Emissionshandel im Fokus: Was Unternehmen jetzt wissen müssen

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Angela Hütter

Commerzbank

21.07.2026

Schreibtisch mit Laptop und Unterlagen zu Emissionshandel
© Diese Bild wurde mithilfe von KI erstellt. Commerzbank

Zusammenfassung:

  • Emissionshandelssysteme bestimmen, wie Emissionen reduziert und bepreist werden – und wirken direkt auf Kostenstrukturen und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.
  • Der CO2 Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) und die geplante Revision des europäischen Emissionshandels stellen die Weichen für faire Wettbewerbsbedingungen und ambitionierte Klimaziele in Europa.
  • Die Commerzbank unterstützt ihre Firmenkunden mit Risikomanagementlösungen, Marktinformationen und Formaten wie dem Energy & Carbon Summit dabei, Chancen und Risiken der CO2 Bepreisung strategisch zu steuern.

Die Eindämmung des Klimawandels erfordert konkrete politische Maßnahmen und prägt zunehmend unsere Wirtschaft und unseren Alltag. Die Bepreisung von Emissionen ist ein Instrument hiervon. In Europa und Deutschland regeln Handelssysteme, wie Emissionen reduziert werden und welche Kosten dabei entstehen. Darüber sprechen wir mit Manuel Hoechemer, Rohstoffexperte im Firmenkundengeschäft der Commerzbank.

Herr Hoechemer, warum gibt es neben dem europäischen Emissionshandelssystem noch ein eigenes deutsches System? Wer nimmt daran teil?
Das europäische Emissionshandelssystem, kurz EU ETS, gibt es seit 2005. Es umfasst die Emissionen aus den Bereichen Energie, Industrie, Schifffahrt und Luftverkehr. Große Kraftwerke und Industrieanlagen müssen für ihren Ausstoß von Kohlendioxid Zertifikate erwerben. Jedes Zertifikat berechtigt dazu, eine bestimmte Menge CO2 auszustoßen.

Das deutsche Emissionshandelssystem (nEHS) ergänzt seit 2021 Bereiche, die bisher nicht unter das EU ETS fallen. Dazu gehören Brennstoffe für Wärme und Verkehr, etwa Heizöl, Erdgas oder Benzin. Anders als im EU ETS verpflichtet das nationale Handelssystem nicht die einzelnen Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern die sogenannten „Inverkehrbringer“ fossiler Brennstoffe zur Teilnahme. Das sind zum Beispiel Lieferanten von Gas und Kohle sowie die Mineralölindustrie.

Der Hintergrund ist einfach: In den Sektoren Wärme und Verkehr gibt es sehr viele meist private Emittenten – etwa jede Person mit einem nicht elektrischen Auto oder jede Hausbesitzerin und jeder Hausbesitzer mit einer Ölheizung. Diese direkt in den Emissionshandel einzubeziehen wäre organisatorisch kaum zu bewältigen. Im deutschen System werden die Emissionen daher indirekt über die Unternehmen bepreist, die die Brennstoffe in Verkehr bringen.

Wie hat sich der deutsche Emissionshandel in den vergangenen Jahren entwickelt?
In den ersten Jahren waren die Zertifikatspreise im nEHS gesetzlich festgelegt und stiegen von 25 Euro im Jahr 2021 auf 55 Euro im Jahr 2025. Seit 2026 bildet sich der Preis in einem Auktionsverfahren innerhalb eines Preiskorridors von 55 bis 65 Euro. Angebot und Nachfrage bestimmen den genauen Wert, bleiben aber innerhalb dieser Bandbreite.

Parallel zu diesen nationalen Entwicklungen stehen auch weitreichende Neuerungen im europäischen Emissionshandelssystem an.

Zum einen ist 2028 ein neues europäisches Emissionshandelssystem für Wärme und Verkehr geplant, das sogenannte EU ETS 2. Es wird den deutschen Emissionshandel voraussichtlich weitgehend ablösen und die Regeln europaweit vereinheitlichen.

Zum anderen soll das bereits seit über 20 Jahren bestehende EU ETS 1 überarbeitet werden, das Energie, Industrie, Schifffahrt und Luftverkehr umfasst. Die EU-Kommission hat hierzu am 17. Juli 2026 ihre Vorschläge veröffentlicht, die darauf abzielen, Europas Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung und Unabhängigkeit zu stärken. Im nächsten Schritt werden der Rat der EU-Staaten und das Europäische Parlament über diese Vorschläge beraten.

