Lärmdämmung: Das sind die Möglichkeiten!

Um Geräusche aus dem Haus zu isolieren oder auch Lärm und Geräusche von außen auszuschließen, gibt es die Möglichkeit einer Lärmdämmung. Doch wie funktioniert eine Lärmdämmung und was kostet sie?

Frau räkelt sich entspannt in weißen Laken

Was versteht man unter einer Lärmdämmung?

Die Lärmdämmung oder ein Schallschutz dienen dazu, Wände und Decken möglichst schalldicht zu gestalten. Dadurch können Sie einen Raum von unliebsamen Geräuschen und Lärm aus der Wohnung eines Nachbarn abschirmen oder Lärm, der von außen kommt, aussperren. Viele Gebäude verfügen jedoch über eine schlechte Lärmdämmung. Um den Schallschutz zu verbessern, können Sie mithilfe baulicher Maßnahmen die Decken und Wände mit einer zusätzlichen Dämmung versehen. Zur Abschirmung von Verkehrslärm oder Lärm von Eisenbahnstrecken und Flughäfen eignen sich professionelle Schallschutzfenster. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, mit einfachen Maßnahmen und ohne bauliche Veränderungen einen besseren Schallschutz zu gewährleisten. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie die Lärmdämmung in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus am besten in die Tat umsetzen.

Kostenbeispiel für eine Lärmdämmung

Nehmen wir an, Sie wollen eine Wand mit einer Länge von 6m, die direkt zum Nachbarn angrenzt, dämmen. Sie kaufen dafür ein Komplett-Set und verstärken die Vorwandkonstruktion in Eigenregie noch zusätzlich mit Rigipsplatten. So ergibt sich folgende Rechnung:

Komplettset für insgesamt 18 m²
800€
Rigipsplatten
126€
Zusatzmaterial
147€
Summe
1.073€

Als Zusatzmaterial benötigen Sie beispielsweise ein Trennband für den Boden, Schrauben, Dübel und eine zusätzliche Verkleidung für die Rigipsplatten. Die oben aufgeführten Gesamtkosten ergeben sich, wenn Sie die Trennwand selbst bauen.
Für weitere Informationen, hinsichtlich der Kosten und wie Sie bei diesen sparen können, lesen Sie weiter.

Warum sind Wände nicht schalldicht?

In der Bauphysik unterscheiden Fachleute zwei Arten der Schallausbreitung. Beim sogenannten Körperschall werden die Schallwellen direkt durch die Baumaterialien weitergeleitet. Ein Beispiel dafür ist der Trittschall. Wenn Sie sich in Ihrer Wohnung bewegen, verursachen Ihre Schritte Schwingungen, dieser Körperschall wird auch in die Nachbarwohnung übertragen. Luftschall hingegen verbreitet sich durch die Luft. Wenn dieser Schall auf Gegenstände trifft, werden die Schallwellen auch dadurch weitergeleitet. Bestimmte Baumaterialien wie Gipskartonplatten oder Beton leiten Schallwellen sehr gut. Auch Glasscheiben und Fliesen sind relativ gute Schallleiter. Flankierende Bauteile wie Seitenwände oder Decken können den Schall ebenfalls gut leiten.

Wie halte ich den Lärm draußen?

Ein Problem beim Schallschutz stellt vor allem Lärm dar, der von draußen in die Wohnung dringt. Das ist in der Nähe von stark befahrenen Straßen, bei nahe gelegenen Flughäfen oder in unmittelbarer Nähe von Bahnstrecken der Fall. Dieser Lärm wirkt nicht nur störend, sondern kann unter Umständen auch gesundheitsschädlich sein. Aber auch Lärm, der aus der Wohnung eines Nachbarn kommt oder von einer Kneipe auf der anderen Straßenseite, kann sehr störend wirken. Um diesen Lärm von außen fernzuhalten, gibt es mittlerweile eine Reihe verschiedener Methoden.

Dämmung der Wand mit Schaumstoff

Grundsätzlich können Sie die Wände Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses mit Schaumstoff dämmen. Allerdings bietet diese Dämmung nur einen Schallschutz gegen Geräusche, die in Ihrer eigenen Wohnung entstehen. Dadurch dringt der Schall von Ihrer Wohnung nicht mehr nach außen. Wenn Sie hingegen einen Schallschutz gegen Geräusche aus der Nachbarwohnung oder von außen abschirmen wollen, müssen Sie eine zweite Wand installieren und diese mit dem Schaumstoff dämmen. Um die Lärmdämmung zu verstärken, sollten Sie rund 2cm Abstand zwischen dem Schaumstoff und der ursprünglichen Wand halten. Das gleiche Konstrukt verwenden Sie an der Decke, wenn Sie Trittgeräusche vom Nachbarn über Ihnen abschirmen wollen. Dazu hängen Sie die Decke ab und isolieren diese mit Schaumstoff und Gipskartonplatten.

