Der Praxistest, Geldanlage mit KI: Wie gut funktioniert das?
23.04.26 – KI verspricht schnelle Lösungen – auch beim Investieren. Doch wie solide sind die Tipps? Wir haben den Test gemacht und die Ergebnisse von unseren Experten bewerten lassen.
So gut schlägt sich KI bei echten Finanzfragen
Immer mehr Menschen nutzen KI in ihrem Alltag mittlerweile wie einen persönlichen Assistenten – sie lassen den Chatbot ihren Arbeitstag organisieren, ihren Urlaub planen oder auch ihre privaten Probleme lösen. Doch kann man mit Hilfe von KI auch Geld anlegen? Kann KI wirklich einschätzen, welche Geldanlage zu einem bestimmten Profil passt, welche Risiken relevant sind oder welche Kosten im Hintergrund lauern? Wir haben den Test gemacht.
Wie wir getestet haben
KI-Antworten können je nach Modellwahl und Nutzungskontext variieren. Für den Praxistest „Geldanlage mit KI“ haben wir deshalb die Standardversion von ChatGPT mit dem genutzt. Ziel war ein neutrales, praxisnahes Testergebnis ohne besondere Voreinstellungen oder Zusatzparameter.
Wichtig für den Testaufbau: KI-Modelle sind Sprachmodelle. Sie formulieren Antworten auf Basis von Sprachmustern und Wahrscheinlichkeiten. Die Ergebnisqualität hängt deshalb stark von der Formulierung der Nutzer-Frage ab. Je klarer und strukturierter der Prompt (Suchbefehl) erstellt wird, desto fundierter und nachvollziehbarer fällt die Antwort aus.
Für den Test haben wir deshalb so aufgebaut, dass er die typischen Kernfragen einer klassischen Anlageberatung abdeckt und zugleich klar strukturiert ist.
Gut zu wissen: Am Ende des Artikels stellen wir Ihnen eine Prompt-Vorlage bereit, die Sie über Platzhalter individuell anpassen können.
Kurzfassung des Test-Setups
Der Chatbot erhielt ein beispielhaftes Anlegerprofil:
- Alter: 35 Jahre
- Einmalanlage: 5.000 Euro
- Monatliche Sparrate: 150 Euro
- Zeithorizont: 20 Jahre
- Risikoprofil: mittel
- Bestehende Anlagen: keine
Die Aufgabe: eine strategische Grundempfehlung vorzuschlagen – inklusive Produktauswahl, Kosten und Risiken.
Anschließend haben wir die Antworten fachlich überprüft – und das ist das Ergebnis:
Was die KI aus Ihrem Anlegerprofil macht
Antwort von ChatGPT
Mit 20 Jahren Anlagehorizont, regelmäßigen Sparraten und mittlerem Risiko ist ein breit gestreutes, kostengünstiges Portfolio sinnvoll. Der Fokus liegt auf: langfristigem Vermögensaufbau, Nutzung des Zinseszinseffekts und möglichst wenig Aufwand im Alltag.
Der Experten-Check
Die KI empfiehlt die üblichen Grundregeln der Geldanlage: breit streuen, Kosten senken, Gewinne reinvestieren, langfristig bleiben – und bezieht auch implizite Nutzerbedürfnisse (geringen Alltagsaufwand) mit ein. So weit, so solide. Aber: Das Risikoprofil „mittel“ ist eine reine Definitionsfrage. Während die KI diesen Begriff einfach als gegeben hinnimmt, würde eine professionelle Beratung hier kritisch nachhaken: Was bedeutet „mittel“ für Sie konkret? Geht es um 5%, 10% oder gar 25% akzeptierten Verlust? Ohne diese Präzisierung bleibt die Empfehlung der KI-Geldanlage schwammig.
In einer professionellen Beratung werden daher vor allem diese zwei Faktoren tiefergehend analysiert:
- Finanzielle Tragfähigkeit: Haben Sie einen Notgroschen? Investieren Sie nur Kapital, auf das Sie im Alltag nicht zugreifen müssen, um Schwankungen entspannt aussitzen zu können.
