Wir engagieren uns für eine vielfältige Zukunft

Eine mutige und zukunftsfähige Gesellschaft – dafür macht sich die Commerzbank-Stiftung stark. Im Interview erläutern die Vorständinnen Astrid Kießling-Taşkın und Heike Heuberger, was die Stiftung auszeichnet und worauf Förderinteressierte achten sollten

Mehrere Menschen formen mit ihren Händen einen Kreis. Dieses Bild steht für die Vielfalt in der Gesellschaft.

Frau Kießling-Taşkın, Sie leiten als Vorständin die Geschicke der Commerzbank-Stiftung bereits seit 2016. Was treibt Sie dabei an?


Astrid Kießling-Taşkın: Es ist die Freude am Entwickeln, die Themen, die wir uns gesetzt haben, voranzubringen und die Stiftung gleichzeitig immer besser zu machen. Ich bin dankbar dafür, mit vielen sehr engagierten Projektpartnerinnen und -partnern zusammenarbeiten zu dürfen, dabei ständig etwas dazuzulernen und nicht zuletzt über unser Wirken einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Frau Heuberger, Sie sind seit 1. Januar 2022 ebenfalls Vorständin und arbeiten nun im Führungs-Tandem mit Frau Kießling-Taşkın. Was reizt Sie persönlich an der Stiftungsarbeit?

Wohin treibt unsere Gesellschaft? Wenn ich über diese Frage einen Moment nachdenke und dann feststelle, dass ich als Vorständin der Commerzbank-Stiftung über die vielfältigen Projekte der Stiftung dazu beitragen kann, dass sich das eine oder andere Thema zum Positiven entwickelt, dann ist das schon ein ganz tolles Gefühl. Im Rahmen der Stiftung zu gestalten und gemeinsam mit unseren Förderpartnern spannende Projekte zu realisieren, das sind mir Herzensanliegen.

Was macht die Stiftung aus, Frau Kießling-Taşkın?

Astrid Kießling-Taşkın: Hierbei gibt es aus meiner Sicht zwei Ebenen. Erstens die Frage danach, wie wir die Stiftung führen. Wir sind eine aktive Förderstiftung, die ihre Kriterien transparent macht und sich offen mit Förderinteressierten austauscht. Wir sagen: Rufen Sie uns einfach an und sprechen Sie mit uns über Ihr Projekt. Und wenn es klappt, sind wir keine Förderer, die jahrelang nur Geld überweisen und sich nie melden. Wir fragen nach: Wie läuft das Projekt und was lässt sich besser machen? Wie können wir das Thema gemeinsam weiter voranbringen?

Und die zweite Ebene?

Astrid Kießling-Taşkın: Dabei geht es um unseren Stiftungsauftrag, also die Grundsätze, nach denen wir gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Wir engagieren uns für eine mutige und vielfältige Zukunft. Unsere Gesellschaft ist umso zukunftsfähiger, je besser die Teilhabe-Chancen sind. Daher unterstützen wir Einrichtungen oder Programme, die unsere Gesellschaft nachhaltig fördern und damit die Teilhabe-Möglichkeiten aller Menschen verbessern – insbesondere jener, die zum Beispiel aus sozialen oder gesundheitlichen Gründen benachteiligt sind. Dabei decken wir seit über 50 Jahren die Förderbereiche Kultur, Soziales und Wissenschaft ab.

Können Sie diese Bereiche mit Praxisbeispielen erläutern?

Astrid Kießling-Taşkın: Im Bereich Kultur haben wir über drei Jahre „All our futures “ unterstützt – ein Projekt des „Schauspiel Frankfurt“ mit dem Ziel, junge Menschen aus ganz unterschiedlichen Frankfurter Schulen und Stadtteilen für das Theater zu begeistern und Schülerinnen und Schüler miteinander in Kontakt zu bringen. Ein Beispiel für unser Engagement im sozialen Bereich ist das Projekt „Go on Azubi! “ der „Perspektiva gGmbH“. Hierbei ging es darum, benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren und ihnen so die Perspektive zu geben, dauerhaft einen Beruf ausüben zu können.

Und in der Wissenschaft, Frau Heuberger?

In dem Bereich vergeben wir zum Beispiel den „Early Career Award“ für herausragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Zuletzt ging dieser an Dr. Patrick Weigelt für seine herausragende Biodiversitätsforschung. Ich bin gespannt, wer in diesem Jahr den Preis erhält. Interessant finde ich auch unsere Förderung an der Frankfurt University of Applied Sciences. Dort begleiten wir die Weiterentwicklung eines Pflege-Assistenzroboters „ROSWITHA“ .

