Das Studium finanzieren: So geht's

12.10.2023 – Studieren ist eine Leistung – leider ohne Bezahlung. Wie können Studierende trotzdem ihr Leben und ihre Ausbildung finanzieren?

Eine lächelnde junge Studentin sitzt mit ihrem Laptop auf dem Sofa und hat ihre Füße auf dem Couchtisch hochgelegt. -  Studium finanzieren
Einstieg

Genug Geld zum Studieren ­– geht das überhaupt?

Noch immer kursiert das Gerücht, nur Kinder reicher Eltern könnten sich das Studium leisten. Egal, wie Ihr finanzieller Hintergrund aussieht, in der heutigen Zeit gibt es zahlreiche Wege, die Ausgaben und Lebenshaltungskosten während des Studierens zu finanzieren. Dazu brauchen Sie nicht unbedingt ein Stipendium. Zuerst sollten Sie jedoch wissen, wie viel Geld Sie monatlich benötigen werden und über wie viel Einnahmen Sie vielleicht schon verfügen, ohne es zu wissen. Dann ist es ein Leichtes herauszufinden, wie Sie die Finanzierungslücke auffüllen.

Was kostet das Studium?

Um darauf eine Antwort zu finden, stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was kommt dabei an Ausgaben zusammen und wie lassen sich die Kosten stemmen?
  • Stipendium oder Darlehen?

Damit Ihnen die Studienfinanzierung leichtfällt, brauchen Sie Einnahmequellen, mit denen Sie das erforderliche Geld zusammenbekommen. Ob Kindergeld, Studentenjob, Wohngeld oder Bildungskredit. Wir stellen Ihnen die Möglichkeiten vor und versorgen Sie mit ein paar interessanten Tipps.

Übrigens: Zum Alltag von Studierenden gehören nicht nur Vorlesungen und Prüfungen, das Leben soll auch Spaß machen. Kindergeld allein reicht nicht aus im Studienalltag. Viele schreckt die Studienfinanzierung ab, da die Unterstützung der Familie oftmals nicht möglich ist. Stipendien erleichtern den Weg an eine Universität, jedoch sind die Plätze meistens begrenzt.

Im Überblick

Wie teuer ist studieren?

Mit welchen Ausgaben Sie bei der Finanzierung des Studiums rechnen müssen, hängt natürlich von Ihren Umständen und Lebensgewohnheiten ab. Tatsächlich hat auch Ihr Studienort großen Einfluss auf die Kosten, denn die Mieten differieren in den Uni-Städten enorm. Insbesondere auch dann, wenn Sie ein Auslandsstudium finanzieren wollen. Eine kleine Liste für wahrscheinliche Ausgaben hilft Ihnen einzuschätzen, wie viel Geld Sie persönlich einplanen müssen:

  • Miete für ein WG-Zimmer oder eine Wohnung
  • Nahrungsmittel, Mensa-Essen
  • Fahrtkosten: Auto, Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel
  • Kleidung
  • Bücher, Lernmaterial, Computer
  • Freizeitausgaben
  • Gebühren für Telefon, GEZ (mit BAföG fällt der Rundfunkbeitrag weg) und Internet

Durchschnittskosten von Studierenden

Die 22. Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks setzt die durchschnittlichen Ausgaben für ein Studium im Jahr 2021 mit 842 Euro pro Monat an, wovon die Miete schon 410 Euro ausmacht.1 Durch steigende Mieten und Inflation wächst die Summe, die Sie finanzieren müssen, stetig an. Manche Studentinnen und Studenten haben Monatsausgaben von bis zu 1.500 Euro.

Wie viel Geld brauchen Sie, um das ganze Studium zu finanzieren?

Rechnen Sie mit der Regelstudienzeit für den Bachelor mit 6 Semestern und für den Master mit 4, so dauert Ihr Studium 5 Jahre. Finanzieren Sie sich mit monatlich ca. 900 Euro, verbrauchen Sie in diesen 5 Jahren rund 54.000 Euro. In teuren Städten und bei einem hochwertigen Lebensstandard kann Ihre Studienfinanzierung jedoch schnell 90.000 Euro ausmachen, auch, wenn Sie über die Regelstudienzeit hinaus weiterstudieren müssen. Wie bringen Sie dieses Geld am besten auf?

