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    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 10. Juli 2020

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EZB-Ratssitzung sowie eine Vielzahl an Konjunkturdaten

  • EZB dürfte vorerst einmal abwarten
  • Große Breite an US-Konjunkturdaten
  • Schreitet die chinesische Erholung weiter voran?
  • In den USA startet die Berichtssaison

Die Anleger befinden sich aktuell im Zwiespalt zwischen Hoffen (weltweit starke Frühindikatoren, fortschreitende Erholung in China) und Bangen (Negativrekorde bei den Infektionszahlen in den USA und somit steigende Gefahr eines erneuten Shutdowns). Dementsprechend werden in der kommenden Woche neben den täglichen Neuinfektionsstatistiken die angekündigten Daten aus Wirtschaft und Unternehmensbereich mit Spannung erwartet.

Im Fokus steht die EZB-Ratssitzung am Donnerstag, auch wenn aus deren Sicht wenig Bedarf bestehen dürfte, aktuell bei den bisher eingeführten Maßnahmen zur Stützung von Konjunktur und Kapitalmärkten noch einmal nachzulegen. Vielmehr dürfte sie die fortgesetzte Erholung von sozialem Leben und Wirtschaft im Euroraum beobachten und Gewehr bei Fuß stehen, falls sich hier eine Änderung zum Negativen andeutet.

Wichtig ist vor allem der Blick auf die chinesischen Veröffentlichungen zu Handelsbilanz, Einzelhandelsumsätzen, Industrieproduktion und dem BIP für das zweite Quartal. Da die chinesische Konjunktur den Einbruch aufgrund der Belastungen durch Covid-19 bereits weitgehend aufgeholt hat, wird mit Spannung erwartet werden, ob und wie schnell die Erholung weiter voranschreitet. Angesichts der schlechten Lage am Arbeitsmarkt und der hohen Unternehmensverschuldung, die die Investitionsbereitschaft bremsen wird, ist von einer deutlichen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auszugehen.

Aus den USA erwarten wir ein ganzes Bündel von Wirtschaftsdaten, die ein Bild vermitteln sollten, mit welchem Tempo die Erholung hier bisher fortgeschritten ist. Zwar dürfte die Entwicklung im Juni sowohl bei Einzelhandelsumsätzen (+6,5% M/M erwartet) als auch der Industrieproduktion (+3,0%) durchaus positiv ausfallen, aber angesichts der immer stärker steigenden Infektionsraten und der sukzessive erfolgenden verschärften regionalen Maßnahmen gegen die Pandemie wird die Frage bleiben, inwiefern diese Erholung wieder eingebremst wird. Neben den genannten Erhebungen erwarten wir leicht steigende Verbraucherpreise, die regionalen Frühindikatoren von New York und Philadelphia, das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan sowie einige Daten zum Häusermarkt. In Europa dürften die ZEW-Konjunkturerwartungen im Fokus stehen. Neben der Menge an Konjunkturdaten startet die Berichtssaison zum wichtigen zweiten Quartal. Hier beginnen neben Netflix, Pepsico, Johnson & Johnson und Abbott Labs sowie einigen Minengesellschaften die größten US-Banken den Zahlenreigen.

Anleihen
Im Fokus stehen nächste Woche die EZB-Ratssitzung und der EU-Gipfel. Beides birgt Enttäuschungspotenzial. EZB-Präsidentin Lagarde hat bereits signalisiert, dass keine Lockerung der Geldpolitik ansteht. Beim EU-Gipfel scheint eine Einigung auf den EU-Wiederaufbaufonds zu ambitioniert. Insofern könnten die Spreads in der Euro-Peripherie wieder ansteigen und die Bundrenditen zurückgehen.

Währungen
Der Euro ist vor allem wegen weltweit steigender Infektionszahlen gefährdet. Denn eine steigende Risikoaversion unterstützt im Regelfall den US-Dollar als sicheren Hafen, auch wenn dort die Neuinfektionszahlen mit am stärksten ansteigen.

Aktien
Die Anleger sorgen sich zunehmend über die in Nord- und Mittelamerika steigenden Infektionsraten. So dürfte der letzte Aufschwung an den Aktienbörsen trotz weiterhin hoffnungsvoller Konjunkturdaten solange eingebremst werden, bis sich aus dieser Sicht eine Entspannung andeutet.

Rohstoffe
Die gestiegenen Inflationserwartungen dürften den Goldpreis weiter vorantreiben. Auch Silber und Platin sollten dadurch Rückenwind erhalten. Dagegen ist bei Rohöl angesichts der Lagerbestände, die sich auf Rekordniveaus befinden, sowie des hohen spekulativen Kaufüberhangs weiter mit Preisdruck zu rechnen.


