• CO2 kompensieren: worauf es ankommt

CO2 kompensieren: worauf es ankommt

Wir alle haben es in der Hand, die Folgen der Erd-Erwärmung einzudämmen. Doch kann der Ausgleich von CO2-Emissionen dabei helfen? Ja, sagt der Umwelt- und Energieexperte Robert Fuchs. Er verantwortet die Treibhausgas-Erfassung in der Commerzbank in Deutschland und berät Mitarbeiter beim Klimaschutz. Im Interview erklärt er, was die Kompensation bewirkt, wie die Commerzbank dabei vorgeht und warum mit dem Ausgleich allein noch nichts gewonnen ist.

Wenn ein Unternehmen CO2 kompensieren will, muss es erst einmal die Höhe des Ausstoßes kennen. Wie finden Sie das für die Commerzbank heraus?

Im Geschäftsbetrieb der Commerzbank in Deutschland entstehen Treibhausgase auf unterschiedliche Weise – zum Beispiel durch das Pendeln der Mitarbeiter, das Heizen der Gebäude und die Abfallentsorgung. All diese Emissionsquellen werden erfasst, in ihrer Höhe beziffert und zusammengetragen. Auf dieser Basis errechne ich den jährlichen CO2-Fußabdruck der Bank. Dieser berücksichtigt neben CO2 auch andere Treibhausgase. Deren klimaschädliche Wirkung wird auf die von CO2 umgerechnet und in die Bilanz aufgenommen.

Was fangen Sie mit diesem Wert an?

Im Mittelpunkt steht immer die Frage, wie viel CO2 eingespart werden soll. Der CO2-Fußabdruck ist jene Messgröße, mit der sich der Fortschritt und letztlich die erwünschte Einsparung nachweisen lässt. Dazu wird der Wert eines vergangenen Jahres mit dem aktuellen verglichen. Die Commerzbank setzt sich im Rahmen ihrer Klimastrategie ambitionierte Ziele, um den eigenen CO2-Fußabdruck immer weiter zu senken. So ist es uns innerhalb von elf Jahren gelungen, die Emissionen um 70 Prozent zu reduzieren. Nun verfolgen wir ein neues Ziel: Im Vergleich zu 2018 wollen wir die Treibhausgase um weitere 15 Prozent senken. Und ich bin zuversichtlich, dass uns das – wie vorgesehen – bis 2025 gelingt.

Welche Rolle spielt dabei das Thema „CO2 kompensieren“?

Es sollte das oberste Ziel sein, Emissionen – wo immer es geht – zu vermeiden. Doch es gibt in jedem Unternehmen natürliche Grenzen. Für den Anteil, der sich im Geschäftsbetrieb nicht einsparen lässt, ist die Klimakompensation, also der Ausgleich, ein sinnvolles Instrument. Die Commerzbank macht das bereits seit 2015 und gilt somit als klimaneutral.

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Kompensations-Projekte fördern beispielsweise den Ausbau erneuerbarer Energien.

Funktioniert die Kompensation von CO2-Emissionen?

Das Klima kennt keine Grenzen. Entscheidend ist nicht, wo, sondern ob Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Man kann also den Ausstoß an einem Ort ausgleichen, indem man ihn an einer anderen Stelle der Welt vermeidet beziehungsweise reduziert. Das gelingt über den Kauf von Emissionszertifikaten. Unternehmen wie Privatpersonen finanzieren damit Klimaschutzprojekte. Wir bei der Commerzbank legen dabei den Schwerpunkt auf Entwicklungsländer und fördern so beispielsweise den Ausbau erneuerbarer Energien oder Programme für mehr Energieeffizienz.

Das klingt sehr positiv. Doch wie kann ich sicher sein, dass die Kompensation nicht nur auf dem Papier erfolgt?

