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    Bargeldlos Bezahlen

    Aussichten und Möglichkeiten

So lösen Karte und Smartphone das Bargeld ab

Lange Jahre waren die Deutschen eiserne Verfechter von Schein und Münze. Ob im Supermarkt, im Elektronikhandel oder gar im Autohaus – die Bundesbürger zahlten lieber mit Bargeld statt mit Giro- oder Kreditkarte. Das ändert sich gerade; dank kontaktloser Technologien wird das Bezahlen bargeldlos. Doch Scheine und Münzen bedeuten auch Freiheit. In diesem Artikel erfahren Sie, was die Zukunft für das Bargeld bedeutet und wie neue Technologien unsere Zahlgewohnheiten jetzt schon verändern.


Der Geldbeutel der Deutschen heute

Bargeldlos statt Cash

Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Während Menschen in vielen Ländern rund um den Globus in den vergangenen Jahren immer öfter bargeldlos statt cash bezahlen und neue Technologien wie das kontaktlose NFC-Verfahren enthusiastisch annahmen, hielten die Deutschen fast schon trotzig an Scheinen und Münzen fest. Gerade kleine Einkäufe im Supermarkt oder beim Bäcker, aber auch der Eintritt ins Schwimmbad oder das Feierabendbierchen in der Kneipe beglichen sie bar statt bargeldlos mit der Karte. Bei der Anzahl der bargeldlosen Transaktionen pro Kopf liegt Deutschland europaweit gerade mal auf Platz 15. Im Durchschnitt hat hier jeder Einwohner rund 100 Euro im Portemonnaie – mehr als in jedem anderen Euroland. Rund 2.500 Euro in bar hortet jeder Deutsche, vom Säugling bis zum Senior, durchschnittlich zu Hause. Insgesamt schlummern damit über 200 Milliarden Euro unter der sprichwörtlichen Matratze. Doch das ändert sich gerade – die Vormachtstellung des Bargelds scheint gebrochen.

2018 zahlten die Deutschen erstmals öfter bargeldlos

Karte und Handy sind nicht nur bei der jüngeren, technikaffinen Bevölkerungsschicht beliebt. Insgesamt griffen deutsche Verbraucher im Jahr 2018 beim Bezahlen ihrer Einkäufe erstmals öfter zur Giro- oder Kreditkarte als zum Bargeld, hat das Handelsforschungsinstitut EHI in Köln ermittelt. Nach Berechnungen des Instituts zahlten die Verbraucher im stationären Einzelhandel rund 209 Milliarden Euro bargeldlos. Das sind 12,4 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Damit stieg der Umsatzanteil von Karte oder Smartphone auf 48,6 % und überholte das Bargeld – wenn auch nur knapp.

Bar wurden der Erhebung zufolge nur noch Einkäufe in Höhe von etwa 208 Milliarden Euro bezahlt. Das entspricht einem Umsatzanteil von 48,3 % – 1,7 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. 3,1 % der getätigten Umsätze verteilten sich auf Gutscheine, Rechnungs- oder Finanzierungskäufe. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren noch rund die Hälfte aller Umsätze bar bezahlt worden. Für die Erhebung befragt das EHI jedes Jahr rund 435 Handelsunternehmen mit 85.000 Verkaufsstätten aus 35 Branchen mit einem stationären Einzelhandelsumsatz in Höhe von 251,2 Milliarden Euro.

