Verdi-Vertreter im Commerzbank-Aufsichtsrat warnt vor Stellenabbau

Frederik Werning stellt sich im Commerzbank-Aufsichtsrat gegen die feindliche Übernahme durch Unicredit.

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Christoph Ruhkamp, Börsenzeitung

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der BöZ, 16.3.2026

17.03.2026

Porträt von Frederik Werning
Verdi-Vertreter Frederik Werning warnt vor Vertrauensverlust und dem Abbau von über 15.000 Stellen in Deutschland.© Commerzbank

Zusammenfassung:

  • Frederik Werning spricht sich klar gegen die feindliche Übernahme durch Unicredit aus, da sie schädlich für Beschäftigte, Aktionäre und die Wirtschaft sei.
  • Er betont die Stärke einer eigenständigen Commerzbank und verweist auf negative Auswirkungen aus Fusionen in der Vergangenheit.

Herr Werning, ist der Kampf der Commerzbank gegen die Übernahme durch die Unicredit verloren?

Keinesfalls. Dass Unicredit ein Angebot unterbreiten würde, kommt für uns nicht überraschend, wir sind dafür gewappnet. Der Kurs einer eigenständigen Commerzbank setzt auf nachhaltige Erfolge – für Beschäftige, Aktionäre und auch die Wirtschaft. Wir können diesen Kurs in einer feindlichen Übernahme nicht erkennen – wir kämpfen entschlossen weiter!

Wie bewerten Sie den Vorstoß der Unicredit?

Es bestätigt das Vorgehen von Unicredit und im Speziellen von Andrea Orcel: Es bleibt ein feindlicher Übernahmeversuch. Die wichtigste Währung der Banken ist das Vertrauen – dieses Vertrauen hat Andrea Orcel schon lange verspielt. Auch mit seinem neuen Vorstoß zeigt er, dass die Beschäftigten der Commerzbank für ihn reine Verteilmasse sind. Auch deswegen werden wir weiter gegen diese Versuche ankämpfen.

Die hessische Landesregierung gibt Ihnen offenbar keine Rückendeckung mehr. Was erhoffen Sie sich von der Bundesregierung?

Wir befinden uns in außerordentlich herausfordernden Zeiten – volkswirtschaftlich und auch geopolitisch. Es ist nicht abzusehen, welche Auswirkungen, z.B. der neuerliche Nahost-Konflikt nachhaltig auf die europäische Wirtschaft haben wird. Der Fokus europäischer Kreditinstitute sollte darauf liegen den europäischen Mittelstand durch diese Zeit durchzumanövrieren. Eine grenzüberschreitende feindliche Bankenübernahme birgt insbesondere aufgrund der noch nicht vollendeten europäischen Bankenunion große Risiken und würde gerade in den ersten Jahren massiv Ressourcen intern bündeln, die anderweitig etwa bei der Transformation des Mittelstands dringend benötigt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesregierung daran interessiert ist.

Wie wollen Sie die Integration gestalten?

Die Commerzbank ist eigenständig ökonomisch, auch Dank der unermüdlichen Leistung der Beschäftigten, stark aufgestellt. Das haben die letzten Quartale deutlich gezeigt. Der Bund steht weiterhin zu einer unabhängigen Commerzbank. Spekulationen über eine mögliche Integration sind daher nichts als ebendies – Spekulationen. Schauen wir auf die Integration großer deutscher Kreditinstitute der letzten Jahre – keine davon ist reibungslos verlaufen, viele vermeintliche Synergien sind verpufft. Vielmehr haben sie zu jahrelanger Selbstbeschäftigung der Banken geführt. Das nützt weder den Beschäftigten, den Aktionären noch der Wirtschaft. Schon aus diesem Grund macht eine Integration aus unserer Sicht keinen Sinn!

Wie werden Sie übermäßigen Personalabbau verhindern?

Fusionen versprechen zunächst immer die Hebung von Synergien. Historisch gelingt das in den seltensten Fällen in ausreichendem Maße. Was nahezu immer passiert, ist ein überproportionaler Personalabbau. Auch aus diesem Grund stellen wir uns weiter gegen die Versuche von Unicredit – im Sinne der Beschäftigten beider Institute. Für Unicredit ist eine solche Übernahme nichts anderes als ein Kosteneinsparprogramm – wir gehen davon aus, dass das weit über 15.000 Arbeitsplätze in Deutschland kosten würde.

Welche Standortgarantien wollen Sie fordern?

Im Sinne der Beschäftigten werden wir weiter daran arbeiten, dass diese Frage nicht notwendig sein wird.