• Unsere Markteinschätzung – jeden Freitag neu

    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 20. Mai 2022

Wachstumsängste könnten stärker werden

  • Wachstumsabschwächung wegen Fed-Zinserhöhungen
  • Im Euroraum dominieren weiterhin Angebotsengpässe
  • Nächste Woche stehen Frühindikatoren im Fokus

In den USA drohen rasant steigende Leitzinsen die Nachfrage abzuwürgen und eine Rezession auszulösen. So hat die US-Notenbank (Fed) im Mai ihren Leitzins um 50 Bp. angehoben. Auch in den nächsten Sitzungen dürften Leitzinsanhebungen in dieser Größenordnung erfolgen. Bis Frühjahr 2023 könnte der Leitzins auf 3,5% ansteigen und droht zinssensitive Nachfragekomponenten wie die Investitionen und den Privaten Konsum stark zu bremsen. Seit den 50-er Jahren mündete ein Zinserhöhungszyklus in diesem Ausmaß fast immer in einer Rezession. Noch gehen die Konsensusschätzungen für das US-Wachstum nicht davon aus, aber die Marktteilnehmer gehen offenbar davon aus, denn ab Mitte nächsten Jahres werden bereits wieder Zinssenkungen für die Fed eingepreist. Da der US-Leitzins nur wenig über das neutrale Niveau angehoben werden dürfte, rechnen wir damit, dass eine Rezession verhindert werden kann, zumindest eine tiefe Rezession. Trotzdem dürfte sich die US-Konjunktur im nächsten Jahr abschwächen. Bei schwächeren Konjunkturdaten könnten die Ängste vor einer Rezession immer wieder aufkommen.

Dagegen dürfte die Nachfrage in Deutschland und im Euroraum mit Blick auf das zögerliche Vorgehen der EZB nicht zum Problem werden. Die EZB wird zwar auch die Leitzinsen erhöhen, aber deutlich gemächlicher als die Fed. Hier dominieren wegen des Mangels an Vorprodukten und Personal weiter die Probleme auf der Angebotsseite. So hält China nach wie vor an der Null-Corona-Politik fest. Damit droht anders als in den USA keine klassische Rezession mit einer selbstverstärkenden Abwärtsdynamik und einer massiv steigenden Arbeitslosigkeit. Natürlich bekommt Europa eine deutliche Wachstumsabschwächung in den USA auch zu spüren. Immerhin ist die USA ein wichtiger Absatzmarkt für Deutschland. Aber die Konjunkturzyklen müssen nicht unbedingt parallel verlaufen. Ein großes Risiko für den Euroraum bleiben die Energiepreise. Ein Gasembargo ist zwar unwahr-scheinlich, aber dennoch möglich und würde unweigerlich zu einer Rezession in Deutschland sowie Euroraum führen.

Im Euroraum werden nächste Woche die Einkaufsmanagerindizes gemeldet, bei denen kein Einbruch erwartet wird. Die aktuellen zahlreichen Belastungsfaktoren dürften aber den deutschen Unternehmen mehr und mehr auf die Stimmung schlagen, ohne dass die Lockerung der Corona-Restriktionen wohl noch ein nennenswertes Gegengewicht bilden. Deshalb gehen wir davon aus, dass das Ifo-Geschäftsklima im Mai von 91,8 auf 91,0 Punkte erneut gefallen ist.

Anleihen
Die Rentenmärkte waren zuletzt sehr volatil und stehen nach wie vor unter Druck. Für die EZB rechnen wir fest mit einer Zinserhöhung im Juli, jedoch sind nach wie vor mit 100 Basispunkte zu viele Zinserhöhungen bis Jahresende eingepreist. Die Rendite 2-jähriger Bundesanleihen erreichte mit über 0,40% inzwischen den höchsten Stand seit 2011 und hat damit viel vorweggenommen.

Währungen
Der Euro hat sich etwas stabilisieren können, bleibt aber nach wie vor belastet. So ist ein Gasembargo gegen Russland nach wie vor möglich. Zudem bestehen die Lieferengpässe vor allem aus China weiterhin.

Aktien
Die immer größer werdenden Sorgen darüber, dass die Fed in ihrem Kampf gegen die Inflation die Konjunktur abwürgen und dabei sogar eine Rezession in Kauf nehmen wird, werden die Aktienmärkte weiterhin belasten. Kurzfristig könnte immerhin ein Fed-Protokoll, das mildere Töne anschlägt, entlasten. Von volkswirtschaftlichen Daten und der auslaufenden Berichtssaison sind keine wesentlichen Impulse zu erwarten.

Rohstoffe
Der Rohölpreis dürfte unter Schwankungen seitwärts tendieren, solange ein Ölembargo noch unklar bleibt. Der Goldpreis leidet unter dem starken US-Dollar.


