Zinserhöhung – Worauf die EZB schaut

Die EZB wird die Zinsen in der kommenden Woche aller Voraussicht nach unverändert lassen.

people___profile_24_outline
Dr. Marco Wagner

Commerzbank Economic Research

24.04.2026

Eine Zinserhöhung ist aber nicht grundsätzlich vom Tisch, insbesondere wenn Zweitrundeneffekte die Inflation über längere Zeit anschieben. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat nach der letzten Zinssitzung Indikatoren genannt, auf die die EZB schauen wird. Wir haben diese mit weiteren nützlichen Indikatoren ergänzt und analysieren die Signale.

Im April abwarten ...

Die EZB-Ratsmitglieder werden auf der geldpolitischen Sitzung nächste Woche die Zinsen kaum anheben. Nach den letzten Äußerungen geben sich die Notenbanker zwar weiterhin "wachsam". Aber sie wollen nicht übereilt handeln; vielmehr müsse die Geldpolitik mit ruhiger Hand geführt werden. Außerdem würden die gestiegenen Anleihenrenditen bereits wie eine gewisse geldpolitische Straffung wirken. Einzelne Ratsmitglieder wie der griechische Notenbankgouverneur Stournaras und sein litauischer Amtskollege Šimkus haben sich diese Tage klar gegen eine Zinserhöhung ausgesprochen. Immerhin gibt es seit den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran eine reelle Chance auf ein baldiges Ende des Krieges. Schon jetzt sind die Preise für Rohöl und Gas in der Tendenz leicht zurückgegangen, was sich auch an den Zapfsäulen bemerkbar macht. Damit ist das Basisszenario der EZB wahrscheinlicher geworden, in dem die EZB-Volkswirte nur eine vorübergehend höhere Inflation und keine nachhaltigen Effekte auf die Kerninflation projizieren.

... im Juni absichern

Für Juni halten wir eine Zinserhöhung aber nach wie vor für wahrscheinlich, insbesondere wenn sich die Hängepartie um die Straße von Hormus fortsetzt, die nach wie vor weitgehend blockiert ist. Immerhin sind die Erinnerungen an den Inflationsschub 2022 noch frisch. Auch einige der von EZB-Präsidentin Lagarde auf der letzten Pressekonferenz genannten Indikatoren deuten auf gestiegene Inflationsrisiken hin.

Firmen geben höhere Preise bereits weiter

Aufwärtsrisiken für die Inflation signalisieren die Unterkomponenten der Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Euroraum. Demnach berichten Firmen sowohl aus dem verarbeitenden Gewerbe als auch aus dem Dienstleistungssektor mittlerweile von gestiegenen Einkaufspreisen. Gerade die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe erinnert frappierend an den Anstieg vor wenigen Jahren. Gleichzeitig geben mehr Firmen, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe an, auch ihre Verkaufspreise erhöht zu haben. Zudem wurde Anfang April die von EZB-Präsidentin Lagarde erwähnte vierteljährliche Telefonumfrage unter Unternehmen durchgeführt. Die Pläne für Preiserhöhungen werden dabei eine entscheidende Rolle spielen. Lagarde dürfte sich in der Pressekonferenz nächste Woche zu den Ergebnissen äußern.

Den vollständigen Text finden Sie im PDF-Dokument.