• Unsere Markteinschätzung – jeden Freitag neu

    Wochenausblick

    Ausgabe vom 3. Februar 2023

Leitzinsgipfel näher gerückt

  • Spannung auf verspätete deutsche Inflationszahlen
  • Rentenmärkte schauen jenseits des Zinsgipfels
  • Impulse für Aktienmärkte aus Berichtssaison
  • Bei Rohstoffpreisen Konsolidierung naheliegend

Die Finanzmärkte feiern das nahende Ende der großen und schnellen Leitzinssteigerungen und blenden Belastungsfaktoren weitgehend aus. Die Leitzinsfrage ist nach dieser Woche mit den Anhebungen der drei großen westlichen Notenbanken zwar keineswegs beendet. Ein Nachschlag wurde angekündigt, allerdings wird dieser immer überschaubarer und wir nähern uns dem Leitzinsgipfel, was den Optimismus der Märkte befeuert.

Nach einer geradezu hyperaktiven Woche mit wichtigen Makrodaten und den Aktionen der Notenbanken steht den Finanzmärkten nun eine „Verdauungspause“ bevor. Der Datenkalender der nächsten Woche ist vergleichsweise gering bestückt. Durch die unerwartete Berechnungspanne ist für die auf Montag verschobenen deutschen Inflationszahlen für den Januar der maximale Spannungsbogen gesetzt. Wir rechnen mit einem Rückgang auf 8,3% nach 8,6% im Dezember bzw. einer geringen monatlichen Steigerung von noch 0,1%, was Auswirkungen der Strom- und Gaspreisbremse zu danken ist. Der problematische Anstieg der Kerninflation über 5% bleibt indes bestehen. Einblick in die deutsche Konjunktur bieten auch Auftragseingänge und Produktionszahlen für Dezember am Montag bzw. Dienstag. Trotz schwächerer Nachfrage konnte die deutsche Industrie dank satter Auftrags-polster ihre Produktion bisher stabil halten. Aber diese Konstellation bröckelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis schrumpfende Auftragsbestände auf die Produktion durchschlagen.

International sind neben den wöchentlichen Zahlen der Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA, die als Spotlight auf den noch immer so robusten Arbeitsmarkt dienen, das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan am Freitag zu nennen. Am Markt geht man von einem Wert von historisch weiter sehr niedrigen 65 Punkte nach 64,9 im Dezember aus. Hier gerät die Erholung seit Sommer ins Stocken. Der US-Konsument dürfte aktuell auch wegen der gestiegenen Zinsen und noch immer hohen Inflationsraten kaum mehr Optimismus entwickeln.

Anleihen
Nach den Zentralbanksitzungen und in Ausmaß und Kommunikation auch so erwarteten Zinsentscheiden in dieser Woche steigt die Hoffnung, dass der Zinsgipfel bald erreicht wird. Die Renditen an den Staatsanleihemärkten sind infolgedessen deutlich gefallen. Darüber hinaus stehen nächste Woche wenig neue Impulse an, was gegen eine kurzfristige Trendumkehr spricht. Nach wie vor halten wir Anlagen im Rentenbereich durch alle Laufzeiten für chancenreich. Fallende Inflationsraten und fehlende Konjunkturdynamik könnten im Jahresverlauf für nachgebende Renditen und damit auch Kursgewinne sorgen.

Währungen
Nach den Zinsentscheidungen dürften die starken Bewegungen des US-Dollars zum Euro nachlassen. Auf aktuellem Niveau ist in unseren Augen der aktuelle geldpolitische Ausblick weitgehend eingepreist. Das Aufwärtspotenzial des Euro dürfte begrenzt sein.

Aktien
Die besser als erwartet verlaufende Gewinnberichtssaison und der weniger falkenhafte Fed-Chef Powell haben die Aktienrally diese Woche weiter angefeuert. Folglich dürfte das erste Quartal an den Aktienmärkten weiter deutlich besser verlaufen als von uns bisher erwartet. Potenzielle Belastungsfaktoren wie die zuletzt schwächelnde Konjunkturdaten, die stetig fallenden Gewinnerwartungen für 2023 und gestiegene Bewertungen rücken in diesem Umfeld derzeit in den Hintergrund. Die Berichtssaison setzt sich fort. U.a. berichten Disney, Pepsi oder DuPont. Linde veröffentlicht am 7.2. seine Zahlen zum letzten Mal als DAX-Mitglied.

Rohstoffe
Die Ölpreise dürften auf der Stelle treten, solange weder die Dynamik von Chinas Nachfrageerholung noch die Folgen des EU-Embargos bzw. der Preisobergrenzen klar abzusehen sind. Auch an den Metallmärkten haben die Preise schon einiges von der erwarteten Nachfrageerholung vorweggenommen.


