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    Börsenausblick auf die nächste Woche

    Ausgabe vom 7. August 2020

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Setzt die Industrieproduktion ihre Erholung weiter fort?

  • Weltweite Industrieproduktionszahlen
  • Wichtiger Blick auf das US-Verbrauchervertrauen
  • Wann kommt das neue US-Hilfspaket?
  • Berichtssaison in ihrer Schlussphase

Die letzte Woche war wesentlich geprägt von starken Einkaufsmanagerindizes, die insbesondere den Aktienmärkten noch einmal Auftrieb gaben. Jetzt wird es spannend zu beobachten, ob die realwirtschaftlichen Produktionszahlen der Industrie diesen Konjunkturoptimismus untermauern.

In den USA bleibt die Gretchenfrage, in wie weit sich die konjunkturelle Erholung trotz der weiter hohen Neuinfektionszahlen fortsetzen kann. Bei der Industrieproduktion dürfte vor allem die kräftige Nachfrage im Automobilsegment für einen weiteren Anstieg gesorgt haben. Auch die Versorger rechnen angesichts der hohen Temperaturen mit einem erhöhten Strombedarf für Klimaanlagen und der Bergbau sollte sich zumindest stabilisieren. Somit erwarten wir in Summe, dass die Industrieproduktion ggü. Vormonat um weitere 3,5% zu-gelegt haben sollte, nach +5,4% im Juni. Auch bei den Einzelhandelsumsätzen ist ein deutlich positiver Beitrag von Automobilkäufen zu erwarten. Im Juli wurden 14,5 Mio. Neuwagen verkauft (auf Jahresrate hochgerechnet), womit sich hier die Erholung weiter fortsetzt. Während auch höhere Benzinpreise die Einzelhandelsumsätze vorangetrieben haben sollten, dürften sich die Absätze in den anderen Segmenten des Einzelhandels in Grenzen gehalten haben. Insgesamt erwarten wir ein leichtes Plus von 2% ggü. Vormonat, nach einem Anstieg von 7,5% im Juni.

Während sich in den USA die Erholung im produzierenden Gewerbe also mit vermindertem Tempo weiter fortsetzen sollte, dürfte sie in China ihre Dynamik beibehalten. Hier erwarten wir einen Anstieg von 5% ggü. Vorjahr. Die Industrieproduktion im Euroraum wird nach einem starken Plus von 12,4% (ggü Vormonat) im Mai immerhin noch mit einem Anstieg von 8,8% (Juni) prognostiziert.

Das BIP für den Euroraum im zweiten Quartal wird gegenüber dem Vorjahr mit einem Minus von 15% erwartet. Dieser Einbruch dürfte angesichts der historisch schwachen Daten aus Deutschland und den USA die Kapitalmärkte nicht mehr aus der Fassung bringen. Darüber hinaus werden Verbraucherpreise für die USA und China veröffentlicht, die weiterhin moderat ausfallen sollten. Wichtig wird auch der Blick auf die wenigen Stimmungsindikatoren sein. Dabei steht das Verbrauchervertrauen in den USA im Fokus, das sich zuletzt verschlechtert hatte. In der laufenden Berichtssaison legen nur noch wenige Großkonzerne Zahlen vor.

Anleihen
Bundesanleihen profitieren von der immer noch großen Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und den sich daraus ergebenden negativen Folgen für die Wirtschaft. Zudem bleiben die Spannungen zwischen den USA und China ein Thema und wirken kursstützend. Die gute Kursentwicklung bei Peripherieanleihen – angetrieben vom EU-Wiederaufbaufonds – dürfte langsam auslaufen und in eine Seitwärtsbewegung übergehen.

Währungen
Aktuell scheint der US-Dollar die Funktion als sicherer Hafen in Krisenzeiten verloren zu haben. Die aufkommende positive Stimmung aufgrund überwiegend guter Wirtschaftsdaten hält den Abwärtsdruck aufrecht. Auch steigen die Chancen, dass sich die Parteien in den USA bald auf ein neues Fiskalpaket einigen. Zudem möchten sich die USA und China wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Aktien
Den Aktienmärkten mangelte es zuletzt an Impulsen für weitere Kursavancen. Lediglich die Techwerte setzten ihre Rallye unvermindert weiter fort. Positiv überraschende Industriedaten könnten noch einmal für Auftrieb sorgen, allerdings sind auch die Risiken (Neuinfektionen, Spannungen China/USA) weiter angestiegen.

