Woher kommt die Rohstoffknappheit – und wie geht es weiter?

Die Deutschen brauchten im Jahr 2021 Geduld. Leere Regale und lange Wartezeiten bei Bestellungen waren keine Seltenheit. Ein Grund: Rohstoffknappheit.

Auf dem Foto sind aufeinandergestapelte, frisch gefällte Bäume in einem Wald an einem sonnigen Tag zu sehen.

Das Jahr 2021 war für die Wirtschaft außergewöhnlich. Corona hielt die Welt erneut in Atem, gleichzeitig erfolgte die wirtschaftliche Wiedereröffnung. Infolgedessen traf eine hohe Nachfrage auf eine geringe Verfügbarkeit − und diese Kombination zeigte, wie sensibel der globale Warenkreislauf ist. Aktuell leidet die Wirtschaft unter Rohstoffknappheit und Lieferengpässen. Das sorgt für Preissteigerungen und Unsicherheit an den Märkten. Doch liegt das wirklich nur an der Coronakrise und wird sich die Lage in diesem Jahr entspannen?

Rohstoffknappheit und Lieferengpässe deutlich spürbar

Viele Branchen leiden auch aktuell noch immer unter den nur knapp verfügbaren Rohstoffen. Der Mangel an Holz und die damit verbundenen Preissteigerungen hielten die Baubranche im vergangenen Jahr in Atem. Handwerksbetriebe hatten aufgrund des Materialmangels enorme Probleme, ihre Aufträge abzuarbeiten. Bauherren brauchten Geduld und mussten deutlich tiefer in die Tasche greifen. Grund war nicht nur die Lust der Deutschen am Heimwerken während der Einschränkungen zur Eindämmung der Coronakrise. Auch die Nachfrage aus den USA und China wuchs. Laut dem Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie stieg allein im Jahr 2020 der Export von Rund- und Schnittholz im Vergleich zu 2019 um rund 80 Prozent auf rund 20 Millionen Festmeter an.1 Der Export lohnt sich. In den USA und China wird deutlich mehr für das Holz gezahlt.

Doch auch an anderer Stelle kommt es zu Versorgungslücken. Die Knappheit von Metall, Gummi oder Kunststoff, aber auch von Elektronik- oder Sanitärprodukten machten dem Bau zu schaffen und führten zu deutlich verzögerten Lieferzeiten sowie drastisch gestiegenen Preisen.2

Die Coronakrise ist nur ein Grund für die Rohstoffknappheit

Aktuell lassen sich in allen Rohstoffgruppen kräftige Preissteigerungen verzeichnen. Marktbeobachter sehen die Pandemie als wichtigste Ursache. Doch die Gründe lassen sich darüber hinaus noch weiter differenzieren. Nach dem vorübergehenden Runterfahren der Wirtschaft und der anschließenden Wiedereröffnung traf einerseits eine gestiegene Nachfrage auf geringe Produktionskapazitäten der Hersteller. Andererseits kam es weltweit bei Zulieferern im Rahmen der Coronakrise durch Erkrankungen und Eindämmungsmaßnahmen zu Produktionsausfällen. Auch Transportprobleme machen der Industrie zu schaffen, denn während der Krise galten die Eindämmungsmaßnahmen weltweit auch für Häfen und weitere Waren-Umschlagplätze.

Obendrauf sorgten handelspolitische Maßnahmen für Reibungen in der weltweiten Wirtschaft. Wie groß der Einfluss dieser Maßnahmen ist, lässt sich am Beispiel Holz erkennen. Nicht nur Waldbrände in Kanada waren ein Grund dafür, dass man in Amerika auf deutsche Importe beim Holz setzte, sondern auch die Strafzölle, die Ex-Präsident Donald Trump erlassen hat.3 Daher wurde vorübergehend ein sogenannter „Einschlagstopp“ beschlossen, denn bei einigen deutschen Forstbetrieben entwickelte sich deutsches Holz zum wertvollen und vor allem knappen Gut.

Globalisierung wird zum Problem

Viele Rohstoffe oder Vorprodukte sind aktuell nur schwer zu bekommen. Ein Materialmangel und damit verbundene Lieferengpässe belasten die Wirtschaft. Die Rohstoffknappheit wirkt sich daher mittlerweile bei vielen Unternehmen auf das Kerngeschäft aus. Da Aufträge nicht mehr bearbeitet werden können, müssen Unternehmen vielerorts ihre Umsatzprognosen nach unten korrigieren. Doch nicht nur die Coronakrise ist ein Grund für die aktuelle Rohstoffknappheit, wie am Beispiel Magnesium deutlich wird. Das Metall wird unter anderem zur Herstellung von Aluminium für den Autobau oder die Medizintechnik gebraucht, aber auch bei der Verpackungsindustrie oder beim Flugzeugbau. Das Problem: China hat bei Magnesium einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Das Land hat einen Export-Stopp verhängt. In der offiziellen Begründung verkündet die chinesische Regierung, dass dies zur Einhaltung der CO2-Ziele geschehe. Doch diese Begründung ist für die hiesige Industrie wenig tröstlich, denn ohne dieses wichtige Metall stehen in der deutschen Industrie bald die Bänder still und auch die Vorräte neigen sich langsam dem Ende zu.4 Eigentlich lässt sich Magnesium auch in Europa gewinnen, allerdings ist dessen Gewinnung energieintensiv und umweltbelastend. Das letzte Werk schloss in Europa 2002 die Pforten – weil die Konkurrenz aus Fernost zu günstig war. Ein weiterer wichtiger Rohstofflieferant ist Dolomit, der sich zu Genüge in der Alpenregion findet. Von einer Rohstoffknappheit kann hierbei also nicht die Rede sein.

