Rohstoffknappheit

Woher kommt die Rohstoffknappheit – und wie geht es weiter?

Die Deutschen brauchten im Jahr 2021 Geduld. Leere Regale und lange Wartezeiten bei Bestellungen waren keine Seltenheit. Ein Grund: Rohstoffknappheit.

Auf dem Foto sind aufeinandergestapelte, frisch gefällte Bäume in einem Wald an einem sonnigen Tag zu sehen.

Es sind außergewöhnliche Zeiten – nicht zuletzt wirtschaftlich gesehen. Corona ging 2021 in die Verlängerung und hielt nach wie vor die Welt in Atem, gleichzeitig erfolgte die wirtschaftliche Wiedereröffnung nach den Lockdowns. Infolgedessen traf eine hohe Nachfrage auf eine geringe Verfügbarkeit − eine Kombination, die zeigte, wie sensibel der globale Warenkreislauf ist.

Neben der Coronakrise sorgt seit Februar 2022 der Krieg in der Ukraine für zusätzliche Verknappung. Aktuell leidet die Wirtschaft aufgrund dieser Belastungen unter Rohstoffknappheit und Lieferengpässen. Das sorgt für Preissteigerungen, Unsicherheit an den Märkten und schlechte Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern. Ob sich die Lage in diesem Jahr noch entspannen wird, bleibt angesichts steigender Energiepreise und drohender Gasknappheit abzuwarten.

Entstehungsgründe für Rohstoffknappheit und Lieferengpässe

Die Verknappung von Rohstoffen und die Entstehung von Lieferengpässen sind eng miteinander verbunden. Per Definition versteht man unter Rohstoffknappheit einen Zustand, in dem der aktuelle oder zukünftige Bedarf die Verfügbarkeit eines Rohstoffes übersteigt. Rohstoffe, die knapp werden, werden in der Folge teurer. Die Knappheit und der Preisanstieg wirken sich entsprechend auf die Lieferketten aus. Lieferengpässe können aber auch weitere Gründe haben. Hierzu zählen beispielsweise

  • eine gestiegene Nachfrage bei zu geringen Produktionskapazitäten
  • Transportprobleme
  • Produktionsausfälle bei Zulieferern
  • handelspolitische Maßnahmen

Hier rückt ressourcenschonendes Handeln bei Verbrauchern und Unternehmen immer stärker in den Vordergrund. Dieses veränderte Bewusstsein zeigt sich beispielsweise auch beim nachhaltigen Investieren: Immer mehr Banken und Fondsgesellschaften bieten Kunden nachhaltige Geldanlagen an, die die Reduktion von CO2-Emissionen sowie die schonende Nutzung und Regeneration von Ressourcen in den Vordergrund stellen.

Rohstoffknappheit und Lieferengpässe deutlich spürbar

Viele Branchen leiden aktuell noch immer unter den nur knapp verfügbaren Rohstoffen. Der Mangel an Holz und die damit verbundenen Preissteigerungen hielten die Baubranche im vergangenen Jahr in Atem. Handwerksbetriebe hatten aufgrund des Materialmangels enorme Probleme, ihre Aufträge abzuarbeiten. Bauherren brauchten Geduld und mussten deutlich tiefer in die Tasche greifen. Grund war nicht nur die Lust der Deutschen am Heimwerken während der Einschränkungen zur Eindämmung der Coronakrise. Auch die Nachfrage aus den USA und China wuchs. Laut dem Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie stieg allein im Jahr 2020 der Export von Rund- und Schnittholz im Vergleich zu 2019 um rund 80% auf rund 20 Millionen Festmeter an.1 Der Export lohnt sich. In den USA und China wird deutlich mehr für das Holz gezahlt. Damit beeinflusst die Rohstoffknappheit auch den Immobilienmarkt ganz erheblich.

Eine Entspannung der Lage erwartet die Baubranche auch 2022 nicht. Im Gegenteil: Im April 2022 sind 54,2% der Hochbaubetriebe und 46,2% der Tiefbaubetriebe von der Rohstoffknappheit und den aktuellen Lieferengpässen betroffen gewesen.2 Grund ist der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Die beiden Länder zählen zu den wichtigsten Lieferanten von Baustahl. Darüber hinaus wird für die Herstellung vieler Baumaterialien2 viel Energie benötigt. Hier sorgen steigende Energiepreise und die drohende Rationierung von Gas zu einer weiteren Verteuerung von Baumaterialien.

