Wie funktioniert die Börse?

15.04.2022 – In Niedrigzinsphasen steigt die Nachfrage nach Aktien und Wertpapieren. Lernen Sie die Grundlagen, um die Börse zu verstehen!

Hand zeigt mit Finger auf Börsenchart

In diesem Ratgeber möchten wir Anfängerinnen und Anfängern erklären, was eine Börse ist und welche Grundregeln für den Börsenhandel bestehen. Verschaffen Sie sich Basiswissen für einen erfolgreichen ersten Handel. Außerdem erfahren Sie, mit welchen Vermögenswerten Sie an der Börse handeln können und wie Sie als Einsteigerin oder Einsteiger zu einer gewinnbringenden Geldanlage kommen.

Die Börse für Anfänger – einfach erklärt

Kaufen und verkaufen - das ist das einzige, was Außenstehende von der Börse verstehen. Man kennt das Bild aus Filmen, wo Börsenmakler und Börsenhändler Parketthandel betrieben, sich gegenseitig zugerufen und Börsengeschäfte angeschlossen haben. Heute sind die Börsengebäude leer und der Handelsplatz digital. Die Börse ist ein undurchdringliches Wirrwarr von Finanzfachjargon und Fremdwörtern, die zumindest beim ersten Eindruck abschreckend wirken.

Was genau ist die Börse eigentlich?

Der Begriff Börse steht sowohl für ein Gebäude als auch für einen organisierten Markt. In den Industrienationen findet ein regelmäßiger Börsenhandel an bestimmten Standorten des Landes statt. Zu den bekanntesten Börsenplätzen gehören die Wall Street in New York, die chinesische Shanghai Stock Exchange, die britische London Stock Exchange und die Deutsche Börse in Frankfurt am Main. An den Börsen werden Wertpapiere, Anleihen, Waren, Devisen und Rohstoffe gehandelt.

Um am Börsenhandel teilzunehmen, müssen bestimmte Grundregeln beachten. Das gilt sowohl für Unternehmen, die ihr Grundkapital als Aktien an die Börse bringen, als auch für private und institutionelle Anlegerinnen und Anleger als Käufer und Verkäufer der Wertpapiere.

Grundregeln des Börsenhandels

An der Börse bilden sich die Preise für die gehandelten Vermögenswerte ausschließlich nach Angebot und Nachfrage. Das bedeutet laufende Änderungen der Kurse. Ein erfolgreicher Händler versucht, aus der Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufskurs einen Gewinn zu erzielen. Außerdem steigt die Rendite (Ertrag) aus dem Börsenhandel durch Dividenden (Teil des Gewinns) und Zinsen, die für bestimmte Wertpapiere gezahlt werden.

Käuferinnen und Käufern sowie Verkäuferinnen und Verkäufer von Wertpapieren muss bewusst sein, dass der Handel auch zu finanziellen Verlusten führen kann. Mitunter kann das auch den Verlust des kompletten eingesetzten Kapitals bedeuten. Daher sollten Privatanlegerinnen und Privatanleger für den Handel an der Börse nur Geld anlegen, das sie nicht für den Lebensunterhalt oder wichtige Anschaffungen und Reparaturen benötigen.

Tipps für Einsteigerinnen und Einsteiger

Der Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren kann in Zeiten niedriger Zinsen zu einer besseren Rendite verhelfen als eine Geldanlage auf einem Sparkonto, Tagesgeldkonto oder als Festgeld. Daher steigt die Nachfrage nach dem Börsenhandel auch bei Kleinanlegerinnen und Kleinanlegern immer weiter an.

Um an der Börse handeln zu können, müssen Sie zunächst ein Depot eröffnen. Die Commerzbank bietet Ihnen mit dem DirektDepot ein kostenloses Depotkonto mit digitaler Depotführung an. Um den Börsenhandel zu üben und sich mit Aktien und anderen Wertpapieren vertraut zu machen, können Anfängerinnen und Anfänger bei einigen Anbietern ein Musterdepot eröffnen. Hier erhalten die Händler ein fiktives Guthaben, mit dem der Handel geübt werden kann. Der Preis der Wertpapiere entspricht ungefähr den aktuellen Kursen an der Börse, sodass Gewinne und Verluste realistisch ausfallen.