Doch es gibt auch gute Nachrichten für die Industrie: Viele Aufträge wurden bisher lediglich verschoben, nur wenige storniert. Die Wirtschaft wird also voraussichtlich im nächsten Jahr von Aufhol-Effekten profitieren, sobald sich die Lage wieder etwas entspannt hat.

Verbraucher müssen weiterhin mit längeren Wartezeiten und höheren Preisen rechnen

Doch nicht nur die Industrie leidet. Auch die Verbraucher spüren die Folgen der Rohstoffknappheit und Lieferengpässe bei den Herstellern. Wer aktuell aufmerksam durch die Läden schlendert oder sich in Online-Shops umsieht, stellt fest, welche Folgen die Rohstoffknappheit im Alltag hat: Höhere Preise, fehlende Waren und lange Lieferzeiten sind keine Seltenheit. So brauchen Käufer von Neuwagen aktuell viel Geduld. Wartezeiten von drei bis sechs Monaten sind aktuell die Regel. Je nach Marke und Modell kann die Wartezeit sogar deutlich höher ausfallen.5 Grund hierfür sind unter anderem fehlende Halbleiter für die Elektronik.

Die Folgen der Coronakrise und der Rohstoffknappheit tragen finanziell meist die Verbraucher. Je nach Rohstoff liegen die Preissteigerungen bei 20 bis 100 Prozent. Auch die Kosten für den Transport haben sich seit der Coronakrise vervielfacht. Nicht selten wurden Umschlagplätze wegen Corona-Ausbrüchen geschlossen oder es sind weniger Container verfügbar. In Deutschland kletterte die Teuerungsrate Ende 2021 sogar auf den höchsten Stand seit rund 30 Jahren.

Die Pandemie zeigt, wie empfindlich die Wirtschaft ist

Durch die Pandemie haben sich Lieferengpässe zu einem Problem entwickelt. Der Warenkreislauf wurde durch Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gestört, indem die Wirtschaft aus Vorsichtsmaßnahmen deutlich heruntergefahren wurde. Auch die Nachfrage von Verbrauchern veränderte sich drastisch. Die Automobilhersteller fürchteten Anfang 2020 aufgrund von Corona einen Rückgang der Nachfrage. Ein kurzzeitiger Einbruch der Verkäufe führte dazu, dass die Automobilhersteller die Aufträge bei den Chipherstellern schlagartig stornierten.

Gleichzeitig verlagerte sich das Leben der Menschen in die eigenen vier Wände und der Bedarf an elektronischen Geräten stieg sprunghaft an: Fernseher, Laptops und andere elektronische Geräte waren stark gefragt, sodass in diesem Bereich der Bedarf an Chips anstieg. Die Chiphersteller konnten folglich die durch die Automobilindustrie freigewordenen Kapazitäten für andere Kunden nutzen. Doch der Einbruch auf dem Fahrzeugmarkt war nur von kurzer Dauer. Die Kapazitäten der Chiphersteller waren allerdings erschöpft. Zudem kämpften einzelne Chipfabriken in den USA und Japan mit Schäden durch Naturkatastrophen oder Unfälle, wodurch sich der Engpass verstärkt hat.

Hoffnungsschimmer in 2022?

Ob und wie schnell sich die wirtschaftliche Lage entspannt, hängt zwar nicht ausschließlich, aber doch maßgeblich davon ab, wie sich die pandemische Lage weiterentwickelt. Mit dem Auftauchen der Virus-Variante Omikron besteht für die Weltwirtschaft erneut die Gefahr von restriktiven Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Dennoch ist die Situation mittlerweile eine andere als noch vor einem Jahr. Die Impfkampagne macht einen Unterschied. Zudem zeigt sich aktuell in Deutschland, dass Omikron die dominante Variante ist. Experten gehen davon aus, dass Omikron bald die Delta-Variante verdrängt und wohl weniger gefährlich als die Delta ist. Dann könnte sich aus der Pandemie eine endemische Lage entwickeln.6
Welche Corona-Maßnahmen künftig noch ergriffen werden könnten, ist unklar. Entscheidend ist auch, wie China auf die neue Corona-Variante Omikron reagiert, die sich deutlich schneller verbreitet als die bisherigen Varianten. Hält das Land weiter an einer Zero-Covid-Strategie fest, kommt es weltweit erneut zu wirtschaftlichen Ausfällen. Viele Unternehmen dürften nach Auswegen suchen, beispielsweise indem sie ihre Zulieferer diversifizieren, um weniger abhängig von wirtschaftlichen Ausfällen in China zu sein. Die Wirtschaft kann allerdings spätestens mit dem Beginn der endemischen Lage aufatmen. Die Problematik der brüchigen Lieferketten wird die Verbraucher dennoch weiter beschäftigen. Experten gehen davon aus, dass sich die Probleme erst Mitte 2022 langsam entspannen werden. Auch die Preise werden sich perspektivisch normalisieren, sobald das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder hergestellt ist. Von einem Rückgang auf das Vorkrisenniveau ist kurzfristig allerdings nicht auszugehen.

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