Schallschutzfenster

Wenn Sie neben einer belebten Straße wohnen oder in der Nähe einer stark frequentierten Kneipe, können Sie die Fenster für den Schallschutz verwenden. Wenn Sie ein neues Haus bauen, können Sie sofort Schallschutzfenster einbauen lassen. Diese gibt es in verschiedenen Schallschutzklassen. Auch bei der Sanierung einer Altbauwohnung oder eines Hauses können Sie auf diese Fenster zurückgreifen. Diese Fenster sind teurer als herkömmliche Fenster. In Deutschland gibt es jedoch die Möglichkeit, dafür bestimmte Förderungen zu beantragen.

Nachträglicher Schallschutz an Türen und Fenstern

Wollen oder können Sie Ihre Fenster nicht austauschen, können Sie auch nachträgliche Maßnahmen für den Schallschutz einrichten. Wichtig ist hier vor allem die komplette Abdichtung der Fenster und Rahmen. Auch hierfür eignet sich Schaumstoff. Bei den Türen können Sie diesen Schallschutz nachträglich einbauen. Ein Zugluftstopper eignet sich nicht nur für die Abdämmung des Spalts unterhalb der Tür, sondern bildet zugleich eine zusätzliche Wärmedämmung.

Alternative Methoden zur Lärmdämmung

Wer in einer Mietwohnung lebt, hat nicht immer die Möglichkeit, bauliche Veränderungen vorzunehmen und eine zweite Wand zu errichten. Innerhalb der Wohnung haben Sie jedoch auch einfache Methoden, um eine Lärmdämmung durchzuführen. Zum Beispiel können Sie große Möbelstücke vor den Wänden platzieren. Die Möbel dürfen dabei die Wand nicht berühren. Gut verteilte Möbel sorgen ebenfalls für einen guten Schallschutz aus Nachbarwohnungen.
Daneben bieten auch Textilien einen Schallschutz. Vorhänge, die viele Falten werfen oder hohe Teppiche verschlucken sehr viel Schall. Hochflorteppiche eigenen sich hervorragend als Schutz gegen den eigenen Trittschall.
Um Fenster schalldicht zu machen, können Sie auch Handtücher auf die inneren Fensterbänke legen. Dadurch wird der Schall von der Straße weitgehend abgeschirmt.

Darauf können Sie schon vor dem Einzug achten

Wenn Sie eine neue Wohnung beziehen, können Sie bereits im Rahmen der ersten Wohnungsbesichtigung die Schallverhältnisse abschätzen. Wenn Sie die neue Wohnung mehrmals besichtigen und das zu unterschiedlichen Tageszeiten, können Sie sich schnell ein Bild von den dort herrschenden akustischen Bedingungen machen. Beim Erwerb eines Hauses können Sie die Lärmbelastung durch Straßen oder Verkehrswege bereits vor Ort abschätzen.
Wohnungen, die sich neben stark frequentierten Straßen oder einem Flughafen befinden, sind naturgemäß einer höheren Lärmbelastung ausgesetzt als abgelegene Wohneinheiten oder ein Haus in einer ländlichen Region. Wie laut jedoch die Nachbarn in einer Mietwohnung sind, lässt sich auf den ersten Blick kaum feststellen. Sie können aber die baulichen Maßnahmen, die zur Lärmdämmung bereits umgesetzt wurden, begutachten. Altbauwohnungen verfügen in der Regel über eine schlechtere Lärmdämmung als Neubauten, da in der Vergangenheit andere Maßstäbe für den Lärmschutz galten.

Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab

Wenn Sie ein Eigenheim baulich auf einen optimalen Lärmschutz und eine Schalldämmung ausrichten, entstehen natürlich bestimmte Kosten. Diese hängen von einer Reihe von Faktoren ab.

Die Art der Dämmung

Wenn Sie eine Lärmdämmung für einen Raum durchführen, gelten Schaumstoffplatten als die günstigste Lösung. Dies gilt in erster Linie für die Schallisolierung einer Wand. Normaler Akustik-Schaumstoff eignet sich jedoch nur für die Dämmung innerhalb eines Raums. Um Lärm aus der Nachbarwohnung oder von außen abzuschirmen, müssen Sie dafür einen sogenannten Absorberschaumstoff verwenden. Die Kosten für diese Schaumstoffplatten liegen meist zwischen 40€ und 60€ pro m².
Deutlich teurer sind Dämmungen mithilfe eingezogener Zusatzwände oder sogenannte Vorwandkonstruktionen. Für diese Vorwandkonstruktionen werden Schaumstoffplatten auf einem Gerüst angebracht. Bei diesem Ständerwerk müssen Sie mit Kosten zwischen 2,50€ und 5€ pro m rechnen. Daneben haben Sie die Möglichkeit, Komplett-Sets zu kaufen. Diese können Sie selbst zusammenbauen. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 50€ pro m².

