KI-Rally im Faktencheck, Platzt die KI-Blase? Was hinter der Debatte steckt
29.09.2026 – Hohe Bewertungen und Milliardeninvestitionen: Erwartungen an KI-Anwendungen treiben die Kurse vieler Technologieunternehmen. Doch ist das schon eine Blase?
KI am Aktienmarkt: Alles nur eine Blase?
Künstliche Intelligenz hat an der Börse für einen regelrechten Boom gesorgt: Die Kurse großer Technologieunternehmen wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet sind stark gestiegen. Gleichzeitig investieren die Konzerne Milliarden in den weiteren Ausbau von KI – und die Erwartungen an ihre künftigen Gewinne sind hoch. Zu hoch? Genau darüber wird an den Börsen und in den Medien diskutiert. Immer wieder fällt dabei das Wort „KI-Blase“.1
Hinzu kommt die Debatte darüber, wie sicher KI ist und wie stark sie reguliert werden muss. Für besonders leistungsfähige KI-Modelle gelten in der EU bereits zusätzliche Anforderungen, etwa beim Risikomanagement und bei der Cybersicherheit. Solche Vorgaben können zusätzliche Kosten verursachen oder beeinflussen, wie schnell neue KI-Angebote auf den Markt kommen. Auch davon hängt ab, ob die hohen Erwartungen an das Geschäft mit KI tatsächlich erfüllt werden.
Was gegen eine KI-Blase spricht
Vom KI-Boom profitieren Unternehmen in vielen Branchen: Für Training und Betrieb großer KI-Modelle werden nicht nur Chips, Rechenzentren und Speicher benötigt, sondern auch Strom, Netzinfrastruktur und weitere technische Ressourcen. Entsprechend hoch sind die Investitionen: Goldman Sachs Research erwartet, dass große Technologiekonzerne von 2025 bis 2030 zusammen rund 5,3 Billionen US-Dollar in KI und deren Ausbau investieren.2
Was für eine KI-Blase sprechen könnte
Gleichzeitig sind die Erwartungen und Bewertungen hoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) verweist darauf, dass die Bewertungen am US-Aktienmarkt gemessen am langfristigen Kurs-Gewinn-Verhältnis nahe an historischen Höchstständen liegen. Sie sieht Parallelen zu früheren Technologiebooms und hält eine Korrektur der aktuellen Aktienbewertungen für wahrscheinlich.1
Genau darin liegt das Spannungsfeld: KI kann wirtschaftlich erfolgreich und einzelne Aktien trotzdem zu hoch bewertet sein. Wie stark Unternehmen künftig mit KI verdienen, hängt zudem davon ab, wie sich Technologie, Nachfrage und Regulierung entwickeln.
Eine gute Technologie garantiert keine gute Aktienrendite
Wie schnell die Stimmung an der Börse kippen kann, zeigt die Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre. Zwischen 1996 und 1999 stiegen die Kurse von Dotcom-Unternehmen um mehr als 200 Prozent. Viele dieser Firmen hatten kaum oder noch gar keine Gewinne – Anleger setzten vor allem auf das große Potenzial des Internets.3
Im Frühjahr 2000 platzte die Blase. Viele Technologieaktien brachen ein, Unternehmen verschwanden vom Markt. Vom Höchststand bis zum Tiefpunkt 2002 sank das Aktienvermögen der US-Haushalte um rund 8,3 Billionen US-Dollar beziehungsweise 46 Prozent.4 In Deutschland verlor der technologieorientierte Neue Markt gegenüber seinem Höchststand im März 2000 zeitweise fast 90 Prozent.5
Das Internet setzte sich trotzdem durch und veränderte Wirtschaft und Alltag grundlegend.
Wie schätzen Experten die Lage ein?
Ob und wann aus der aktuellen KI-Rally ein Rückschlag an der Börse wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Commerzbank-Experten sehen aber einen wichtigen Unterschied zur Dotcom-Zeit: Die heutige Rally wird vor allem von großen Unternehmen getragen, die bislang überwiegend starke Geschäftsergebnisse vorweisen konnten. Ob sich diese Erwartungen dauerhaft einlösen lassen, bleibt auch laut Commerzbank-Experten allerdings offen. Sie verweisen indes auf ein viel entscheidenderes Risiko für Anleger.
