Vielfältig unterwegs für queere Themen
Georgios Kazilas setzt sich aktiv für Vielfalt und gesellschaftliche Veränderungen ein.
Commerzbank
22.06.2026
Zusammenfassung:
- Der diesjährige Ehrentag soll ehrenamtliches Engagement in Deutschland sichtbar machen und würdigen.
- Innerhalb einer Ehrenamts-Serie stellen sich mehrere engagierte Kolleginnen und Kollegen von Team Yellow vor und berichten, was sie antreibt und welche Erfahrungen sie in ihre Arbeit bei der Bank einbringen.
- Georgios Kazilas, Senior Spezialist im Risiko- und Qualitätsmanagement der Commerzbank, engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für queere Themen.
- Er übernimmt Verantwortung für die Gesellschaft, zum Beispiel indem er sich aktiv für Vielfalt sowie die Rechte von queeren Personen einsetzt.
- Sein Ehrenamt sieht er als Investition in die eigene Entwicklung. Seine Motivation ist, gesellschaftliche Veränderungen voranzutreiben und andere zum Mitmachen zu ermutigen.
Georgios, wie bist du zu deinem ehrenamtlichen Engagement gekommen?
Mein innerer Wunsch ist, dass ich nicht nur passiv Teil der Gesellschaft bin, sondern aktiv Verantwortung übernehme. Denn so kann ich die Gesellschaft, in der ich lebe und arbeite, aktiv mitgestalten und meine Privilegien sinnvoll einsetzen – also gewissermaßen etwas zurückzugeben. Daher habe ich schon 2005 begonnen, mich zu engagieren. Anfangs für ERMIS-Frankfurt, eine queere griechische Community – passend zu meinen griechischen Wurzeln. Bereits seit 2006 war und bin ich Teil unseres Pride-Beschäftigtennetzwerks ARCO. Über die Jahre sind noch einige Ehrenämter mehr dazugekommen, wie bei Rainbow Refugees oder im Sprecher*innenteam des Verbands Queere Vielfalt (LSVD+) im Landesverband Hessen.
Was genau ist deine Rolle im Ehrenamt bei ARCO oder in den Verbänden?
Die Aufgaben sind sehr unterschiedlich – je nach Rolle in meinem Ehrenamt. Mal geht es darum, mit unterschiedlichen Interessengruppen zu verhandeln und langfristige Strategien zu entwickeln, mal eher darum Ideen einzubringen. Und dann gemeinsam zu überlegen, wie wir diese in die Tat umsetzen können. Außerdem bringe ich unsere Arbeitsweise aus der Bank mit in die Organisationen ein: Termintreue, Verlässlichkeit und Disziplin. All das hilft, gemeinsam gut voranzukommen und viel zu bewegen.
Wie bringst du deine zahlreichen Ehrenämter unter einen Hut?
Ehrlicherweise ist das durchaus herausfordernd – auch zeitlich. Auch wenn es natürlich immer wieder unterschiedlich intensiv ist: Pro Monat bin ich im Schnitt zwischen 20 und 30 Stunden in meinen Ehrenämtern aktiv. Mir hilft es, das Ehrenamt von einer anderen Perspektive zu betrachten: Ehrenamt ist weit mehr als eine reine Belastung, es ist eine Investition in meine eigene Entwicklung. Die Kompetenzen und Perspektiven, die ich daraus gewinne, bereichern mich privat und beruflich.
Gut organisierte ehrenamtliche Arbeit kann positive Auswirkungen auf das Leben einzelner Menschen und auf die Gesellschaft insgesamt haben. Davon bin ich überzeugt – ebenso wie davon, dass das den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Der Perspektivwechsel im Umgang mit unterschiedlichen Menschen und Gruppen erweitert auch meine eigene Sichtweise.
Was nimmst du daraus mit in die Bank?
Letztlich genau das: Mein Engagement liefert mir neue Perspektiven und stärkt meine Resilienz und Belastbarkeit. Es ist ein konstantes Training meiner Soft Skills – Fähigkeiten, die für meine Arbeit im Compliance-Bereich essenziell sind: Integrität, Fingerspitzengefühl sowie die Kunst, komplexe Regeln nicht nur anzuwenden, sondern in eine gelebte Unternehmenskultur zu integrieren.
Außerdem hilft mir mein Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kontexten im Projektmanagement oder anderen Tätigkeiten, verschiedene Blickwinkel auf ein Thema einzunehmen, in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und alle Beteiligten mit Empathie und Argumenten zu überzeugen, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten.
Was treibt dich an?
Erfolge, wie 2001 die Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes oder 2017 die "Ehe für alle", an denen der LSVD+ maßgeblich beteiligt war, zeigen mir, dass kontinuierliches Engagement wirklich etwas verändern kann.
Doch ich habe noch weitere Ziele: Mir liegt besonders am Herzen, dass Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes um die Anerkennung und den Schutz der sexuellen Identität erweitert wird. Das wäre ein überfälliger Schritt hin zu einer gerechteren und integrativeren Gesellschaft. Daran arbeite ich auch in meinen Ehrenämtern. Außerdem möchte ich mehr Menschen ermutigen, sich in Vereinen, Netzwerken oder Communitys aktiv zu engagieren. Nur, wenn wir mitgestalten und uns für gemeinsame Ziele einsetzen, können wir unsere Demokratie, Rechte und Vielfalt erhalten und stärken.