Interview
, Eine Frau als Pionierin des 3D-Drucks

Interview mit Petra Wallasch, Gründerin und Geschäftsführerin der Rapidobject GmbH

Vor mehr als 20 Jahren, als viele den 3D-Druck noch belächelten, erkannte Petra Wallasch bereits das enorme Potenzial der Technologie. Sie leistet Pionierarbeit: vom weltweit ersten Shop-in-Shop für individuelle 3D-Objekte bis hin zu Rapidobject, einem Hightech-Unternehmen mit über 40 Mitarbeitenden. Mit der „Gläsernen 3D Fabrik“ hat sie 2024 einen besonderen Ort geschaffen – einen Ort, der zugleich Produktionsstätte und Bildungsraum ist. Und sie denkt weiter: mit klaren Visionen für die Zukunft des 3D-Drucks in Deutschland.

Vom Lebensmittelmarkt zur 3D-Druck-Pionierin

Für viele ist es ein Märchen, für sie selbst nicht. Eher eine normale Entwicklung. Genährt von Unerschütterlichkeit, Fleiß und unternehmerischer Intuition. Der Lebenslauf von Petra Wallasch: Fachverkäuferin in einem Lebensmittelmarkt in der Ex-DDR, dann Studium der Betriebswirtschaft, anschließend Leiterin des Anlagemanagements einer Erdölpipeline, danach Geschäftsführerin und Teilhaberin einer reprografischen Firma, die unter ihrer Führung erfolgreich expandierte. Nebenbei noch Mutter.

2006 folgte dann die erste unternehmerische Innovation. Petra Wallasch gründete den weltweit ersten Shop-in-Shop für 3D-Druck, über den Kunden durch die digitale Übermittlung von Daten individuelle 3D-Objekte bestellen konnten. Damit legte sie den Grundstein für die heutige Rapidobject in Leipzig. Es war ein steiniger Weg, gestartet mit nur einem Mitarbeiter und potenziellen Industriekunden, die für die 3D-Druck-Technologie nur ein müdes Lächeln übrighatten.

„Aufgeben kam für mich nie infrage. Ich habe Herausforderungen immer so begriffen, dass sie einem die Chance geben, daran zu wachsen.“

Heute hat sie über 40 Mitarbeiter und sucht weitere. Ihre Rapidobject beliefert inzwischen mehr als 30.000 Kunden mit Prototypen und Serien aus Kunststoffen und Metall. Darunter ist das Who’s who aus allen maßgeblichen Wirtschaftsbranchen in Deutschland: Maschinenbau, Automotive, Elektroindustrie sowie Luft- und Raumfahrt. Objekte von Rapidobject waren schon im All.

Geht es noch weiter? Wallasch schmunzelt und erzählt, dass sie 2024 einen Herzenswunsch realisierte: ein bundesweit einzigartiges Projekt, die „Gläserne 3D Fabrik“.

Die „Gläserne 3D Fabrik“ als Herzstück und Schaufenster

Die „Gläserne 3D Fabrik“ ist die erste öffentlich zugängliche, unternehmensgeführte Produktions- und Bildungsstätte für 3D-Druck in Deutschland.

Hier fühlt sie sich wohl, das merkt man bei einer Führung sofort. Sie beginnt in der Empfangshalle, in der ein riesiges spiralförmiges Gestell mit 3D-gedruckten Handtaschen hängt. Weiter geht es am Raum mit 3D-gedruckten Exponaten vorbei, dann folgt ein Blick in den Schulungsraum und schließlich in Richtung Produktion.

Petra Wallasch erklärt nicht wie ein klassischer Tech-Unternehmer. Sie spricht mit Begeisterung. Mit Überzeugung. Und mit einer ansteckenden Neugier.

Kaum hörbar summen die 65 teils riesigen Drucker hinter hohen Glasfronten. Schicht für Schicht tragen sie unterschiedliche Materialien auf, sodass dreidimensionale Dinge in einem Stück entstehen, die sofort funktionsfähig und einsatzbereit sind. So zum Beispiel ein Greifer für einen Roboter in der Verpackungsindustrie, der in seiner Funktionsweise an eine menschliche Hand erinnert.

„3D-Druck wird Produkte und Märkte revolutionieren, auch wenn wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten müssen.“

Hier entstehen nicht nur Bauteile und Exponate, sondern gleichzeitig finden Aufklärung und Bildung über den 3D-Druck statt. Man kann die Technologie öffentlich zugänglich und live erleben.