2018 zahlten die Deutschen erstmals öfter bargeldlos
Umsatzanteile der Zahlarten

Kleine Beträge werden bar bezahlt

Doch auch wenn der Einsatz von Bargeld grundsätzlich sinkt, bedeutet das nicht, dass die Deutschen in absehbarer Zeit nur noch bargeldlos bezahlen. Denn gerade für kleine Beträge ist Bargeld nach Auswertung der Experten des EHI noch immer das Zahlungsmittel der Wahl. So seien auch 2018 gut drei Viertel, also 76,1 % beziehungsweise 15,2 Milliarden der insgesamt 20 Milliarden Einkäufe bar bezahlt worden. 4,6 Milliarden Einkäufe wurden dagegen bargeldlos per Karte bezahlt. Doch auch bei der Zahl der Einkäufe ging der Baranteil um 1,1 Prozentpunkte beziehungsweise 220 Millionen Transaktionen zurück. Die genauen Umsatzanteile der Zahlarten finden Sie hier in der Infografik.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch die Bundesbank: Demnach griffen die Deutschen im Jahr 2018 vor allem beim Begleichen kleinerer Beträge von unter 50 € besonders gerne zu Scheinen und Münzen. Rechnungen von weniger als 5 € wurden gar zu 97 % bar beglichen. Bargeldlos zahlten die Bundesbürger dagegen bevorzugt höhere Beträge.

Das liegt auch daran, dass noch immer viele kleine Händler – allen voran Bäckereien und Kioske, aber auch Gastronomiebetriebe wie Restaurants, Kneipen und Bars – nur Bargeld akzeptieren. Viele von ihnen scheuen die Kosten, die mit bargeldlosen Zahlungen einhergehen. Dabei sind diese in den vergangenen Jahren signifikant gesunken.

Drei Fakten rund ums Geld

  1. Gut 21,4 Mrd. Euro in Scheinen waren Ende 2017 in der Eurozone im Umlauf.1
  2. Die Deutschen horten gerne Bargeld: Nur 10 % des Bestandes landet zum Bezahlen an der Kasse, 90 % werden ausschließlich zur Wertaufbewahrung verwendet – Tendenz steigend.2
  3. Bares wird Rares? Eher nicht. Denn auch wenn die bargeldlose Bezahlung auf dem Vormarsch ist: Eine komplette Abschaffung des Bargelds lehnen laut Studie der Deutschen Bundesbank 88 % der Deutschen ab.

Giro- vor Kreditkarte

Bargeldlos bezahlen die Deutschen am liebsten mit der Girocard . Zwar verhalf auch die zunehmende Verbreitung der Kreditkarte in der Bundesrepublik dem bargeldlosen Bezahlen zu einem Umsatzzuwachs – das allerdings nur geringfügig. So baute die Kreditkarte ihren Anteil am Umsatz von 6,5 auf 6,9 % aus. Insgesamt 29,8 Milliarden Euro wurden nach der Erhebung der EHI per Kreditkarte umgesetzt.

Demgegenüber stieg der Anteil der Girocard um 3,8 %. 19,2 Milliarden Euro mehr wurden mit dem im allgemeinen Sprachgebrauch als EC-Karte bezeichneten Zahlungsmittel beglichen. Die Experten der EHI machen für diesen Anstieg vor allem folgende Einflussfaktoren aus: So habe die Gebührendeckelung zu einer Konditionsangleichung von Girocard und Lastschriftverfahren geführt, wodurch das sicherere Girocard-PIN-Verfahren für Händler deutlich an Attraktivität gewonnen habe.

Insgesamt nutzen im Jahr 2017 gut 98 % der Bundesbürger ihre Girocard, um Einkäufe zu bezahlen, hat die Deutsche Bundesbank in einer Befragung ermittelt. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 griffen nur rund 91 % der Befragten zur Girocard. Noch größere Zuwächse konnte die Kreditkarte verzeichnen: Nutzten im Jahr 2008 etwa 9 % der Befragten Kreditkarten, waren es 2017 schon 36 %. Das liegt vor allem an der zunehmenden Verbreitung der Kreditkarte und an den neuen Formen, die deutsche Banken in den vergangenen Jahren herausgegeben haben. So gibt es heute neben der eigentlichen Kreditkarte immer mehr Debit- und Charge Cards.

