IPO einfach erklärt: Das sollten Sie über Börsengänge wissen
30.06.2026 – Was sind IPOs? Warum Unternehmen an die Börse gehen, wie Sie als Privatanleger teilnehmen können und welche Chancen und Risiken es gibt.
IPO von SpaceX, SpaceX-Börsengang: Warum sich viele Anleger jetzt für IPOs interessieren
Im Juni 2026 hat der Kapitalmarkt mit SpaceX den bislang größten Börsengang der Geschichte erlebt. Das von Elon Musk gegründete Raumfahrt- und Technologieunternehmen sammelte dabei rund 75 Milliarden US-Dollar ein und startete mit einer Bewertung von etwa 1,75 Billionen US-Dollar an der Nasdaq.
Unabhängig davon, wie sich die SpaceX-Aktie entwickelt, hat dieser Mega-Börsengang das Interesse der Medien und vieler Privatanleger neu entfacht. In den Nachrichten tauchen dabei häufig Begriffe wie IPO, Zeichnungsfrist oder Ausgabepreis auf. Doch was steckt dahinter? Im Folgenden erfahren Sie, was ein IPO ist, warum Unternehmen an die Börse gehen, wie Privatanleger daran teilnehmen können und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.
Was ist ein IPO?
IPO steht für „Initial Public Offering“ und bezeichnet den Börsengang eines Unternehmens. Dabei werden Aktien erstmals öffentlich Anlegern angeboten und können anschließend an der Börse gehandelt werden.
Unternehmen gehen dabei nicht zwingend in einer frühen Unternehmensphase an die Börse. Viele Gesellschaften bestehen bereits seit Jahren oder Jahrzehnten, bevor sie sich für einen Börsengang entscheiden.
Aber warum gehen Unternehmen an die Börse?
Mit einem Börsengang können Unternehmen frisches Kapital von Anlegern einsammeln. Dieses Geld kann beispielsweise genutzt werden, um neue Produkte zu entwickeln, in neue Märkte zu expandieren, Forschung zu finanzieren oder andere Unternehmen zu übernehmen.
Typische Gründe sind:
- Kapital für Wachstum, Investitionen und neue Geschäftsfelder aufnehmen
- Übernahmen anderer Unternehmen finanzieren
- Die Bekanntheit am Kapitalmarkt erhöhen
- Bestehenden Eigentümern den Verkauf von Anteilen ermöglichen
Wie läuft ein IPO für das Unternehmen ab?
Bevor ein Unternehmen erstmals Aktien an der Börse anbieten kann, muss es verschiedene rechtliche und organisatorische Voraussetzungen erfüllen. Eine wichtige Grundlage ist dabei der Wertpapierprospekt. Er enthält Informationen zum Unternehmen, zum Aktienangebot und zu den damit verbundenen Risiken. Für öffentliche Aktienangebote besteht grundsätzlich eine gesetzliche Prospektpflicht.
Der Weg an die Börse umfasst in der Regel mehrere Schritte – von der Vorbereitung über die Zeichnungsphase bis zum ersten Handelstag:
Vorbereitung des Börsengangs
Das Unternehmen bereitet Finanzberichte, Unternehmensdaten und rechtliche Unterlagen auf. Gleichzeitig werden Banken ausgewählt, die den Börsengang begleiten. Diese Banken bilden häufig ein sogenanntes Emissionskonsortium. Sie unterstützen das Unternehmen unter anderem bei der Preisfestlegung, der Vermarktung und der Platzierung der Aktien am Kapitalmarkt.
Erstellung des Wertpapierprospekts
Der Prospekt enthält Informationen zum Unternehmen, zu den angebotenen Aktien und zu den Risiken. Der Prospekt wird im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben geprüft – stellt aber keine Anlageempfehlung dar.
Festlegung des Ausgabepreises
Vor dem Börsenstart wird gemeinsam mit den begleitenden Banken ein Ausgabepreis, auch Emissionspreis genannt, oder eine Preisspanne für die Aktien festgelegt. Dabei spielen unter anderem die Nachfrage der Investoren, die Unternehmensbewertung und das Marktumfeld eine Rolle. Ziel ist es, einen Preis festzulegen, der sowohl für das Unternehmen als auch für die Investoren attraktiv ist und eine erfolgreiche Platzierung der Aktien ermöglicht.
