„Der Wald ist unser Office.“

Hans Allmendinger und Sönke Voss, Gründer und Inhaber von Zimtstern

Hans Allmendinger und Sönke Voss, Gründer und Inhaber von Zimtstern

In der Mitte ihres Lebens machen sich die Manager Hans Allmendinger und Sönke Voss selbstständig. Sie wiederbeleben die Marke Zimtstern, positionieren sie neu und schreiben damit eine Erfolgsgeschichte im Bekleidungsmarkt des Bikesports.

Mit jahrzehntelanger Berufserfahrung in die Selbständigkeit

Es ist nur ein Zufall des Lebens, dass Hans Allmendingers Mutter eine Bäckerstochter ist und ihre Zimtsterne in der Weihnachtszeit zu den Highlights seiner Kindheit gehörten: „Die Zimtsterne meiner Mutter waren immer die besten.“ Die Einzigartigkeit des Gebäcks ist dabei durchaus vergleichbar mit dem Erfolg und der Geschichte einer Marke, die Hans Allmendinger und sein Partner Sönke Voss aus dem Dornröschenschlaf geweckt und wieder zu Größe geführt haben. Der Name ist wiederum reiner Zufall: Zimtstern.

Was dahintersteckt, ist aber nicht nur ein gutes Marketingkonzept, sondern auch die Geschichte zweier Männer, die sich in ihrer Lebensmitte ein Stück weit neu erfunden haben und den Mut hatten, Unternehmer zu werden.

Jede Geschichte braucht einen Anfang und märchenhafte beginnen immer mit „Es war einmal“. Im Fall von Hans Allmendinger und Sönke Voss ist es die Story zweier Manager, die zusammen über 50 Jahre Berufserfahrung gesammelt haben bei großen Unternehmen wie Nike und SPORT 2000. Sönke Voss leitete das Einkaufsteam, war darüber hinaus verantwortlich für die Entwicklung strategischer Kooperationen mit Lieferanten. Er hat sich in den Jahren ein weltweites Netzwerk aufgebaut. Genauso wie Hans Allmendinger, der Strategie, Marketing und die Kommunikation auf Hersteller- und Handelsseite führte.

Zwei Männer, die vertrauensvoll zusammenarbeiteten und dabei immer mehr ein gemeinsames Gefühl entwickelten, das ihr Leben verändern sollte. Das Gefühl, „das kann ja noch nicht alles gewesen sein im Leben“, das viele Menschen in der Mitte ihres Lebens beschleicht. Sönke sagt über die Zeit vor knapp vier Jahren:

„Wenn du in einem Angestelltenverhältnis bist, hast du einen Status quo. Und den musst du akzeptieren. Wir haben uns aber gefragt: Kann man das Geschäft nicht auch anders machen? Effizienter, nachhaltiger und auch persönlicher? Dabei haben wir gemerkt, für große Veränderungen muss man auch die Verantwortung übernehmen. Also haben wir beschlossen, unsere eigene Reise als Unternehmer anzutreten.“

Wie gut die beiden Geschäftspartner miteinander funktionieren, wird im Gespräch deutlich. Sie hören einander zu und sind sehr höflich im Umgang. Keiner fällt dem anderen ins Wort. Als Sönke mit seinen Ausführungen über die ersten Anfänge fertig ist, fragt Hans erstmal, ob er noch was ergänzen darf. Ja klar, sehr gerne:

„In einem bestimmten Alter erkennt man, was einem wirklich wichtig ist. Und es ist in unserem Fall, denke ich, die Leidenschaft, etwas besser zu machen. Es ist der Wunsch, selbst zu gestalten und die persönliche Leidenschaft mit dem Beruflichen zu koppeln. Und dafür haben wir uns entschieden.“

Wir wollten eine echte Mountainbike-Bekleidung schaffen

Es ist letztlich Hans’ Mountainbike-Passion, die die Idee für den Neuanfang liefert. Er war weltweit auf vielen Trails unterwegs und entwickelte bereits eine Vision, als er in Amerika lebte, wo die Sportart eine weit längere Tradition hat als in Europa.

Was die Leute dort beim Biken anhatten, war ein anderer Stil. Hierzulande kommt Bike-Bekleidung entweder aus dem Straßenrad-Bereich oder aus dem Motocross. Spezielle Mountainbike-Bekleidung gab es hier lange Zeit nicht, und dies war für mich, Ansporn, dies zu ändern.

In manchen Märchen gibt es zwar viele Träume und Wünsche, sie werden aber nicht immer erfüllt, außer es gibt die gute Fee. Und wie in jeder erfolgreichen Gründungsgeschichte gehört auch bei Zimtstern etwas Glück dazu. Während Hans die Business-Idee mitbrachte, die Marktlücke für hochwertige Mountainbike-Fashion zu füllen, wusste Sönke, dass „Zimtstern“, eine Kultmarke für Snowboardfahrer, zum Verkauf angeboten wurde.

Beiden war sofort klar: Mit der magischen Kraft dieser Kultmarke haben sie die ideale Plattform, um ein neues Segment für Biker-Bekleidung zu schaffen.

„Wir wollten eine echte Mountainbike-Bekleidung schaffen. Die inspiriert ist vom Mountainbiken in der Natur, mit der man aber auch nach der Tour im Café gut aussieht. Und das Ganze wollten wir möglichst nachhaltig machen. Produziert mit kurzen Lieferketten, nachhaltigem Material und fairen Löhnen.“

Während das ursprüngliche Kerngeschäft von Zimtstern, die Snowboard-Bekleidung, einen Niedergang erfuhr, boomte die Nachfrage für die Bike-Sportart. Ideale Bedingungen für den Markenneustart.

