Alte Börsenweisheit im Faktencheck
, „Sell in May“: Sollten Anleger vor dem Sommer verkaufen?

26.05.2026 – Aktien vor dem Sommer verkaufen und später günstiger zurückkaufen? Die Börsenregel „Sell in May and go away“ hält sich seit Jahrzehnten. Doch wie zuverlässig funktioniert die Strategie heute noch wirklich?

Sommerflaute an der Börse?
, Das steckt hinter dem „Sell-in-May-Effekt“

„Sell in May and go away“ gehört zu den bekanntesten Börsenweisheiten überhaupt. Gemeint ist: Aktien im Mai verkaufen, die Sommermonate abwarten und erst im Herbst wieder investieren.

Die Idee dahinter: Historisch entwickelten sich viele Aktienmärkte zwischen Mai und September oft schwächer als im Winterhalbjahr. Deshalb glauben manche Anleger, dass sich ein Ausstieg vor dem Sommer lohnen könnte.

Konkret würde das bedeuten:

  • Wer bereits Aktien besitzt, verkauft vor dem Sommer.
  • Wer investieren möchte, wartet mit dem Einstieg bis zum Herbst.

Doch funktioniert die Börse wirklich nach diesem Muster?

Der Ursprung der Regel reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Bereits im England des 18. Jahrhunderts hieß es: „Sell in May and go away, come back on St. Leger’s Day“. Während der Sommermonate zog sich der englische Adel auf seine Landsitze zurück und verkaufte zuvor häufig Wertpapiere. Im Herbst wurde wieder investiert.

Heute bewegen allerdings nicht mehr einzelne Adelsfamilien die Märkte, sondern Millionen Anleger, Unternehmen, Fonds und computergesteuerte Handelssysteme weltweit. Deshalb ist unter Experten umstritten, wie zuverlässig der sogenannte „Sell-in-May-Effekt“ heute tatsächlich noch funktioniert.

Blick in die Statistik
, Gibt es einen “Sell-in-May-Effekt”?

Historische Daten verschiedener Aktienmärkte zeigen tatsächlich saisonale Unterschiede zwischen Sommer- und Winterhalbjahr. So entwickelten sich viele Börsen zwischen November und April im Durchschnitt häufig stärker als zwischen Mai und Oktober. Bekannt wurde dieser Zusammenhang unter anderem durch eine Studie der Ökonomen Sven Bouman und Ben Jacobsen aus dem Jahr 2002. Die Autoren untersuchten zahlreiche internationale Aktienmärkte und beobachteten dabei in vielen Ländern höhere durchschnittliche Renditen im Winterhalbjahr.

Durchschnittliche Performance des DAX von 1959 bis 2025 auf Monatsbasis:

Was gegen die Saisonalität spricht

Wie aussagekräftig dieser Effekt heute noch ist, wird unter Experten jedoch unterschiedlich bewertet. Zwar wurde das Muster in historischen Daten mehrfach beobachtet, spätere Untersuchungen kamen jedoch teilweise zu abweichenden Ergebnissen. So zeigen einige Analysen, dass einzelne Krisenjahre wie der Börsencrash von 1987 die Statistik beeinflusst haben könnten.

Zudem entwickelten sich Sommermonate historisch nicht durchgehend schwach. Während der September in vielen Auswertungen häufig zu den schwächeren Börsenmonaten zählt, erzielten andere Sommermonate teils auch positive Renditen.

Viele Experten sehen saisonale Börsenregeln deshalb eher kritisch und verweisen auf langfristige Anlagestrategien wie „Buy and Hold“. Statistisch betrachtet zeigt sich der „Sell-in-May“-Effekt in historischen Daten zwar durchaus. Für eine verlässliche Anlagestrategie reicht dieser Zusammenhang allein jedoch vielen Experten nicht aus.

Ist „Sell-in-May“ als Anlagestrategie sinnvoll?

