Wie oft erhöht die EZB ihre Zinsen?

Die EZB wird auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche aller Voraussicht nach die Leitzinsen erhöhen.

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Dr. Marco Wagner

Commerzbank Economic Research

05.06.2026

Angesichts des sich hinziehenden Konflikts am Persischen Golf und der sich aus ihm ergebenden Inflationsgefahren dürfte spätestens im September ein weiterer Schritt um 25 Basispunkte folgen. Einen dritten Schritt zum Jahreswechsel, wie er an den Mäkten derzeit eingepreist ist, halten wir hingegen für unwahrscheinlich.

EZB erhöht kommende Woche die Zinsen

Die EZB wird in der kommenden Woche die Leitzinsen anheben. Daran bestehen kaum Zweifel. Denn selbst eine geldpolitsche Taube aus dem EZB-Rat wie der griechische Notenbankgouverneur Stournaras hält eine Zinserhöhung "für das wahrscheinlichste Ergebnis" der Juni-Sitzung. Auch der Gouverneur der Zentralbank Litauens, Šimkus, den wir ebenfalls im geldpolitischen Taubenlager verorten, spricht sich dafür aus, dass "die EZB die Märke nicht überraschen sollte, indem sie nicht handelt." Auch wegen dieser Aussagen rechnen sowohl die Finanzmärkte als auch die allermeisten von Bloomberg befragten Volkswirte fest mit diesem Schritt. Auch der am Montag vermeldete Anstieg der Inflationsrate im Euroraum auf 3,2% und insbesondere der überraschend starke Sprung der Kerninflationsrate auf 2,5% sprechen für eine Reaktion der EZB, zumal diese aller Voraussicht nach in der kommenden Woche ihre Projektionen anpassen wird. Neben einem etwas schwächeren Wachstum für das laufende Jahr dürften die EZB-Volkswirte erwarten, dass die Inflationsrate höher ausfallen und länger über dem Zielwert liegen wird als noch im März erwartet.

Ölpreis bleibt vorerst hoch, ...

Aber wie geht es in den kommenden Monaten weiter? Bleibt es bei dem einen Schritt, oder werden weitere folgen? Ein wichtiger Faktor bei dieser Entscheidung wird sicherlich sein, wie sich die Lage am Persischen Golf weiter entwickelt und wie dies die Energiepreise bestimmen wird. Wir gehen davon aus, dass es hier in den kommenden zwei Monaten ein Wechselbad aus guten und schlechten Nachrichten geben wird (siehe auch hier ). Denn der Weg hin zu einer Verständigung zwischen den USA und dem Iran dürfte holprig werden. Selbst bei einem Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran dürfte es immer wieder zu Rückschlägen und vereinzelten Militäraktionen kommen. In der Folge dürfte der Ölpreis eher um die Marke von 100 Dollar schwanken, weil der Seeverkehr durch die Straße von Hormus zumindest eingeschränkt bleibt.

... womit indirekte Effekte auf andere Güter drohen, ...

In einem solchen Szenario bliebe der Handlungsdruck auf die EZB groß. Dies gilt umso mehr, als Umfragen zeigen, dass die Unternehmen ihre höheren Energiekosten recht schnell an ihre Kunden weitergeben. So erinnert insbesondere die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe frappierend an den Anstieg vor wenigen Jahren. Auch im Dienstleistungssektor berichten die Unternehmen über steigende Kosten, und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, dass auch sie ihre gestiegenen Kosten an ihre Kunden weitergeben. Je länger die Energiepreise also hoch bleiben, desto mehr drohen indirekte Effekte auf die Preise anderer Güter und Dienstleistungen.

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