Giro- vor Kreditkarte
Girocard (Debit Card) Charge Card Revolving Card Prepaid Kreditkarte
Belastung vom Girokonto Jede einzelne Zahlung wird dem Girokonto sofort belastet Alle Zahlungen werden zusammenaddiert und zu einem festen Zeitpunkt (meist zum Monatsende) dem Girokonto belastet Alle Zahlungen werden zusammenaddiert; zu einem festgelegten Termin wird eine zuvor festgelegte Rate (fester Betrag oder Prozentsatz der Ausgaben) dem Girokonto belastet Prepaid Karte muss aufgeladen werden, um Zahlungen begleichen zu können
Kreditrahmen Besteht nicht Ein Verfügungsrahmen wird bei Kartenantrag festgelegt Ein Verfügungsrahmen wird bei Kartenantrag festgelegt Besteht nicht
Zins Es fallen keine Zinsen an In der Regel fallen keine Zinsen an Ab dem zweiten Monat werden Zinsen für den in Anspruch genommenen Verfügungsrahmen fällig Es fallen keine Zinsen an
Geeignet für Alle, die gerne den Überblick über ihre Ausgaben behalten und keine größeren Abbuchungen wünschen Alle, die ihre Ausgaben gerne kumuliert in einer Summe begleichen und das Abbuchen des Geldes von ihrem Konto aufschieben wollen. Alle, die einen unkomplizierten Kreditrahmen wünschen, über den sie mit der Kreditkarte verfügen möchten Alle, die sich ein festes Kreditlimit setzen und die Karte nicht überziehen wollen

Und auch immer mehr Unternehmen geben in Kooperation mit Banken eigene Bezahlkarten aus, die nicht mehr nur in den jeweiligen eigenen Läden, sondern auch in fremden Geschäften genutzt werden können. Tchibo, Amazon, Douglas und Ikea, aber auch einige Tankstellenketten haben solche Kreditkarten im Programm. Meist handelt es sich dabei um Charge- manchmal um Creditcards. Oft locken die Unternehmen mit Vorteilen und Vergünstigungen.


Trend zum Bezahlen ohne Bargeld wird sich fortsetzen

Inzwischen heißt es bereits immer öfter: Karte statt Cash. Das zeigt eine Studie zum Zahlungsverhalten in Deutschland, die die Bundesbank seit 2008 durchführt. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2017 wurden zwar immer noch 74 Prozent aller Transaktionen mit Banknoten und Münzen getätigt. Aber zum ersten Mal war der Bargeldanteil am Umsatz auf weniger als die Hälfte gefallen (48 Prozent). Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen nimmt immer weiter zu.

Für das aktuelle Jahr erwarten Experten einen weiteren, wahrscheinlich noch größeren Vorsprung der bargeldlosen Zahlungen. Das hat verschiedene Ursachen. So meiden in der Corona-Krise immer mehr Menschen aus Hygienegründen den Kontakt zu anderen – und auch zum Bargeld – und bezahlen lieber kontaktlos mit Karte. Außerdem hält mit der zunehmenden Verbreitung des NFC-Verfahrens das kontaktlose Bezahlen Einzug in die Supermärkte und Geschäfte.

Wie hat das Corona-Virus unsere Zahlverhalten verändert?
Kleine Geschichte des bargeldlosen Bezahlens

Kleine Geschichte des bargeldlosen Bezahlens

Bargeldlos Bezahlen – das funktioniert bereits seit mehr als 70 Jahren. Begonnen hat alles mit der Diners Card. Im Jahr 1949 lud Frank McNamara, Inhaber eines kleinen Kreditunternehmens, Geschäftsfreunde in ein angesagtes New Yorker Restaurant zum Essen ein. Doch als die Rechnung kam, stellte er bestürzt fest, nicht genug Bargeld im Portemonnaie zu haben. Zwar konnte seine Frau aushelfen, doch McNamara wollte eine so peinliche Situation nicht noch einmal erleben – und entwickelte Anfang des Jahres 1950 mit der Diners Card die erste Kreditkarte. So zumindest erzählte es McNamara lange Jahre. Später räumte das Unternehmen ein, die Gründungsgeschichte sei erfunden. Nichts desto trotz: Die Diners Card verbreitete sich über New York hinaus schnell über die gesamten USA. Noch im gleichen Jahrzehnt zogen die Finanzinstitute Franklin National Bank und Bank of America nach und entwickelten eigene Universalkarten – die Grundsteine für die heutigen Kartengesellschaften Mastercard und Visa.