Woher stammt das Geld, mit dem Sie die Projekte fördern, Frau Kießling-Taşkın?

Astrid Kießling-Taşkın: Die Commerzbank stellt das Geld als Stifterin zur Verfügung. Seit der Gründung im Jahr 1970 hat sie das Stiftungskapital immer weiter ausgebaut: Derzeit beträgt es 60 Millionen Euro. Jährlich investieren wir gut eine Million Euro in unsere Förderprojekte. Unsere sonstigen Ausgaben halten wir bewusst schlank. So verzichten wir im Sinne der Nachhaltigkeit auf Printmedien wie Tätigkeitsberichte oder Broschüren und fokussieren uns stattdessen auf unsere digitalen Kommunikationskanäle über Social Media und unsere Website.

Weshalb hat die Commerzbank die Stiftung gegründet?

Astrid Kießling-Taşkın: Die Commerzbank war sich schon sehr früh im Klaren darüber, dass im Wirtschaftsleben nicht nur der Profit zählen darf, sondern dass es auch wichtig ist, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und deren Zukunftsfähigkeit zu fördern. Sie gründete die Stiftung vor 52 Jahren – und damit deutlich vor dem Stiftungsboom in Deutschland. Das Thema Nachhaltigkeit spielte damals auch noch keine große gesamtgesellschaftliche Rolle. Aber die Stiftung ist bereits seit damals ein zentraler Baustein, mit dem die Commerzbank frühzeitig ihre unternehmerische Verantwortung wahrnimmt.

Werte wie Vertrauen und Mut sind das Fundament der Stiftung. Inwiefern hilft dies dabei, Herausforderungen und Hindernisse der Stiftungsarbeit zu bewältigen?

Astrid Kießling-Taşkın: Vertrauen ist der Schlüssel für eine gute Zusammenarbeit mit unseren Förderpartnerinnen und -partnern. Es ist nun einmal so, dass manchmal etwas schiefläuft oder Projekte kurzfristig verändert werden müssen. Doch bei einem guten Vertrauensverhältnis ist das kein Problem. Wir können offen miteinander sprechen und konstruktive Lösungen finden. Gerade in der Corona-Zeit haben wir erlebt, wie wichtig dieser Grundsatz für unsere Stiftungsarbeit ist.

Der Wert „Mut“ wiederum bezieht sich auf unser eigenes Handeln. Eine Stiftung ist auf die Ewigkeit ausgelegt. Daher haben wir die Chance, Projekte mit Visionen zu unterstützen. Zum Beispiel fördern wir die Entwicklung einer Gaming-App im Städel Museum in Frankfurt. Die Anwendung vermittelt spielerisch Wissen und erweitert den Museumsbesuch digital. Als wir das Projekt bewilligt haben, wussten wir aber nicht, was am Ende dabei herauskommt, denn die mehrjährige Entwicklungs- und Testphase stand erst noch bevor.

Nehmen wir an, ich bin Vorsitzender eines gemeinnützigen Vereins und möchte ein Förderprojekt bei Ihnen beantragen. Wie sollte ich vorgehen, damit ich bestmögliche Erfolgsaussichten habe?


Astrid: Kießling-Taşkin: Hierbei ist es ratsam, in mehreren Schritten vorzugehen:

Überblick verschaffen
Besuchen Sie unsere Website und prüfen Sie anhand der Fördervorgaben und der Beispielprojekte, ob Ihr Projekt zur Commerzbank-Stiftung passt.

Gespräch suchen
Wenn Sie zu dem Schluss gekommen sind, dass Ihr Projekt zur Stiftung passt, rufen Sie uns einfach an und stellen Sie Ihr Projekt kurz vor. So erfahren Sie schnell, ob eine Chance auf Förderung besteht.

Förderantrag einreichen
Danach steht der Förderantrag an. Sie können ihn formlos und ganzjährig einreichen.

Im Gespräch bleiben
Bei offenen Fragen zu Ihrem Antrag können Sie uns jederzeit kontaktieren. Das gilt selbstverständlich auch später, wenn die Förderung bewilligt ist und das Projekt läuft.

Besteht die Möglichkeit, sich einen Überblick über geförderte Projekte und Programme der Stiftung zu verschaffen?


