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Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer – die Lohnlücke ist Fakt und kein Vorurteil. Was sind die Gründe und ist eine Lösung in Sicht?

Frauen vs. Männer – warum gibt es Gehaltsunterschiede?

Charakterliche und physische Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind vielfältig und immer wieder Thema von Diskussionen. Doch warum verdienen Frauen weniger Geld? Leisten Frauen auch weniger? Auf keinen Fall! Die Gründe für den Gehaltsunterschied sind vielschichtig und teilweise in der überholten Frauenrolle, aber auch im Wesen der Frauen zu suchen. Was unternimmt der Staat gegen diesen Missstand und welchen Einfluss habt ihr selbst auf euer Gehalt?

Woher kommen die Unterschiede? Ein kleiner Ausflug in die Geschichte!

Die Gesellschaft betrachtete die Frau lange nur als Hausfrau und Mutter. Sie war die, die sich kümmerte, die für Kinder, Kranke und Pflegebedürftige in der Familie da war. Nebenbei pflanzte sie noch einen Garten an und hielt kleinere Nutztiere, um die Nahrungsvorräte ein bisschen aufzustocken. Kurz gesagt ein „Vollzeitjob“: Frauen kümmerten sich 24/7 liebevoll um die Familie, und taten alles dafür, dass es der Familie an nichts fehlte. Männer übten einen Beruf aus und brachten das Geld nach Hause. Natürlich gab es auch zu diesen Zeiten Frauen, die arbeiten gingen. Für sie standen jedoch nur wenige Berufe offen wie zum Beispiel im Haushalt anderer, als Krankenschwester oder als einfache Hilfskraft in einer Fabrik. Damit ließ sich nur wenig Geld verdienen. Die Allgemeinheit traute ihnen nicht die gleiche Arbeit zu wie Männern.

Der Wandel: Frauen dringen in Berufe der Männer vor

Ende des 19. Jahrhunderts begann unter den Fabrikarbeiterinnen im deutschen Kaiserreich eine Frauenbewegung, die gegen die niedrigen Löhne, die Gehaltsunterschiede und für besseren Mutterschutz kämpfte. Gegen die konservative Gesetzgebung konnten die Frauen zu dieser Zeit jedoch wenig ausrichten. Um die Jahrhundertwende engagierten sie sich für bessere Bildungschancen, Qualifikationen und einen Zugang zu den Universitäten des Landes und erzielten erste Siege. Einen herben Rückschlag für das Frauenbild gab es in den 40er-Jahren. Frauen sollten zurück an den Herd und Kinder zur Welt bringen, statt sich im Job zu engagieren. Erst Ende der 50er-Jahre bekamen sie das gesetzliche Recht, gegen den Willen ihres Mannes einen Beruf auszuüben. Obwohl im Jahr 1958 ein Gesetz zur Gleichberechtigung erlassen wurde, musste der deutsche Staat über die Jahre immer wieder nachbessern. Zum Beispiel mit einer Gesetzes-Textänderung des BGB von 1977, in der die Last der Haushaltsführung nicht mehr nur den Frauen, sondern den Eheleuten gemeinsam übertragen wurde. Wann verpflichtete sich der Staat, die tatsächliche Gleichberechtigung bei Arbeit und Lohn durchzusetzen? Das war 1994 mit einem Gesetzes-Zusatz im Grundgesetz.

Info: Keine fünfzig Jahre ist es her. Erst seit 1962 dürfen Frauen in Deutschland ein eigenes Bankkonto eröffnen!


Warum verdienen Frauen weniger? Auf der Suche nach Gründen für die Unterschiede

Seit der offiziellen Gleichstellung der Geschlechter sind nun Jahrzehnte vergangen und trotzdem klafft die Gehaltslücke. Sinkt dieses Gap um 1%, ist das bereits ein Grund zum Feiern. Woran liegt es, dass die Unterschiede beim Lohn noch immer Thema sind?

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Fakten und Zahlen: Wie sehen die Unterschiede bei den Gehältern aus?

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht regelmäßig Zahlen zur Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern. Die Statistik des Bundesamtes für 2019 zeigt einen Unterschied von 19%, wobei er im Westen bei 20% und im Osten bei 7% liegt. In Europa fällt die Lohnlücke mit 16% deutlich kleiner aus.

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Gerechte Löhne – warum ist das so schwer?

Ein Grund für die Gehaltslücke ist die Einstellung von Menschen, dass Frauen weniger leisten, nicht die gleiche Qualifikation mitbringen und Männer eben für die Familie mehr Geld brauchen. Deshalb gibt es immer noch Berufe und Positionen, in denen Frauen bei gleicher Ausbildung und Berufserfahrung einen geringeren Lohn erhalten. Außerdem erreichen Frauen seltener Führungspositionen, was die Gehaltsunterschiede noch deutlicher werden lässt.

