• Inflation: Definition, Messung & Börsenwirkung

    Inflation einfach erklärt

    Definition, Messung und Börsenwirkung

Wann ist eine Inflation gefährlich?

Preissteigerungen führen zur Inflation, doch nicht immer sehen Volkswirte diesen Prozess als Nachteil. Welche Inflationsrate fördert die Wirtschaft, wann wird sie unserem Geld gefährlich und was können Anleger für die Sicherung ihres Vermögens unternehmen?


Was ist Inflation und wie funktioniert sie eigentlich?

Inflation ist nicht nur ein Fachbegriff von Ökonomen. Regelmäßig macht sie Schlagzeilen und ist Thema in Marktberichten und Börsennachrichten. Zentralbanken richten ihre Geldpolitik unter anderem nach der Inflationsrate aus und beobachten gespannt ihre Entwicklung. Was hat es mit der Inflation auf sich?

Durch Preissteigerungen von Konsumgütern und Produkten müssen Verbraucher mehr Geld ausgeben, um sie zu erwerben. Da die Preise ständigen Schwankungen unterliegen, sind die meisten Konsumenten daran gewöhnt. Die Inflation ist eine Messzahl, die ermittelt, zu wie viel Prozent eine bestimmte Menge verschiedener Güter und Dienstleistungen teurer ist, als im Jahr zuvor. Die Inflationsrate informiert also, um wie viel Prozent Preise gestiegen und um wie viel Prozent damit unser Geld an Wert verloren hat. Zentralbanken nutzen diesen Wert, um ihre Geldpolitik anzupassen.

Bei der Inflation kann in verschiedene Typen unterschieden werden:

  • leichte Inflation bis etwa 5% Preissteigerung pro Jahr
  • schwere Inflation ab 5% Preissteigerung pro Jahr
  • Hyperinflation mit etwa 50% Preissteigerung pro Monat
Welche Inflationsrate streben Zentralbanken an?

Welche Inflationsrate streben Zentralbanken an?

Tatsächlich ist die Europäische Zentralbank als Hüterin des Preisniveaus an einer stabilen Inflationsrate von bis zu 2% interessiert. Diese Preissteigerung gilt als wirtschaftsfördernd und verhindert die ebenso gefürchtete Deflation. Mit ihrer Geldpolitik steuern Zentralbanken Zinsen und Geldmenge, damit diese Inflationsrate möglichst nicht überschritten wird. Wie gehen Zentralbanken dabei vor?

Banken refinanzieren sich bei den Zentralbanken durch verzinste Kredite. Vereinfacht erklärt, versuchen Zentralbanken über diese Refinanzierungen, die Geldmenge auf dem Gesamtmarkt zu steuern. Sie heben oder senken den sogenannten Leitzins. Banken geben diesen Zins mit Aufschlag an ihre Kunden weiter. Bei hohen Zinsen sinkt die Nachfrage nach Darlehen und die Geldmenge wird weniger. Niedrige Zinsen haben den gegenteiligen Effekt. Kredite sind billiger und es gibt eine höhere Nachfrage. Die Geldmenge steigt an.

Was ist unter der Deflation zu verstehen?

Was ist unter der Deflation zu verstehen?

Der Gegenspieler der Inflation ist die Deflation. Sie bedeutet einen stetigen Rückgang der allgemeinen Preise. Oft beginnt die Deflation schon mit einem Überangebot von Gütern und einer kleinen Nachfrage. Außerdem ist häufig eine rückläufige Geldmenge mit beteiligt. Bei sinkenden Preisen warten Konsumenten ab, um die Produkte noch günstiger zu ergattern. Für Unternehmen lohnen sich dadurch keine weiteren Investitionen. Die negative Preisspirale setzt sich fort und die Deflation kann in einer Depression enden. Damit ist die Deflation für die Wirtschaft ebenso gefährlich wie eine hohe Inflationsrate und Zentralbanken setzen alles daran, sie mit Steuerung der Geldmenge und der Zinsen zu verhindern.

Wer misst die Inflationsrate und wie wird sie berechnet?

Wer misst die Inflationsrate und wie wird sie berechnet?

In Deutschland ist das Statistische Bundesamt mit der Berechnung der Inflationsrate pro Jahr betraut. Um einen verlässlichen Vergleichswert zu erhalten, der das Konsumverhalten im Land abbildet, stellt das Bundesamt einen Warenkorb zusammen. Der Verbraucherpreisindex deckt alle Produkte und Dienstleistungen ab, die ein durchschnittlicher deutscher Haushalt konsumiert. Dabei sind auch die enthaltenen Produkte entsprechend dem Verbrauch und der Nachfrage gewichtet. Ändert sich das Verbraucherverhalten, passt das Statistische Bundesamt auch den Warenkorb an. Die Vielzahl an berücksichtigten Gütern kommt zum Beispiel aus den Bereichen:

  • Wohnen und Wohnnebenkosten
  • Verkehr
  • Freizeitausgaben
  • Nahrungsmittel und Getränke
  • Möbel
  • Hotels und Restaurants
  • Gesundheit
  • Kleidung
  • Tabak und Alkohol

Was passiert, wenn die Preise durch Veränderung der Produkte steigen?

