E-Mobilität: Ist ein Elektroauto das Richtige für mich?

Die E-Mobilität ist im Kommen und der Staat treibt sie voran. Welche Argumente sprechen aktuell für den Umstieg?

Frau steht vor Elektroauto und Tankt Strom - E-Mobilität

Das Wichtigste in Kürze

Nach einem schleppenden Start des Netzausbaus für Elektroautos tritt die Bundesregierung nun aufs Gaspedal. Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um ein solches Auto zu kaufen? Welcher Antrieb ist der beste? Und ist die E-Mobilität tatsächlich so umweltfreundlich, wie es scheint?
  • E-Autos sind jetzt schon umweltfreundlicher als Verbrennermotoren
  • 765.500 E-Autos sind bereits in Deutschland zugelassen
  • Das Ladesäulennetzwerk wächst kontinuierlich
  • Staatliche Förderungen machen Elektroautos für viele erschwinglich
  • Für jedes Fahrprofil gibt es den passenden Antrieb

Bis zum Jahresende 2020 sollten eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen rollen. Dieses ambitionierte Ziel hat sich die Bundesregierung im August 2009 gesetzt. Der damals beschlossene „Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität“ zielte darauf ab, Deutschland zu einem „Leitmarkt der Elektromobilität“ zu machen.

Nun ist klar: Ganz hat es nicht geklappt. Aber die Zahlen zeigen einen positiven Trend und im Jahr 2021 wurde die Millionenmarke geknackt. Im Juli 2022 wurden in Deutschland gut 765.500 „elektrifizierte Personenwagen“, also reine Elektroautos und 684.100 Plug-in-Hybride, zugelassen.1 Bei Letzteren handelt es sich um Fahrzeuge, die von einem Verbrennungs- und einem Elektromotor angetrieben werden. Im Unterschied zu normalen Hybridfahrzeugen kann der Fahrer den Elektromotor bei Plug-in-Hybriden eigenständig aufladen.

Was muss ich beim Kauf eines Elektroautos beachten?

Noch fremdeln viele Deutsche mit Elektroautos. Laut der „Continental Mobilitätsstudie 2020“2 findet mehr als jeder Zweite, dass die E-Mobilität nicht in sein Leben passt. Doch das Interesse steigt, denn 41 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Die gute Nachricht: Für fast alle Fahrprofile gibt eine passende Alternative zu Diesel- und Benzinfahrzeugen. Wichtig dabei ist, bei der Auswahl das eigene Umfeld im Blick zu haben. Gibt es genug Ladestationen in der Nähe? Falls nicht, habe ich die Möglichkeit, mir einen Ladeanschluss zuhause installieren zu lassen? Welche Strecken lege ich täglich zurück? Bereits diese drei Fragen geben wichtige Hinweise darauf, ob ein Elektroauto die passende Lösung ist.

Relevant ist auch die Frage nach den Kosten. Gerade in der Anschaffung erscheinen Elektroautos auf den ersten Blick sehr teuer zu sein. Allerdings fördert der Staat die E-Mobilität mit großzügigen Prämien – und manche Kunden können sogar weitere Zuzahlungen in Anspruch nehmen. Doch die meisten Bedenken haben die Deutschen, wenn es um Reichweite und Ladeinfrastruktur der Elektroautos geht. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov würde sich fast jeder Dritte (30 Prozent) als nächstes ein Elektroauto zulegen – wenn es mehr Ladesäulen gäbe.3 Lesen Sie in den folgenden Absätzen, welche dieser Probleme tatsächlich noch bestehen und welche Vorteile die alternativen Antriebe im Einzelnen haben.

Gibt es überhaupt genug Lademöglichkeiten?

Die Anzahl der Ladepunkte in Deutschland wächst zwar seit Jahren an, ist aber noch nicht ausreichend. Dies bestätigt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Laut Angaben des Verbandes sind zum Betrieb von einer Million Elektroautos insgesamt rund 70.000 Normalladepunkte und 7.000 Schnellladepunkte nötig. Dies wäre als Grundausstattung ausreichend. Laut der Bundesnetzagentur existieren im September 2022 57.231 Normalladepunkte und 11.044 Schnelladepunkte.4 Zum Vergleich: 2016 gab es in Deutschland lediglich rund 6.500 öffentliche Ladesäulen, 165 davon waren schnellladefähig. Die Ladeinfrastruktur wächst also.

Um den Ausbau des Ladesäulennetzes zu beschleunigen, hat die Bundesregierung einem Gesetz zum Ausbau der Ladeinfrastruktur zugestimmt. Ziel ist unter anderem bis 2023 7 Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland zuzulassen. Außerdem ist für neue Nichtwohngebäude mindestens ein Ladepunkt verpflichtend.5

Was bedeutet das für mich als Käufer? Die gerade beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass der Wille zum Ausbau der Ladeinfrastruktur besteht. In Zukunft wird sich das Netz verdichten und immer mehr Menschen werden Zugang zu Ladestationen in der Nähe ihrer Wohnung haben.