Rückblick

Globale Aktienmärkte stehen weiterhin unter Druck
Die internationalen Aktienanleger brauchen nach wie vor sehr starke Nerven. Nach einer kurzen Zwischenerholung gerieten die globalen Börsen zur Wochenmitte schon wieder kräftig unter Verkaufsdruck. So büßte allein der Nasdaq Composite-Index am Mittwoch 4,7% ein, womit er sich schon wieder bedrohlich dem Jahrestief bei 11.108 Punkten näherte. Auch der Dow Jones-Index und der S&P 500-Index verzeichneten kräftige Verluste. Mehrere enttäuschende Quartalszahlen und Ausblicke unter anderem aus dem Einzelhandelssektor vergällten den Investoren die Laune. So büßte allein die Aktie des US-Einzelhändlers Target rund ein Viertel ihres Wertes ein. Auch die Quartalszahlen und der Ausblick von Schwergewicht Walmart enttäuschten sehr.

Immer mehr Investoren fürchten offenbar, dass sich die hohe Inflation zunehmend negativ auf den US-Konsum auswirken wird und die US-Konjunktur somit in Richtung Rezession abrutschen könnte. Hinzu kommen immer wieder falkenhafte Äußerungen aus der US-Notenbank, die aller Voraussicht nach um weitere schnelle und kräftige Zinserhöhungen nicht herumkommen wird. Somit nimmt auch das von vielen Anlegern gefürchtete Stagflationsszenario immer bedrohlichere Ausmaße an.

Im Hintergrund schwelen zudem unverändert die wachstumshemmenden Faktoren Ukraine-Krieg sowie die Covid-Krise in China, die dort zu zahlreichen rigiden Lockdowns geführt hat. Entsprechend negativ fielen die chinesischen Makrodaten im April aus. Als Konsequenz hieraus dürften die vielfältigen globalen Lieferkettenprobleme noch anhalten oder sich sogar verschärfen.

Vor dem Hintergrund all der oben beschriebenen Probleme verwundert es nicht, dass die jüngste Fondsmanagerumfrage der Bank of America ein sehr pessimistisches Bild zeigt. So stieg die Kassenquote im Mai mit 6,1% auf den höchsten Stand seit zwanzig Jahren. Der Anteil der Befragten, der niedrigere Unternehmensgewinne erwartet, beträgt mittlerweile 66% - mehr als im April 2020 (63%, Corona-Schock). Solche extremen Werte korrespondieren mit den großen Krisen aus der Vergangenheit (u.a. LTCM-Kollaps, Dotcom-Desaster, Lehman-Krise).

Dennoch gab es in den zurückliegenden fünf Handelstagen auch Unternehmen, die mit ihren Quartalszahlen und Ausblicken glänzten. Hierzu zählte u.a. Daimler Truck. Die Firma erhöhte die Jahresziele für Umsatz und Ergebnis. Die Aktie von Tui verlor hingegen zweistellig. Hier belastete die Ankündigung der Ausgabe neuer Aktien.

Auch die Börsen in Asien gaben zeitweise nach, wenngleich der Abgabedruck deutlich geringer ausgeprägt war als in den USA oder in Europa. Für Hoffnung sorgte am Freitag die höher als erwartet ausgefallene Senkung des Referenzzinses chinesischer Banken von 4,6% auf 4,45%.

Der Ölpreis tendierte die Woche über recht stabil. Der Goldpreis legte um knapp zwei Prozent zu.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre 0,25 0,18 0,33 0,90
5 Jahre 0,68 0,15 0,12 1,14
10 Jahre 0,95 0,08 0,07 1,12
Bund Future (Kurs) 153,88 0,08 0,05
USA
2 Jahre 2,60 0,08 0,05 1,94
5 Jahre 2,85 0,07 -0,04 1,60
10 Jahre 2,87 0,04 -0,05 1,37
10J-2J (Pkt.) 26,50 30,90 36,80 84,10

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,0590 1,7 -1,8 -6,9
GBP pro EUR 0,8478 -0,5 2,1 1,0
CHF pro EUR 134,90 -1,0 0,6 -0,6

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 13882,30 1,0 -1,9 -12,6
MDAX 29034,11 3,0 -5,5 -17,3
DJ Stoxx 600 427,99 0,8 -6,2 -12,3
Euro Stoxx 50 3640,55 0,08 -5,0 -15,3
USA
S&P500 3900,79 -0,8 -12,6 -18,2
Dow Jones 31253,13 -1,5 -10,5 -14,0
Nasdaq Comp. 11388,50 0,2 -16,4 -27,2
Asien
Nikkei 225 26402,84 2,5 -2,2 -8,3

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 109,38 1,59 1,90 39,52
Gold 1845,77 0,22 -5,50 1,28

Quelle: Refinitiv Datastream


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Redaktion
Ausblick: Martin Hartmann, CEFA
Rückblick: André Sadowsky, CEFA

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