Was kostet Ahnenforschung?

Durch Ahnenforschung kann die Familie ihre Vorfahren kennenlernen und Erben finden. Doch lohnt sich der Zeitaufwand und was kostet die Ahnenforschung?

Alte Fotos in sepia und schwarz-weiß liegen über einander auf einem Holztisch. Auf dem obersten Foto sieht man ein Kleinkind mit Mütze, dass auf einem kleinen Stuhl posiert. - Ahnenforschung Kosten

In einigen Bereichen ist die Ahnenforschung kostenlos. Für andere Informationen müssen Sie Gebühren zahlen und Ihr rechtliches Interesse nachweisen. Unser Ratgeber gibt Ihnen einen Überblick über die Kosten einer Ahnenforschung. Außerdem zeigen wir Ihnen, wann sich eine Ahnenforschung lohnt und an wen Sie sich zu Auskünften über Ihre Familie wenden können.

Was ist eine Ahnenforschung?

Der Fachausdruck für die Ahnenforschung ist Genealogie. Diese Wissenschaft beschäftigt sich mit Familienforschung und der Familiengeschichte des Auftraggebers. Mithilfe der Genealogie erfährt eine Person die Namen und teilweise auch die Berufe der Vorfahren. Die Ahnenforschung unterteilt sich in zwei Linien:

  1. aufsteigende Linie zur Erforschung der Abstammung
  2. absteigende Linie zur Ermittlung der Nachkommen

Wer sich für die Familiengeschichte der Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und weiterer Vorfahren interessiert, untersucht seine Abstammung in aufsteigender Linie. Das bedeutet, dass ein Ahnenforscher im Rahmen der Genealogie oder der Interessent selbst Urkunden und Dokumente der Vorfahren untersucht. Wenn die Dokumente nicht auf dem eigenen Dachboden vorliegen, erfolgt eine Recherche in Archiven und Kirchenbüchern. Das Ergebnis wird häufig in einem Stammbaum festgehalten. Die Reihe der Vorfahren kann dabei über mehrere Jahrhunderte zurückreichen.

Die Untersuchung der absteigenden Linie einer Familie ist vor allem bei Erbschaften interessant. Wenn ein Erblasser ohne Angehörige verstirbt und kein Testament hinterlässt, gilt die gesetzliche Erbfolge. Diese richtet sich nach der Abstammung in gerader Linie und dem Grad der Verwandtschaft.

Die Erforschung der Familiengeschichte erfolgt häufig aus persönlichem Interesse. Die Familienforschung von Nachkommen hingegen dient öfter finanziellen Interessen, da Erben zu ermitteln sind. Die Kosten für die Ahnenforschung sind in beiden Fällen dieselben. Daher gehen wir bei der Aufzählung der Kostenfaktoren für eine Erforschung der Familiengeschichte nicht im Einzelnen auf die Unterschiede ein.

Kostenfaktoren einer Ahnenforschung

Im Rahmen der Genealogie muss ein Ahnenforscher zahlreiche Dokumente sichten und Urkunden überprüfen. Zu den wichtigsten Auskunftsgebern bei der Familienforschung gehören Standesämter, Archive, Kirchenbücher und andere Datenbanken. Hier werden unter anderem folgende Register und Aufzeichnungen geführt:

  • Geburtenregister
  • Heiratsregister
  • Sterberegister
  • Auswanderregister
  • Wählerverzeichnisse
  • Bundesarchiv
  • Militärische Aufzeichnungen
  • Volkszählungen
  • Schulakten
  • Grundbuchverzeichnisse
  • Handwerksrollen

Auskünfte aus den verschiedenen Registern und Kirchenbüchern sind teilweise mit Gebühren verbunden. Diese Kosten muss ein Interessent tragen, wenn er die Familiengeschichte erforschen oder einen Stammbaum seiner Familie erstellen möchte. Wenn sich eine Person selbst auf die Erforschung der Familiengeschichte begibt, fallen nur die Gebühren für die verschiedenen Dokumente und Urkunden an. Wird jedoch ein professioneller Ahnenforscher mit der Erstellung eines Stammbaums oder der Familienforschung beauftragt, kommen höhere Kosten auf den Auftraggeber zu.

In der Regel berechnen Expertinnen und Experten der Genealogie einen Stundensatz für die Recherche zuzüglich Fahrtkosten und sonstige Aufwendungen. Dazu gehören die Gebühren von Standesämtern oder Kirchenbüchern für Kopien von Geburtsurkunden, Sterbeurkunden, Heiratsurkunden und anderen Auszügen aus dem Familienstammbuch. Wenn Teile der Familie im Ausland lebten oder noch dort wohnen, können Aufwendungen für eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher, Übersetzungen sowie Übernachtungskosten für die Ahnenforscherin oder den Ahnenforscher hinzukommen. Außerdem laufen in einigen Ländern Erbschaften und die Ermittlung der Vorfahren über Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte oder Notarinnen und Notare. Auch diese Kosten werden der Auftraggeberin oder dem Auftraggeber in Rechnung gestellt.

