„Wir brauchen eine stärkere Machermentalität in diesem Land“

Dr. Stephanie Kenedi ist Unternehmerin, Mutter und politisch engagiert. Bei Finanzen setzt sie auf die Commerzbank. Wir haben mit ihr gesprochen.

Das Foto zeigt Dr. Stephanie Kenedi im Fotografie Forum in Frankfurt mit der leitenden Geschäftsführerin Sabine Seitz.

Frau Dr. Kenedi, Sie sind in Mexico City geboren, haben viele Jahre in Budapest gelebt und Ihre Zelte schließlich in Deutschland aufgeschlagen. Was war dabei das Prägendste für Sie?

Dieser Lebensweg prägt natürlich, denn ich bin sehr international aufgewachsen und habe lange Zeit im Ausland gelebt. Das empfinde ich als großes Geschenk im Leben. In dieser Zeit lernt man sich anzupassen und flexibel zu agieren. In meinen Augen hilft es zudem dabei, in schwierigen Situationen auf die Füße zu fallen und gut im Leben zurechtzukommen.

Bei meinem Umzug nach Deutschland fiel mir auf, wie gut es den meisten Menschen hier geht. Gleichzeitig vermisse ich hin und wieder die Dankbarkeit. Viele sind zu schnell dabei, sich im Alltag zu beklagen, statt sich dankbar zu zeigen für all das, was in Deutschland gut läuft.


Sie sind als selbständige Unternehmerin tätig, betreiben in Mitteldeutschland einen Fachmarkt, sind außerdem Mutter und engagieren sich ehrenamtlich. Wie sehen die größten Herausforderungen in Ihrem Alltag aus?

Mir geht es wie den meisten Menschen: Ich habe zu viel zu tun und dafür viel zu wenig Zeit. Dennoch ist die persönliche Einstellung entscheidend: Statt auf Perfektionismus setze ich lieber auf die 80-20-Regel, die besagt, dass sich 80 Prozent der Ergebnisse schon mit 20 Prozent Aufwand erreichen lassen. Außerdem priorisiere ich meine täglichen Aufgaben bewusst. Und auch der Fleiß spielt eine Rolle. Es gibt eben auch Abende, an denen ich mich um 22 Uhr nochmal für ein paar Stunden hinsetze.

Im Werra-Meißner-Kreis betreiben Sie einen Hagebau-Markt. Was ist daran das Spannendste für Sie persönlich?

Mir hat vor allem die Aufbauphase Spaß gemacht: Der Standort war in der Vergangenheit eine Herausforderung, aber ich konnte von meiner Erfahrung als Unternehmensberaterin profitieren. Bei einem Unternehmensaufbau lässt sich die Entwicklung deutlich mitverfolgen, zum Beispiel, wenn sich die Regale schließlich füllen oder sich die Türen zum ersten Mal für die Kundschaft öffnen.

Damit kennen Sie die Herausforderungen des lokalen Handels. Wie bewerten Sie Deutschland als Wirtschaftsstandort?

Aus meiner Sicht ist Deutschland als wirtschaftlicher Standort abgeschlagen. Das ist unter anderem auch meine Motivation für mein politisches Engagement. Wir brauchen eine stärkere Machermentalität in diesem Land. Oft fehlt es an Offenheit und Mut. Bevor Ideen in die Tat umgesetzt werden, wird viel zu viel nachgedacht und abgewogen, statt einfach mal anzufangen.

Diese Mentalität wurde während Covid besonders an den Schulen deutlich. Als die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel in Ungarn schon längst digital unterrichtet wurden, hat man in Deutschland noch immer über Formalitäten diskutiert. Auch die Luftfilter fehlen häufig noch. Ebenso schwerfällig empfinde ich Deutschland als Wirtschaftsstandort: Auf die Genehmigung einer kleinen Lagerhalle mussten wir über ein Jahr warten.

Warum ist es für Sie als Unternehmerin wichtig, einen starken Finanzpartner an Ihrer Seite zu haben?

Ich erlebe die Commerzbank bei neuen Ideen als sehr aufgeschlossenes Geldinstitut. Die Commerzbank begegnet ungewöhnlichen Businessmodellen mit Offenheit, daher ist unser Finanzierungsmodell für das Fachmarktzentrum auch außergewöhnlich: Eine Immobilienfinanzierung, die mit einem Wertpapierdepot besichert wurde und deren Tilgung in ein Wertpapierdepot läuft. Mir ist zudem wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der nicht nur lokal, sondern international gut aufgestellt ist, um mich auch bei komplexen Themen optimal zu beraten.

In nächster Zukunft wollen wir beispielsweise eine Solaranlage auf dem Fachmarkt installieren. Das war 2019 schon einmal ein Thema. Mit Blick auf die Energiepreise wird es allerdings spätestens jetzt Zeit, zu handeln. Auch in solchen Fällen schätze ich die Zusammenarbeit mit der Commerzbank − das Finanzierungsangebot stand innerhalb einer Woche.

Warum sollten sich Frauen in der heutigen Zeit viel stärker mit dem Thema Finanzen auseinandersetzen?