Eine qualitätsbedingte Preissteigerung sollte nicht für eine Erhöhung der Inflationsrate sorgen.

Deshalb muss das Statistische Bundesamt besonders bei Produkten im technischen Bereich, die sich rasant verbessern, jedes Jahr Anpassungen vornehmen.

Im Fachjargon heißt das „Hedonische Preisbereinigung“.

Was ist der Unterschied zwischen Kerninflation und Inflation?

Zentralbanken benötigen für die Steuerung der Geldmenge und der Zinsen eine Kennzahl, die nicht von saisonalen oder kurzfristigen Preisschwankungen betroffen ist.

Gerade die Energiepreise oder der Lebensmittelsektor sind manchmal von Konflikten oder kurzfristig veränderter Nachfrage betroffen. Der Preis pendelt häufig innerhalb kurzer Zeit in die eine oder andere Richtung und erholt sich dann wieder.

Die Kerninflation gibt den Zentralbanken eine Inflationsrate an die Hand, bei der die Preise für Energie und Lebensmittel bereinigt wurden.

Warum ist die gefühlte Inflation oft höher als die gemessene Inflation?

Verbraucher sind oft erstaunt, wenn sie die fürs Jahr ermittelte Inflationsrate in den Nachrichten hören, denn sie empfinden die Preissteigerungen als stärker. Das hat zwei Gründe:

  1. Der Warenkorb, den das Statistische Bundesamt verwendet, ist repräsentativ für einen Durchschnittsbürger. Der einzelne Verbraucher kauft nicht so ein und legt in seinen Warenkorb daher oft Artikel in anderer Güte oder Menge. Preissteigerungen treffen ihn bei seiner Nachfrage deshalb stärker oder schwächer als den repräsentativen Warenkorb.
  2. Konsumenten stechen Preissteigerungen bei regelmäßig gekauften Artikeln wesentlich deutlicher ins Auge als bei Produkten, die nur einmal pro Jahr oder noch seltener gekauft werden.

Wie entwickelt sich eine Inflation? Ursachen und Gründe

Der Ursprung für eine starke Inflation oder sogar Hyperinflation ist noch immer nicht zufriedenstellend geklärt. Verschiedene Modelle und Theorien versuchen sich an der Ursachenforschung. Trotzdem kennen Experten einige Faktoren die als Preistreiber der Wirtschaft gelten dürfen:

  1. Eine zunehmende Geldmenge veranlasst Verbraucher, stärker zu konsumieren. Dadurch steigen die Nachfrage und auch die Preise.
  2. Auch ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage kann als Auslöser einer Inflation infrage kommen. Dabei kann der Grund in einer stärkeren Nachfrage liegen, die nicht durch die gleichzeitig ansteigende Produktion gedeckt werden kann. Auf der anderen Seite ist eine sinkende Güterproduktion denkbar, die die Preissteigerungen verursacht.
  3. Lohnerhöhungen und steigende Produktionskosten stellen mögliche Preistreiber dar, die für eine Inflation sorgen können.
  4. Schließlich gelten auch Steuererhöhungen zum Beispiel bei der Umsatzsteuer als Auslöser einer stärkeren Inflation.

Fakt ist, ist die Preisspirale erst in Gang gesetzt, verstärkt sie sich meist von allein. Denn höhere Lebenshaltungskosten verlangen nach steigenden Löhnen. Mehr Lohn treibt die Nachfrage an und gleichzeitig verteuern die Lohnkosten wiederum die Preise der Produkte. Darum haben viele Länder durch die Zentralbanken eine eigene Geldpolitik, die das Preisniveau über Geldmenge oder die Zinsen reguliert. Ein eigener Fall ist die Hyperinflation, die in der Vergangenheit oft eine Folge von Krieg oder Bürgerkrieg war.

Wie entwickelt sich eine Inflation? Ursachen und Gründe

Welche Auswirkungen hat eine Inflation auf die Wirtschaft?

Welche Auswirkungen hat eine Inflation auf die Wirtschaft?

Eine schwache Inflation mit bis zu 2% Inflationsrate, die Zentralbanken durch ihre Geldpolitik anstreben, soll Wirtschaft und Konsum stärken. Bei moderaten Zinsen fehlt es den Menschen an Motivation ihr Geld zu sparen. Sie geben es gerne aus. Dadurch halten sich Angebot und Nachfrage vergleichsweise die Waage und Unternehmen profitieren von der stabilen Kauflust.