So kann Ihre Studienfinanzierung aussehen:

Die meisten Studentinnen und Studenten setzen die Finanzierung aus mehreren Komponenten zusammen. Die Möglichkeiten dafür sind:

  • Unterstützung durch die Eltern
  • Studentenjob in Kombination mit Kindergeld
  • BAföG
  • Bildungs- oder Studienkredit
  • Stipendium
  • Studienfonds
  • Privatdarlehen

Wie Sie persönlich Ihr Studierendenleben finanzieren, hängt von Ihren individuellen Vorlieben und Bedürfnissen ab. Unser kostenloses Girokonto verschafft Ihnen dabei die Flexibilität, die Sie als junger Mensch schätzen werden.

Im Detail

Finanzierungsmöglichkeiten für Ihr Studium

Wir haben für Sie einige Optionen gesammelt, mit denen Sie ihr Studium finanzieren können.

Holen Sie sich BAföG fürs Studium

Die staatliche Förderung, Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: BAföG), besteht zur einen Hälfte aus einem Zuschuss und zur anderen aus einem zinslosen Darlehen. Eine Finanzierung von bis zu 934 Euro pro Monat sind beim BAföG möglich.2

Voraussetzungen für volle BAföG-Höhe

  • Sie studieren in Vollzeit, sind deutscher Staatsbürger oder haben als Ausländer eine Bleibeperspektive in Deutschland3 und sind nicht älter als 45 Jahre.4
  • Ihre Einnahmen aus einem Nebenjob dürfen monatlich 520,92 Euro oder 6.251,04 Euro im Jahr5 nicht überschreiten. Außerdem darf Ihr Vermögen bis zur Vollendung des 30. Lebensjahrs nicht über 15.000 Euro und ab 30 Jahren nicht über 45.000 Euro liegen.6 Auch Stipendien werden teilweise angerechnet.
  • Das Einkommen Ihrer verheirateten Eltern liegt insgesamt nicht über dem Freibetrag von 2.415 Euro monatlich.2 Für andere familiäre Verhältnisse gelten separate Freibeträge.

Was, wenn Sie die BAföG-Bedingungen nicht vollständig erfüllen?

Lassen Sie sich nicht entmutigen, denn BAföG gibt es auch anteilig. Beantragen Sie die Förderung beim Studierendenwerk Ihrer Universität. Sie erhalten BAföG immer nur für ein Jahr und müssen es für das folgende Jahr erneut anfordern. Die Rückzahlung leisten Sie bis höchstens 10.010 Euro7, sobald Sie einen ausreichend bezahlten Arbeitsplatz gefunden haben. Dann begleichen Sie die Summe in Raten oder als Einmalzahlung.

Unterstützung durch die Eltern

Eltern helfen Ihren Kindern nicht nur gerne, sie sind auch vom Staat dazu verpflichtet, in vernünftigem Umfang – sofern möglich – für die erste Ausbildung zu sorgen. Gerade das BAföG ist daher vom Gesetzgeber dazu gedacht, Eltern von Studierenden zu entlasten, die die notwendigen Mittel nicht oder nicht vollständig aufbringen können. Je mehr die Eltern daher für die Finanzierung aufwenden können, desto weniger BAföG erhalten die Studentinnen und Studenten. Das Gehalt der Eltern wirkt sich auch auf Stipendien aus.

Kindergeld als Studienfinanzierung

Bis zum Alter von 25 Jahren erhalten Eltern Kindergeld für die Unterstützung eines Kindes im Studium. Im Jahr 2023 liegen die Einnahmen für die beiden ersten Kinder bei monatlich 250 Euro.8 Den Antrag – falls nicht schon geschehen – stellen Ihre Eltern bei der zuständigen Familienkasse. Sie zahlt die Summe an die Antragsteller aus. Ihre Eltern stehen dann in der Pflicht, das Geld an Sie weiterzuleiten.

Der klassische Studienkredit

Banken bieten perfekt auf Studierende zugeschnittene Studienkredit an. Einen Betrag von 100 Euro bis 650 Euro können Sie damit finanzieren. Die Auszahlung erfolgt monatlich und Sie müssen den Studienkredit erst einige Zeit nach dem Ende des Studiums zurückzahlen. Die Höhe des Studienkredits beeinflusst nicht Ihre Förderfähigkeit beim BAföG oder bei Stipendien. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau – eine Förderbank des Staats – gewährt den Studienkredit ohne besondere finanzielle Voraussetzungen.

