Nahost-Krieg – die langfristigen Folgen
Die meisten Beobachter konzentrieren sich darauf, wann der Iran-Krieg endet und die Straße von Hormus wieder geöffnet wird.
Commerzbank Economic Research
30.04.2026
Mehr Rüstungsausgaben
Trotz der Luftüberlegenheit der USA hat der Iran mit billigen, massenhaft eingesetzten Drohnen große Schäden in den Golfstaaten und auf regionalen US-Stützpunkten angerichtet. Wie schon der Ukraine-Krieg gezeigt hat, werden diese Waffen immer wichtiger. Nicht nur die USA und die Golfstaaten sind gezwungen, darauf zu reagieren und ihre Streitkräfte tiefgreifend umzustellen. Das verstärkt den weltweiten Trend zu mehr Rüstungsaufgaben, der sich bereits 2025 etwa bei den deutschen Verteidigungsausgaben zeigt und von dem Rüstungsfirmen seit Beginn des Nahost-Kriegs verstärkt berichten. Die Nato-Staaten streben ohnehin an, ihre Verteidigungsausgaben im engeren Sinne bis 2035 auf 3,5% des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, um sich unabhängiger von den USA gegen ein zunehmend aggressives Russland verteidigen zu können. Die westlichen Länder dürften die steigenden Ausgaben vor allem durch neue Schulden finanzieren, weil sie eigentlich notwendige Einschnitte etwa im Sozialbereich vermeiden möchten. Dadurch steigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was letztlich ein struktureller Inflationstreiber ist.
Mittlerer Osten dauerhaft instabiler
Die iranische Führung geht letztlich gestärkt aus dem Krieg mit den USA und Israel hervor. Zwar hatten die USA die Luftüberlegenheit und konnte viele Ziele zerstören. Aber der Iran war trotzdem fähig, die Golfstaaten mit Drohnen und Raketen anzugreifen und dabei auch militärische Einrichtungen der USA empfindlich zu treffen. Darüber hinaus hat der Iran mit der Schließung der Straße von Hormus ein enormes wirtschaftliches Druckmittel in der Hand.
Diese Stärke des politischen Unruhestifters Iran macht den Mittleren Osten dauerhaft instabiler. Hinzu kommt, dass der Iran-Krieg viel stärker eskalierte als die Konflikte der zurückliegenden zwei Jahrzehnte; bei künftigen Kriegen werden die Beteiligten weniger Hemmungen haben, wieder militärische Gewalt in großem Stil anzuwenden. Dies macht die rohstoffreiche Region instabiler und erneute Schließungen der Straße von Hormus wahrscheinlicher, was beträchtliche wirtschaftliche Folgen hat:
- Die Golfstaaten, die zwischenzeitlich von vielen als die Schweiz des Nahen Osten gesehen wurden, werden in Zukunft viel mehr Schwierigkeiten haben, Kapital, qualifizierte Arbeitskräfte und Touristen anzuziehen und weiterhin vergleichsweise stark zu wachsen. Das unterhöhlt ihre Pläne, sich jenseits der Ölförderung und Petrochemie als Luftfahrt-Drehkreuze, im Finanzwesen oder im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu positionieren.
- Länder, die wie die USA nicht oder wenig von importierten fossilen Energien abhängen, profitieren im Wettbewerb um Kapital und Arbeitskräfte. Asiatische Entwicklungsländer, die viel Öl und Gas aus dem Nahen Osten importieren, dürften sich dagegen in Zukunft schwerer tun, wenn die Wahrscheinlichkeit von Lieferunterbrechungen aus den Golfstaaten höher ist.
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