Mit Herz für die Pflege
Orientierung in besonderen Lebenslagen
Commerzbank
18.08.2026
Zusammenfassung:
- Jürgen Frank ist Technical Product Manager für den Bereich Firmenkunden und seit vielen Jahren für die Commerzbank tätig. Seit fast 40 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich – heute vor allem im Netzwerk Pflege.
- Er unterstützt Kolleginnen und Kollegen, deren Angehörige pflegebedürftig sind, und hilft ihnen, Orientierung zu finden und Lösungen zu entwickeln.
- Sein Ziel dabei: Menschen in schwierigen Pflegesituationen nicht allein zu lassen, sondern gemeinsam Wege zu finden, wie sich das Leben trotz der neuen Herausforderung organisieren lässt.
Jürgen, wie bist du zu deinem Ehrenamt im Netzwerk Pflege gekommen?
Zum Netzwerk Pflege bin ich aus ganz persönlichem Interesse gekommen – weil ich selbst Pflege in Anspruch nehme und die damit verbundenen Herausforderungen aus eigener Erfahrung kenne. Ich weiß, wie viele Fragen plötzlich im Raum stehen, wenn Pflege zum Thema wird, und wie schnell man sich damit allein gelassen fühlen kann.
Was macht ihr im Netzwerk Pflege konkret – und wie unterstützt ihr Kolleginnen und Kollegen?
Im Netzwerk Pflege geht es vor allem um ganz praktische Fragen: Wie lässt sich Pflege finanzieren? Welche Hilfsmittel gibt es? Welche Vollmachten sind sinnvoll? Welche neuen gesetzlichen Regelungen betreffen pflegebedürftige Menschen oder pflegende Angehörige?
Oft erleben wir, dass ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird und sich jemand aus der Familie aktiv für seine Nächsten einsetzen möchte. Gleichzeitig entsteht bei den betroffenen Familienmitgliedern der Wunsch nach Unterstützung durch den Arbeitgeber, nach Rat zur Finanzierung oder zur Suche nach Pflegediensten.
Bei all dem kann unser Commerzbank eigenes Beschäftigtennetzwerk, das Netzwerk Pflege, unterstützen. Wir sind inhaltlich breit aufgestellt, weil wir unterschiedliche Erfahrungen und Wissen aus vielen Pflegesituationen bündeln. Wir geben Hinweise, wie und in welcher Reihenfolge Betroffene am besten vorgehen, wo sie wertvolle Informationen finden, und wir vermitteln Kontakte – zum Beispiel zu externen Dienstleistern. Für viele ist das wie ein Tor zu einer neuen Welt: Auf einmal geht es um Pflegestufen, Anträge, Fristen und Leistungsansprüche.
Ein direkter, persönlicher Kontakt ist dabei oft zielführender und spart Zeit – gerade, weil Pflegesituationen häufig plötzlich eintreten und das Leben von heute auf morgen verändern. Wenn Kolleginnen und Kollegen unsere Hinweise annehmen und wir sie spürbar entlasten können, ist das eine sehr wertvolle Erfahrung.
Wie organisiert ihr euch im Netzwerk Pflege – und wie viel Zeit investierst du?
Im Netzwerk Pflege gibt es regelmäßige virtuelle Treffen, die allen Kolleginnen und Kollegen offenstehen. In diesen Runden schaffen wir einen vertraulichen Raum: Was wir dort besprechen, bleibt dort. Die Themen sind sehr persönlich, deshalb ist Vertraulichkeit für uns eine Grundvoraussetzung. Wir hören aufmerksam zu, nehmen die Anliegen ernst und suchen immer individuelle Lösungen.
Insgesamt investiere ich pro Woche rund drei Stunden in meine Ehrenämter, manchmal mehr. Ein großer Teil davon besteht darin, aktuelle Entwicklungen zu verfolgen: neue Gesetze, Regelungen, Entwicklungen in den Bereichen Pflege, Behinderung und Familienrecht. Das sind stark gesellschaftlich und politisch geprägte Themen, bei denen es viel Veränderungen gibt.
Was motiviert dich und welche Erfahrungen nimmst du aus deinem Ehrenamt mit?
Mich motiviert das "Mehr", das entsteht, wenn Menschen nicht nur passiv teilnehmen, sondern gemeinsam etwas bewirken. Sichtweisen zu verändern, Orientierung zu geben und Wege aufzuzeigen – das sind die Momente, in denen ich spüre, warum ich das mache.
Besonders schön ist es, wenn Kolleginnen und Kollegen nach einer schwierigen Situation wieder auf uns zukommen und sagen: "Das hat mir wirklich geholfen." So ein einfaches Dankeschön tut sehr gut. Es zeigt, dass sich der Einsatz lohnt und die investierte Zeit ganz konkrete Auswirkungen auf das Leben von Menschen hat.
Die Erfahrungen aus meinem Ehrenamt sind für mich auch im Job wertvoll: Sie sensibilisieren mich im Umgang mit besonderen Lebenslagen und beim frühzeitigen Erkennen und Reduzieren von Hürden.
Was würdest du Kolleginnen und Kollegen raten, die über ein Ehrenamt – vielleicht sogar im Netzwerk Pflege – nachdenken?
Ganz einfach: Macht etwas. Packt etwas an. Das Leben findet nicht im Internet statt. Jeder Verein, jedes Netzwerk bietet Möglichkeiten, sich einzubringen, und sei es zunächst im kleinen Rahmen. Man muss nicht sofort ein großes Amt übernehmen, aber man kann anfangen, Verantwortung für das gemeinsame Miteinander zu übernehmen.
Gerade im Netzwerk Pflege freuen wir uns immer über Menschen, die sich einbringen, auch wenn die eigene pflegerische Situation inzwischen gelöst ist. Es gibt immer neue Themen, die viele betreffen. Und wir brauchen Nachwuchs: Die demografische Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Pflege und besondere Lebenslagen werden uns als Gesellschaft und in der Bank künftig noch stärker beschäftigen.
Glaubst du, dass Ehrenamt die Demokratie stärkt?
Ja, auf jeden Fall. In Vereinen und Netzwerken vertreten Menschen ihre gemeinsamen Interessen, sie diskutieren, streiten, wägen ab und treffen am Ende Entscheidungen, die sie gemeinsam tragen. Das schafft Orientierung und Zusammenhalt. Man erlebt Demokratie als etwas sehr Konkretes: miteinander reden, zuhören, Kompromisse finden, Verantwortung teilen. In diesem Sinne ist Ehrenamt für mich ein wichtiger Baustein für eine starke Demokratie.