Förderbedingungen für einen Studienkredit9

Ihr Studium wird beispielsweise gefördert, wenn:

  • Sie oder ein Familienmitglied entweder deutscher Staatsangehöriger mit inländischer Meldeadresse sind oder aus einem EU-Land kommen und schon mindestens drei Jahre in Deutschland leben.
  • Familienangehörige von EU-Bürgern, die in Deutschland gemeldet sind.
  • der volljährige Studierende vor Beginn der Finanzierung höchstens 44 Jahre alt ist.

Informieren Sie sich über den Studienkredit der KfW mit festem Zinssatz und den weiteren Konditionen.

Studienfinanzierung mit Privatdarlehen oder einer Schenkung

Vielleicht haben Sie Großeltern oder Paten, die Sie bei Ihrem Studium unterstützen möchten. Ein privates Darlehen vereinbaren Sie völlig flexibel. Ob Sie sich das Geld als einmaligen Betrag oder als monatliche Unterstützung geben lassen und wie Sie die Rückzahlung und die Zinsen gestalten, hängt allein von Ihnen und dem Darlehensgeber ab.

Tipp: Halten Sie alle Vereinbarungen schriftlich fest. Dann kommt es nicht zu Missverständnissen und Sie vermeiden Streit.

Noch schöner ist es natürlich, wenn Sie das Studiengeld nicht zurückzahlen müssen, sondern geschenkt bekommen. Allerdings rechnet der Staat diese monatlichen Einnahmen oder das geschenkte Vermögen aufs BAföG an.

Stipendien erleichtern die Studienfinanzierung

Ein Stipendium ist die Förderung durch Stiftungen und politische oder kirchliche Institutionen: Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Es gibt Stipendien, die das gesamte Studium oder Teile davon finanzieren, andere übernehmen Ausgaben für Auslandsaufenthalte, Sprachkurse oder das Studienmaterial. Wie kommen Sie an ein Stipendium? Das ist leichter als gedacht! Mit einem Motivationsschreiben und Ihrem Lebenslauf können Sie sich schon selbstständig auf Stipendien bewerben. Hilfreich ist auch eine Empfehlung von Professoren oder Lehrern.

Voraussetzungen für ein Stipendium

Stiftungen knüpfen verschiedene Bedingungen an ein Stipendium: Noten, ehrenamtliche Leistungen, ein bestimmtes Studienfach oder ungewöhnliche Lebensumstände. Oft hängt die Förderhöhe der Stipendien vom Einkommen der Eltern ab, dann ist das Stipendium analog zum BAföG gestaffelt. Um Ihre Studienfinanzierung komplett zu decken, kombinieren Sie mit dem Stipendium problemlos einen Nebenjob oder den Studienkredit.

Ein Nebenjob für fleißige Studierende

Parallel zum Studium zu jobben, ist nichts für schwache Nerven. Viele erfolgreiche Studentinnen und Studenten empfehlen, nicht mehr als 20 Stunden die Woche zu arbeiten, damit das Studium nicht zu kurz kommt. Andere nutzen Teile der Semesterferien, um sich ein etwas dazu zu verdienen.

Der Bildungsfonds für Studierende

Ähnlich wie beim Studienkredit handelt es sich beim Bildungsfonds um einen Betrag, den Sie mit Zinsen zurückzahlen müssen. Die Rückzahlungsrate ist vom zukünftigen Gehalt abhängig. Je höher Ihr Einkommen nach dem Studium ist, desto höher sind die Zinsen, die Sie bezahlen. Das hat den Vorteil, dass Sie sich bei einem niedrigen Einkommen nicht überschulden können. Verdienen Sie dann jedoch gut, ist die Rückzahlung höher als beim Studienkredit.

Duales Studium hilft beim Finanzieren

Im dualen Studium verbinden Sie die Vorteile von Berufstätigkeit, Praktikum und Hochschulstudium zu einer Einheit. Gleichzeitig erhalten Sie für Ihre Praxiseinsätze ein Gehalt, mit dem Sie die Studienfinanzierung im Griff haben.