- Emotionale Belastbarkeit: Seien Sie ehrlich: Wie reagieren Sie bei 20% Kursverlust? Eine echte Beratung klärt, ob Sie in Krisenphasen wirklich ruhig schlafen können oder ob „mittel“ in der Realität vielleicht doch eher „konservativ“ bedeutet.
Sobald Sie diese Punkte für sich geklärt haben, folgt der nächste Schritt: Um Ihre Planung in die Tat umzusetzen, benötigen Sie ein Wertpapierdepot als Basis für Ihre Investitionen. Denn: Ohne Depot keine Anlage – ob mit oder ohne KI.
Unser KI-Tipp
Die KI hinterfragt Ihre Angaben nicht automatisch. Nutzen Sie deshalb einen Folge-Prompt, etwa: „Stelle mir gezielte Rückfragen zu meiner finanziellen Absicherung und meiner Verlusttoleranz, bevor du eine Strategie vorschlägst.“ So bringen Sie den Chatbot dazu, Ihre persönliche Situation genauer zu berücksichtigen – und erhalten deutlich passendere Empfehlungen für Ihre KI-Geldanlage.
Welche Produkte die KI empfiehlt
Antwort von ChatGPT
Ein klassisches ETF-Portfolio mit einer 60/40-Aufteilung – 60 Prozent Aktien-ETFs, 40 Prozent Anleihen-ETFs mit zum Beispiel folgenden Bausteinen:
- Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (thesaurierend) – ISIN IE00BK5BQT80, (0,22% TER)
- Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF (EUR-hedged, thesaurierend) – ISIN IE00BG47KH54, (0,08% TER)
Der Experten-Check
Die von der KI vorgeschlagenen Produkte wirken zunächst wie eine gute Basis für Einsteiger:
Der Welt-ETF (Aktien)
Der FTSE All-World ist eine mögliche Ein-Produkt-Lösung. Er investiert in über 4.000 Unternehmen weltweit. Da Gewinne automatisch wiederangelegt werden (thesaurierend), profitieren Sie optimal vom Zinseszinseffekt.
Die Anleihen-Komponente
Der Global Aggregate Bond ergänzt das Depot durch Anleihen mit guter Bonität (Investment-Grade). Die Währungsabsicherung in Euro kann Sie vor Wechselkursschwankungen schützen.
Doch bei genauem Hinsehen offenbaren sich strategische Schwächen:
- Das US-Klumpenrisiko: Der FTSE All-World gilt zwar als „Welt-Index“, investiert aber aktuell zu rund 70 % in US-Unternehmen. Das ist wenig global und schafft eine enorme Abhängigkeit von einem einzigen Markt.
- Mangelnde Berücksichtigung der Weltlage: In unserer Antwort vernachlässigt die KI aktuelle geopolitische Spannungen oder Handelskonflikte, die gerade die US-Märkte volatil machen können. Und wer sich von der KI beraten lässt, sollte bei Urteilen über die aktuelle Marktlage genau hinschauen, woher die KI ihre Informationen bezieht – und wie aktuell sie sind.
- Ein weiterer Teufel steckt im Detail: Ein Abgleich mit den Datenblättern der ETFs1 (Stand Januar 2026) zeigt: ChatGPT hat nicht alle Daten korrekt erfasst – beim FTSE All-World liegen die Gebühren für den ETF (TER) bei 0,19%, nicht bei 0,22%.
Der Grund: KI-Modelle fragen nicht automatisch aktuelle Informationen ab, sondern nutzen in erster Linie ihre Trainingsdaten. Heißt: Alles, was nach dem Trainingsstichtag passiert, kennt das jeweilige Modell nicht. Hat sich etwa die TER eines ETFs zwischenzeitlich geändert, bleibt im Modell der frühere Wert präsent.