Die Folgen der starken Inflation im Überblick

Sobald die Inflationsrate in die starke Inflation rutscht, ändern sich die Bedingungen:

Für den Konsum

Eine höhere Inflation bedeutet für den Konsumenten erst einmal, dass er für sein Geld weniger bekommt. Da die Löhne nicht im gleichen Maße steigen wie die Preise, haben zahlreiche Haushalte weniger im Einkaufswagen und ihr Lebensstandard sinkt. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft stärker.

Für Unternehmen

Der erste Effekt einer Inflation bringt Firmen vielleicht größere Gewinne. Doch dann machen sich oft die Preissteigerungen beim Einkauf bemerkbar. Dadurch können auch Unternehmen unter dem nachlassenden Konsum und den höheren Preisen leiden. Durch Preissteigerungen sinkt gleichzeitig auch die Nachfrage, da viele Konsumenten sich die Produkte nicht mehr leisten können.

Für Sparanlagen

Für Ersparnisse ist die Inflation dann eine Katastrophe, wenn die Inflationsrate pro Jahr über dem vereinbarten Zinssatz liegt. Jetzt entwertet sich nämlich die gesamte angelegte Summe. Außerdem führt ein fest vereinbarter Zins zum Verlust, wenn während der Laufzeit die Zinsen am Kapitalmarkt stark steigen.

Für Kapitalmärkte

Einen stärkeren Werterhalt als Geld und verzinsliche Anlagen haben in der Regel Sachwerte wie Immobilien, Aktien und manchmal Edelmetalle. Viele Investoren flüchten sich auch in Devisen, die von der inländischen Inflation nicht betroffen sind.

Für die Zentralbanken

Verbraucher und Anleger verlieren ihr Vertrauen in die Institution.

Wer sind die Gewinner und die Verlierer einer Inflation?

Wer sind die Gewinner und die Verlierer einer Inflation?

Direkte Ergebnisse der Inflation sind der Verlust der Kaufkraft, weil Löhne und Renten nicht sofort den Preissteigerungen folgen können. Die verzinslichen Geldanlagen verlieren an Wert, was gut für Schuldner ist, aber schlecht für die Sparer. Wer auf ein großes Vermögen zugreifen kann, ist schneller in der Lage Finanzen in Sachwerte umzuschichten und den Wert zu erhalten, als Menschen mit wenig Geld.

Deshalb zählen zu den Gewinnern eindeutig Vermögende sowie Schuldner, während auf der Verliererseite die Mittelschicht, Sparer sowie Arbeitnehmer und Rentner stehen.


Wie können Sie Ihr Vermögen gegen Inflation absichern?

Wie können Sie Ihr Vermögen gegen Inflation absichern?

Historisch gilt das Gold als Fels inmitten einer wogenden Inflation. Und tatsächlich blieb der Wert des Edelmetalls in vergangenen Hyperinflationen relativ stabil, bei einer moderaten Inflation sind die verlässlichen Daten aus der Vergangenheit nicht ganz so eindeutig.

Anleger, die ihr Geld vor einer Inflation schützen möchten, setzen neben Gold oft auf Immobilien und andere Sachwerte. Das ist meist erfolgreich, betrachten Sie jedoch die Geschichte, sind Sachwerte bei leichter Inflation nicht immer die richtige Wahl gewesen.

Eine weitere Möglichkeit, Geld inmitten einer ansteigenden Inflation zu investieren, sind Devisen, Rohstoffe und Aktien . Diese Werte sind oft bei einer moderaten Inflationsrate ein Erfolg. Sie weisen über die Jahre eine höhere Rendite auf, als die Inflationsrate erreicht. Daher bringen sie unter dem Strich Gewinn ein und verhindern die Geldentwertung.

Wie bei allen Anlageentscheidungen raten unsere Experten, nicht nur auf ein Pferd zu setzen. Vermögen in unterschiedlichen Investitionen zu verteilen, streut das Risiko und federt jede plötzliche und unvorhersehbare Veränderung am Kapitalmarkt viel besser ab.1


Inflation: Welche Gefahr bedeutet sie für unser Geld?

Steigende Preise bedeuten für Verbraucher eine geringere Kaufkraft. Diese Entwicklung misst das Statistische Bundesamt mit der Inflationsrate. Zentralbanken halten eine Inflation bis 2% pro Jahr für wirtschaftsfördernd und regulieren die Geldmenge, um dieses Ziel zu erreichen. Eine gefährliche Entwertung für Geld beginnt bei über 2% Inflation. Die Hyperinflation droht nur unter extremen Bedingungen und sie zu vermeiden, ist oberste Priorität der Geldpolitik. Eine breite Streuung bei Vermögensanlagen und die Investition in Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle und Sachwerte können einen angemessenen Schutz vor Wertverlusten bieten.

1 Quelle: https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/tid-21324/geldanlage-lohnen-sich-immobilien-in-zeiten-hoher-preissteigerungsraten_aid_599344.html


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