Wir haben immer versucht, uns Sparringspartner zu suchen

Nach der Euphorie der Gründungsidee folgt der Aufbau des Betriebs. Daran scheitern nach einer Studie der Commerzbank bereits viele Startups. Nicht so Hans Allmendinger und Sönke Voss. Hier zahlen sich vor allem ihre langjährige Erfahrung und ihr Netzwerk aus, so dass sie, trotz aller Leidenschaft für ihr Geschäftsmodell, sehr professionell die Gründung angehen. Dabei fühlt sich die Unterschrift des Gesellschaftsvertrags beim Notar für beide an, als seien sie jetzt verheiratet.

Aber auch diese „Ehe“ gehen die beiden überlegter an, als Paare in den Zwanzigern. Um auch im Falle von Streitfragen entscheidungsfähig zu bleiben, haben sie einen Beirat gegründet. Sönke berichtet:

Wir haben einen Beirat, der uns mit Expertise in bestimmten rechtlichen Fragen oder in Marktfragen weiterhilft, auch dann, wenn wir uns nicht einigen können. Wir haben das sogar vertraglich festgelegt, dass wir dann den Beirat anrufen.

Nicht nur mit diesem Beirat ziehen sich die Macher von Zimtstern Spezialisten zu Hilfe.

„Im ersten halben Jahr war es mehr dieses Finden. Das Suchen und Finden, wie man etwas aufsetzt“, resümiert Hans. „Ja, schön gesagt, Hans.“ ergänzt Sönke, „Wir sind sehr gute Generalisten, das heißt, wir wissen von ganz vielem ganz wenig, aber wir kennen unglaublich viele Spezialisten, die von wenig ganz viel wissen. Und wir haben immer versucht, uns Sparringspartner zu suchen. Und so sind wir auch über Empfehlung zur Commerzbank gekommen. Das war eine sehr gute Entscheidung, weil wir auch dort Leute gehabt haben, die unser Konzept verstanden haben.“

Die Commerzbank Kundenberater haben für uns gekämpft

Bei der Commerzbank wurde ihr Business-Plan zum Lackmustest. Ihr Kundenberater war von der Idee begeistert. Die Jungunternehmer fühlten sich bei der Bank geschätzt und gut aufgehoben. „Die Kundenberater haben wirklich für uns gekämpft, weil sie von unserem Konzept überzeugt waren.“ Und trotzdem wäre der Antrag für eine Kreditlinie beinahe gescheitert. Der Verantwortliche der Kreditabteilung lehnte im ersten Schritt ab mit der Frage: „Warum soll ich eine Radhose für 130 Euro kaufen, wenn ich sie beim Discounter schon für zehn bekomme?“ Die Antwort war natürlich die Qualität und Funktionalität, die eine Zimtstern -Zielgruppe bereit ist, zu bezahlen. Apple-Jünger geben ja auch mehr Geld aus als normale Mobiltelefon-User. Heute laufen über die Bank sämtliche Geschäfte des Unternehmens, das nicht nur im Ausland produziert, sondern auch weltweit Handel betreibt und innerhalb von drei Jahren nach dem Start kurz vor der Pandemie schon auf einen Millionenumsatz gewachsen ist.

Kostenmanagement ist eines der größten Themen von Unternehmen

Nur drei Jahre nach Gründung erreichte das Startup fast eine Punktlandung der im Business-Plan hinterlegten Zahlen. Ein enormer Erfolg. Auf die Frage nach goldenen Regeln nennen die beiden die Marktkenntnis, aber auch die unmittelbare Markterfahrung. Hans ist nicht nur selbst passionierter Biker und Testfahrer, er dient auch in Form eines Avatars als Grundlage für die Schnitt-Designs.

Etwas weniger aufregend, aber nicht minder wichtig bewerten sie ein konsequentes Kostenmanagement. „Der Wald ist unser Office“ ist keine Marketingattitüde, dort holen sich die beiden tatsächlich Inspiration. Sonst arbeiten sie von zu Hause aus und verzichten auf schicke Büros oder die Anmietung moderner Coworking-Stations.

„Geringe Fixkosten sind entscheidend. Wir haben immer gesagt, dass wir uns so aufstellen wollen, dass wir ohne Druck das Geschäft aufbauen können. Um eben nicht irgendwann mal zu sagen, ich brauche Umsatz und muss etwas verschleudern. Dieses Kostenmanagement ist mit Sicherheit eines der größten Themen für Unternehmer.“

Nicht die Bodenhaftung verlieren

Experten vermuten, dass der Fahrradboom auf Jahre weiterwachsen wird. Für die Zimtstern-Unternehmer bedeutet das Wachstum und neue Herausforderungen: Mitarbeiter, Lagerstätten, höhere Kosten; aber auch ein sicheres Gefühl bei den Partnern, die ja wie Freunde sind – auch die Commerzbank. Daher blicken Sönke und Hans zuversichtlich in die Zukunft.

„Wir wissen genau, was wir können. Und es ist wichtig, dass man nicht an Bodenhaftung verliert. Ich glaube, das ist es, was uns auch für die Zukunft Sicherheit gibt.“
Wenn man „Zimtstern“ googelt, kommen im Ranking nicht zuerst Rezepte, sondern Produkte der Marke. Das zeigt, wie hoch die Nachfrage ist.

Manchmal werden Märchen eben wahr.

Autor: Peter Lewandowski

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