In Deutschland konnte sich die Kreditkarte lange Zeit nicht durchsetzen – zu suspekt war den deutschen Verbrauchern das schnelle Schulden machen bei bargeldlos bezahlten Rechnungen. Anders dagegen die Girocard: Sie basiert auf der 1968 eingeführten EC-Karte, die seinerzeit noch beim Bezahlen mit Eurocheque vorgelegt werden musste. Anfang der 1990er Jahre entwickelte sich daraus das Electronic-Cash-System – mit Girocard und Geheimzahl war es den Verbrauchern nun erstmals möglich, bargeldlos zu bezahlen.


Kontaktlos Bezahlen schafft mehr Komfort

Kontaktlos Bezahlen schafft mehr Komfort

Denn es ist gerade dieses kontaktlose Bezahlen, das – schnell, einfach und komfortabel – das Potenzial hat, das Bargeld noch schneller aus den Kassen zu verdrängen. Basis für diese Technologie ist NFC, die Near-Field-Communication, die sowohl in Kassenterminals als auch in die Chips von Giro- und Kreditkarte und in den meisten Smartphones integriert ist. Aus maximal 4 Zentimetern Distanz überträgt sie die relevanten Zahlungsdaten per Funk – Kunden müssen ihre Karte also nur nah an das NFC-fähige Lesegerät halten, schon ist die Zahlung verbucht. Bei geringen Beträgen ist nicht einmal die Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig.

Die Anzahl der Girocards mit NFC-Funktion steigt

Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft sind heute rund drei Viertel aller aktiven Bezahlterminals, rund 755.000 in ganz Deutschland, für die NFC-Technologie gerüstet. Der Vormarsch dieser neuen Technologie zeigt sich aber auch in den Geldbörsen der Verbraucher: Die Anzahl derjenigen Deutschen, die eine Girocard mit NFC-Funktion besitzen, steigt jedes Jahr. Immer mehr Banken geben NFC-fähige Karten auch ohne gesonderten Antrag aus. So sind heute inzwischen 75 Millionen der gut 100 Millionen Girocards mit der Kontaktlosfunktion ausgestattet, hat das Dienstleistungsunternehmen Euro Kartensysteme ermittelt. In den nächsten Jahren wird jede Bezahlkarte mit der neuen Technologie ausgestattet sein, schätzen Experten. Und auch der Anteil derjenigen, die diese Funktion schon ausprobiert haben, steigt überproportional. Das liegt auch daran, dass viele Verbraucher an der Kasse sehen, wie schnell und unkompliziert das Bezahlen bargeldlos über NFC funktioniert, und neugierig werden.

Die Anzahl der Girocards mit NFC-Funktion steigt

So war im vergangenen Jahr gut jede vierte (rund 26,6 %) der 4,5 Milliarden Girocard-Bezahltransaktionen kontaktlos, hat das Dienstleistungsunternehmen Euro Kartensysteme ermittelt. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es nur 9,8 %. Bemerkenswert sei vor allem die rasante Entwicklung im Jahresverlauf: Fanden im Januar 2019 noch 19 % der Bezahlvorgänge kontaktlos statt, so waren es im Dezember 2019 bereits 35,7 %. „Dies zeigt, dass Karteninhaber die Rechnung gerne und verstärkt durch Vorhalten mit Karte oder Smartphone begleichen“, folgern die Experten von Euro Kartensysteme.

