Inflation einfach erklärt

07.11.2022 – Die derzeitige Inflation ist ein Desaster für Verbraucher, denn ihr Geld und ihr Vermögen werden entwertet. Wir erklären Ihnen, was Inflation bedeutet, welche Auswirkungen sie auf die Wirtschaft hat und, wie Sie Ihr Vermögen absichern können

Eine junge Frau verstaut ihre Einkäufe in einer Netztasche

Was ist eine Inflation und wie funktioniert sie eigentlich?

Verbraucherpreise unterliegen in einer Marktwirtschaft ständigen Schwankungen, daran sind die Konsumenten bis zu einem gewissen Maß gewöhnt. Ein und dasselbe Produkt, zum Beispiel 1 Liter Milch, kostet an einem Tag mehr, am nächsten Tag weniger – und umgekehrt. Von Inflation spricht man, wenn Preissteigerungen nicht nur einzelne, sondern Konsumgüter, Produkte und Dienstleistungen allgemein verteuern. Das führt dazu, dass Verbraucher mehr Geld ausgeben müssen, um sie zu erwerben. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Kaufkraft des Geldes verringert sich und es verliert an Wert.

Die Inflationsrate oder Teuerungsrate gibt an, um wie viel Prozent Waren und Dienstleistungen teurer sind als im Vorjahr. Damit gibt sie also nicht nur an, um wie viel Prozent die Preise gestiegen sind, sondern spiegelbildlich auch, wieviel Ihr Geld an Wert verloren hat.

Es wird zwischen mehreren Arten von Inflation unterschieden:

Inflationsgeschwindigkeit

  • Schleichende Inflation: Preise steigen langsam und kaum merklich an
  • Trabende oder beschleunigte Inflation: Inflationsraten beschreiben eine mittlere Preissteigerung
  • Galoppierende Inflation: Preise steigen rasend schnell
  • Extremfall Hyperinflation: Inflation mit extrem hohen Preissteigerungen

Erkennbarkeit der Inflation

  • Offene Inflation: Preissteigerungen und Wertverlust des Geldes sind für jedermann erkennbar
  • Versteckte Inflation: Preissteigerungen sind nicht für jedermann erkennbar, da diese durch staatliche Eingriffe wie Subventionen oder Preiskontrollen verschleiert werden. Kleinere Packungsgrößen bei gleichbleibendem Preis sind beispielsweise nicht für jedermann sofort als Preissteigerung erkennbar.

Welche Inflationsrate streben Zentralbanken an?

Die Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Aufgabe das Preisniveau im europäischen Währungsraum stabil zu halten. Auf diese Weise trägt sie am besten zum Wohlstand der Menschen bei. Stabile Preise bedeuten für die EZB einerseits, dass die Preise nicht zu stark steigen, andererseits aber auch nicht über längere Zeit fallen, wie es bei einer Deflation der Fall ist. Daher hat sich die EZB das mittelfristige Ziel einer Inflationsrate von 2 % gesetzt. So eine moderate Preissteigerung gilt als wirtschaftsfördernd und verhindert die Deflation. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen der EZB verschiedene Instrumente zur Verfügung. Unter anderem senkt oder erhöht sie den Preis für verliehenes Geld – sie beeinflusst die Zinsen, die auf Kredite anfallen.

Deflation einfach erklärt

Einfach gesagt, ist die Deflation das Gegenteil von Inflation – also der stetige Rückgang der allgemeinen Preise. Oft beginnt sie schon mit einem Überangebot von Gütern und einer zu kleinen Nachfrage. Durch die sinkenden Preise steigt zwar die Kaufkraft und Verbraucher können sich für das gleiche Geld mehr leisten. Was sich zunächst nach einer positiven Entwicklung anhört, hat über einen längeren Zeitraum negative Folgen.

Wenn eine Familie zum Beispiel davon ausgeht, dass eine Couch morgen weniger kostet als heute, wird sie mit dem Kauf des Sofas noch eine Weile warten. Wenn sehr viele Haushalte diese Überlegung für sehr viele Produkte treffen, sinkt heute schon die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Die Unternehmen passen sich ihrerseits dem Kaufverhalten an: Sie fahren die Produktion runter, verdienen weniger und können im schlimmsten Fall keine Löhne zahlen oder müssen Personal entlassen. Setzt sich diese negative Preisspirale weiter fort, kann die Deflation in einer Depression enden. Verbraucher nehmen diese Phase vor allem durch sinkende Einkommen und erhöhte Arbeitslosigkeit wahr.

Eine spürbare Deflation kann für die Wirtschaft ebenso gefährlich werden wie eine hohe Inflationsrate, und Zentralbanken setzen alles daran, sie zu verhindern.