Beispiel für eine Finanzierung des Studiums (finanzieren ohne BAföG)

Eine Studentin berechnet die monatlichen Ausgaben inklusive WG-Zimmer und Lebenshaltungskosten mit 1.080 Euro. Die Eltern planen, das Kindergeld von 250 Euro und einen Zuschuss von 350 Euro monatlich zu überweisen. Der Antrag auf BAföG wird leider abgelehnt. Mithilfe eines Professors erhält die Studentin allerdings ein Stipendium. Da das Einkommen der Eltern aber für eine volle Förderung wie beim BAföG zu hoch ist, stehen aus dem Stipendium nur die monatlichen 300 Euro Büchergeld zu. Einen Nebenjob traut sich die Studentin parallel zum Studium nicht zu. Daher beantragt sie einen Studienkredit, um den Restbetrag von 180 Euro pro Monat zu finanzieren.

8 Tipps, wie Sie beim Finanzieren Kosten sparen

1

Richtige Finanzierung wählen

Perfekt ist, wenn Sie Ihr Studium mit Geldern finanzieren, die Sie nicht zurückzahlen müssen: Dazu zählen die Unterstützung der Eltern, Nebenjobs und Stipendien. Allerdings spüren Sie die Einsparungen erst, wenn Sie in den Beruf starten.

2

Miete sparen

Haben Sie die Möglichkeit, während des Studiums zu Hause zu wohnen? Vielleicht wollen Sie ein Fernstudium finanzieren? Die Miete macht bei Studierenden den größten Teil der Kosten aus. Bleiben Sie zu Hause wohnen, dann können Sie viel Geld sparen. Außerdem bleiben die Lebenshaltungskosten durch die „WG mit der Familie“ auf einem niedrigen Niveau.

3

Auf WG ausweichen

Suchen Sie sich statt der eigenen Wohnung ein WG-Zimmer oder ziehen Sie in ein Studierendenwohnheim und teilen Sie sich Miete und Nebenkosten mit anderen.

4

Studierendenrabatte nutzen

Nutzen Sie spezielle Vergünstigungen und Rabatte für Studierende. Dazu gehören Eintrittspreise, Fahrtickets oder Versicherungsbeiträge. Ein weiteres Beispiel ist die Young Visa Kreditkarte. Werfen Sie doch einmal einen Blick auf ihre vielen Vorteile.

5

Auf eigenes Auto verzichten

Ein eigenes Auto ist teuer: Fahren Sie lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad. In einigen Universitätsstädten gibt es auch Carsharing.

6

BAföG beantragen

Das BAföG ist eine Finanzierung, die Sie nur zur Hälfte und höchstens bis 10.010€ zurückzahlen.

7

Geld sammeln

Kleine Geldspritzen von privaten Unterstützern, wie etwa den Großeltern, sind schon fast wie kleine Stipendien.

8

Familienversicherung nutzen

Bis zum 25. Lebensjahr sind Sie als studierende Person über die Krankenversicherung der Eltern familienversichert. Danach können Sie einen preiswerten Tarif für Studentinnen und Studenten abschließen. Verdienen Sie jedoch im Nebenjob mehr als 450€ gehen Ihnen diese Vorteile eventuell flöten.

Fazit

Wie können Sie Ihr Studium finanzieren?

Keine Frage: Studieren kostet Geld. Doch sowohl von staatlicher Seite als auch durch Ihre Eltern und von Stiftungen können Sie die Mittel erhalten, die Sie für ein erfolgreiches und sorgenloses Studium benötigen. Sind Kindergeld und die finanziellen Möglichkeiten der Eltern ausgeschöpft, springen BAföG und Stipendien in die Bresche. Reicht das nicht aus, suchen Sie sich einen Nebenjob oder nehmen ein Darlehen auf: Studienkredit, Bildungsfonds oder Privatdarlehen eignen sich hierfür perfekt.

Newsletter

Nie mehr etwas verpassen – bleiben Sie immer up-to-date zu Finanz- und alltäglichen Themen. Es erwarten Sie spannende Artikel, Tipps und Infos im InfoPoint, dem Newsletter der Commerzbank.