Zeichnungsphase
Während der Zeichnungsfrist sammeln das Unternehmen und die begleitenden Banken die Kaufaufträge von Investoren und Privatanlegern für die angebotenen Aktien. Übersteigt die Nachfrage das verfügbare Angebot, spricht man von einer Überzeichnung. In diesem Fall wird festgelegt, wie die Aktien zugeteilt werden. Dabei können verschiedene Kriterien eine Rolle spielen. Häufig wird beispielsweise darauf geachtet, die Aktien auf unterschiedliche Anlegergruppen zu verteilen und eine ausgewogene Aktionärsstruktur zu schaffen.
Erstnotiz an der Börse
Am ersten Handelstag werden die Aktien erstmals an der Börse gehandelt. Ab diesem Zeitpunkt bestimmen Angebot und Nachfrage den Börsenkurs.
Lohnt sich der Einstieg bei einem IPO?
Ein IPO bietet die Möglichkeit, Aktien eines Unternehmens bereits zum Börsenstart zu kaufen. Das kann attraktiv sein, ist aber keine Garantie für Kursgewinne. Manche Aktien steigen nach dem Börsengang deutlich im Wert, andere verlieren an Wert.
Wie sich der Kurs entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Häufig spielt zunächst die Nachfrage der Anleger eine wichtige Rolle. Ist das Interesse besonders groß, kann dies den Kurs nach dem Börsenstart antreiben. Umgekehrt können enttäuschte Erwartungen oder ein schwächeres Marktumfeld zu Kursverlusten führen.
Langfristig kommt es jedoch vor allem darauf an, wie erfolgreich sich das Unternehmen entwickelt und ob es seine Wachstums- und Geschäftsziele erreicht.
Deshalb sollten Sie sich vor einer Teilnahme über das Unternehmen gut informieren und prüfen, ob die Investition zu Ihren persönlichen Anlagezielen passt.
4 Tipps für Anleger , Worauf sollten Sie vor einer IPO-Zeichnung achten?
1. Tipp: Nehmen Sie das Unternehmen unter die Lupe
Bevor Sie an einem IPO teilnehmen, sollten Sie sich ein Bild vom Unternehmen machen. Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet es an? Wie verdient es Geld? Welche Chancen und Herausforderungen bestehen in der Branche? Je besser Sie das Unternehmen verstehen, desto besser können Sie dessen Zukunftsperspektiven einschätzen.
2. Tipp: Nutzen Sie den Wertpapierprospekt als Informationsquelle
Der Wertpapierprospekt enthält wichtige Informationen zu Geschäftstätigkeit, Finanzlage und zu den Risikofaktoren. Er gehört zu den wichtigsten Informationsquellen vor einer Investitionsentscheidung – ist aber keine inhaltliche Empfehlung oder Qualitätsprüfung der Anlage.
3. Tipp: Prüfen Sie Chancen und Risiken
Neuemissionen, also die erstmalige Ausgabe von Wertpapieren eines Unternehmens an die Börse, können Chancen bieten, unterliegen aber häufig stärkeren Kursschwankungen als etablierte Unternehmen. Prüfen Sie deshalb sowohl die möglichen Chancen als auch die damit verbundenen Risiken und überlegen Sie, ob diese zu Ihrer finanziellen Situation und Ihren Erwartungen passen.
4. Tipp: Setzen Sie nicht alles auf eine Karte
Auch wenn ein Börsengang viel Aufmerksamkeit erhält, sollten Sie nicht einen zu großen Teil Ihres Vermögens in eine einzelne Aktie investieren und sich dadurch von deren Entwicklung abhängig machen. Wer sein Kapital auf verschiedene Unternehmen und Anlageklassen verteilt, kann Schwankungen einzelner Investments besser ausgleichen. Deshalb sollte ein IPO in der Regel nur ein Baustein eines ausgewogenen Depots sein.
Gut zu wissen: Wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Einstieg direkt zum Börsenstart für Sie infrage kommt, müssen Sie nicht zwangsläufig auf das Unternehmen verzichten. Viele Börsenneulinge werden später in Aktienindizes aufgenommen und können dadurch Bestandteil von ETFs oder Fonds werden. Anleger können dann über diese Anlageprodukte an der weiteren Entwicklung des Unternehmens teilhaben – zum Beispiel über einen regelmäßig besparten Sparplan.