Die schnelle und einfache Handhabung begünstigen das bargeldlose Bezahlen

Die schnelle und einfache Handhabung begünstigen das bargeldlose Bezahlen

Begründet ist die zunehmende Verbreitung kontaktloser Bezahlvorgänge vor allem in der Schnelligkeit des Bezahlvorgangs und in der intuitiven Handhabung. Girocard oder Kreditkarte werden einfach vor das Bezahlterminal gehalten; der Betrag wird in Sekundenbruchteilen angefordert. Kleine Beträge werden dabei gar ohne die Eingabe der Geheimzahl autorisiert. So funktioniert das kontaktlose Bezahlen noch schneller – ein Vorteil, den viele Verbraucher zu schätzen wissen, hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. herausgefunden.

So stieg der Anteil von kontaktlos bezahlten Beträgen an allen Kartenzahlungen zum Ende des ersten Quartals 2020 nach einer Auswertung der Deutschen Kreditwirtschaft gar auf 50 %. Und die Tendenz zeigt weiter nach oben. Denn bis Anfang 2020 funktionierte wirklich kontaktlos nur für kleine Beträge bis zu 25 €. Sollten größere Beträge bezahlt werden, mussten Verbraucher die PIN am Kartenterminal eingeben. Zum Ende des ersten Quartals 2020 haben die meisten Anbieter aufgrund der Corona-Pandemie die Grenze, bis zu der ohne PIN-Eingabe kontaktlos bezahlt werden kann, jedoch auf 50 € angehoben.


Bargeldlos Bezahlen per Smartphone

Doch was, wenn Verbraucher nicht einmal ihre Karte einstecken müssten? In Zukunft könnte das Bezahlen in Supermarkt und Einzelhandel noch einmal einfacher werden und nicht nur kontaktlos und bargeldlos, sondern auch ohne Kreditkarte oder Girocard vonstattengehen. Möglich wird das durch die zunehmende Verbreitung des Smartphones. Das intelligente Handy fungiert schon heute als ständiger Begleiter. Geht es nach den Herstellern und App-Entwicklern, wird das Multifunktionsgerät bald als digitale Geldbörse das Portemonnaie für alle Zahlungen ablösen. Geschieht das, hat das Smartphone das Potenzial, zum Haupttreiber für technologische Fortschritte rund um das bargeld- und kontaktlose Bezahlen zu werden. Denn mit dem NFC-Bezahlen sind heute schon die meisten modernen Smartphones ausgestattet. Bezahl-Apps auf dem Gerät machen den Zugriff auf Konto oder Karte möglich.

Bezahl-Apps vor dem Durchbruch?

Bezahl-Apps vor dem Durchbruch?

Noch etablieren sich Bezahl-Apps für Smartphones und Wearables wie Smartwatches oder Fitnesstracker in Deutschland eher schleppend. Das liegt vor allem daran, dass die mobilen Bezahldienste der Banken und Finanzdienstleister oft nicht für alle Verbraucher nutzbar sind – so haben die Sparkassen zum Beispiel nur eine Bezahl-App für das Android-Betriebssystem im Programm, bei der Deutschen Bank müssen die Kunden zusätzlich zwingend eine Mastercard besitzen.

Immerhin: Die meisten Deutschen wissen um die Bezahl-Apps und kennen auch viele davon. In einer Befragung durch die Bundesbank kannten immerhin 47 % der Deutschen die mobilen Bezahllösungen der genossenschaftlichen Institute und Sparkassen. 11 % der Befragten hatten eine davon gar schon einmal genutzt, um Beträge bargeldlos zu bezahlen. Mit 12 % wurde Payback Pay etwas häufiger genutzt. Lösungen zum bargeldlosen Bezahlen, die von internationalen Internetkonzernen wie Google und Apple entwickelt wurden, sind zwar fast gleichermaßen bekannt – immerhin 45 % der Befragten kannten Google Pay , 41 % Apple Pay . Doch nur wenige (5 % beziehungsweise 4 %) nutzten die Dienste bisher. Das liegt nach Ansicht der Experten auch daran, dass die Verbraucher den internationalen Konzernen intime Daten bezüglich ihres Einkaufsverhaltens und ihrer Finanzen nicht anvertrauen wollen.