Ein Ort, der Besucher magisch anzieht

Kunden und potenzielle Industriekunden, namhafte Verbände, Schüler und Studierende sowie Jobsuchende haben sich von dieser einzigartigen Erfahrungs- und Wissensstätte schon begeistern lassen.

Sie haben die Drucker in Aktion beobachtet, Materialien angefasst und sich Prozesse erklären lassen oder sich von den Spezialisten von Rapidobject für Anwendungen schulen lassen.

„Jeder soll verstehen, dass er mit mehr Wissen selbst Teil der Zukunft werden kann. Und dass für uns 3D-Druck keine abgeschlossene Expertenwelt ist.“

Consulting für den Mittelstand – Mut zum Umdenken

Und während sie den Greifer wieder zurücklegt – der, klassisch gefertigt, aus 87 Teilen bestünde und rund 2.000 Euro kosten würde, bei Rapidobject im 3D-Druck jedoch nur 50 Euro –, spricht sie darüber, was ihrer Meinung nach in deutschen Unternehmen oft fehlt: Mut zum Umdenken.

Viele Unternehmen hielten an alten Lieferketten und gewohnten Produktionsweisen fest, obwohl der 3D-Druck längst neue Wege eröffne – schneller, kostengünstiger, flexibler und ohne Lieferkettenprobleme bis hin zur Serienproduktion.

Neben hervorragend gebuchten, online gestützten Informations- und Schulungsangeboten für Entscheider, Ingenieure, Konstrukteure und Designer hat Wallasch auch einen Consulting-Service initiiert.

Die Spezialisten von Rapidobject befähigen kleine und mittelständische Unternehmen, 3D-Druck-Abteilungen im eigenen Unternehmen aufzubauen, professionell zu betreiben und die komplette Wertschöpfung vor Ort zu bündeln. Mehrere Mittelständler lassen sich derzeit von den Leipzigern schon beraten.

„Mein Team und ich wollen Unternehmen deshalb Impulse vermitteln, die ihnen eine Entscheidung zugunsten des hocheffektiven 3D-Drucks erleichtern.“

Die Commerzbank als verlässlicher Finanzierungspartner für Innovationen

„Die Commerzbank hat an meine Zukunft geglaubt und mich unterstützt.“

So antwortet Wallasch auf die Frage, wie wichtig ihr Finanzierungslösungen sind. Sie ist Visionärin, aber auch Betriebswirtin. Daher achtet sie konsequent darauf, dass ihr Unternehmen kerngesund ist, profitabel arbeitet und wächst.

Deshalb betrachtet sie ihre technisch führenden 3D-Drucker nicht einseitig als Kostenfaktor – obwohl diese teilweise so viel wie eine Villa kosten. Die Unternehmerin sieht sie vor allem als Motor für Effizienz, Wachstum und Margensteigerung.

Ihr ist ein langfristiges, vertrauensvolles Verhältnis zur Commerzbank wichtig.

„Ohne die Kooperation mit der Hausbank hätten wir die nächsten Maschinen und damit neue Aufträge nur schwer stemmen können.“

Ihre Vision: 3D-Druck als Schlüsseltechnologie in Deutschland verankern

Es ist dieser Blick nach vorn, der Petra Wallasch antreibt. Sie handelt lieber, als dass sie redet.

„Die Freiheit, etwas gestalten zu können, war für mich schon immer der Treiber meines Handelns“

Ihr fester Glaube ist, dass Innovation immer dort beginnt, wo jemand bereit ist, sich eine andere Zukunft vorzustellen. Sie hat eine klare Vorstellung von der Zukunft des 3D-Drucks: Sie will dazu beitragen, dass der 3D-Druck in Deutschland vom Nischenthema zur breit verankerten Schlüsseltechnologie wird und Deutschland nicht den technologischen Anschluss an das Ausland verliert.

Ihre Vision: Unternehmen, Schulen und Fachkräfte, die 3D-Druck selbstverständlich nutzen, um Produkte schneller, ressourcenschonender und kreativer zu entwickeln – und damit den technologischen Vorsprung Deutschlands zu sichern.

Um Ausbildungsberufe für den 3D-Druck zu schaffen, wurden bereits erste Lehr- und Schulpläne entwickelt, und Kontakte zur Politik geben Aussicht auf eine Umsetzung. Frau Wallasch wird nicht müde, weiter Pionierarbeit zu leisten. Und Projekte wie die „Gläserne 3D Fabrik“, das Consulting für den Mittelstand und die Einführung von 3D-Druck in Schulen werden kaum die einzigen bleiben.