Wenn Sie die ersten Wertpapiere an der Börse handeln, merken Sie schnell, dass ohne ein ausreichendes Basiswissen ein erfolgreicher Handel nicht möglich ist. Käufer und Verkäufer sollten sich daher mit den Grundlagen des Börsenhandels vertraut machen und den Unterschied zwischen den verschiedenen Wertpapieren kennen. In einem weiteren Ratgeber stellen wir Ihnen daher wichtige Börsenbegriffe in der Übersicht vor. Außerdem erklären wir Ihnen im folgenden Abschnitt besondere Wertpapiere und zeigen Ihnen einige Hilfsmittel für einen erfolgreichen Börsenhandel.

Wichtiges Basiswissen für einen erfolgreichen Handel

An der Börse werden verschiedene Wertpapiere und andere Vermögenswerte gehandelt. Zu den bekanntesten Werten mit der größten Nachfrage gehören:

  • Aktien
  • Fonds
  • Optionsscheine
  • Futures
  • Derivate
  • Indizes

  • Exchange Traded Funds (ETF)
  • Rentenpapiere
  • Schuldverschreibungen
  • Devisen
  • Rohstoffe
  • Waren
  • Lebensmittel

Was sind Optionsscheine und Optionen?

Optionsscheine sind Wertpapiere, die eine verbriefte Option darstellen. Das bedeutet, dass das Recht einer Käuferin oder eines Käufers, eine Option auszuüben, durch den Optionsschein an der Börse gehandelt werden kann. Dazu erhält der Optionsschein eine Wertpapierkennnummer (WKN) oder eine International Securities Identification Number (ISIN). Während Aktien die Beteiligung der Käuferinnen und Käufer an einem Unternehmen darstellen, berechtigt ein Optionsschein Anlegerinnen und Anlegern, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis in einem festgelegten Bezugsverhältnis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen. Wenn Anlegerinnen und Anleger als Käufer auftreten, handelt es sich um eine Call-Option. Sind Anlegerinnen und Anleger Verkäufer des Basiswertes, spricht der Finanzmarkt von einer Put-Option.

Als Basiswerte für einen Optionsschein dienen Aktien, Anleihen, Devisen, Rohstoffe und andere Wertpapiere und Vermögenswerte. Käuferinnen und Käufer eines Optionsscheins versuchen, durch die Hebelwirkung des Optionsscheins einen größeren Gewinn zu erzielen, als wenn sie mit dem Basiswert direkt an der Börse handeln. Allerdings kann beim Handel mit Optionen nicht nur das komplette eingesetzte Kapital verloren gehen. Es kann auch zu einer sogenannten Nachschusspflicht kommen, bei der Käuferinnen und Käufer dazu aufgefordert werden, weiteres Geld einzuzahlen. Es handelt sich um den von allen Beteiligten gefürchteten Margin Call. Wegen des hohen Verlustrisikos ist der Handel mit Optionsscheinen für Anfängerinnen und Anfänger nicht geeignet. Daher fällt die Nachfrage nach Optionen an der Börse geringer aus als nach Aktien.

Was sind Futures?

Auch bei Futures handelt es sich um standardisierte Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden. Käufer und Verkäufer schließen ein Termingeschäft ab. Verkäuferinnen und Verkäufer verpflichten sich, eine bestimmte Ware, eine festgelegte Anzahl an Aktien oder einen anderen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis an einem bestimmten Termin an den Käufer zu liefern. Gleichzeitig verpflichten sich Käuferinnen und Käufer, die Aktien oder die Ware abzunehmen und den vereinbarten Preis an die Verkäuferin oder den Verkäufer zu zahlen. Der Handel mit Futures dient vor allem der Absicherung gegen Preisschwankungen im Börsenhandel. Zu den Basiswerten im Handel mit Futures zählen Rohstoffe für Commodity Futures sowie Aktien, Devisen und Indizes für Financial Futures.

Was ist ein Index?

In einem Index werden ausgewählte Aktien zusammengefasst. Der Preis der Anteile verschiedener Unternehmen ändert sich laufend. Um die Kursschwankungen zu beobachten und nachzuvollziehen, dokumentiert der Index den Kursverlauf in einer Kennzahl. Die Zusammensetzung der verschiedenen Indizes hängt davon ab, welche Aktien beobachtet werden sollen. Daher sind Indizes nach Branchen, Ländern, Unternehmen, Strategien oder Märkten zusammengefasst. Zu den bekanntesten Indizes am Finanzmarkt gehören:

  • Deutscher Aktienindex (DAX): enthält die 40 größten deutschen Unternehmen
  • Dow Jones Index: setzt sich aus den 30 größten Unternehmen der USA zusammen
  • Financial Times Stock Exchange Index (FTSE 100): Zusammenfassung der 100 größten Unternehmen an der London Stock Exchange
  • Nikkei Heikin Kabuka (Nikkei 225): Leitindex Japans mit den Kursen von 225 an der Börse in Tokio gehandelten Unternehmen

Handel mit Rohstoffen

Nicht nur Unternehmen aus der Industrie oder Staaten handeln mit Rohstoffen. Auch institutionelle und private Käuferinnen und Käufer sind in den Handel eingestiegen. An den weltweiten Börsen steigt daher die Nachfrage nach diesen Rohstoffen:

  • Nahrungsmittel - wie Fleisch, Getreide, Pflanzen und Früchte, Öle und Fette, Molkereiprodukte
  • Genussmittel - wie Tabak, Kaffee, Tee, Kakao
  • Rohstoffe für Unternehmen - wie Erdgas, Benzin, Öl, Baumwolle, Kautschuk, Aluminium, Blei, Nickel, Zink, Kupfer, Zinn
  • Edelmetalle - wie Platin, Gold, Silber, Palladium

Die Auswirkungen der steigenden Nachfrage nach Rohstoffen bekommen nicht nur die Unternehmen zu spüren, die als Käufer oder Verkäufer am Markt tätig sind oder die Rohstoffe in ihren Produkten verarbeiten. Auch private Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Rohstoffen schnell wahr, wenn der Preis für Kaffee steigt oder der Bäcker den Preis für das Lieblingsbrot erhöht. In einigen Regionen kann es sogar zu einer Lebensmittelknappheit kommen, wenn der Preis an der Börse für einen bestimmten Rohstoff wegen großer Nachfrage stark ansteigt. Daher steht vor allem der Handel mit Lebensmitteln regelmäßig in der Kritik von Verbraucherschützern und Marktanalysten.

Hilfsmittel für Anfängerinnen und Anfänger und erfahrene Händler

Wenn Sie Wertpapiere an der Börse handeln möchten, müssen Sie sich entscheiden, welche Aktien Sie kaufen und wann der beste Zeitpunkt für einen Verkauf ist. Viele erfahrene Händler nutzen verschiedene Hilfsmittel, die ihnen bei der Entscheidung helfen, wann sie als Käufer oder Verkäufer der Wertpapiere handeln. Wir stellen Ihnen nachfolgend die Fundamentalanalyse und die technische Analyse beziehungsweise Chartanalyse als wichtige Hilfsmittel vor.

Mit der Fundamentalanalyse erfolgreicher handeln

Damit der Handel mit Aktien an der Börse erfolgreich verläuft und die Wertpapiere einen Gewinn einbringen, setzen zahlreiche Händler die Fundamentalanalyse ein. Neben der technischen Analyse handelt es sich um das am häufigsten genutzte Hilfsmittel, um eine Anlagestrategie zu entwickeln. Die Händler vergleichen verschiedene Daten einzelner Unternehmen, um den sogenannten inneren Wert der Wertpapiere zu ermitteln.

Der innere Wert wird auch als fairer oder angemessener Preis für die Aktien bezeichnet. Sobald der Kurs der beobachteten Aktien den angemessenen Preis erreicht hat, steigen die Analysten als Käufer der Wertpapiere ein. Durch die erhöhte Nachfrage steigt der Kurs an der Börse und der Preis der Aktien liegt wieder über dem inneren Wert. Die Anleger können die Wertpapiere dann entweder in ihrem Bestand halten oder mit Gewinn wieder verkaufen.

Hilfsmittel technische Analyse (Chartanalyse)

Sowohl Anlegerinnen und Anleger als auch Unternehmen nutzen die technische Analyse zur Beobachtung der Börsenkurse. Die Analysten betrachten die historischen Kurse der Aktien und versuchen, aus dem Kursverlauf die zukünftige Entwicklung der Wertpapiere vorherzusagen. Dazu verwenden die Händler eine spezielle Software. Wenn Aktien bei vielen Anlegerinnen und Anlegern beliebt sind, erhöht sich die Nachfrage und das Angebot an verfügbaren Aktien sinkt. Durch die steigende Nachfrage klettert der Preis nach oben und die Käufer müssen mehr für die Wertpapiere bezahlen. Der Kursverlauf wird in ein Chartdiagramm eingetragen. Das Diagramm zeigt verschiedene Trends und Zyklen, die von Unternehmen und Privatanlegern genutzt werden, um bestimmte Handelssignale zu entwickeln. Bei Erreichen eines Signals wissen die Händler, ob sie als Käufer oder Verkäufer handeln sollten.