Ist ein E-Auto-Kauf finanziell eine gute Entscheidung?

Ein weiteres Kriterium, das Käufern bei der E-Mobilität wichtig ist, sind die Preise der Fahrzeuge. Gemessen am Listenpreis sind Elektroautos momentan noch deutlich teurer als vergleichbare Verbrenner. Fördergelder gleichen diesen Nachteil aber fast aus. Die Zulassungszahlen zeigen, dass Elektroautos immer attraktiver werden: Im Jahr 2017 lag der Anteil an Elektroautos bezogen auf alle zugelassenen Personenkraftwagen in Deutschland bei nur 0,12 Prozent. 2021 lag der Anteil bereits bei über 1,2 Prozent.6

Auch die Höhe der ausgezahlten Prämien steigt. Während 2019 noch rund 98 Millionen Euro ausgezahlt wurden, waren es 2020 bereits 652 Millionen Euro. Dank der großzügigen Fördergelder dürfte der Preis für die meisten Interessenten kein Ausschlusskriterium mehr sein. Erfreulich außerdem: Elektroautos werden in Zukunft voraussichtlich günstiger, weil die Entwicklungskosten für die Automobilindustrie immer weniger ins Gewicht fallen.

Welche Förderungen gibt es für E-Auto Käufer?

Bis Ende 2022 zahlt die Bundesregierung die sogenannten „Innovationsprämie“. Dabei übernimmt die Bundesregierung zwei Drittel der Fördersumme. Das verbleibende Drittel zahlen die Automobilhersteller selbst. Ab dem 01.01.2023 ändert sich die Höhe der Förderungsprämien, da der Bundesanteil der Förderungen sinkt.

Die Kaufprämie galt ursprünglich für alle Elektroautos, Brennstoffzellenfahrzeuge und förderfähigen Plug-in-Hybride, die nach dem 4. Juni 2020 zugelassen wurden. Seit Ende 2021 gilt die Förderung für Plug-in-Hybride nur noch dann, wenn deren Emission pro Kilometer höchstens 50 Gramm beträgt oder sie eine rein elektrische Mindestreichweite von 60 Kilometern aufweisen. Ab dem 01.01.2023 erhalten Plug-in-Hybride keine Förderungen mehr durch den Umweltbonus.

Gegebenenfalls ist eine sogenannte Doppelförderung möglich, bei der die „Innovationsprämie“ mit weiteren Prämien kombiniert wird. Dazu gehören zum Beispiel Förderungen, die Städte und Gemeinden im Rahmen eigener Umweltprogramme zahlen.

Ausschlag für die Höhe der Prämie geben die Listenpreise:

  • Für Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge bis 40.000 Euro beträgt die Prämie 9.000 Euro;
  • Für Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge zwischen 40.000 und 65.000 Euro beträgt die Prämie 7.500 Euro;
  • Für Plug-in-Hybride bis 40.000 Euro beträgt die Prämie 6.750 Euro;
  • Für Plug-in-Hybride zwischen 40.000 und 65.000 Euro beträgt die Prämie 5.625 Euro.

Diese und weitere aktuelle Informationen zum Nachlesen finden Sie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Wie umweltfreundlich ist die E-Mobilität überhaupt?

Die Hürden auf dem Weg zu sauberer Mobilität schwinden. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage nach der Umweltbilanz. Insbesondere die Herstellung solcher Elektrofahrzeuge ist noch immer sehr CO2-intensiv. Tatsächlich werden dabei sogar mehr Treibhausgase freigesetzt als bei der Herstellung von Verbrennern. Dafür ist hauptsächlich die Batterieproduktion verantwortlich. Der hierfür notwendige Strom stammt häufig noch aus fossilen Energien. Außerdem wird die Batterieproduktion oft wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen und der Nutzung seltener Erden wie Kobalt und Lithium kritisiert. Bestrebungen der Automobilindustrie, den aktuellen Zustand zu verbessern, erlauben allerdings einen optimistischen Blick in die Zukunft. Schon jetzt zeigen sich die Vorteile emissionsfreier Autos beim Fahren: Über eine Laufzeit von 200.000 Kilometern mit dem durchschnittlichen europäischen Strommix emittieren Elektroautos deutlich weniger CO2 als Benziner oder Diesel. Bezogen auf den gesamten Produktions- und Lebenszyklus sind Elektroautos also bereits umweltfreundlicher als solche mit Verbrennungsmotor.