In 3 Schritten zum IPO, So können Sie an einem IPO teilnehmen
- Schritt 1, Aktien zeichnen
Geben Sie innerhalb der Zeichnungsfrist Ihren Kaufauftrag für die gewünschten Aktien ab.
- Schritt 2, Zuteilung abwarten
Nach Zeichnungsfristablauf wird ermittelt, wie viele Aktien den Anlegern zugeteilt werden können. Übersteigt die Nachfrage die Anzahl der angebotenen Aktien, erhalten Anleger unter Umständen nur einen Teil der gewünschten Stückzahl oder gehen leer aus.
- Schritt 3, Börsenhandel startet
Nach erfolgreicher Zuteilung werden die Aktien in Ihr Depot eingebucht. Ab dem ersten Handelstag können sie regulär an der Börse gehandelt werden.
Gut zu wissen: Gerade in den ersten Tagen und Wochen nach einem IPO können die Kurse deutlich schwanken, da sich Angebot und Nachfrage zunächst einpendeln müssen. Kurzfristige Ausschläge sind daher nicht ungewöhnlich.
Für die Zeichnung selbst zahlen Sie keine Sondergebühr - es fällt lediglich die normale Orderprovision an, und das auch nur, wenn Ihnen Aktien tatsächlich zugeteilt werden. Im DirektDepot der Commerzbank beträgt sie 0,25% vom Kurswert zzgl. 4,90€, mindestens jedoch 9,90€ pro Order. Alle Konditionen finden Sie in unserem Preis- und Leistungsverzeichnis.
Sie haben noch kein Depot?
Für die Teilnahme an einem IPO benötigen Sie ein Wertpapierdepot. Wenn Sie noch keines besitzen, können Sie dieses beispielsweise bei der Commerzbank in wenigen Minuten online eröffnen. Die Depotführung ist ab einer Order pro Quartal oder mit einem laufenden Sparplan kostenlos.
IPOs: Welche Chancen und Risiken gibt es für Anleger?
Chancen
- Möglichkeit, Anteile eines Unternehmens bereits zum Börsenstart zu erwerben
- Zugang zu Unternehmen, die zuvor nicht an der Börse investierbar waren
- Beteiligung an der weiteren Entwicklung eines Unternehmens von Anfang an
- Mögliche positive Kursentwicklungen nach dem Handelsstart
- Ergänzung eines bestehenden Depots um neue Branchen, Geschäftsmodelle oder Wachstumsunternehmen
Risiken
- Hohe Kursschwankungen unmittelbar nach dem Börsengang
- Unsicherheit bei der Unternehmensbewertung
- Fehlende Börsenhistorie
- Keine Garantie auf Kurssteigerungen
- Mögliche Überzeichnung und geringe Zuteilung
FAQ, Wichtige Fragen und Antworten rund um IPOs
Das hängt von den individuellen Kenntnissen und der Risikobereitschaft ab. Da Neuemissionen, also die erstmalige Ausgabe von Wertpapieren eines Unternehmens an die Börse, mit Unsicherheiten verbunden sind und häufig stärkere Kursschwankungen aufweisen, sollten sich Anleger der Risiken bewusst sein und ihre Anlageentscheidung auf Basis fundierter Informationen treffen.
Übersteigt die Nachfrage die Anzahl der angebotenen Aktien, können Anleger unter Umständen nur einen Teil der gewünschten Aktien erhalten oder keine Zuteilung bekommen. Dies wird als Überzeichnung bezeichnet. Wie die Aktien verteilt werden, hängt vom jeweiligen Börsengang ab. Eine Rolle spielen dabei unter anderem die Nachfrage sowie die Zuteilungsregeln des Unternehmens und der beteiligten Banken.
Ein Emissionskonsortium ist ein zeitweiser Zusammenschluss mehrerer Banken. Diese Gruppe schließt sich zusammen, um die Ausgabe neuer Wertpapiere für ein Unternehmen zu organisieren, das finanzielle Risiko aufzuteilen und die Wertpapiere erfolgreich am Markt zu platzieren.
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