Rechenbeispiel für eine Ahnenforschung

Die Kosten für die Familienforschung richten sich danach, wie groß die Familie ist, wo die einzelnen Familienangehörigen leben und wer die Ahnenforschung betreibt. Hier ein Rechenbeispiel für eine Ahnenforschung mit Erstellung eines Stammbaums der Familie bis ins vorletzte Jahrhundert durch eine Expertin oder Experten der Genealogie:

  • Stundensatz für die Ahnenforschung im Inland: 55€
  • Fahrtkosten zu Archiven und Behörden im Umkreis von 100km: 0,45€ je Kilometer
  • Fahrtkosten zu Archiven und Behörden mit einer Entfernung von mehr als 100km: 0,70€ je Kilometer
  • Kosten für eine Sterbeurkunde oder Geburtsurkunde: 12€ je Kopie
  • beglaubigte Auszüge aus Kirchenbüchern: 8€ je Ausfertigung
  • Erstellung eines Stammbaums der Familie über 2 Jahrhunderte: 185€

Wenn eine Auftraggeberin oder ein Auftraggeber einen professionellen Ahnenforscher mit der Erforschung seiner Familie in den letzten 2 Jahrhunderten beauftragt, muss er ungefähr mit diesen Kosten rechnen:

  • Arbeitslohn für 20 Stunden Recherche à 55€ = 1.100€
  • Fahrtkosten für 80 gefahrene Kilometer = 36€
  • Kosten für Urkunden und andere Dokumente = 368€
  • Erstellung des Stammbaums der Familie = 185€

Gesamte Kosten der Ahnenforschung = 1.689€



5 Spartipps bei einer Ahnenforschung

1

Durchforsten Sie Speicher, Keller und Lagerräume nach Dokumenten und Urkunden über die Geschichte der Familie in den letzten Jahrhunderten.

2

Befragen Sie ältere Familienmitglieder oder Nachbarn über das Schicksal der Familie.

3

Fragen Sie in der Familie nach, ob schon ein anderes Familienmitglied mit der Ahnenforschung begonnen hat und Ihnen die Ergebnisse überlässt.

4

Notieren Sie alle Ergebnisse und erstellen Sie einen eigenen Stammbaum.

5

Registrieren Sie sich für weitere Nachforschungen kostenlos oder gegen eine monatliche Gebühr auf einer Online-Plattform, die auf Ahnenforschung spezialisiert ist.

Wie funktioniert die Ahnenforschung?

Die Ahnenforschung beginnt bei der Person, die etwas über ihre Vorfahren wissen möchte. Von dieser Person ausgehend werden die Daten der Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und weiterer Vorfahren gesammelt. Die Recherche erfolgt von Generation zu Generation. Das bedeutet, dass zunächst die eigenen Daten notiert werden:

  • Geburtsdatum
  • Geburtsort
  • Tag der Hochzeit
  • Name und Geburtstag des Ehepartners
  • Name, Geburtstag und Geburtsort der Kinder

Sie können die Liste auch um Ihren Beruf, die Religionszugehörigkeit, die Taufpatinnen und Taufpaten oder eine Scheidung erweitern. Je mehr Daten Sie sammeln, umso gründlicher erforschen Sie Ihre Familiengeschichte.

Wenn diese Daten vollständig sind, recherchieren Sie dieselben Angaben zu Ihren Eltern. Hierbei erhalten Sie schon doppelt so viele Daten wie bei sich selbst. Je weiter Sie die Familiengeschichte verfolgen, umso größer wird die Datensammlung über Ihre Vorfahren.

Je älter die Daten werden, umso schwieriger kann es sein, die Dokumente zu lesen. Das gilt vor allem für alte Kirchenbücher, die häufig auf Latein geführt wurden. Die Beamtinnen und Beamten in den Standesämtern haben bis in das letzte Jahrhundert hinein die Urkunden von Hand ausgefüllt. Auch hier kann es schwierig sein, die Schrift zu entziffern. Das gilt vor allem für alte Handschriften, wie Sütterlin oder Kurrent.

Wann und für wen ist Ahnenforschung wichtig?

Privatpersonen interessieren sich für den Stammbaum der Familie, um die Familiengeschichte besser kennenzulernen. Wenn Teile der Familie in fremde Länder ausgewandert sind, zeigt die Ahnenforschung die ursprüngliche Herkunft der Vorfahren. Auch Ursachen für die Auswanderung und der Zeitpunkt der Familientrennung können durch die Ahnenforschung ermittelt werden. Andere Gründe für eine Familienforschung können seltene Erkrankungen oder besondere körperliche Merkmale sein. Die Ahnenforschung kann bei der Behandlung der Krankheiten helfen oder Hinweise auf eine mögliche Erbkrankheit geben. Kirchenbücher und andere Urkunden können auch Hinweise auf die Entwicklung des heutigen Nachnamens geben oder die Verwandtschaft mit einer anderen Familie beweisen.