Rückblick

Im Zeichen der Notenbankentscheidungen
Während sich die Marktteilnehmer im Vorfeld der Sitzungen der drei wichtigen Notenbanken bis zur Wochenmitte noch relativ zurückhaltend zeigten (EuroStoxx), bzw. Tagesgewinne und -Verluste (Wall Street) sich ausglichen und auch die Renditen letztendlich auf der Stelle traten, kam nach der Leitzinsentscheidung der Fed Bewegung in die Kapitalmärkte. Obwohl die US-Notenbank die Fed Funds Rate mit einem weiteren Schritt um nun lediglich 25 Basispunkte (BP) ein weiteres Mal anhob und auch ihre geldpolitische Botschaft, dass weitere Zinserhöhungen notwendig sein sollten, erneuerte, reagierten die US-Märkte kräftig. Die Kurse vor allem zyklischer Branchen stiegen und die Renditen von US-Treasuries sanken. Ein schwächer, als erwartet ausgefallener Stellenaufbau im Privatsektor nährte darüber hinaus die Erwartung, dass die Fed mit ihrer Strategie erfolgreich ist und so den Lohnkostenzuwachs in Zaum halten wird. Während die asiatischen Börsen am Donnerstag nur verhalten agierten, griff die positive Stimmung auf die europäischen Märkte über und weitete sich sogar noch aus, nachdem auch die EZB wie erwartet entschied und ihren Leitzins um 50 BP erhöhte. Die Reaktion auf die EZB-Sitzung war ein unerwartet starker Rückgang der 10jährigen Bundrendite um mehr als 20 BP.

Ein weiterer wichtiger Marktfaktor war die laufende Gewinnberichtssaison, die in dieser Woche in ihre intensivste Phase einmündete. Während diese durchwachsen gestartet war und bisher Enttäuschungen einiger großer Flaggschiffe im Fokus standen, überwogen bis Donnerstag eher die positiven Veröffentlichungen. Insbesondere das Schwergewicht Meta Platforms hatte zwar wegen des Konzernumbaus und hoher Abfindungen einen Gewinneinbruch für das abgelaufene Quartal ausgewiesen, meldete aber auch einen Turnaround bei den zuletzt schwächelnden Werbeeinnahmen. Die Aktie legte daraufhin um 23% zu. Doch dann enttäuschten nachbörslich die drei Schwergewichte Apple, Amazon und Alphabet und sorgten dafür, dass die Rally im technologielastigen Nasdaq 100 wieder gebremst wurde.

Der zuvor schwankende Euro legte nach der Fed-Pressekonferenz deutlich zu und überstieg die Marke von 1,10 USD. Nach der Zinsentscheidung der EZB rutschte er wieder unter 1,09 USD. Deutlich schwächer entwickelten sich die Rohölpreise. Belastend wirkten steigende Rohöllagerbestände in den USA sowie die Meldung, dass sich das Beobachtungskomitee der OPEC+ für eine Beibehaltung der bisherigen Förderungsmenge ausspricht.

Während so die Zentralbankentscheidung und auch die Flut an Quartalsberichten für einige Bewegung an den Kapitalmärkten sorgten, standen die vielen Konjunkturdaten eher im Hintergrund.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre 2,50 -0,09 -0,19 -0,13
5 Jahre 2,07 -0,16 -0,40 -0,49
10 Jahre 2,03 -0,15 -0,42 -0,54
Bund Future (Kurs) 139,83 -0,16 -0,32
USA
2 Jahre 4,10 -0,16 -0,32 -0,44
5 Jahre 3,49 -0,12 -0,48 -0,48
10 Jahre 3,40 -0,09 -0,43 -0,43
10J-2J (Pkt.) -70,10 -76,50 -58,30 -70,80

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 1,0941 0,8 2,5 2,5
GBP pro EUR 0,8899 1,3 0,3 0,3
CHF pro EUR 0,9953 -0,5 0,8 0,8

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 15509,19 2,5 10,2 11,4
MDAX 29808,92 3,5 17,0 18,7
DJ Stoxx 600 459,20 1,2 7,1 8,1
Euro Stoxx 50 4241,12 1,6 10,0 11,8
USA
S&P500 4179,76 2,9 8,9 8,9
Dow Jones 34053,94 0,3 2,7 2,7
Nasdaq Comp. 12200,82 6,0 16,6 16,6
Asien
Nikkei 225 27402,05 0,1 5,0 5,0

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 82,94 -5,23 -2,33 -2,33
Gold 1923,15 -0,19 5,44 5,92

Quelle: Refinitiv Datastream


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Redaktion
Ausblick: Martin Roth, CEFA
Rückblick: Hans-Jürgen Delp, DVFA

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