Das lässt sich mit einer genauen Prüfung vermeiden. Die Commerzbank erwirbt Zertifikate des Typs Certified Emission Reductions (CER). Damit werden Projekte nach dem Clean Development Mechanism (CDM) finanziert. Das sind Projekte, die auf Klimaschutzvereinbarungen der Vereinten Nationen basieren. CDM-Projekte werden von einem Kontrollgremium genehmigt und überwacht. Eine Zulassung erfolgt nur bei eindeutigem Nachweis der CO2-Reduktion. Voraussetzung ist auch das Kriterium der „Zusätzlichkeit“. Es geht also um den Ausbau des Klimaschutzes im jeweiligen Land – Kompensations-Projekte sind unzulässig, wenn die dadurch erzielte CO2-Einsparung ohnehin eingetreten wären, zum Beispiel aufgrund gesetzlicher Neuerungen.

Gibt es von der Commerzbank geförderte Kompensations-Projekte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Beeindruckt hat mich im letzten Jahr vor allem das „Luangwa Community Forests Project“ in Sambia. Fast eine Million Hektar Wald werden damit vor der Abholzung bewahrt. Der Wald bleibt als CO2-Speicher und Lebensraum für Tiere und Pflanzen erhalten. Zugleich werden den Menschen vor Ort alternative und nachhaltige Einnahmequellen nähergebracht, etwa die Honigproduktion.

Wo können Interessierte mehr über den Klimaschutz der Commerzbank erfahren?

Transparenz ist ein zentraler Grundsatz unserer Klimastrategie. Alle Kompensations-Projekte sind auf unserer Website hinterlegt. Außerdem veröffentlichen wir alle zwei Jahre einen Nachhaltigkeitsbericht. Er beschreibt ausführlich, welchen Beitrag wir zum nachhaltigen Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft leisten. Und in einem nichtfinanziellen Bericht schaffen wir Klarheit darüber, wie wir unserer unternehmerischen Verantwortung im Kerngeschäft, als Arbeitgeber und gegenüber Kunden gerecht werden.

„CO2-Ausgleich ist Greenwashing“, lautet ein häufiger Vorwurf. Kritiker bemängeln, dass Unternehmen an ihrem umweltschädlichen Geschäft festhalten – und CO2 kompensieren, um sich das grüne Image der „Klimaneutralität“ zu verleihen. Ist die Kritik berechtigt?

Im Fokus sollte immer das ernsthafte Bestreben stehen, Treibhausgase im eigenen Geschäftsbetrieb zu reduzieren. Wenn Mitarbeiter eines Unternehmens ständig um die Welt fliegen dürfen und jegliches Potenzial für eine höhere Energieeffizienz ungenutzt bleibt – frei nach dem Motto „Die Emissionen gleiche ich einfach alle wieder aus.“, dann trifft der Vorwurf ins Schwarze. Ist die CO2-Kompensation hingegen in ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement mit Senkungszielen eingebunden, kann ich die Einschätzung so nicht teilen. Erfreulicherweise findet bei immer mehr Unternehmen ein Umdenken statt. Sie begreifen, dass effektiver Klimaschutz schlichtweg nötig ist, um unser aller Lebensgrundlagen zu erhalten.

Sie treiben den Klimaschutz in der Commerzbank seit Jahrzehnten voran. Was begeistert Sie an dieser Tätigkeit?

Die zunehmende Erd-Erwärmung ist eine Tatsache. Um sie einzudämmen, braucht es wirkungsvolle Maßnahmen. Als Fachkraft für Umwelt- und Energiemanagement kann ich dazu beitragen. Dabei begeistert mich vor allem, dass das Thema längst kein Papiertiger mehr ist, sondern von den Mitarbeitern der Commerzbank mit Leben gefüllt wird. Wenn ich die Filialen besuche, sprudeln die Mitarbeiter nur so vor Ideen. Und daraus erwächst gewaltiges Potenzial: Denn eine vermeintlich kleine Verbesserung kann enorme Mengen CO2 einsparen, wenn sie im gesamten Unternehmen umgesetzt wird.

Ist CO2 kompensieren im Privatleben eine gute Idee?

Wie auch auf Unternehmensebene gilt: Vermeiden ist das A und O. Mithilfe von CO2-Fußabdruck-Rechnern lässt sich der persönliche CO2-Fußabdruck berechnen. Zudem gibt es Tipps, um Emissionen im Alltag zu reduzieren. Als Ergänzung dazu ist der Ausgleich sinnvoll. Dabei sollte man aber auf Qualitätsstandards achten. Das Umweltbundesamt etwa beschreibt diese in einer Broschüre.

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