUR 1,0728 0,3 -0,3 -1,3

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 12543,06 -1,3 -0,4 -5,3
MDAX 27186,17 -1,0 2,2 -4,0
DJ Stoxx 600 360,27 -0,7 0,8 -13,4
Euro Stoxx 50 3171,41 -0,7 0,2 -15,3
USA
S&P500 3453,49 -0,9 4,2 6,9
Dow Jones 28363,66 -0,5 3,9 -0,6
Nasdaq Comp. 11506,01 -1,8 5,0 28,2
Asien
Nikkei 225 23474,27 -0,1 0,5 -0,8

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 42,52 -1,71 1,75 -35,88
Gold 1899,38 -0,05 -0,22 24,92

Quelle: Refinitiv


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor Ausblick: Hans-Jürgen Delp, DVFA
Autor Rückblick: André Sadowsky, CEFA

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