Stagflation einfach erklärt

Neben der Inflation ist aktuell auch häufig von der Stagflation die Rede. Sie beschreibt einen Zustand, bei dem Inflation und wirtschaftliche Stagnation – also Nullwachstum – miteinander einhergehen. Ein aktuelles Beispiel dafür, wie es zu einer Stagflation kommen kann, ist der Krieg in der Ukraine: Die Sanktionen führen zur Verknappung des Rohstoffs Öl, gleichzeitig hat Russland die Gaslieferungen eingestellt. Dadurch sind die Preise für diese Rohstoffe – oder allgemein für Energie – in die Höhe geschnellt. Verbraucher und Unternehmen reagieren auf diesen Inflationsschock, indem sie nur noch verhalten einkaufen oder ihre Investitionen zurückstellen. Dies führt dazu, dass die Wirtschaft nicht mehr wächst – sie stagniert.

Wer misst die Inflationsrate und was ist der Verbraucherpreisindex?

Für Deutschland ist das Statistische Bundesamt mit der Berechnung der Inflationsrate betraut, für die Bundesländer die Statistischen Landesämter. Um einen verlässlichen Vergleichswert zu erhalten, der das Konsumverhalten im Land abbildet, nutzen die Ämter für die Berechnung der Inflation den sogenannten „Warenkorb der Waren und Dienstleistungen“. Dieser Warenkorb umfasst rund 650 Güterarten aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland durchschnittlich konsumieren. Mit ihm werden sämtliche erhobenen Preise gewichtet und so zu einem Verbraucherpreisindex (VPI) zusammengefasst. Anhand des VPI lässt sich die jährliche Veränderungsrate berechnen – die Inflationsrate.

Da sich das Verbraucherverhalten stetig ändert, passt das Statistische Bundesamt den Warenkorb in regelmäßigen Abständen an – in Deutschland alle fünf Jahre, im Euroraum jährlich. Die berücksichtigten Güter kommen zum Beispiel aus den Bereichen:

  • Wohnen und Wohnnebenkosten
  • Verkehr
  • Freizeitausgaben
  • Nahrungsmittel und Getränke
  • Möbel
  • Hotels und Restaurants
  • Gesundheit
  • Kleidung
  • Tabak und Alkohol

Beispiel:

Das Niveau der Verbraucherpreise in Hessen (Oktober 2022) ist im Vergleich zum Vorjahr auf 9,9% gestiegen. Im Vormonat (September 2022) lag die Inflationsrate bei 9,4% und im August bei 8,0%. Die Preissteigerungen für Heizöl, Nahrungsmittel und Kleidung haben starken Einfluss auf die Inflationsrate. Allein für diese drei Güter(-gruppen) geben Haushalte im Durchschnitt annähernd ein Fünftel ihres Einkommens aus.

Was passiert, wenn die Preise durch Veränderung der Produkte steigen?

Preise werden durch qualitative, aber auch quantitative Veränderungen beeinflusst: So ändert sich etwa der tatsächliche Preis einer Packung Waschpulver, wenn die Packung kleiner wird, aber das Preisschild das gleiche bleibt. Ein neues Auto wird teurer, wenn Klimaautomatik und Navigationssystem – früher noch Sonderausstattung – heute serienmäßig zur Ausstattung gehören.

Eine qualitätsbedingte Preissteigerung sollte allerdings nicht für eine höhere Inflationsrate sorgen, deshalb nimmt das Statistische Bundesamt insbesondere bei technischen Produkten, die laufend verbessert und entsprechend teurer werden, jedes Jahr Anpassungen vor.

Was ist der Unterschied zwischen Kerninflation und Inflation?

Die Kerninflation – oder unterliegende Inflation – lässt die Bereiche Energie und Nahrungsmittel außer Acht, da es sich dabei um Güter handelt, deren Preise in der Regel stark schwanken. Die starken Schwankungen erschweren die Analyse der unterliegenden Inflation bzw. des Inflationstrends.

Warum ist die gefühlte Inflation oft höher als die gemessene Inflation?

Verbraucher sind oft erstaunt, wenn sie die für das Jahr ermittelte Inflationsrate in den Nachrichten hören, denn sie empfinden die Preissteigerungen als stärker. Das hat zwei Gründe:

1. Der Warenkorb, den das Statistische Bundesamt verwendet, ist repräsentativ für Durchschnittsbürger. Einzelne Verbraucher kaufen nicht so ein und legen andere Artikel oder andere Mengen in den Warenkorb. Preissteigerungen treffen sie daher stärker oder schwächer als den repräsentativen Warenkorb.

