Warum wir unsere US-Prognose anheben

Die US-Wirtschaft läuft deutlich besser als gedacht.

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Dr. Christoph Balz, Bernd Weidensteiner

Commerzbank Economic Research

16.01.2026

Wir erläutern die Gründe und erhöhen unsere Wachstumsprognose.

US-Wirtschaft auch im zweiten Halbjahr stark ...

Die US-Wirtschaft wächst seit einiger Zeit überraschend stark – trotz der Zollkapriolen von Präsident Trump. Konnte man das Wachstum von fast 4% im zweiten Quartal 2025 noch als Gegenbewegung auf das schwache erste Quartal abtun, so wurde kurz vor Weihnachten für das dritte Quartal sogar ein Plus von 4,3% gemeldet. Für das vierte Quartal liegen wegen der zeitweiligen Schließung der Bundesbehörden ("Shutdown") zwar erst relativ wenige Daten vor. Sie zeigen aber erneut ein kräftiges Wachstum an. Diese starke Entwicklung im zweiten Halbjahr hat selbst uns überrascht, auch wenn wir von Anfang an darauf hingewiesen hatten, dass die Zölle das Wachstum nur dämpfen, aber keinen Einbruch auslösen dürften. Wir sehen vor allem drei Gründe für das robuste Wachstum.

... weil Zölle weniger stark durchschlagen, ...

Erstens haben die Zölle die Wirtschaft zumindest bisher weniger belastet als gedacht. So hatten die Unternehmen viele Importe vor dem Inkrafttreten der Zölle ins Land geholt, sie mussten daher ihre Preise nicht sofort anheben und konnten die Anpassung zeitlich strecken. Noch wichtiger war vermutlich, dass der tatsächlich gezahlte Zoll deutlich geringer ausfiel als vermutet. So waren Schätzungen auf Basis der Importstruktur von 2024 und der höheren Zollsätze auf einen neuen Durchschnittssatz von ca. 17% (Yale Budget Lab) oder gar 24% (Gopinath/Neiman 2025) gekommen. Setzt man aber die gezahlten Zölle ins Verhältnis zu den erfassten Importen – und dies spiegelt die tatsächliche Belastung besser wider –, beträgt der durchschnittliche Satz nur gut 10%.

So wurden vielen Unternehmen Ausnahme- und Übergangsregeln für Einfuhren eingeräumt, die nur schwer durch US-Produkte ersetzt werden können. Außerdem wird inzwischen ein größerer Teil der Importe aus Mexiko und Kanada (immerhin rund 27% der Gesamteinfuhren) zollfrei eingeführt. Zwar wäre dies im Rahmen des Freihandelsabkommens USMCA auch schon früher möglich gewesen. Dazu hätte man aber dokumentieren müssen, dass die Güter bestimmte Anforderungen erfüllten, insbesondere dass ein bestimmter Anteil der Wertschöpfung in der USMCA-Zone erfolgte. Angesichts der bis Ende 2024 gültigen niedrigen Zollsätze hat sich dieser bürokratische Aufwand oft nicht gelohnt. Dies änderte sich aber mit den von Trump verkündeten hohen Zöllen für nicht-USMCA-kompatible Importe aus Kanada und Mexiko. Mittlerweile sind 80 - 90% der Einfuhren aus diesen beiden Ländern USMCA-kompatibel, doppelt so viele wie vor 2025.

Verglichen mit dem vor Trump herrschenden durchschnittlichen Zollsatz von 2,3% ist der Anstieg auf gut 10% immer noch deutlich, aber eben nicht so dramatisch wie befürchtet. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sind die Zolleinnahmen von etwa 0,3% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Jahren 2023 und 2024 auf 1,1% des BIP im zweiten Halbjahr 2025 gestiegen. Da diese Zölle bisher fast komplett von den Amerikanern getragen wurden und nicht etwa von den Lieferländern, ergibt sich damit eine Abschätzung des Bremseffekts der Zollerhöhungen. Dieser lag bei rund 0,8% des BIP. Und dies ist zu wenig, um die US-Wirtschaft in eine Krise zu stürzen. Schließlich ist diese zuletzt nominal mit über 5% pro Jahr gewachsen.

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