• Unsere Markteinschätzung – jeden Freitag neu

    Wochenausblick

    Ausgabe vom 23. September 2022

Springt die Inflation in Deutschland über die 10%-Marke

  • Inflationsprognosen: Euroraum 9,9%, Deutschland 10,3%
  • Ifo-Index und China-Einkaufsmanagerindex dürften sinken
  • Analysten befürchten Moll-Töne von Vonovia und Nike

Den Kapitalmärkten droht auch in der kommenden Woche Gegenwind von hohen Inflationszahlen. Die Inflation im Euroraum (Freitag) dürfte um 0,8 Prozentpunkte auf 9,9% steigen. Zudem sollte die Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel weiter von 4,3% auf 4,6% steigen, verglichen mit dem 2%-Ziel der Europäischen Zentralbank.
Für die Inflation in Deutschland (Donnerstag) sehen wir sogar einen Sprung von 7,9% auf 10,3%, unter anderem aufgrund des Wegfalls des 9-Euro-Tickets.

Weiter fallende Frühindikatoren dürften insbesondere für die Aktienmärkte ein weiterer Belastungsfaktor werden. So erwarten wir für den Ifo-Index (Montag) einen Rückgang von 88,5 auf 87,5. Der Ifo-Index würde damit eine weiter steigende Wahrscheinlichkeit für ein drohendes Rezessionsszenario anzeigen. In den Rezessionen 2009 und 2020 sank der Ifo-Index schließlich sogar Richtung 80.

In China dürfte der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrie (Freitag) von 49,4 auf 49,0 fallen, da die chinesische Wirtschaft weiterhin unter der Schwäche des Immobilienmarkts und den anhaltenden Corona-Lockdowns leidet.

Auf Unternehmensseite rückt im DAX der Kapitalmarkttag von Vonovia (Dienstag) in den Mittelpunkt. Die recht drastische Gewinnwarnung des SDAX-Immobilienfinanzierers Hypoport am Donnerstag zeigt, dass am deutschen Immobilienmarkt aufgrund der scharfen Leitzinswende der Europäischen Notenbank zunehmend Gewitterwolken aufziehen. In den USA legt Nike (Donnerstag) Quartalszahlen vor, und einige Analysten erwarten auch vom US-Sportartikelhersteller erste Moll-Töne über eine sich weltweit abschwächende Konsumnachfrage.

Anleihen
Der starke Anstieg der Renditen, insbesondere am kurzen Ende, dürfte sich fortsetzen, da kommende Woche wohl erneut hohe Inflationszahlen vermeldet werden dürften. Auch die Erwartungen für die Zentralbank-Zinsen erreichen derzeit neue Höchststände.

Währungen
Der US-Dollar profitiert von der Fed-Politik, die sich nicht beirren lässt und an ihrer aggressiven Inflationsbekämpfung festhält. Der Euro bleibt durch die Energiekrise in Europa belastet. Wir rechnen im Euroraum mit einer anhaltenden Rezession, die schon im laufenden Quartal begonnen hat. In den USA dürfte diese erst Anfang nächsten Jahres beginnen und milder ausfallen.

Aktien
Die wahrscheinlich weiter steigende Inflation im Euroraum und der erwartete Rückgang des Ifo-Index dürften Aktien weiter belasten. Nach den jüngsten Kursverlusten ist zwar kurzfristig eine Stabilisierung möglich. Doch mittelfristig erwarten wir neue Jahrestiefs an den Aktienmärkten.

Rohstoffe
Eine nachrichtenarme Woche steht an. Somit dürfte der Ölpreis auf der Stelle treten. Mit dem Einkaufsmanagerindex wird in China der letzte Indikator vor der Feiertagswoche veröffentlicht. Positive Impulse wird es hier wohl kaum geben. Am Goldmarkt ist allerhöchstens eine kurzfristige Gegenbewegung zu erwarten.


Rückblick

Notenbanken forcieren Leitzinserhöhungen, Börsen leiden
Zahlreiche Notenbanken forcieren die Leitzinserhöhungen zur Bekämpfung der teilweise ausufernden Inflation. Damit rückt ihr eigentliches Ziel, für Preisstabilität zu sorgen, wieder in den Fokus ihres Handelns. Viel zu lange hatten die globalen Wäh-rungshüter ihren Blick zu stark auf die Unterstützung der Kon-junktur (u.a. auch aufgrund der Coronakrise) sowie auf die Ver-schuldungssituation einiger Staaten gelegt. Nun geben viele Zentralbanken endlich Gas, auch wenn dadurch die Gefahr wächst, dass die globale Konjunktur sich weiter abschwächen und mancherorts in eine Rezession münden wird.