E-Commerce treibt bargeldlosen Zahlungsverkehr

E-Commerce treibt bargeldlosen Zahlungsverkehr

Immer weitere Verbreitung erfahren Bezahl-Apps durch die zunehmende Bedeutung des E-Commerce. Als Vorreiter gilt hier PayPal. Bereits seit Anfang der 2000er Jahre bietet der Zahlungsdienstleister eine sichere und alternative Zahlmethode für den Online-Handel. 23 Millionen Deutsche nutzten im vergangenen Jahr die Angebote des Zahlungsdienstleisters. Mit der Einführung der App will das Unternehmen nun auch im stationären Handel durchstarten und Zahlungen über das Smartphone ermöglichen. Schon heute können zum Beispiel Essensbestellungen einfach per App bezahlt oder Freunden Geld übermittelt werden. Großer Nachteil dieses Bezahlverfahrens: Das Unternehmen sitzt in den USA – Datenschützer kritisieren immer wieder den Umgang des Unternehmens mit sensiblen Daten und das Sperren deutscher Nutzer aus nichtigem Grund.

Auch die deutschen Banken greifen dieses Konzept auf und setzen beim bargeld- und kontaktlosen Bezahlen auf die Verzahnung von virtueller und reeller Sphäre. In einer beinahe einmaligen Kooperation haben die deutschen Banken und Sparkassen mit paydirekt ein Online-Bezahlverfahren geschaffen, für das Verbraucher nur ein Girokonto bei einem der teilnehmenden Kreditinstitute benötigen. Großer Vorteil: Da das Bezahlverfahren von den deutschen Banken geschaffen wurde, hat hier kein Drittanbieter Zugriff auf die sensiblen Finanzdaten der Verbraucher. Es greifen die strengen deutschen Richtlinien zu Datenschutz und Bankgeheimnis.

Kreditkarte und Girocard spielen im E-Commerce dagegen nur eine untergeordnete Rolle: So wurden im Jahr 2017 rund 58 % der Umsätze im Online-Handel über Internet-Bezahlsysteme beglichen. Mit der Girocard zahlten dagegen nur 6 % der Verbraucher (über Lastschriftverfahren, Giropay, etc.). Die Kreditkarte nutzten 12 %, während 14 % der Verbraucher ihre Online-Shopping-Rechnungen per Überweisung bezahlten.

Im Vorbeigehen bezahlen

Im Vorbeigehen bezahlen

Mit der Digitalisierung nimmt auch die Etablierung des Smartphones als mobile Geldbörse immer weiter zu. Diese Entwicklung ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Auch Wearables wie Smartwatches treiben die Verbreitung bargeldlos abgeschlossener Finanztransaktionen weiter voran – Einkäufe und Rechnungen lassen sich in Zukunft immer einfacher bargeldlos, kontaktlos, ohne Schlange stehen und quasi im Vorbeigehen begleichen.

Noch einfacher wird es, wenn Verbraucher in einigen Jahren nur noch ihren Finger auf das Lesegerät halten müssen, um ihre Zahlungen kontaktlos zu bestätigen. Die Technologie, die dafür benötigt wird, gibt es bereits heute – Fingerabdruckscanner sind in vielen Smartphones verbaut und zeigen, wie das Bezahlen bargeldlos per Fingerabdruck funktionieren könnte. Andere Einzelhändler verbannen derweil die Kassen gleich komplett aus ihren Geschäften und setzen auf einen barrierefreien Zu- und vor allem Ausgang. Der Online-Riese Amazon macht es vor und zeigt in seinen stationären Geschäften, wie Einkaufen und Bezahlen in Zukunft nicht nur bargeld- und kontaktlos, sondern gar ganz ohne Kasse und Check-out funktionieren könnte.