Das betrifft nicht nur Frauen. Viele Menschen kümmern sich zu wenig um das Thema Finanzen. Allerdings ist die private Altersvorsorge enorm wichtig: Wer im Alter gut leben will, muss sich damit beschäftigen. Sich mit Finanzen zu beschäftigen ist gar nicht so schwer. Auch hierbei wird nur mit Wasser gekocht.

Sparen funktioniert gut mithilfe eines Depots, das aus verschiedenen Wertpapieren und Fonds besteht. Mein Mann und ich möchten unsere Kinder dabei fördern, Sparen zu lernen. Daher hat jedes meiner Kinder ein eigenes kleines Depot. Im ersten Schritt haben wir ihnen versprochen, eventuelle Verluste im Depot auszugleichen, damit sie bereits als Teenager zu sparen beginnen. Später wenn sie älter sind, werden sie auch die Verantwortung für etwaige Verluste übernehmen lernen. Unser jüngster Sohn hat in der Vergangenheit in Wirecard-Aktien investiert. Er begreift so, wie es ist, durch Einzelaktien Geld zu verlieren und warum eine breite Streuung eine sinnvolle Alternative ist.

Ihnen liegen Kunst und Kultur sehr am Herzen. Was fasziniert Sie daran?

Kunst macht einfach glücklich! Als ich kurz nach dem ersten Lockdown wieder das erste Kammerkonzert besucht habe, war ich so bewegt, dass sogar einige Tränen liefen. Im Alltag sind wir häufig abgelenkt: Uns begegnen zum Beispiel ständig kurze Clips im Internet. Konzerte oder Bücher hingegen sind anders, langfristiger und ermöglichen mir eine fokussierte Auszeit vom täglichen Leben. Außerdem bedeutet Kunst Inspiration, manchmal auch Provokation.

Was können Unternehmerinnen und Unternehmer von Künstlerinnen und Künstlern lernen?

Eindeutig Disziplin, die Liebe zum Detail und Handwerk. Kunst steht für Ausdauer. Ein gutes Kunstwerk braucht Zeit. Viele Menschen sind fasziniert von dem Moment, wenn einem kreativen Menschen die Idee für ein Kunstwerk kommt. Dabei wird allerdings häufig vergessen, dass Kunst auch bedeutet, dass jemand viele einsame Stunden damit verbringt, dieses Kunstwerk zu erschaffen.

Apropos Kunst: Auf den Plakaten der Commerzbank bewegen Sie sich umweltbewusst mit dem Rad fort. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie und welchen Stellenwert hat es für Sie als Unternehmerin?

Nachhaltigkeit spielt für mich nicht nur als Unternehmerin eine Rolle, sondern beginnt im persönlichen Bereich. Ich bin stark von der „protestantischen Ethik“ geprägt. Die Bewahrung der Schöpfung steht für mich im Vordergrund, was ich auch so in meinen Alltag übernehme. Manchmal übertreibe ich vielleicht auch etwas, gerade wenn es darum geht, dass die Heizung nicht unnötig läuft oder die Lichter ausgeschaltet werden, sobald jemand den Raum verlässt. Das bleibt dann auch bei meiner Familie nicht unkommentiert.

Auch als Unternehmerin beschäftigt mich das Thema Nachhaltigkeit zunehmend. Hierbei ist es eine besondere Herausforderung, denn Nachhaltigkeit muss sich aus auch rechnen. Natürlich gibt es einige Punkte, an denen man ansetzen kann: zum Beispiel das papierlose Büro, bei dem ich selbst aber offen gestanden noch Nachholbedarf habe. Darüber hinaus setze ich als Unternehmerin bereits früh auf nachhaltige Investitionen, zum Beispiel in den Bereichen Future Mobility und Green Energy − und meine Passion ist nachhaltige Waldwirtschaft.

Auch das Digitale ist in den letzten Monaten in den Vordergrund gerückt. Wie erleben Sie den digitalen Wandel und welche Chancen sehen Sie darin?

Wir haben in Deutschland definitiv Nachholbedarf. Ich habe eine Zeit lang eine Wohnung an chinesische Studenten vermietet. Die kamen am Tag des Einzugs zu mir und fragten mich, wann denn am Nachmittag jemand komme, um den Telefon- und Internetanschluss freizuschalten. In China dauert das nämlich nur wenige Stunden. Das kleine Beispiel zeigt schnell, wo wir digital im internationalen Vergleich stehen.

Aber auch persönlich habe ich einige Themen, mit denen ich mich stärker auseinandersetzen will: Social Media oder digitale Sicherheit. Oft ist diese Weiterentwicklung mit dem Zwang zum Umlernen und Neulernen verbunden.

Was planen Sie als Unternehmerin als Nächstes und wie kann oder wird die Commerzbank Sie dabei unterstützen?

Neben der Solaranlage und neben den Lagerhallen für den Fachmarkt steht auch langfristig einiges an: Meine Familie besitzt ein größeres Industriedenkmal, für das mittel- bis langfristig ein gemischtes Nutzungskonzept, also „Wohnen und Arbeiten“, vorstellbar ist. Auch ergeben sich sicher Projekte aus den plötzlich gestoppten KfW-Subventionen, die viele kleinere Bauträger unvorbereitet getroffen haben. Wenn es so weit ist, werde ich sicherlich auf die Commerzbank zukommen.