Ist es also doch klug, wenn Sie Ihre Anlagestrategie nach der Saisonalität ausrichten, wie es die “Sell-in-May” Strategie vorschlägt?

Trotz statistischer Hinweise sprechen einige Punkte dagegen:

Gehandelt wird immer

In Zeiten des digitalen Wertpapierhandels gibt es keine “Sommerflaute an der Börse”. Und auch wenn es im Durchschnitt so aussehen mag: Es gibt immer wieder auch Börsenjahre mit guten Sommermonaten. Pauschalaussagen lassen sich also kaum treffen.

Krisen kennen keine Saison

In einem globalisierten Aktienmarkt kommt es immer wieder zu Krisen und Ereignissen, die die Kurse beeinflussen - ganz unabhängig davon, welche Jahreszeit gerade ist.

Aktien verkaufen kann Sie Geld kosten

Beim Verkauf von Aktien fallen Transaktionsgebühren an und je nach Aktie entgehen Ihnen auch wertvolle Dividenden. Ob der Verkauf und der spätere Wiederkauf wirklich mehr einbringt, als er kostet, lässt sich also nicht pauschal sagen und hängt auch von der Zusammensetzung Ihres Portfolios ab.

Aktien halten bringt langfristig oft mehr

Einige Analysten vergleichen die Sell-in-May- mit der Buy-and-hold-Strategie. Beim Buy-and-hold werden Aktien gekauft und dann gehalten. Und es zeigt sich: Über längere Zeiträume und je nach Portfolio gewinnt man mit der Buy-and-hold-Strategie oft mehr.

Zwei Tipps für Ihre Geldanlage
, Wann sollten Sie verkaufen oder investieren?

Fassen wir zusammen: Historisch finden sich Hinweise, die für einen Sell-in-May-Effekt sprechen. Daraus eine pauschale Anlagestrategie abzuleiten, ist aber schwierig, denn: Börsen entwickeln sich nicht nach festen Mustern. Wirtschaft, Zinsen, Krisen oder politische Ereignisse können die Märkte jederzeit beeinflussen.

Für den langfristigen Vermögensaufbau sind deshalb folgende Faktoren wichtiger als Weisheiten: breit gestreut investieren, regelmäßig sparen und auch in schwächeren Börsenphasen langfristig investiert bleiben.

Tipp 1: Vertrauen Sie Experten

Egal, welche Jahreszeit: Ein Einstieg in den Wertpapierhandel kann sich immer lohnen. Alles, was Sie dafür brauchen, ist ein Depot - und das bekommen Sie bei der Commerzbank.
Wichtig ist nur: Vertrauen Sie beim Handeln auf echte Experten statt auf Börsenweisheiten. Auf unserer Aktien-Seite finden Sie aktuelle Anlageempfehlungen und Aktien-Ideen unserer Anlagestrategen.

Tipp 2: Nutzen Sie Sparpläne

Verkaufen ist nicht immer sinnvoll: Viele Analysen zeigen, dass eine Buy-and-hold-Strategie oft mehr Rendite bringt.
Unser Tipp: Stocken Sie mit einem Aktiensparplan auf, denn damit kaufen Sie bei fallenden Kursen günstiger ein (“Cost-Average-Effekt”) und profitieren so automatisch, wenn es wirklich ein Sommerloch gibt. Alles, was Sie dafür brauchen, ist ein Depot.

Sie möchten Ihr Wissen vertiefen?

Wir liefern Ihnen, die Informationen, die Sie brauchen.

  • Buy and Hold: die Anlagestrategie im Überblick

    06.05.2020 – Aktien kaufen und langfristig halten: mit dieser Anlagestrategie ist schon Warren Buffett reich geworden. Wie Buy and Hold funktioniert und worauf es dabei ankommt.

  • Aktien als Geldanlage

    Aktien machen Sie zum Miteigentümer an Unternehmen und deren Erfolg. Hier finden Sie Grundwissen zu Aktien, Strategien sowie Anlage-Optionen wie ETFs oder Fonds. Unser Newsletter und...