Die Stärke der Dämmung

Die Kosten für die Lärmdämmung in einem Raum oder einem Haus hängen auch von der Stärke der verwendeten Dämmmaterialien ab. Je dicker die Schaumstoffplatten sind, desto teurer sind sie und desto wirksamer ist der Schallschutz. Zudem können Sie die Schalldämmung mit einer zusätzlichen Verkleidung wie Rigipsplatten versehen. Das erhöht natürlich die Kosten dementsprechend. Die Bezeichnung Rigips® ist ein Markenname, der von dem Unternehmen Saint Gobain für die speziellen Gipskartonplatten verwendet wird. Die Kosten für diese Platten bewegen sich zwischen 6€ und 9€ pro m².

Benötigtes Zubehör

Wenn Sie eine Vorwandkonstruktion errichten, brauchen Sie dafür auch entsprechendes Zubehör. Das Ständerwerk, das in den meisten Fällen aus Holz besteht, müssen Sie zusammenschrauben und an der Wand befestigen. Dafür benötigen Sie die passenden Schrauben und Dübel. Um eine Lärmdämmung gegen den Boden zu erhalten, müssen Sie noch ein Trennwandband einfügen, das als Trennung zum Boden fungiert. Diese Trennwandbänder erhalten Sie meist schon für wenige Cent pro m.

Lärmdämmung in Eigenregie oder durch einen Fachmann

Letztendlich hängen die Kosten für die Lärmdämmung eines Raums auch davon ab, ob Sie diese selbst durchführen oder von einem Unternehmen durchführen lassen. Vor allem bei Vorwandkonstruktionen oder einer abgehängten Decke werden Sie in den meisten Fällen auf die Arbeit von Trockenbau-Fachleuten zurückgreifen müssen. Das empfiehlt sich vor allem bei einem großen Raum oder einem Haus. Ein Fachbetrieb verlangt für die Errichtung einer Vorwandkonstruktion zwischen 35€ und 75€ pro m².

Finanztipp : Wenn Sie Geld für die Sanierung Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses benötigen, gibt es die Möglichkeit, einen Modernisierungskredit in Anspruch zu nehmen. Diesen können Sie auch für die Sanierung einer Altbauwohnung verwenden. Alternativ dazu stehen Ihnen mit einem Ratenkredit Geldmittel zur freien Verwendung zur Verfügung.

Gibt es Förderungen für Lärmdämmungsmaßnahmen?

Eine Förderung für den Lärmschutz gibt es in Deutschland in erster Linie für den Einbau von Lärmschutzfenstern. Förderungen bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) an sowie einige Kommunen. Gefördert werden die Kosten für den Einbau von Lärmschutzfenstern bis zu einer Höhe von maximal 75%. Diese Fördermaßnahmen gelten hauptsächlich in Regionen mit einem starken Verkehrsaufkommen sowie in der Nähe von Bahnstrecken oder Flughäfen.

Bauliche Vorschriften

Bei Mehrparteienhäusern gelten unterschiedliche Lärmschutzverordnungen. Diese hängen vom Bauzeitpunkt des jeweiligen Gebäudes ab. In Hochbauten müssen Trennwände von Wohnungen über einen Schallschutz von mindestens 53 Dezibel (db) verfügen. In Reihenhäusern gilt ein Wert von 59 db. Eine normale Unterhaltung von Personen verursacht einen Lärmpegel von rund 55 db und eine Stereoanlage kann bis zu 80 db erreichen.
Der Einbau von nachträglichen Lärmschutzeinrichtungen innerhalb einer Mietwohnung ist Sache des Mieters. Der Vermieter ist nicht für die Umsetzung nachträglicher Maßnahmen verantwortlich.

5 Spartipps für die Lärmdämmung

1

Förderungen nutzen

Nutzen Sie beim Einbau von Schallschutzfenstern die zur Verfügung stehenden Förderungen.

2

Eigenregie statt Beauftragung von Fachleuten

Wenn Sie handwerklich geschickt sind, können Sie eine Vorwandkonstruktion in einem Raum selbst durchführen.

3

Beim Kauf sparen

Kaufen Sie für die Einrichtung einer Vorwandkonstruktion am besten ein fertiges Komplett-Set.

4

Alternative Methoden

Greifen Sie in Mietwohnungen mit kleinen Wänden auf alternative Methoden zur Schalldämmung zurück. Dafür empfehlen sich Möbelstücke, Vorhänge oder Teppiche.

5

Planen Sie voraus

Wenn Sie ein Haus in einer lärmbelastenden Gegend errichten, planen Sie den optimalen Schallschutz bereits mit der Wärmedämmung mit ein.

Eine gute Lärmdämmung sorgt für Ruhe

Lärm ist ein lästiger Alltagsbegleiter, hierbei wird zwischen Körperschall und Luftschall unterschieden. Doch zumindest im eigenen Haus oder in der Wohnung sollte kein Lärm von außen eindringen können. Um dies zu ermöglichen, ist eine effiziente Lärmdämmung notwendig. Für die Lärmdämmung können Sie sowohl einfache Lösungen anwenden als auch auf professionelle Verfahren zurückgreifen. Über die dabei entstehenden Kosten entscheiden in erster Linie die verwendeten Materialien und die Art der Lärmdämmung.