2. Preissteigerungen stechen den Konsumenten bei regelmäßig gekauften Artikeln wesentlich deutlicher ins Auge als bei Produkten, die nur einmal pro Jahr oder noch seltener gekauft werden.

Welche Auswirkungen hat eine Inflation auf die Wirtschaft?

Im Idealfall bleiben die Preise stabil; die EZB definiert Preisniveaustabilität als eine Inflation von 2%. In diesem Idealfall konsumieren die Menschen, die Unternehmen profitieren von der stabilen Kauflust und die Löhne steigen in angemessener Weise. Angebot und Nachfrage sind im Einklang. Und mit passablen Zinsen finden Haushalte ein Gleichgewicht zwischen Konsumieren und Sparen.

Die Folgen der starken Inflation im Überblick

Sobald die Inflation erheblich zunimmt, ändern sich die Bedingungen:

Für den Konsum

Eine höhere Inflation bedeutet für Konsumenten, dass sie weniger für ihr Geld bekommen. Da die Löhne zunächst nicht im gleichen Maße steigen wie die Preise, haben zahlreiche Haushalte weniger Geld zur Verfügung. Die Folge: Die Menge der Artikel im Einkaufswagen sinkt. Und damit auch der Lebensstandard.

Für Unternehmen

Im ersten Moment bescheren die höheren Preise Firmen möglicherweise größere Gewinne. Die Preissteigerungen machen sich aber schnell im Einkaufsverhalten bemerkbar: Da viele Konsumenten sich die Produkte nicht mehr wie bisher leisten können, sinkt die Nachfrage. So leiden letztlich auch Unternehmen unter dem nachlassenden Konsum und höheren Preisen.

Für Sparanlagen

Für Ersparnisse wird die Inflation zur Katastrophe, wenn die Inflationsrate spürbar über dem vereinbarten Zinssatz liegt. Zwar nimmt das Vermögen auf dem Konto um den Zins zu, gleichzeitig steigen die Preise für Waren und Dienstleistungen jedoch stärker, sodass man sich unter dem Strich weniger leisten kann.

Für Kapitalmärkte

Einen stärkeren Werterhalt als Geld und verzinsliche Anlagen haben in der Regel Sachwerte wie Immobilien, Aktien und manchmal Edelmetalle. Viele Investoren flüchten sich auch in Devisen, die von der inländischen Inflation nicht betroffen sind.

Für die Zentralbanken

Verbraucher und Anleger verlieren ihr Vertrauen in die Institution.

Wer gewinnt in der Inflation und wer verliert?

Eine direkte Folge der Inflation ist ein geringerer Konsum, da Löhne und Renten zunächst nicht entsprechend der Preise für Konsumgüter steigen. Die verzinslichen Geldanlagen verlieren an Wert. Das ist zwar gut für Schuldner, aber schlecht für Sparer.

Die Inflation hat auch ihre Vorteile

Eine moderate Inflation hat durchaus ihre Vorteile: Verteuern sich bestimmte Produkte und Dienstleistungen, erhalten Unternehmen mehr Geld. Dieses Geld können sie für Investitionen in ihr Wachstum nutzen und Löhne erhöhen oder neue Arbeitsplätze schaffen. Damit profitieren letztendlich auch die Verbraucher. Allerdings müssen sie sich hier ein wenig gedulden, da diese Effekte meist mit einer Verzögerung eintreten.

Eine höhere Inflationsrate, die noch nicht in den Zinsen eines Kredits berücksichtigt wurde, führt dazu, dass der Kreditbetrag aufgrund des sinkenden Geldwertes schrumpft. Oder anders ausgedrückt: Mit einer höheren Inflation steigen auf Dauer auch die Löhne schneller, sodass ein Kredit mit dem gestiegenen Einkommen leichter zu tragen ist. Somit können Kreditnehmer insbesondere bei einer langfristigen Zinsbindung von der Inflation profitieren.

Was ist der Realzins?

Der Realzins ist der reale Ertrag eines Anlageprodukts. Die Verzinsung wird unter Berücksichtigung der Inflation eines Vermögenswertes angegeben. Er wird als Differenz zwischen Nominalzins und Inflationsrate errechnet. Er beeinflusst das Sparverhalten von Sparern sowie die Aufnahme eines günstigen Kredits bei Kreditnehmern. Der Realzins gibt also an, wie viel Ihr Geld wirklich an Wert gewinnt oder verliert.

Realzins = Nominalzins – Inflation

Vorsicht vor der Realzinsfalle

Wenn die Inflationsrate niedrig ist und die Zinsen Ihres Anlageproduktes - etwa einem Festgeldkonto oder Tagesgeldkonto - noch niedriger, spricht man von einer Realzinsfalle. In diesem Fall verliert das Geld, dass Sie angelegt oder gespart haben, an Wert.