Doch auch an anderer Stelle kommt es zu Versorgungslücken. Die Knappheit von Metall, Gummi oder Kunststoff, aber auch von Elektronik- oder Sanitärprodukten machten dem Bau zu schaffen und führten zu deutlich verzögerten Lieferzeiten sowie drastisch gestiegenen Preisen.3

Die Coronakrise ist nur ein Grund für die Rohstoffknappheit

Aktuell lassen sich in allen Rohstoffgruppen kräftige Preissteigerungen verzeichnen. Marktbeobachter sehen die Pandemie als wichtigste Ursache. Doch die Gründe für die Rohstoffknappheit lassen sich darüber hinaus noch weiter differenzieren. Nach dem vorübergehenden Herunterfahren der Wirtschaft und der anschließenden Wiedereröffnung traf einerseits eine gestiegene Nachfrage auf geringe Produktionskapazitäten der Hersteller. Andererseits kam es weltweit bei Zulieferern im Rahmen der Coronakrise durch Erkrankungen und Eindämmungsmaßnahmen zu Produktionsausfällen. Auch Transportprobleme machen der Industrie zu schaffen, denn während der Krise galten die Eindämmungsmaßnahmen weltweit auch für Häfen und weitere Warenumschlagplätze.

Obendrein sorgten handelspolitische Maßnahmen für Reibungen in der weltweiten Wirtschaft. Wie groß der Einfluss dieser Maßnahmen ist, lässt sich am Beispiel Holz erkennen. Nicht nur Waldbrände in Kanada waren ein Grund dafür, dass man in Amerika auf deutsche Importe von Holz setzte, sondern auch die Strafzölle, die Ex-US-Präsident Donald Trump erlassen hatte. Daher wurde vorübergehend ein sogenannter „Einschlagstopp“ beschlossen, denn bei einigen deutschen Forstbetrieben entwickelte sich deutsches Holz zum wertvollen und vor allem knappen Gut.

Globalisierung wird zum Problem

Viele Rohstoffe oder Vorprodukte sind aktuell nur schwer oder zu höheren Preisen zu bekommen. Ein Materialmangel und damit verbundene Lieferengpässe belasten die Wirtschaft. Die Rohstoffknappheit wirkt sich daher mittlerweile bei vielen Unternehmen auf das Kerngeschäft aus. So können beispielsweise dringend benötigte Arzneimittel oder Impfstoffe nicht oder nur in geringen Mengen produziert werden. Da Aufträge nicht mehr bearbeitet werden können, müssen Unternehmen vielerorts ihre Umsatzprognosen nach unten korrigieren oder die Produktion in Länder mit geringeren Produktionskosten auslagern.

War bis Anfang des Jahres 2022 damit zu rechnen, dass die Wirtschaft in den kommenden Monaten voraussichtlich von Aufholeffekten profitieren würde, sorgte der Ausbruch des Krieges in der Ukraine weiterhin für die Verknappung von Rohstoffen und steigende Energiepreise.

Verbraucher müssen weiterhin mit längeren Wartezeiten und höheren Preisen rechnen

Wenn die Industrie leidet, spüren auch die Verbraucher die Folgen der Rohstoffknappheit und Lieferengpässe bei den Herstellern. Wer aktuell aufmerksam durch die Läden schlendert oder sich in Online-Shops umsieht, stellt fest, wie sich die Rohstoffknappheit im Alltag auswirkt: Höhere Preise, fehlende Waren und lange Lieferzeiten sind keine Seltenheit. Auch Käufer von Neuwagen brauchen aktuell viel Geduld. Mithilfe staatlicher Unterstützung sollte sich die Automobilindustrie 2022 von den Auswirkungen der Coronakrise erholen. Nun leidet sie durch den Ukrainekrieg erneut unter Lieferengpässen: Verbraucher müssen je nach Marke und Modell bis zu 20 Monate Wartezeit einplanen.4

Die Folgen der Rohstoffknappheit tragen finanziell meist die Verbraucher. Der steigende Konsum sorgt für eine hohe Nachfrage und treibt damit die Preise in die Höhe: Je nach Rohstoff liegen die Preissteigerungen bei 20 bis 100 Prozent. Und auch die Kosten für den Transport haben sich seit der Coronakrise vervielfacht. Nicht selten wurden Umschlagplätze wegen Coronaausbrüchen geschlossen oder es sind weniger Container verfügbar.