Durch die sich stetig verbessernden Produktionsbedingungen dürfte sich der CO2-Ausstoß bei der Produktion in Zukunft weiter verringern. Zu den dafür nötigen Maßnahmen gehört beispielsweise die Verwendung von Ökostrom. Dies sorgt sowohl in der Produktion als auch beim Fahren dafür, dass der Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 sinkt. Umweltbedenken sollten bei der Kaufentscheidung also keine große Rolle mehr spielen.

Was sind eigentlich Brennstoffzellenfahrzeuge?

Neben Elektroautos und Plug-in-Hybriden ist in Bezug auf die E-Mobilität immer wieder auch von Brennstoffzellenfahrzeugen die Rede. Mit den anderen beiden Typen gemeinsam haben diese Autos den elektrischen Antrieb. Der große Unterschied liegt bei der Energiequelle. Während Elektroautos und Plug-in-Hybride ihre Energie aus Batterien ziehen, produziert ein Brennstoffzellenfahrzeug sie selbst. Die Autos werden mit flüssigem Wasserstoff betankt, der in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff reagiert. Dabei entsteht Strom, der letztlich einen Elektromotor antreibt.

Obwohl sie einen klassischen Auspuff haben, sind solche Fahrzeuge in Bezug auf die Emissionen beim Fahren ebenso umweltfreundlich wie Elektroautos, denn sie stoßen nur Wasserdampf aus. Außerdem ist auch bei Brennstoffzellenautos die Treibstoffproduktion zu beachten. Aktuell gewinnen viele Hersteller den Wasserstoff meist unter hohem Energieaufwand aus fossilen Energien. Wie Elektroautos sind also auch Brennstoffzellenfahrzeuge in der Regel nur lokal emissionsfrei. Die zunehmend umweltfreundlichere Produktion von Strom und Wasserstoff sollte dieses Problem aber in Zukunft abmildern.

Wie alltagstauglich sind Brennstoffzellenfahrzeuge?

Ein großer Vorteil von Brennstoffzellenautos ist ihre hohe Reichweite. Sie liegt annähernd gleich auf mit der von Verbrennern. So können auch Fahrer, die häufig große Strecken zurücklegen, auf ein solches Fahrzeug vertrauen. Ein weiteres Plus ist die kurze Tankdauer. Mit gerade einmal drei bis fünf Minuten entspricht sie fast der eines Autos mit Verbrennungsmotor. Doch es gibt auch Nachteile. So ist beispielsweise das Netzwerk an Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland noch sehr dünn. Kooperationen wie H2 Mobility arbeiten allerdings kontinuierlich am Ausbau der Infrastruktur. Das Basisnetz existiert schon jetzt. Brennstoffzellenfahrzeuge bieten also eine Reihe von Vorteilen. In Bezug auf ihre Alltagstauglichkeit stünden sie Benzinern und Dieseln in nichts nach, gäbe es mehr Tankstellen.

Welcher Antrieb passt zu mir?

Elektroautos, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge: Sie alle haben spezielle Vor- und Nachteile, abhängig vom jeweiligen Einsatzgebiet.

  • Elektroautos weisen über den gesamten Lebenszyklus gesehen schon jetzt eine deutlich bessere Umweltbilanz auf als Verbrenner. Die meisten Modelle haben allerdings noch recht geringe Reichweiten, sind also besonders für Kurzstreckenfahrer ein Gewinn. Wer längere Strecken fährt, sollte darauf achten, ein Elektroauto mit hoher Reichweite zu erwerben (siehe Tabelle). Wer regelmäßig besonders weit fahren muss, profitiert möglicherweise eher von einem Brennstoffzellenfahrzeug.
  • Plug-in-Hybride bieten die gleichen Reichweiten wie Verbrenner, sind aber aus Umweltsicht deutlich weniger attraktiv als die beiden anderen Varianten. Ihre elektrische Reichweite ist sehr gering, also nutzen sie beim Fahren meist den Verbrennungsmotor. Steht bei der Kaufentscheidung der Umweltschutz im Vordergrund, kommen Plug-in-Hybride also nur für kurze Strecken infrage. Mit Elektroautos können sie allerdings nicht mithalten.
  • Brennstoffzellenfahrzeuge sind beinahe genauso alltagstauglich wie Verbrenner. Sie bieten ähnlich hohe Reichweiten und lassen sich genauso schnell auftanken. Dabei sind sie ebenso umweltfreundlich wie Elektroautos. Allerdings existieren in Deutschland bisher nur recht wenige Wasserstoff-Tankstellen und die aktuell verfügbaren Modelle sind vergleichsweise teuer.

Im folgenden Abschnitt finden Sie die wichtigsten Eigenschaften von Elektroautos, Brennstoffzellenfahrzeugen und Plug-in-Hybriden auf einen Blick.

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