Unser KI-Tipp
Fordern Sie im Chat ausdrücklich eine Live-Abfrage an, zum Beispiel: „Bitte überprüfe die Angaben per Live-Abfrage und gleiche sie mit aktuellen Datenblättern ab.“ Damit erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass die KI aktuelle Webquellen berücksichtigt – garantieren lässt sich das jedoch nicht.
Wichtiger Hinweis: Auch Live-Daten schützen nicht vor Fehlern. KI-Modelle ordnen Kennzahlen gelegentlich falschen Wertpapieren zu oder geben Durchschnittswerte statt konkreter Daten aus. Dieses Phänomen wird als sogenanntes Halluzinieren bezeichnet.
Wie die KI Ihr Geld aufteilt
Antwort von ChatGPT
So setzt du dein Kapital um:
5.000 € Einmalanlage: 3.000 € Aktien-ETF + 2.000 € Anleihen-ETF
150 €/Monat: 90 € Aktien-ETF + 60 € Anleihen-ETF …
Der Experten-Check
ChatGPT wendet die 60/40-Verteilung proportional auf Ihre Einmalanlage und Sparrate an. Bei einer Summe von 5.000 Euro ist dieses Vorgehen für die Einmalanlage durchaus vertretbar. Die Aufteilung der kleinen monatlichen Sparrate kann hingegen zu unnötigen Kosten führen:
Rechenbeispiel mit einer exemplarischen Mindestgebühr (umfasst u.a. das Orderentgelt und z.B. mögliche Zuwendungen, Spreads) von 2,50 Euro:
- Beim Aktien-ETF (90 Euro Anlage): Sie zahlen 2,50 Euro, damit die Bank oder der Broker 90 Euro für Sie investiert. Das bedeutet: Von Ihren 90 Euro sind sofort 2,77% weg, noch bevor der Kurs sich bewegt hat.
- Beim Anleihen-ETF (60 Euro Anlage): Die 2,50 Euro Gebühr frisst bei der kleinen Summe von 60 Euro sofort 4,17% Ihres Geldes auf.
Oft wird eine Mindestgebühr pro Ausführung fällig (im Beispiel 2,50 Euro).
Daraus folgt: Selbst wenn Ihr Portfolio eine solide Rendite von 5% im Jahr erzielt, arbeitet Ihr investiertes Geld fast ein ganzes Jahr lang nur dafür, diese Gebühren wieder reinzuholen.
Die Lösung: Statt die Quote händisch über zwei einzelne ETFs abzubilden, ist es bei kleinen Raten sinnvoller, direkt in ein kombiniertes Produkt zu investieren, das die 60/40-Aufteilung bereits intern beinhaltet. So zahlen Sie die Ordergebühr nur ein einziges Mal pro Ausführung, genießen aber dennoch das volle Rebalancing und die gewünschte Risikomischung.

Extra-Tipp
, Aktions-ETFsAchten Sie gezielt auf Aktions-ETFs wie zum Beispiel von der Commerzbank. Während des Aktionszeitraums entfällt hier die Ordergebühr. Spreads und laufende ETF-Kosten (TER) fallen zwar weiterhin an, sind aber meist deutlich geringer als die gesparte Kaufgebühr.
Wie die KI Risiken bewertet
Antwort von ChatGPT
Marktrisiken: Auch breit gestreute ETFs schwanken mit den Märkten. Verhaltensrisiko: Gefahr emotionaler Fehlentscheidungen bei Marktschwankungen.