Wie spüren Unternehmen die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel in ihrer strategischen Planung?
Das europäische Emissionshandelssystem steht seit einiger Zeit besonders im politischen Fokus, vor allem mit Blick auf die Industrie. Für viele Unternehmen werden die Kosten für CO2 Emissionen immer wichtiger, beispielsweise neben Energiekosten und geopolitischen Herausforderungen. Die kostenlos zur Verfügung gestellten Zertifikate für die Industrie werden schrittweise reduziert, sodass Unternehmen mehr Zertifikate kaufen müssen. Parallel startet der CO2 Grenzausgleichsmechanismus CBAM, der importierte Waren mit hohem CO2 Ausstoß bepreist und so faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Hersteller schaffen soll.

Die ab Mitte 2026 geplante Überarbeitung des EU ETS wird politisch intensiv diskutiert – mit sehr unterschiedlichen Positionen der Mitgliedstaaten. Die zentrale Herausforderung ist, das System so weiterzuentwickeln, dass die Europäische Union ihre Klimaziele erreicht und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen erhält.

Wie unterstützt die Commerzbank ihre Firmenkunden bei den Auswirkungen der CO2 Bepreisung?
Wir als Commerzbank haben langjährige Erfahrung im Emissionshandel und begleiten unsere Firmenkunden in verschiedenen Märkten. Dazu gehören das europäische und das britische Emissionshandelssystem, der CO2 Grenzausgleichsmechanismus, der deutsche Emissionshandel sowie der freiwillige Markt für CO2 Kompensation, bei dem Unternehmen Emissionen durch Projekte ausgleichen können.

Wir entwickeln individuelle Lösungen für das Risikomanagement, damit Unternehmen ihre Kosten besser planen und steuern können. Außerdem informieren wir unsere Kundinnen und Kunden regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und Markttrends. Ein wichtiger Baustein ist das jährliche Energy & Carbon Summit in Berlin. Dort diskutieren internationale Expertinnen und Experten über wichtige Themen rund um Energie- und CO2 Märkte und geben Einblicke, wie Unternehmen sich darauf einstellen können.

Welche strategischen Anpassungen oder neuen Geschäftsfelder ergeben sich aus den Veränderungen in den Emissionsmärkten?
Der Emissionshandel ist ein zentrales Instrument der europäischen Klimapolitik. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen, Emissionen kosteneffizient zu reduzieren, indem er Unternehmen einen Preis für CO2 vorgibt und zugleich Spielraum lässt, wie sie Emissionen senken.

In den letzten zwanzig Jahren ist in Europa eine umfassende CO2-Handelsstruktur entstanden, die verschiedene Teilmärkte und Instrumente umfasst, etwa unterschiedliche Zertifikate, Ausgleichsmechanismen und Kompensationsprojekte. Diese wirken nicht nur in Europa, sondern etwa durch den CO2 Grenzausgleichsmechanismus zunehmend auch darüber hinaus.

Weltweit steigt die Zahl der eingeführten Emissionshandelssysteme. Das zeigt: Die Reduktion von Emissionen bleibt ein zentrales Thema für Unternehmen und Staaten. Wer früh auf resiliente und zukunftsfähige Geschäftsmodelle setzt, kann nicht nur Risiken begrenzen, sondern auch neue Chancen nutzen – etwa durch effizientere Produktionsprozesse, neue Produkte oder Dienstleistungen mit geringem CO2 Fußabdruck.

Porträtbild Manuel Höchemer
© Pavel Becker

Manuel Höchemer

Manuel Höchemer ist für die CO2-Marktentwicklung im Rohstoffhandelsteam der Commerzbank verantwortlich. Dies umfasst neben dem verpflichtenden Emissionshandel (ETS) etwa auch den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) sowie den freiwilligen CO2-Markt. Seine berufliche Laufbahn im Commerzbank-Konzern begann er im Jahr 2017 bei der Commerz Real AG, für die er unter anderem als Projektleiter für den freiwilligen CO2-Markt tätig war.