Rohstoffe
Bei Gold und Silber scheint nach den letzten Preisanstiegen eine Korrektur, zumindest aber eine Verschnaufpause, überfällig zu sein. Die Ölpreise standen zuletzt wegen den zu-nehmenden Spannungen zwischen den USA und China etwas unter Druck. Somit dürften die politischen Stimmungen über den kurzfristigen weiteren Verlauf entscheiden.


Rückblick

Freundliche Woche für Aktien und Rohstoffe

Ob die Wochentendenz durch die rückläufige Dynamik bei den Covid-19 Neuinfektionen in den USA und in vielen Schwellenländern oder bessere Konjunkturdaten, die die konjunkturelle Wende seit Mai untermauerten, bestimmt wurde, ist eine offene Frage. In jedem Fall konnten die Finanzmärkte die sehr vorsichtige Haltung und den Konsolidierungsmodus wieder abschütteln: Aktienmärkte und auch Rohstoffpreise befestigten sich deutlich.

Beachtlich waren vor allem die verbesserten „harten Daten“. Im Juni zeigten so die Industrieproduktion in Deutschland mit +8,9% oder die Auftragseingänge mit +28% (jeweils ggü. Mai), dass die Erholung kräftig unterwegs ist. Zwar gibt es nach wie vor einen deutlichen Abstand zum Vorjahreswert von um 10%, aber die ebenfalls verbesserten „weichen“ Indikatoren machen Hoffnung, dass auch das 3. Quartal gut starten wird. So wurden durchweg positive Überraschungen bei den Einkaufsmanagerindizes sowohl in Europa - selbst in den stark von der Rezession betroffenen Ländern Italien und Spanien - als auch in den USA mit nun deutlich über der Expansionsschwelle von 50 liegenden ISM-Umfrage gemeldet. Dabei holt nun auch das Verarbeitende Gewerbe gegenüber dem Dienstleistungsbereich auf. Ein Hoffnungszeichen ergab sich auch aus tieferen Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung.

Die Bewegungen an den Finanzmärkten waren beachtlich. Während die Kurse an den Rentenmärkten und bei den großen Währungen sich nur wenig veränderten, gab es eine auffällige Schwäche bei Schwellenlandwährungen wie türkischer Lira, bras. Real und südafrikanischem Rand.

Positiv war die Wochentendenz an den Aktienmärkten. Unter Führung von Technologiewerten (+4%) ging es insbesondere in den USA an der Nasdaq (+3,4%) voran. Bei den meisten Indizes in USA, Europa aber auch Fernost lagen die Zugewinne um 2%. Ausnahme bildete der Schweizer SMI, den die Stagnation der defensiven Sektoren Gesundheit und Verbrauchsgüter dämpfte. Die spektakulärste Bewegung der Woche fand jedoch an den Rohstoffmärkten statt. Dort erholte sich der Ölpreis um 5%, was im Übrigen auch den stark gebeutelten Ölaktien zu einem schönen Wochenplus von 3% verhalf. Der Goldpreis stieg erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 2.000 und legte ebenfalls knapp 5% zu. Bei den anderen Edelmetallen lag das Plus noch höher: Platin und Palladium kletterten um je fast 8%, während Silber sogar mit +18% kräftig nach oben schoss.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre -0,68 -0,70 -0,66 -0,59
5 Jahre -0,74 -0,75 -0,68 -0,46
10 Jahre -0,57 -0,58 -0,47 -0,19
Bund Future (Kurs) 177,60 177,69 175,96
USA
2 Jahre 0,12 0,13 0,16 1,58
5 Jahre 0,21 0,22 0,30 1,68
10 Jahre 0,54 0,54 0,68 1,92
10J-2J (Pkt.) 41,90 41,60 52,00 33,90

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,1843 0,4 4,6 5,5
GBP pro EUR 0,9011 -0,4 -0,4 6,3
CHF pro EUR 1,0788 0,3 1,4 -0,8

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 12591,68 1,7 -1,1 -5,0
MDAX 26803,37 2,1 -1,0 -5,3
DJ Stoxx 600 362,49 0,8 -2,3 -12,8
Euro Stoxx 50 3240,39 1,0 -3,3 -13,5
USA
S&P500 3349,16 3,2 5,3 3,7
Dow Jones 27386,98 4,1 4,2 -4,0
Nasdaq Comp. 11108,07 4,9 6,5 23,8
Asien
Nikkei 225 22418,15 0,4 -1,3 -5,2
Shanghai -A- 3549,61 3,0 1,6 11,1

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 45,19 4,92 4,78 -31,85
Gold 2052,50 5,79 0,00 34,99

Quelle: Refinitiv


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Autor Ausblick: Hans-Jürgen Delp, DVFA
Autor Rückblick: Martin Roth, CEFA

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