Ein weiterer Grund zur Ermittlung der Nachkommen in absteigender Linie können Erbschaften sein. Wenn sich auf einem Tagesgeldkonto oder in einem Depot ein hohes Guthaben befindet und der Kontoinhaber oder die Kontoinhaberin verstorben ist, kann die Auszahlung nur an die Erben erfolgen. Dazu muss die Erbfolge geklärt sein und alle erforderlichen Unterlagen und Dokumente müssen vorliegen. Wenn es sich um eine gesetzliche Erbfolge handelt, weil der Kontoinhaber keinen letzten Willen hinterlassen hat, können die gesetzlichen Erben über eine Ahnenforschung ermittelt werden.

Hilfsmittel bei der Ahnenforschung

Die Hilfsmittel bei der Ahnenforschung sind sehr vielfältig und befinden sich häufig im eigenen Haushalt. Beginnen Sie die Recherche mit alten Fotoalben, Briefen und Dokumenten Ihrer Vorfahren. Auch die Erzählungen älterer Familienmitgliederinnern und Familienmitgliedern oder Geschichten, die auf jeder Familienfeier erzählt werden, können zu neuen Erkenntnissen über die Vorfahren führen. Sichten Sie alle Dokumente und Unterlagen, die sich in Ihrem Haushalt und in den Wohnungen Ihrer Eltern und Großeltern befinden.

Wenn Sie die schriftlichen Unterlagen sortiert und ausgewertet haben, können Sie mit offiziellen Quellen weitermachen. Recherchieren Sie in Kirchenbüchern und bei Standesämtern und anderen Behörden. Auch hier erhalten Sie Dokumente und Urkunden, wenn Sie Ihr rechtliches Interesse an den Auskünften nachweisen. Besuchen Sie das Heimatmuseum oder den Friedhof am Wohnort Ihrer Vorfahren. Häufig finden sich auch dort Hinweise auf Namen, die in Ihrem Stammbaum zu finden sind. Zeitungsarchive oder alte Postkarten können ebenfalls Hinweise auf das frühere Leben Ihrer Familie in einem anderen Jahrhundert geben.

Eine der größten Datenquellen für die Ahnenforschung ist das Internet. Einige Portale bieten eine kostenlose Familienforschung an oder berechnen eine monatliche Gebühr für die Auskünfte. Zur Erstellung eines Stammbaums stehen sowohl kostenlose als auch gebührenpflichtige Computerprogramme bereit. Auch Programme zum Lesen alter Schriften oder Übersetzungsprogramme stellen eine große Hilfe bei alten Kirchenbüchern und anderen Urkunden dar.

Wie betreiben Sie am besten Ahnenforschung?

Ahnenforschung lebt von der Ordnung und der genauen Aufzeichnung des Stammbaums. Daher sollten Sie für jedes Mitglied Ihrer Familie ein Datenblatt anlegen. Hier notieren Sie die wichtigsten Daten über die Person. Schreiben Sie auch auf, ob Sie die Informationen von anderen Angehörigen, einer Behörde oder aus Kirchenbüchern erhalten haben. Von allen Unterlagen und Dokumenten, die Ihnen zur Verfügung gestellt werden, sollten Sie Kopien anfertigen und sicher abheften. Je weiter Sie in der Familiengeschichte in den Jahrhunderten zurückgehen, umso schwieriger wird die Recherche bei Ämtern und Behörden. Hier eine Übersicht, wie lange die Standesämter die Informationen aus den Personenstandsregistern aufbewahren müssen:

  • Sterberegister: 30 Jahre
  • Heiratsregister: 80 Jahre
  • Geburtenregister: 110 Jahre

In vielen Städten gibt es genealogische Vereine und es bestehen zahlreiche Gruppen im Internet, die sich mit Genealogie beschäftigen. In diesen Vereinigungen erhalten Sie ebenfalls Tipps zur Ahnenforschung und Hinweise auf Quellen und Urkunden, die bei der Suche helfen. Wenn Sie mit der eigenen Recherche nicht weiterkommen, können Sie eine Detektei, eine auf Erbrecht spezialisierte Anwältin oder einen Anwalt oder eine Expertin oder Experte der Genealogie mit der weiteren Erforschung der Familiengeschichte beauftragen. Das erhöht jedoch die Kosten für die Ahnenforschung und sollte nur bei einem besonderen Interesse erfolgen.

Die Kosten für eine Ahnenforschung können sich lohnen

Wenn Sie selbst die Familiengeschichte Ihrer Vorfahren erkunden möchten, ist die Ahnenforschung nur mit geringen Kosten verbunden. Sie müssen aber viel Zeit aufwenden und gegebenenfalls an die Orte reisen, an denen Ihre Vorfahren gelebt haben. Dafür erfahren Sie viel über sich und Ihre Familie und lernen vielleicht neue Familienmitglieder kennen.

Bei einer Ahnenforschung aus medizinischen Gründen oder wegen einer Erbschaft lohnen sich häufig die Kosten für die Recherche und für die Erstellung von Unterlagen, Dokumenten und einem Stammbaum. Auskünfte über Ihre Familie erhalten Sie bei Standesämtern, in Kirchenbüchern und auf Online-Plattformen, die sich auf Ahnenforschung spezialisiert haben.