Der Experten-Check
Die KI nennt die Basisrisiken wie Marktschwankungen und emotionales Fehlverhalten korrekt. Doch für eine gut beratene Geldanlage reicht das nicht aus. Es fehlen entscheidende Punkte:
- Risiken von Anleihen
Anleihen gelten oft als „sicher“, sind aber auch mit Risiken verbunden, die die KI nicht nennt - unter anderem das Zinsänderungsrisiko: Steigen die Marktzinsen, fallen oft die Kurse bestehender Anleihen-ETFs. Wenn Sie 40% Ihres Geldes in Anleihen halten, sollten Sie wissen, dass dieser Depotanteil bei steigenden Zinsen vorübergehend ins Minus rutschen kann. - Strategisches Klumpenrisiko
Die KI empfiehlt einen Welt-Index, der aktuell zu großen Teilen in US-Unternehmen investiert – damit ist Ihr Depot kein globales Portfolio, sondern hat eine Übergewichtung an US-Aktien. Wird dieses Übergewicht nicht ausgeglichen, kann das zu Problemen führen, wenn die Kurse fallen. - Mangelnde Berücksichtigung der Weltlage
An das Klumpenrisiko anknüpfend bezieht die KI keine politischen Ereignisse oder geopolitischen Spannungen in ihre Antwort ein. Auf Nachfrage kann die KI zwar Informationen zur Weltwirtschaft liefern, doch diese müssen Sie zwingend überprüfen, da oft unklar bleibt, aus welchen Quellen sie stammen.
Fazit, Wie viel „Intelligenz“ steckt in der KI-Geldanlage?
Unser Praxistest zeigt ein zweigeteiltes Bild: Die KI liefert solide Grundprinzipien für den Vermögensaufbau – breit streuen, Kosten niedrig halten, Gewinne reinvestieren, langfristig denken. Gleichzeitig zeigt der Test klare Grenzen auf: Teilweise veraltete Daten, nicht berücksichtigte Orderkosten und fehlende Rückfragen zur finanziellen Situation können Empfehlungen verzerren.
Unser Fazit für Sie:
- Produkt-Falle vermeiden
Eine 60/40-Aufteilung kann strategisch sinnvoll sein, aber bei kleinen Sparraten wird sie über Einzeltitel in der Regel zu teuer. Suchen Sie nach einem Produkt (z. B. Mischfonds), das diese oder eine ähnliche Mischung bereits abbildet. - Aktiv vs. Passiv
In einer volatilen Weltlage mit Zöllen und geopolitischen Umbrüchen stoßen rein passive Index-Investments an Grenzen. Hier können aktiv gemanagte Fonds ihre Stärken ausspielen, da Experten das Portfolio flexibel an die aktuelle Wirtschaftslage anpassen. - Mensch vor Maschine
Wenn Sie wenig oder gar keine Erfahrung beim Geldanlegen haben, ersetzt der Chatbot keine professionelle Anlageberatung. Ein Berater erkennt nicht nur die Risiken, er stellt die richtigen Fragen zu Ihren persönlichen Bedürfnissen und fungiert in Krisenzeiten auch als psychologisches Korrektiv, um panische Fehlverkäufe zu verhindern.
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KI-Prompt für Ihre Geldanlage: direkt nutzbare Vorlage
„Ich bin [35] Jahre alt und plane den langfristigen Vermögensaufbau für meine Altersvorsorge über [20 Jahre].
Finanzielle Basis: Ich verfüge über eine Einmalanlage von [5.000 €] und eine monatliche Sparrate von [150 €]. Ein Notgroschen für Notfälle auf einem Tagesgeldkonto ist bereits vorhanden und separat von diesen Beträgen zu betrachten. Risikoprofil: Meine Risikobereitschaft ist [mittel]. Das bedeutet, ich akzeptiere moderate Schwankungen für höhere Renditechancen, möchte aber nicht, dass mein Depot um mehr als 20% einbricht. Meine Erfahrung ist [mittel].
Dein Auftrag: Erstelle mir einen strukturierten Vorschlag für ein Portfolio. Berücksichtige dabei:
- 1.Konkrete Produktkategorien mit Begründung.
- 2.Eine Einschätzung, wie sich Inflation und Ordergebühren bei meinen Sparsummen auf die Rendite auswirken.
- 3.Typische Risiken.
- 4.Berücksichtigen der aktuellen Weltlage.
Wichtig: Bevor du die Strategie erstellst, stelle mir bitte 3-5 gezielte Rückfragen zu meiner Situation, falls Informationen für eine fundierte Empfehlung fehlen.“