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Gehaltslücke durch die Art der Qualifikation

Die Berufswahl ist ein entscheidender Faktor, wenn es um Gehalt und Karriere geht. Zahlreiche Frauen wählen Berufe und Studiengänge im sozialen Bereich, denn sie schätzen Werte wie Mitgefühl und Fürsorge. Es sind Berufe mit hoher psychischer Belastung, Tätigkeiten, bei denen man Menschen sehr nahe kommt und Aufgaben, die viel fordern. In diesen Branchen gut zu verdienen, ist jedoch schwierig. Auch sind die Weiterbildungsmöglichkeiten, die die Lohnlücke verringern könnten, nicht mit denen anderer Bereiche vergleichbar. Die Frage ist: Ist es gerecht, wenn soziale Berufe bei hoher Leistung weniger Gehalt einbringen?

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Gehaltsunterschiede wegen falscher Bescheidenheit

Das Gefühl, etwas zu bewegen und Freude am Beruf zu haben, gibt Arbeitnehmerinnen viel. Studien belegen, dass sie deshalb seltener als Männer den Job für mehr Lohn wechseln. Außerdem drängen sie weniger auf Gehaltserhöhungen als Männer und wehren sich nicht zwangsläufig gegen die Gehaltslücken im eigenen Betrieb. Ein weiteres Merkmal, das bei Studien ins Auge fällt, ist: Werden Frauen nach potenziellen Verdienst-Chancen gefragt, geben sie kleinere Löhne an als Männer. Sie schätzen ihre eigene Leistung niedriger ein und treten bei Gehaltsverhandlungen dadurch nicht selbstbewusst genug auf. Das vergrößert die Lohnlücke. Die Bescheidenheit zeigt sich auch im Verzicht auf Weiterbildungen für familiäre Verpflichtungen oder zugunsten männlicher Kollegen.

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Berufsunterbrechungen verstärken die Gehaltslücke

Noch immer übernehmen Frauen den Großteil der Kindererziehungszeiten und beginnen danach oft eine Stelle in Teilzeit. Dadurch fehlen wichtige Berufsjahre und Weiterbildungen, die die Gehaltsunterschiede verringern könnten. Die Folge ist eine zunehmende Lohnlücke ab dem 35. Lebensjahr. Arbeitnehmerinnen akzeptieren für diesen Lebensentwurf Rückstufungen im Gehalt nach der Rückkehr aus der Elternzeit. Sie erlangen seltener Führungspositionen und arbeiten tendenziell in kleineren Betrieben, die schlechter bezahlen.

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Ein Teil der Gehaltsunterschiede bleibt ungeklärt

Streichen Statistiken die entstandenen Gehaltslücken durch

  • langjährige Arbeit in Teilzeit,
  • Kindererziehungszeiten,
  • weniger Berufserfahrung,
  • Arbeit in schlechter bezahlten Branchen
  • und verpassten Weiterbildungen,

bleiben immer noch 6% Lohnlücke übrig. Diese Zahl gibt den bereinigten Gender Pay Gap oder den Gehaltsunterschied an, der sich schwer mit Fakten erklären lässt.


Der Kampf gegen die Lohnlücke: Was wird getan?

Seitdem der deutsche Staat mit dem Gleichbehandlungsgesetz klar Stellung bezogen hat, nehmen die Maßnahmen gegen die Gehaltsunterschiede zu:

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Das Entgelttransparenzgesetz

Seit 2017 sind Betriebe verpflichtet, die Geschlechter bei gleicher Qualifikation und Voraussetzung gleich zu entlohnen. Es darf keine Gehaltslücke geben. Ab einer bestimmten Zahl Arbeitnehmer:innen gibt es für das Unternehmen eine Verpflichtung zur Offenlegung der Gehaltsstruktur.

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Verbesserung der Bedingungen für weibliche Beschäftigte

Mehr Kinderbetreuung, Elterngeld und Gesetze für den problemlosen Wiedereinstieg in den Beruf stärken die Position von Arbeitnehmerinnen und verringern die Lohnlücke.

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Mindestlohn

Eine Maßnahme gegen die Gender Pay Gap in typisch „weiblichen Berufen“ mit sehr niedrigen Löhnen ist der eingeführte Mindestlohn.

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Führungspositionen

Ein Gesetz beschäftigt sich direkt mit der Gleichberechtigung von qualifizierten Angestellten bei Führungspositionen. Um Gehaltsunterschiede zu minimieren, regelt es beispielsweise eine Frauenquote für Aufsichtsräte.

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Initiativen für die freie Studium- und Berufswahl

Junge Menschen erhalten die Möglichkeit in Branchen einzusteigen, die typischerweise das andere Geschlecht wählt. Dadurch haben Frauen die Möglichkeit, in gut bezahlte Branchen zu gelangen und die Lohnlücke weiter zu schließen.