Kassenloses Bezahlen bei Amazon

Kassenloses Bezahlen bei Amazon

In den stationären Geschäften des weltgrößten Online-Händler Amazon bezahlen Kunden heute nicht nur bargeldlos, sondern gar kassenlos. In den gut zwei Dutzend hauseigenen Läden nehmen Kunden die gewünschten Waren und Artikel einfach aus dem Regal und verlassen das Geschäft. Waagen in den Regalböden, Kameras und andere Sensoren registrieren mittels QR-Code, welcher Kunde welche Waren eingepackt hat. Die Zahlungen werden anschließend per App verbucht.


Die Zukunft wird bargeldlos

Die Zukunft wird bargeldlos

Bezahlen wird in Zukunft auch in Deutschland bargeldlos funktionieren, da sind sich Experten einig. „Das kontaktlose Bezahlen ist im Alltag angekommen“, weiß Burkhard Balz, für den Zahlungsverkehr zuständiger Vorstand der Deutschen Bundesbank. „Und auch das Bezahlen per Smartphone ist an den Ladenkassen mittlerweile üblich.“ Zwar stehe die umfassende Verbreitung von Karten mit Kontaktlos-Funktion noch aus. Einer Befragung der Deutschen Bundesbank zufolge besitzen heute zwar 95 % der Verbraucher eine Girocard. Jedoch verfügten nur 49 % dieser Karten über eine Kontaktlos-Funktion. Ähnlich sieht es bei der Kreditkarte aus. Hier verfügen 40 % der ausgegebenen Karten über die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen. Bargeldlos bezahlen immerhin 59 % der Besitzer einer Girocard mindestens einmal pro Woche; die Kreditkarte nutzen 47 % der Deutschen wöchentlich für ihre Zahlungen.

Bis zum Jahr 2025 könnte der Anteil der Barumsätze nach Schätzung der Unternehmensberatung Oliver Wyman auf 20 bis 32 % sinken. Denn schon im vergangenen Jahr wurden im gesamten deutschen Handel 53 % der Umsätze bargeldlos per Kreditkarte, Girocard oder Handy abgewickelt.

Experten befürchten, dass der Staat mit dem kontaktlosen Bezahlen direkt durch negative Zinsen auf die Ersparnisse der Bürger zugreifen könnte. Die vollständige Abschaffung von Bargeld lehnen aus diesem Grund auch 88 % der deutschen Verbraucher ab. Und auch in der Europäischen Union ist Bargeld als Zahlungsmittel nach wie vor beliebt. So wurden im Jahr 2016 in der Euro-Zone vier von fünf Einkäufen bar statt mit Karte bezahlt.


Bargeldlos setzt sich durch

All diese Entwicklungen zeigen, dass sich der Trend, bargeldlos oder gar kontaktlos zu bezahlen, auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird – und das wahrscheinlich mit zunehmender Geschwindigkeit. Auch wenn die Deutschen ihr Bargeld lieben – nach und nach verschwindet es doch immer mehr aus unserem Alltag. Immerhin 97 % der Bundesbürger besitzen heute ein Konto mit Girocard. Und nahezu alle von ihnen nutzen elektronische Zahlungen und die Karte, um ihre Rechnungen zu begleichen. Viele finden Gefallen an dem komfortablen Service, nachdem sie ihn einmal ausprobiert haben. Das Bezahlen per Karte ist bequem. Gerade deshalb wird sich bargeldlos für immer mehr Zahlungen durchsetzen.

Bargeldlos setzt sich durch

1 Quelle: Stern-Artikel „Warum die Deutschen Bargeld lieben“

2 Zahl aus 2018, Quelle: Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele im Artikel „Das Bargeld und die Deutschen“


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