Das Ziel der Gewinnoptimierung verfolgen die Händler schon seit den Zeiten der ersten Börsen. Daneben hat eine Börse aber noch weitere Funktionen, wie einen gemeinsamen Börsenplatz für Käufer und Verkäufer, eine standardisierte Abwicklung und Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

Die Geschichte der Börsen

Nachdem seit dem 12. Jahrhundert Waren aller Art auf Märkten gehandelt wurden, gründeten italienische Kaufleute im Jahr 1409 die erste Börse im belgischen Brügge. Um 1450 entstand eine Warenbörse in Antwerpen und im Jahr 1540 wurden in Deutschland die Börsen in Nürnberg und Augsburg gegründet. Im Jahr 1613 wurde in Amsterdam das erste offizielle Börsengebäude eröffnet und das Unternehmen Vereinigte Ostindische Handels-Kompanie verkaufte hier die ersten Aktien. Die Anzahl der Börsenplätze und Börsenarten in Deutschland stieg bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf 27 Börsen an. Diese Anzahl hat sich jedoch auf heute 11 Börsen verringert. Hier eine Übersicht der 11 Börsen in Deutschland:

  • Frankfurter Wertpapierbörse
  • Xetra, das elektronische Handelssystem der Börse Frankfurt
  • Börse Düsseldorf
  • Börse Stuttgart
  • Börse München
  • Börse Berlin
  • Hamburger Börse (bildet gemeinsam mit der Börse Hannover die Börsen AG)
  • Börse Hannover (bildet gemeinsam mit der Hamburger Börse die Börsen AG)
  • Eurex als Terminbörse für Waren, Devisen und Wertpapiere
  • Tradegate Exchange in Berlin, ein elektronisches Handelssystem für Privatanleger
  • European Energy Exchange in Leipzig als Energiebörse

Wie funktioniert die Börse? Die 5 wichtigsten Grundlagen erklärt

Wenn Sie nun als Anfängerin oder Anfänger an der Börse handeln möchten, haben wir hier für Sie die 5 wichtigsten Grundlagen noch einmal zusammengefasst:
1

Depot eröffnen

Zunächst müssen Sie ein Depot eröffnen. Achten Sie auf ein Online-Depot mit kostenloser Kontoführung und geringen Handelsgebühren. Zum Kennenlernen können Sie ein Musterdepot mit einem virtuellen Guthaben eröffnen.

2

Nur mit überflüssigem Geld handeln

Handeln Sie nur mit Geld, das Sie nicht dringend benötigen. Kalkulieren Sie auch Verluste ein.

3

Fundierte Entscheidungen treffen

Lassen Sie sich nicht von einer allgemeinen Nachfrage nach Aktien mitreißen. Informieren Sie sich über den Börsenhandel und treffen Sie Ihre eigenen Entscheidungen.

4

Hilfsmittel zur Kursbeobachtung nutzen

Informieren Sie sich über Analysen und andere Hilfsmittel zur Kursbeobachtung und Vorhersage der Kursentwicklung von Aktien bestimmter Unternehmen.

5

Viel Geduld mitbringen

Haben Sie Geduld. Eine Geldanlage in Aktien ist nicht als kurzfristige Geldanlageform gedacht. Einige Wertpapiere bringen erst nach Jahren oder sogar Jahrzehnten den gewünschten Gewinn.

Gut informiert mit Aktien handeln

Der Handel mit Aktien kann in Zeiten niedriger Zinsen eine Alternative für eine renditestarke Geldanlage sein. Anlegerinnen und Anleger müssen sich jedoch im Vorfeld gut über den Börsenhandel informieren und die Grundlagen erlernen. Bei regelmäßiger Beschäftigung mit Aktien und Wertpapieren können auch Kleinanleger Geld mit dem Aktienhandel verdienen oder sich eine Altersvorsorge aufbauen.

Oh nein, in der Wertpapieranlage kenne ich mich gar nicht aus?

Kein Problem – wir haben in dem Beitrag Erste Male Schritt für Schritt zusammengefasst, worauf Sie achten müssen. Wichtig ist, auf das Know-how eines erfahrenen Partners, wie der Commerzbank, zurückgreifen zu können.

Einen ersten Überblick über die Wertpapieranlage verschaffen wir hier. Bei Fragen helfen wir gerne weiter.

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