Beispiel:

Sie haben 1.000€ als Festgeld angelegt und bekommen auf diese Geldanlage einen Nominalzins in Höhe von 0,7%. Die angenommene Inflationsrate beträgt 1,4%. Somit bleibt Ihnen nach einem Jahr ein realer Geldwert von 993€.

Wie entwickelt sich eine Inflation? Ursachen und Gründe

Es gibt eine ganze Reihe an Modellen und Theorien, wie Inflation entsteht. Folgende Faktoren sind die typischen Preistreiber in einer Wirtschaft:

  1. Eine zunehmende Geldmenge – sprich: wenn Haushalte mehr Geld in der Tasche haben – veranlasst Verbraucher, stärker zu konsumieren. Dadurch steigen sowohl die Nachfrage als auch die Preise.
  2. Ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage kann ebenfalls Auslöser einer Inflation sein. Der Grund kann zum Beispiel in einer stärkeren Nachfrage liegen (z. B. nach FFP2-Masken), die nicht durch die gleichzeitig ansteigende Produktion gedeckt werden kann. Auf der anderen Seite ist eine sinkende Produktion denkbar (z. B. durch Lieferkettenprobleme), welche die Nachfrage ebenfalls nicht länger decken kann und so Preissteigerungen verursacht.
  3. Lohnerhöhungen und steigende Produktionskosten stellen mögliche Preistreiber für eine Inflation dar.
  4. Steuererhöhungen zum Beispiel bei der Umsatzsteuer gelten ebenfalls als Auslöser einer stärkeren Inflation.

Fakt ist: Ist die Preisspirale erst in Gang gesetzt, verstärkt sie sich meist von allein. Denn höhere Lebenshaltungskosten verlangen nach steigenden Löhnen. Höhere Löhne treiben daraufhin die Nachfrage an und gleichzeitig verteuern die Lohnkosten wieder die Preise der Produkte. Um dies zu vermeiden, regulieren die Zentralbanken vieler Länder das Preisniveau über die Geldmenge oder Zinsen.

Wann ist eine Inflation gefährlich?

Preissteigerungen bedeuten Inflation. Doch nicht immer sehen Experten diesen Prozess als Nachteil. Welche Inflationsrate fördert die Wirtschaft, wann wird sie unserem Geld gefährlich und was können Anleger für die Sicherung ihres Vermögens unternehmen?

Wie können Sie Ihr Vermögen gegen Inflation absichern?

Historisch gesehen gilt Gold als Fels in der Brandung einer wogenden Inflation. Und tatsächlich ist der Wert des Edelmetalls relativ stabil geblieben.
Anleger, die ihr Geld vor einer Inflation schützen möchten, setzen neben Gold oft auf Immobilien und andere Sachwerte. Diese Anlagestrategie führte häufig zum Erfolg. Betrachtet man jedoch die Geschichte, sind Sachwerte bei leichter Inflation nicht immer die richtige Wahl gewesen.

Eine weitere Möglichkeit, Geld inmitten einer ansteigenden Inflation gewinnbringend zu investieren, sind Devisen, Rohstoffe und Aktien. Diese Werte sind bei einer moderaten Inflationsrate oft ein Erfolg. Sie weisen über die Jahre eine Rendite auf, die die Inflationsrate übersteigt. Daher bringen sie unter dem Strich Gewinn ein und können die Geldentwertung verhindern.

Wie bei allen Anlageentscheidungen raten wir Ihnen, nicht nur auf ein Pferd zu setzen. Vermögen auf unterschiedliche Investitionen zu verteilen, streut das Risiko und federt plötzliche und unvorhersehbare Veränderungen am Kapitalmarkt besser ab.

Inflation: Welche Gefahr bedeutet sie für unser Geld?

Leicht erklärt bringen steigende Preise für Verbraucher eine geringere Kaufkraft mit sich. Diese Entwicklung misst das Statistische Bundesamt mit der Inflationsrate. Zentralbanken halten eine moderate Inflation für wirtschaftsfördernd und regulieren die Geldmenge, um dieses Ziel zu erreichen. Eine Hyperinflation droht nur unter extremen Bedingungen. Sie zu vermeiden, hat für die Zentralbanken oberste Priorität. Eine breite Streuung der Vermögensanlagen im Depot und die Investition in Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle und Sachwerte oder in einen Fonds- oder ETF-Sparplan können Anlegern trotz Inflation einen angemessenen Schutz vor Wertverlusten bieten.

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