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Das eigene Auto als Statussymbol: Hafermilch statt S-Klasse?

Über Jahrzehnte war es der Deutschen liebstes Kind: Das Auto stand für Wohlstand, Freiheit und Lebensqualität. Doch der Lack ist ab. Neue Statussymbole stehen nun ganz oben auf dem Podest. Oder ist es am Ende alles nur eine Frage des Geldes?

Ein eigenes Auto? Brauch ich nicht!

47,7 Millionen Fahrzeuge waren in Deutschland Anfang des Jahres 2020 zugelassen – ein neuer Spitzenwert. Und wer sein Auto liebt, der bringt es am Wochenende auf Hochglanz: Einmal waschen, wachsen und polieren bitte! Doch die Heimat von Mercedes, BMW und Porsche hat sich verändert. In den vergangenen Jahren entwickelte sich zunehmend eine Gegenbewegung, insbesondere bei jüngeren Menschen: Machten im Jahr 2010 insgesamt 86 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in Deutschland den Führerschein, waren es acht Jahre später nur noch 79 Prozent. Ähnlich sieht es bei der Quote der Autofahrer aus. Unter den 25- bis 29-Jährigen sank der Anteil von 73 auf 60 Prozent.

Stadt, Land, Bus …

Ist der Traum der Jugend, sich durch das eigene Auto ein Quäntchen Freiheit zu erobern, also ausgeträumt? Nicht so ganz. Denn die Tendenz, aufs Auto zu verzichten, ist vor allem in den urbanen Zentren spürbar. Auf dem Land möchte kaum jemand zehn Kilometer zum Einkaufen radeln. Oder sein Leben nach dem spärlichen Fahrplan des Busses ausrichten. In der Stadt hingegen pendeln die Menschen gern mit den ‚Öffis‘. Als Alternative stehen rund um die Uhr Uber, E-Roller und Mieträder zur Verfügung. Und wer mal schnell neue Möbel im Ikea holen will, greift ganz selbstverständlich auf Carsharing-Angebote zurück.

Mein Selfie, meine Bowl, mein Lastenrad

So viel zur praktischen Komponente. Doch wie sieht es mit der gesellschaftlichen Bedeutung aus? Schließlich galt das Auto seit den 1950ern als Statussymbol. Als Zeichen für Wohlstand und Fleiß – und als Erweiterung der eigenen Persönlichkeit. Du bist, was du fährst. Das ist heute anders: 70 Prozent der 16- bis 29-Jährigen geben an, dass das Auto für sie kein Statussymbol mehr ist.

Aber was ist jungen Menschen in Deutschland heute wichtig? Einige Wissenschaftler sehen die Vertreter der Generationen Y und Z als weniger materialistisch an. Statt auf Besitz seien sie mehr auf Erfahrungen aus. Daher geben sie ihr Geld für Reisen, Events und hippe Hobbys aus. Soziales Ansehen beginnt in der Boulderhalle und steigt durch den Yogakurs in Portugal. Und wer sein Image pflegen will, der kocht selbst – mit Bio-Produkten. Regional-saisonal, versteht sich. Fotos auf Instagram und Co. untermauern das Erlebte und zugleich den eigenen Status.

Ohne Moos nix los

Der Wille zur Abgrenzung aber auch Zugehörigkeit bleibt also bestehen. Denn durch sie entsteht Identität. Nur ist das Geflecht aus Gruppenzwang und Selbstverwirklichung heute deutlich komplexer als früher. Oder einfacher ausgedrückt: Die Auswahl an Statussymbolen ist größer – und das Geld knapper. Das jedenfalls fanden mehrere Forscher aus den USA heraus. In ihren Studien belegen sie den vermeintlichen Niedergang des Autos als Statussymbol. Doch beim Blick auf die Ursachen dominiert der Kontostand. Denn die Millennials, also die Generation der nach 1980 Geborenen, haben inflationsbereinigt einfach weniger Einkommen. Vor allem stark steigende Mieten in den Städten lassen das freie Budget schrumpfen. Zudem ist heute jede zweite Neueinstellung befristet. Planungssicherheit? Fehlanzeige! Die Folge: Große Anschaffungen und Familiengründungen stellen die Millennials zurück – bis genügend Kaufkraft da ist. Sind Geld und Sicherheit aber vorhanden, sei der Wunsch nach einem eigenen Auto weiterhin groß.

Tipp

Kostenfaktor Auto
Der Kaufpreis für ein eigenes Auto ist nur die eine Seite der Medaille. Mit welchen Unterhaltskosten Sie rechnen müssen, erfahren Sie hier.

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