Den Anfang machte in der zurückliegenden Woche (Mittwoch) die US-Notenbank. Sie entschied sich dazu, den Leitzins um 75 Basispunkte auf 3 bis 3,25% anzuheben, was allerdings keine Überraschung war. Die US-Währungshüter avisierten weitere Leitzinserhöhungen. Die Fed Funds Rate sehen sie Ende 2022 bei 4,4% und Ende 2023 bei 4,6%. In ihren Projektionen für das US-BIP-Wachstum sieht die Fed für das Jahr 2023 immer noch einen Zuwachs von 1,2% gegenüber dem Vorjahr. Am Donners-tag erhöhten drei weitere Zentralbanken die Leitzinsen. Wäh-rend die Notenbanken in England und Norwegen den Schlüs-selsatz um jeweils 50 Basispunkte anhoben, hievte die schwei-zerische Zentralbank den Leitzins sogar um 75 Basispunkte auf +0,5% nach oben und beendete damit gleichzeitig den Negativ-zins. Die Notenbank in Japan hält dagegen nach wie vor an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik fest, obwohl auch hier die Prei-se spürbar anziehen (August 2022: +3% J/J, höchster Stand seit 1991). Zudem intervenierte das Finanzministerium zum ersten Mal seit 24 Jahres am Devisenmarkt, um den sehr schwachen Yen zu stützen.

In diesem Umfeld zogen die Renditen deutlich an. Die 10jährige Rendite für die deutsche Bundesanleihe kletterte am Freitag kurz über 2%. Die 10jährige US-Staatsanleihe notierte bei 3,7%.

Die steigenden Zins- und Inflationssorgen sowie die Furcht vor einer Rezession haben die Aktienmärkte in der zurückliegenden Woche spürbar belastet. Einige Leitindizes wie der Dax oder der südkoreanische Kospi-Index fielen fast bis auf die diesjährigen Jahrestiefstände zurück und befinden sich somit in einer heiklen charttechnischen Situation. Auch der US-amerikanische Nasdaq Composite-Index (-29% seit Jahresbeginn) fiel auf ein Niveau von fast 11.000 Punkten zurück und notiert damit nur noch rd. 400 Punkte über seinem Jahrestief bei 10.565 Punkten. Aus-druck der zum Teil großen Nervosität sind die zum Teil extremen Kursstürze, die nach Gewinnwarnungen folgen. In den vergan-genen Tagen traf es u.a. Firmen wie Suse (Software) und Hypo-port (Immobilien) mit Kursstürzen von in der Spitze fast 40%.


Ladevorgang...


Märkte in Zahlen

Renditen von Staatsanleihen - in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Deutschland
2 Jahre 1,74 0,36 0,97 2,39
5 Jahre 1,90 0,31 0,88 2,35
10 Jahre 1,98 0,23 0,73 2,16
Bund Future (Kurs) 140,02 0,23 0,85
USA
2 Jahre 4,18 0,26 0,85 3,52
5 Jahre 3,96 0,27 0,79 2,71
10 Jahre 3,71 0,25 0,66 2,21
10J-2J (Pkt.) -47,10 -46,10 -28,30 84,10

Währungen - Änderung in Prozent1

-1W -1M ggü.
31.12.
USD pro EUR 0,9816 -1,8 -1,5 -13,7
GBP pro EUR 0,8716 0,2 3,1 3,8
CHF pro EUR 0,9638 0,4 0,4 -7,0

1 Positiver Wert: Aufwertung des EUR

Aktienmärkte - Änderung in Prozent

-1W -1M ggü.
31.12.
Europa
DAX 12531,63 -3,3 -5,3 -21,1
MDAX 23267,31 -4,9 -10,5 -33,8
DJ Stoxx 600 399,76 -3,6 -7,7 -18,0
Euro Stoxx 50 3427,14 -3,2 -6,3 -20,3
USA
S&P500 3757,99 -3,7 -9,2 -21,2
Dow Jones 30076,68 -2,9 -9,0 -17,2
Nasdaq Comp. 11066,81 -4,2 -10,6 -29,3
Asien
Nikkei 225 27153,83 -2,6 -5,7 -5,7

Rohstoffe - Änderung in Prozent

USD -1W -1M ggü.
31.12.
Rohöl (Brent) 90,40 -0,74 -6,36 15,32
Gold 1669,60 0,15 -3,84 -8,38

Quelle: Refinitiv Datastream


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Ausblick: Andreas Hürkamp, CEFA
Rückblick: André Sadowsky, CEFA

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