Rückblick

Risikoanlagen trotz zweiter Welle auf dem Vormarsch
Wichtige Wirtschaftsdaten waren in der vergangenen Woche eher rar gesät. Dadurch erfuhren die Neuinfektionszahlen zwar erhöhte Aufmerksamkeit, wurden aber trotz der in USA oder Lateinamerika unverändert dramatisch hohen Erkrankungen sowie Anzeichen für eine 2. Welle z.B. in Osteuropa zunächst weniger beachtet. Die Märkte schauen „durch“ das Infektionsgeschehen und sehen die Chance für eine markante Wirtschaftserholung. Diese Erwartung stützten auch die Makrozahlen der Woche: Für Deutschland konnten im Mai die Auftragseingänge (+10,4%), die Industrieproduktion (+7,8%) und auch die Exporte (+9%) schöne Zuwächse gegenüber April zeigen. Gegenüber Vorjahr liegen sie allerdings ca. 20-30% tiefer. Es wird wohl ein langer Weg zurück!

Auch in den USA bestätigte der Einkaufsmanagerindex im Dienstleistungsbereich mit 57,1 den zu den Neuinfektionszahlen kontrastierenden Optimismus. Er liegt jetzt wieder auf Vor-Corona-Niveau. Am Arbeitsmarkt reduzierten sich die Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung weiter.

Die Kurse an den Rentenmärkten blieben in der Woche in einer engen Handelsspanne. Die Rendite 10-jähriger Bunds liegt bei -0,47%. Offenbar halten sich hohe Neuemissionstätigkeit und die Anleihekäufe der Notenbanken die Märkte in einem stabilen Gleichgewicht. Am Devisenmarkt neigte der Euro bei guter Marktstimmung weiter zu Stärke und versuchte sich an 1,14 zum USD, doch mit vorsichtigerer Marktstimmung fiel er wieder auf das Wochenstartniveau zurück.

Die Aktienmärkte setzten in der Woche teils spektakuläre Akzente. Nach wie vor dominiert die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung. Angesichts der Unsicherheiten (2. Welle, langsamerer Turnaround) galt die Präferenz den sichersten Wachstumsbereichen wie Technologie oder geographisch der am weitesten fortgeschrittenen Erholungsstory: China. Während Aktienindizes in Europa in dieser Woche ca. 1% verloren, sah es in den USA besser aus. Der S&P-Index legte ein knappes Prozent zu, die Nasdaq markierte mit +3% sogar ein neues Allzeithoch. Dabei sorgte einmal mehr das „Billionen-Trio“ Alphabet, Microsoft und Apple mit neuen Hochs für Schubkraft. Fast schon irrational mutet der Wochengewinn von Tesla (+16%) und der Aufstieg zum nach Marktkapitalisierung größten Automobilhersteller weltweit an. Die chinesischen Märkte stiegen im Wochenvergleich mit ca. 8% ebenfalls ungewöhnlich stark an. An den Rohstoffmärkten überschritt Gold zeitweise die Marke von 1.800 USD.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre -0,67 -0,68 -0,60 -0,59
5 Jahre -0,68 -0,68 -0,57 -0,46
10 Jahre -0,50 -0,460 -0,31 -0,19
Bund Future (Kurs) 176,52 176,01 173,43
USA
2 Jahre 0,16 0,19 0,17 1,58
5 Jahre 0,29 0,31 0,33 1,68
10 Jahre 0,67 0,67 0,68 1,92
10J-2J (Pkt.) 51,50 48,40 50,60 33,90

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,1294 0,6 -0,5 0,6
GBP pro EUR 1,0616 0,0 -1,5 -2,3
CHF pro EUR 121,16 0,3 -0,9 -0,7

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 12489,46 -0,9 -1,0 -5,7
MDAX 26555,63 -0,3 0,1 -6,2
DJ Stoxx 600 363,64 -1,3 -1,6 -12,6
Euro Stoxx 50 3261,17 -1,8 -1,8 -12,9
USA
S&P500 3152,05 0,7 -1,7 -2,4
Dow Jones 25706,09 -0,5 -5,7 -9,9
Nasdaq Comp. 10547,75 3,3 6,0 17,6
Asien
Nikkei 225 22529,29 1,7 -2,4 -4,8
Shanghai -A- 3616,87 11,6 16,7 13,2

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 42,49 -1,62 3,01 -35,92
Gold 1801,65 1,43 0,00 18,49

Quelle: Refinitiv


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Verantwortlich: Chris-Oliver Schickentanz, CEFA
Autor Ausblick: Hans-Jürgen Delp, DVFA
Autor Rückblick: Martin Roth, CEFA

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