Das oft übersehene Risiko für Anleger
Ein Risiko, das viele Anleger oft übersehen: Viele Depots hängen inzwischen stark von wenigen großen US-Technologieunternehmen ab. Nach Berechnungen der EZB sind private Haushalte im Euroraum mit rund 440 Milliarden Euro in US-Technologieaktien investiert – zu einem großen Teil indirekt über Fonds und ETFs.1
Ein Blick auf den weltweiten Aktienindex MSCI All Country World macht die Abhängigkeit von der Entwicklung großer US-Technologiekonzerne deutlich: Laut der Commerzbank stammen rund 54 Prozent der 20 größten Unternehmen im Index aus dem Technologiesektor. Selbst mehrere Fonds, ETFs und Einzelaktien können dieselben Unternehmen enthalten.
So entsteht ein Klumpenrisiko: In vielen Depots kann ein erheblicher Teil der Wertentwicklung von wenigen Unternehmen abhängen. Für Sie als Anleger ist deshalb weniger wichtig, ob sich die KI-Rally als Blase erweist. Wichtiger ist, wie stark das eigene Depot von ihr abhängt.
Rendite Vermögensklassen
Fazit, 3 Tipps für Ihre Geldanlage
Ob wir gerade in einer KI-Blase stecken, wissen wir erst im Rückblick. Wie Ihre Geldanlage aufgestellt ist, können Sie dagegen heute schon prüfen. Drei Dinge helfen dabei:
1. Tipp, Verschaffen Sie sich einen Überblick
Prüfen Sie, wie sich Ihre Geldanlage auf verschiedene Unternehmen, Branchen und Regionen verteilt. Bei Fonds und ETFs finden Sie die größten enthaltenen Unternehmen in den Produktinformationen. In Ihrer Depotübersicht sehen Sie, wie sich Ihr Geld insgesamt verteilt.
So erkennen Sie zum Beispiel, ob mehrere Ihrer Wertpapier-Anlagen auf dieselben großen Technologieunternehmen setzen. Ist ein Bereich inzwischen stärker vertreten, als Sie möchten, können Sie gegensteuern: etwa indem Sie neues Geld gezielt in andere Bereiche investieren oder einzelne Positionen reduzieren, also Ihr investiertes Geld umschichten.
Das nennt man Rebalancing: Sie bringen die Verteilung Ihrer Geldanlage wieder näher an die von Ihnen gewünschte Aufteilung.
Weiterlesen: Depot strukturieren – so geht’s
2. Tipp
, Legen Sie regelmäßig mit einem Sparplan anMit einem Fonds- oder ETF-Sparplan investieren Sie regelmäßig einen festen Betrag – unabhängig davon, ob die KI-Rally gerade für neue Höchststände oder Unsicherheit an den Börsen sorgt.
Denn: Bei niedrigeren Kursen kaufen Sie für denselben Betrag mehr Anteile und bei höheren Kursen weniger. Das nennt man Cost-Average-Effekt. Er schützt zwar nicht vor Verlusten, kann aber dazu beitragen, unterschiedliche Kaufkurse über einen längeren Zeitraum abzufedern. So müssen Sie sich nicht von kurzfristigen Hochs und Tiefs an der Börse verunsichern lassen.
Wer langfristig spart und Erträge wieder anlegt, kann außerdem vom Zinseszinseffekt profitieren: Erträge können selbst wieder Erträge erwirtschaften. Je länger das Geld angelegt bleibt, desto stärker kann sich dieser Effekt bemerkbar machen.
3. Tipp
, Setzen Sie nicht alles auf eine KarteSie können Ihr Geld sowohl innerhalb des Aktienmarkts streuen – viele weltweit anlegende Fonds und ETFs investieren in zahlreiche Unternehmen, Länder und Branchen –, als auch unterschiedliche Anlageformen für Ihr Geld nutzen.
Geld, das Sie als Notgroschen zurücklegen und bei Bedarf schnell verfügbar haben möchten, können Sie zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto anlegen. Darauf können Sie flexibel zugreifen, ohne von den Schwankungen an der Börse abhängig zu sein.
Festgeld kann dagegen für Beträge infrage kommen, die Sie für einen festen Zeitraum nicht benötigen.
Welche Aufteilung zu Ihnen passt, hängt von Ihren persönlichen Zielen, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikobereitschaft ab. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihr Geld aufteilen möchten oder ob Ihre bestehende Geldanlage noch zu Ihnen passt, können Sie sich gern von unseren Experten beraten lassen.