Warum erhöht die EZB den Leitzins?

30.06.2026 – Lange ging’s runter, jetzt geht’s wieder rauf: Die EZB hat entschieden, den Leitzins zu erhöhen. Was sind die Folgen?

Erste Leitzinserhöhung seit 2023

Am 11. Juni entschied die Europäische Zentralbank (EZB), den Leitzins anzuheben. Nun liegt er bei 2,25% (Stand: Juni 2026). Die EZB reagiert mit der ersten Erhöhung seit September 2023 auf die geopolitische Lage im Nahen Osten.

Erinnern Sie sich noch?

  • Negativzinsära: 8 Jahre lang lag der Leitzins negativ – bis er im Juli 2022 aufgrund der steigenden Inflation zunächst auf 0,0% angehoben wurde.
  • Das Allzeithoch: Bis zum September 2023 stieg der Leitzins schrittweise weiter, erreichte mit 4,0% seine Spitze – und lag damit sogar über dem bisherigen Höchstwert von 3,75% im Oktober 2000.
  • Der Sinkflug: Im Juni 2024 leitete die EZB die Zinswende ein: Mehrere aufeinanderfolgende Zinssenkungen ließen den Leitzins auf 2,0% fallen.
  • Die erneute Wende: Die Erhöhung vom 11. Juni 2026 stoppt diesen Trend und markiert den Beginn einer neuen Zinsphase.

So beeinflusst der Leitzins die Wirtschaft

Die Zinserhöhung der EZB hat enormen Einfluss: Sparer dürfte Sie freuen, Unternehmen und Kreditnehmer eher verärgern. Warum das so ist, wird klar, wenn man die Funktionsweise von Leitzinsen versteht:

Weniger Kredite, teurere Kredite

Zunächst eine wichtige Unterscheidung: Wenn wir davon sprechen, dass der Leitzins nun bei 2,25% liegt, meinen wir den sogenannten Einlagensatz. Das ist der Zinssatz, den Geschäftsbanken (wie z. B. wir, die Commerzbank) erhalten, wenn sie überschüssige Liquidität bei der EZB “parken”.

Klingt kompliziert? Ist ganz einfach:

  • Die EZB ist wie ein “Sparkonto” für Geschäftsbanken: Die Banken legen hier Geld an, das sie gerade nicht in Form von Krediten vergeben oder investieren können und erhalten dafür Zinsen in Höhe des Einlagesatzes.
  • Banken “parken” z. B. dann Geld, wenn die Nachfrage nach Krediten sinkt oder die Menschen in unsicheren Zeiten mehr sparen. Auch aus regulatorischen Gründen sind Banken verpflichtet, Liquiditätsreserven zu halten.

Durch die Erhöhung des Einlagesatzes erhalten die Banken nun mehr Zinsen für ihr geparktes Geld – und sind weniger motiviert, das Geld in Form von Krediten zu vergeben.

Darüber hinaus gibt es noch den Hauptrefinanzierungssatz. Im Zuge der jüngsten Zinspolitik ist auch er wieder gestiegen und liegt aktuell bei 2,40%.

  • Der Hauptrefinanzierungssatz ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken (wie die Commerzbank) kurzfristig Geld bei der EZB leihen können, wenn sie zusätzliches Kapital benötigen.
  • Steigt der Satz, wird frisches Kapital für Banken teurer, was sie in Form von höheren Kreditzinsen an ihre Kunden weitergeben. 

Durch die Zinserhöhung sorgt die EZB also dafür, dass

  1. 1.weniger Kredite vergeben werden, 
  2. 2.Kredite teurer werden und somit 
  3. 3.weniger investiert und konsumiert wird. Unternehmen können die Preise aufgrund der sinkenden Nachfrage nicht mehr so stark weiter erhöhen, die Inflation geht zurück. Allerdings wird dadurch das Wirtschaftswachstum ausgebremst. 

Was die Inflation damit zu tun hat

Doch warum setzt die EZB nun wieder auf Zinserhöhungen und drosselt Investitionsanreize?

Der Grund heißt wie so oft: Inflation.

Der Leitzins ist das wohl wichtigste Instrument der EZB, um die Inflationsrate zu steuern:

  • Als die Inflation zwischen 2021 und 2023 immer weiter stieg, hob die EZB den Leitzins an. Die Folge: Kredite wurden teurer, es wurde weniger investiert und konsumiert – das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich und der Preisdruck ließ nach. Dadurch sank die Inflationsrate. 
  • Seit der zweiten Jahreshälfte 2023 sank die Inflationsrate wieder – und mit diesem Trend lockerte auch die EZB ihre Geldpolitik und senkte den Leitzins langsam ab, um die Wirtschaft zu stützen. 
  • Im Juni 2026 reagierte die EZB jedoch auf die Lage im Nahen Osten: Die geopolitischen Spannungen treiben die Energiepreise an und ließen die Inflationsrate wieder steigen. Durch die Zinserhöhung auf 2,25% will die EZB diesem neuen Preisschub proaktiv entgegenwirken. Die Zentralbank betonte dabei, dass sie zu weiteren Anpassungen bereit sei, um die Inflation wieder sicher auf den Zielwert von 2% zu bringen.

Was bedeutet die Leitzinserhöhung für Sparende?

Steigt der Leitzins, steigen in der Regel auch die Zinsen auf Spareinlagen wie Tagesgeld- oder Festgeldkonten. Denn die Banken geben die höheren Zinsen gewissermaßen an ihre Kunden weiter – und das betrifft nicht nur Kredite, sondern erfreulicherweise auch die Zinsen auf Spareinlagen. 

Ob die EZB weitere Zinserhöhungen vornehmen wird, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Unsere Experten rechnen aber damit und prognostizieren, dass der Leitzins bereits bei der übernächsten Sitzung im September erneut um 25 Basispunkte auf dann 2,50% angehoben wird. 

Daher unsere 2 aktuellen Tipps für Sparer:

1. Tipp

, Nutzen Sie das Zinsniveau

Die EZB erhöht den Leitzins, was im Gegenzug die Konditionen für Tagesgeldkonten verbessert. Wenn Sie noch kein Tagesgeldkonto bei der Commerzbank haben, können Sie sich einen Zinssatz von 2,25 % p. a. sichern.

2. Tipp

, Sparen Sie zinsunabhängig mit Wertpapieren 

Mit Wertpapier-Sparplänen können Sie für eine feste monatliche Sparrate ETF- und Fondsanteile erwerben. Das geht schon ab 25 Euro pro Monat und Sie können unabhängig vom aktuellen Zinsniveau langfristig Vermögen aufbauen. Zwar kann es bei Wertpapieren zu Schwankungen kommen, durch die breite Streuung sind die Risiken bei ETF- und Fondssparplänen aber eher geringer. Um zu starten, brauchen Sie lediglich ein Depot – das ist bei der Commerzbank mit einem laufenden Sparplan kostenlos.