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Der Equal Pay Day

Dieser Tag liegt irgendwann im März und kennzeichnet symbolisch die Gehaltsunterschiede. Er steht für den Tag, an dem Frauen beginnen, Geld zu verdienen – während die Männer für ihre Tätigkeit schon seit Anfang des Jahres bezahlt werden. Der Equal Pay Day schafft jedes Jahr deutschlandweit Aufmerksamkeit für die Gehaltslücke, durch die Frauen nach 19% des Jahres endlich entlohnt werdet.


Unternehmt selbst etwas gegen die Gehaltslücke!

Die Anstrengungen von Frauenbewegungen und dem Staat beseitigen die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen noch nicht dauerhaft. Aber frau ist nicht machtlos, daher die Frage: Was könnt ihr gegen eure persönliche Lohnlücke tun?

Clevere Berufswahl

Ihr müsst eure Werte nicht wegwerfen, um mehr Geld zu bekommen. Trotzdem ist es wichtig, die Branche auf Gehalts- und Weiterbildungs-Chancen zu prüfen. Interessiert ihr euch für typische „Männerberufe“, dann lasst euch nicht entmutigen. Frau steht heute (fast) jede Richtung offen. Verdient ihr unterdurchschnittlich, ist es besonders wichtig, an die Altersvorsorge zu denken. Der Staat unterstützt zum Beispiel die RiesterRente mit Förderungen, damit sich die Gehaltslücke nicht bis zur Rente durchzieht.

Werdet selbstbewusster

Eure Tätigkeit sowie eure Qualifikation und Leistungen sind vergleichbar mit denen von Männern und müssen deshalb entsprechend entlohnt werden. Gehaltsunterschiede haben keine Chance, wenn ihr euch vor Gehaltsverhandlungen oder einer Bewerbung über die angemessene Bezahlung in diesem Job informiert. Denkt auch an zusätzliche Entlohnung wie vermögenswirksame Leistungen, einen Firmenwagen oder eine betriebliche Altersvorsorge . Wenn andere sie bekommen, stehen sie euch auch zu.

Regelmäßig nach einer Gehaltserhöhung fragen

In vielen Brachen ist eine jährliche Gehaltsüberprüfung üblich. Doch die Vorgesetzten bieten meist Verhandlungen nicht von sich aus an. Eine Gehaltslücke zu Kollegen entsteht meist, wenn ihr eure Chance verpasst. Es ist eure Aufgabe, die Gehaltserhöhung offen anzusprechen und eure Leistungen positiv hervorzuheben.

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Kindererziehungszeiten und Teilzeitjobs

Darf man heute eigentlich „nur“ Hausfrau und Mutter sein wollen? Vor allem die ersten Lebensjahre der Kinder sind unheimlich wichtig, man möchte die eigenen Kinder aufwachsen sehen, sie trösten, und alle Fragen beantworten, die ihnen in den Sinn kommen. Zugleich ist Mutter und Hausfrau sein anstrengend, man arbeitet den ganzen Tag, organisiert die Familie, die Finanzen und den Haushalt. Kurz gesagt: Ein Fulltime-Job, ohne Entlohnung. Zuhause zu bleiben, dass muss man sich leisten können. Jedoch findet sich fast für jeden Wunsch und jedes Problem eine Lösung, sprecht mit eurem Partner und eurem Arbeitgeber und nutzt Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um eure Gehaltslücke zu verringern. Denn leider ist Fakt, dass Teilzeitarbeit die Gehaltsunterschiede verstärkt und die Chancen auf eine Führungsposition in den meisten Fällen mindert.

Rentenlücke durch Gehaltsunterschiede

Durch die Erziehungszeiten und Teilzeitarbeit entstehen nicht nur Gehaltsunterschiede, sondern auch eine Rentenlücke, die ihr nicht unterschätzen solltet. Ihr mildert die fehlende Altersrente deutlich ab, indem ihr zusätzlich in einer PrivatRente anspart.

Starke Frauen stemmen sich gegen Gehaltsunterschiede

Statistiken beweisen, die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern existiert. Die Unterschiede sind vielfach strukturell bedingt, verursacht durch schlecht bezahlte Arbeitsstellen, Teilzeitjobs und Berufsunterbrechungen für familiäre Verpflichtungen. Mit Programmen, Gesetzen und Initiativen gehen offizielle Institutionen gegen diese Ungerechtigkeit vor. Jede Frau kann sich selbst gegen die Lohnlücke wehren sich für die eignen Finanzen stark machen, z.B. in Form von Weiterbildungen oder selbstbewussten Gehaltsverhandlungen. Selbstbewusste Gehaltsverhandlungen, Weiterbildungen und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die Schlüsselfaktoren für eine gleichwertige Bezahlung.

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