Heike Heuberger: Eine Förderkarte auf unserer Website zeigt, was und wo wir aktuell in Deutschland unterstützen. Spannende Einblicke in die Stiftungsarbeit gibt es außerdem auf Twitter, Instagram und auf unserem LinkedIn-Stiftungsaccount.

Auch wenn die Auswahl wohl nicht leichtfällt: Gibt es bestimmte Projekte, die Ihnen besonders am Herzen liegen, Frau Kießling-Taşkın und Frau Heuberger?


Astrid Kießling-Taşkın: Auf jeden Fall der „Deutsche Lesepreis“ , den wir gemeinsam mit der Stiftung Lesen über die Jahre stetig weiterentwickelt haben. Mein Favorit ist aber unser Strategie-Preis „ZukunftsGut“. Bei diesem Projekt handelt es sich um keine klassische Förderung, sondern eine von uns selbst entwickelte Auszeichnung. Sie geht an Kultureinrichtungen, die sich für neue Zielgruppen öffnen und kulturelle Bildung als Kernfunktion in ihren Häusern leben. Das Preisgeld zeichnet die strategische Weiterentwicklung der Vermittlungsarbeit aus und befördert dementsprechend notwendige Transformationsprozesse.

Heike Heuberger: Ich finde unsere Projekte generell sehr stark, weil sie alle miteinander sehr klar unseren Stiftungsauftrag umsetzen. Im Förderbereich Soziales freue ich mich, in nächster Zeit das eine oder andere neue Leuchtturmprojekt auf die Beine zu stellen.

Wenn Sie an die Zukunft denken: Warum ist es von Vorteil, dass Sie die Commerzbank-Stiftung ab diesem Jahr gemeinsam leiten?


Astrid Kießling-Taşkın: Die Führung der Stiftung in einem Vorstands-Tandem ist absolut positiv, da wir immer auf Augenhöhe und im 4-Augen-Prinzip agieren. So tragen wir alle Entscheidungen gemeinsam, sind in allen Förderbereichen präsent und können Projektprozesse unmittelbar erfolgreich steuern. Darauf freuen sich Heike und ich!

Heike Heuberger: […] Ich freue mich ebenfalls sehr auf die Zusammenarbeit mit Astrid. Von ihrer Erfahrung in der Leitung der Commerzbank-Stiftung kann ich nur profitieren. Ich werde die eine oder andere frische Idee und den Blick von außen einbringen zu können. In Summe werden wir uns hervorragend ergänzen, da bin ich ganz sicher.

Wenn Sie persönlich einen Wunsch frei hätten: Wie würden Sie die Welt zu einem besseren Ort machen?


Astrid Kießling-Taşkın: Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die stärker auf Chancen anstatt auf Probleme schaut. Ja, es gibt viele Herausforderungen in unserer Welt, aber wir alle haben die Chance, die Dinge zu verändern und an einer positiven Entwicklung mitzuwirken.

Heike Heuberger: Ich wünsche mir mehr Mut! Ganz im Sinne unserer Stiftungswerte. Wenn wir – gerade hier in Deutschland – an der einen oder anderen Stelle ein bisschen mutiger wären, die Bedenken und Einschränkungen beiseiteschieben und einfach mal ausprobieren, ob es funktioniert, dann würde sich vieles zum Positiven verändern, da bin ich sicher. Hierbei können wir uns von anderen Kulturen nach wie vor etwas abschauen.

Astrid Kießling-Taşkın ist seit 2016 Vorständin der Commerzbank-Stiftung und war davor in der Geschäftsführung der Stiftung tätig. Parallel zu ihren Stiftungsaufgaben war und ist die studierte Kunstwissenschaftlerin und Historikerin als Abteilungsleiterin aktiv, aktuell für „Corporate Citizenship“. Ihre Laufbahn bei der Commerzbank startete sie als Kuratorin für Kunst und Kultur. Astrid Kießling-Taşkın ist verheiratet, Mutter von zwei Töchtern und lebt in Frankfurt am Main.

Heike Heuberger ist seit Januar 2022 Vorständin der Commerzbank-Stiftung und für Projekte in den Bereichen Soziales und Wissenschaft zuständig. Die Politikwissenschaftlerin verfügt über langjährige Erfahrung als Führungskraft in der Commerzbank. Zuletzt leitete sie den Bereich „Communication Products & Services“ in GM-C. Heike Heuberger ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Frankfurt am Main.