Mit Beginn des Ukrainekrieges sind insbesondere die Energiepreise erheblich gestiegen, was zusätzlich Einfluss auf die Inflationsrate in Deutschland hat: Zeitweise lag sie bei 8 %. Um der hohen Inflationsrate entgegenzuwirken, hat die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit über einem Jahrzehnt den Leitzins angehoben. Gelingt es, die Inflationsrate zu senken, könnte Sparen damit in Zukunft wieder attraktiver werden. Allerdings hat die Anhebung des Leitzinses auch Auswirkungen auf die aktuell günstigen Bau- und Konsumkredite, die durch die Maßnahme teurer werden könnten.

Welche Rohstoffe in Zukunft knapp werden könnten

Holz, Aluminium, Magnesium, Silizium, Öl, Gas, Weizen: Die Liste knapper Rohstoffe ist bereits heute lang und wird voraussichtlich in Zukunft noch länger. Im Vergleich zur bisherigen Rohstoffknappheit könnte sie sich zukünftig aber auch auf die Vorproduktion oder auf Materialien auswirken, die bisher ausreichend verfügbar waren. So rechnen beispielsweise die Kunststoffindustrie und die Verpackungsbranche aufgrund gestiegener Energie- und Lieferkosten sowie höherer Rohstoffpreise künftig mit Lieferengpässen. Aber auch Stahl, der zu großen Teilen aus Russland kommt, oder Technologiemetalle wie Gallium, Indium oder Germanium für die Herstellung von Smartphones, Computerchips, Fotovoltaikanlagen oder LED-Beleuchtung werden knapp.

Die Pandemie zeigt, wie empfindlich die Wirtschaft ist

Durch die Pandemie haben sich Lieferengpässe zu einem Problem entwickelt. Der Warenkreislauf wurde durch Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gestört, indem die Wirtschaft aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen deutlich heruntergefahren wurde. Auch die Nachfrage von Verbrauchern veränderte sich drastisch. Die Automobilhersteller fürchteten Anfang 2020 aufgrund von Corona einen Rückgang der Nachfrage. Ein kurzzeitiger Einbruch der Verkäufe führte dazu, dass die Automobilhersteller die Aufträge bei den Chipherstellern schlagartig stornierten.

Gleichzeitig verlagerte sich das Leben der Menschen in die eigenen vier Wände und der Bedarf an elektronischen Geräten stieg sprunghaft an: Fernseher, Laptops und andere elektronische Geräte waren stark gefragt, sodass in diesem Bereich der Bedarf an Chips anstieg. Die Chiphersteller konnten folglich die durch die Automobilindustrie freigewordenen Kapazitäten für andere Kunden nutzen. Doch der Einbruch auf dem Fahrzeugmarkt war nur von kurzer Dauer. Die Kapazitäten der Chiphersteller waren allerdings erschöpft. Zudem kämpften einzelne Chipfabriken in den USA und Japan mit Schäden durch Naturkatastrophen oder Unfälle, wodurch sich der Engpass verstärkt hat.

Auswirkungen des Ukrainekonfliktes auf die Rohstofflage in Deutschland

Noch bevor sich die Wirtschaft von den Folgen der Coronapandemie erholen konnte, verschärft der Konflikt in der Ukraine die Rohstoffknappheit in Deutschland. Während Deutschland 2021 noch 55% des Erdgases und 35% des Erdöls aus Russland importierte, sanken die Anteile bis April 2022 auf 35% bzw. 12%.5 Zudem deckt Deutschland einen großen Teil seines Bedarfs an Metallen wie Nickel, Palladium, Chrom oder Kadmium aus Russland. Entsprechend sind vor allem die deutsche Automobil- und Elektronikindustrie sowie der Maschinenbau von Russland abhängig. Zudem gefährdet der Konflikt die Versorgung mit Getreide und Speiseöl. Sanktionen und Einfuhrverbote von Holz, Papier oder Düngemitteln führen obendrein zu Lieferproblemen sowie höheren Preisen.

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    Quelle: tagesschau.de

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    Quelle: ifo.de

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    Quelle: tagesschau.de

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    Quelle: gtai.de