Iran-Deal – alles wieder gut?

Mit dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran ist der Ölpreis massiv gefallen.

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Dr. Jörg Krämer

Commerzbank Economic Research

19.06.2026

Wir zeigen, dass sich die Lage am Ölmarkt und bei Konjunktur und Inflation erst mittelfristig entspannen wird.

Ölpreis sinkt, wird aber noch lange über Vorkriegs-Niveau liegen

Die Marktteilnehmer haben das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran äußerst positiv aufgenommen. Der Preis für ein Fass Brentöl ist zuletzt auf knapp 80 Dollar gefallen. Tatsächlich scheint sich Trump laut dem in den Medien zirkulierenden Vertragstext sehr weit auf den Iran zubewegt zu haben. So soll der Iran über einen geplanten privaten "Fonds für Wiederaufbau und Entwicklung" mindestens 300 Mrd Dollar erhalten. Darüber hinaus wollen die USA nach einem endgültigen Vertrag alle Sanktionen gegenüber dem Iran aufheben. Offenbar will Trump Frieden um jeden Preis, um die Chancen seiner Partei bei den US-Zwischenwahlen zu verbessern. Angesichts dieser Zugeständnisse der USA hätte das iranische Regime bei einer Fortsetzung des Konflikts viel zu verlieren, was gegen ein Wiederaufflackern des Kriegs und eine erneute Schließung der Straße Hormus spricht. Wir erwarten deshalb für unser zweimonatiges Übergangszenario (bis Ende Juli) nicht mehr einen durchschnittlichen Ölpreis von 100, sondern von 85 Dollar. Die Jahresend-Prognose haben wir von 85 auf 80 Dollar gesenkt.

Aber man darf nicht übermütig werden, es dürfte bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis der Ölpreis wieder sein Vorkriegs-Niveau von knapp 70 Dollar erreicht hat:

  • Langsames Hochfahren der Produktion: Mit der Öffnung der Straße von Hormus werden wieder mehr Schiffe die Meerenge passieren. Allerdings dürfte es geraume Zeit dauern, bis der Schiffsverkehr und damit der Ölexport aus der Golfregion wieder ihr Vorkriegsniveau erreicht haben. So könnte das komplette Räumen der Seeminen mehrere Monate dauern. Erst danach dürften die Versicherer bereit sein, Schiffspassagen zu akzeptablen Konditionen zu versichern. Nach der Räumung könnte es laut Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) weitere zwei bis drei Monate dauern, bis die Logitik wieder reibungslos läuft und sich die Exportmengen normalisieren.
  • Auffüllen der Lager: Die sogenannten kommerziellen Lagerbestände (meist bei Raffinerien) dürften in den kommenden Monaten weiter fallen, wenn auch nicht ganz so stark wie von der EIA noch vor kurzem erwartet. Danach müssen die geleerten Lager wieder aufgefüllt werden. Das erhöht die Nachfrage nach Öl, zumal die Länder, die vomAngebotsausfall am stärksten betroffen waren, in Zukunft höhere Lagerbestände anstreben dürften.
  • Freie Kapazitäten kaum genutzt: Nicht alle Länder mit freien Kapazitäten werden oder können diese ausnutzen und die Produktion erhöhen. So dürften die USA die Sanktionen gegen den russischen Ölsektor wieder einsetzen, sobald sich die Lage am Golf entspannt hat. Außerdem hat Saudi-Arabien, das über die höchsten freien Kapazitäten verfügt, ein Interesse an einem hohen Ölpreis, um seinen Staatshaushalt zu stabilisieren.

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