Japan – was der Renditeanstieg bedeutet

Die langfristigen Zinsen in Japan sind massiv gestiegen.

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Bernd Weidensteiner, Dr. Christoph Balz

Commerzbank Economic Research

30.01.2026

Was ist da los? Bedroht der Zinsanstieg die Tragfähigkeit der Schulden? Drohen Verwerfungen an den globalen Finanzmärkten?

Renditen deutlich höher und Yen schwächer, ...

Die japanischen Finanzmärkte hatten einen bewegten Auftakt ins neue Jahr. Die Zinsen 30jähriger Staatsanleihen schossen in der Woche bis zum 20. Januar um fast 40 Basispunkte in die Höhe, ehe sich der Markt wieder beruhigte. Gegenwärtig rentieren diese Papiere sogar etwas höher als ihre deutschen Pendants. Auch der Yen stand lange Zeit unter Druck, bis er sich zuletzt aufgrund von Interventionsgerüchten stabilisierte. Was steckt hinter diesen heftigen Marktbewegungen?

... weil Inflation zurückgekehrt ist ...

Die Stärke des jüngsten Anstiegs der Renditen war zwar außergewöhnlich, neu ist die Aufwärtsbewegung aber nicht. Vielmehr zeigt der Renditetrend bereits seit mehreren Jahren nach oben. Der Grund hierfür ist wohl in der Rückkehr der Inflation zu suchen. So war Japan lange Jahre für viele das Musterbeispiel für eine in einer Deflation gefangenen Wirtschaft. So bewegte sich die Inflationsrate ohne Nahrung und Energie in den ersten 13 Jahren dieses Jahrtausends fast ausschließlich im negativen Bereich und betrug durchschnittlich -0,5% pro Jahr. Zwei wirtschaftspolitische Schocks haben diese Phase beendet:

  • Im Jahr 2013 leitete der damalige Premierminister Abe einen drastischen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik ein, um den Rückgang der Verbraucherpreise zu stoppen. Dabei setzte er insbesondere auf eine aggressive Geldpolitik, während das Haushaltsdefizit unter seiner Ägide sogar eher sank. Die Bank von Japan (BoJ) hielt die Leitzinsen bis 2024 nahe null. Vor allem aber kaufte sie große Mengen an Staatsanleihen, deren Wert etwa 100% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprach, womit diese Käufe ungleich umfangreicher waren als die in den USA oder im Euroraum. Die verfestigten Inflationserwartungen begannen sich zu ändern. Die Löhne, die seit der Jahrtausendwende um etwa 0,7% pro Jahr gefallen waren, legten wieder leicht zu. Die Inflationsrate war von 2013 bis Ende 2019 leicht positiv, auch wenn man sie um die Effekte der deutlichen Mehrwertsteueranhebung im Jahr 2014 bereinigt. .
  • Auf die Corona-Pandemie und die sich daraus ergebenden Belastungen der Wirtschaft reagierte der japanische Staat mit einer äußerst expansiven Finanzpolitik, durch die das Primärdefizit – also der Haushaltssaldo ohne die auf die bestehende Staatsschuld zu zahlenden Zinsen – von etwa 3% auf rund 9% des Bruttoinlandsprodukts nach oben sprang. Hinzu kam eine expansive Geldpolitik. Weil die so angefachte gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf ein Corona bedingt geschrumpftes Angebot an Gütern und Dienstleistungen traf, kletterte die Kernteuerungsrate bis Ende 2024 auf fast 3% und pendelte sich danach bei rund 1,5% ein.

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