Rüstung: Die neue Boombranche
Die Commerzbank unterstützt die Finanzierungsbedarfe von Start-ups und Unternehmen in der Verteidigungsindustrie und betont die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft.
Das Interview erschien zuerst im Münchner Merkur am 21. Februar 2026.
27.02.2026
Zusammenfassung:
- Die Commerzbank unterstützt die Verteidigungsbranche durch Bankgarantien und Eigenkapitalplatzierungen, klassische Kredite spielen eine geringe Rolle.
- München ist ein führender Standort für Rüstungs- und Raumfahrt-Start-ups dank enger Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und starken Investoren.
- Die Commerzbank steht hinter dem Selbstverteidigungsrecht souveräner Staaten, lehnt aber Geschäfte mit Herstellern geächteter Waffen ab.
Herr Kotzbauer, Sie waren voriges Wochenende auf der Sicherheitskonferenz in München. Was macht ein Banker da?
Wir finanzieren als Bank ja auch Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsbranche. Für uns ist es wichtig, das ganze Umfeld zu verstehen. Die geostrategische Weltlage ist für uns eine Basis, auf der wir Entscheidungen fällen, Risiken bewerten und alle unsere Firmenkunden bei ihrer Internationalisierung begleiten. Die Commerzbank wurde 1870 als Außenhandelsbank gegründet, wir sind immer schon gewohnt, unsere Kunden auch ins Ausland zu begleiten. Eine Veranstaltung wie die Sicherheitskonferenz finde ich sehr hilfreich, weil man persönlich mit relevanten Personen in Kontakt kommt.
Wer sind denn Ihre Kunden?
Das sind zum einen die großen traditionellen Unternehmen, aber auch die kleinen Start-ups und neuen Zulieferer. Das ist in der Sicherheits- und Verteidigungsbranche nicht anders als in anderen Wirtschaftsbereichen. Auch da decken wir die ganze Bandbreite ab.
Welche Rolle spielen private Banken bei der Rüstungsfinanzierung? Man denkt doch, Rüstung ist staatlich beauftragt und wird auch vom Staat bezahlt.
Stimmt. Die klassische Kreditfinanzierung spielt auch keine große Rolle in dem Bereich. Es geht vielmehr um Vorauszahlungen und das Garantiegeschäft.
Was heißt das?
Wenn ein Unternehmen einen Auftrag erhält von staatlicher Seite, erhält das Unternehmen meist für das Projekt auch eine Anzahlung, und dafür muss meist eine entsprechende Bankgarantie gestellt werden. Zudem werden auch beim Import von Vorprodukten oder dem Export von Produkten oft Bankgarantien und ähnliche Bankdienstleistungen angefragt. Dafür stehen wir zur Verfügung. Die Garantie sorgt dafür, dass die finanzielle Seite der Zulieferkette ins Laufen kommt. Der zweite Bereich ist die Eigenkapitalplatzierung. Da reden wir immer häufiger über Börsengänge, zum Beispiel von Hensoldt und Renk in den letzten Jahren oder von KNDS, wie im Januar angekündigt. Die Commerzbank begleitet die meisten dieser Transaktionen in Europa.
Ist die Branche nicht übermäßig riskant? Entwicklungen dauern lang, Gewinne gibt es auf Jahre nicht ...
Das ist bei der Verteidigungsfinanzierung nicht anders als in anderen Branchen. Dennoch ist es für uns wichtig, bei Start-ups dabei zu sein, denn hier entwickelt sich die neue Industrie, es kommen neue Player auf den Markt. Wichtig ist, dass wir eine klare Sicht auf das Geschäftsmodell haben. Dazu braucht es eine tiefe Branchenkenntnis, die wir haben.
Der Raum München hat sich in den vergangenen Jahren zu einem großen Standort für Rüstungs- und Raumfahrt-Start-ups entwickelt. Welche Punkte begünstigen das?
Ich war selbst mal bei der Commerzbank für den Süden zuständig und in München tätig. Es ist einfach ein tolles und ziemlich einzigartiges Ökosystem, das hier entstanden ist. München ist ein Vorbild, das ich immer wieder nenne, wenn es um die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft geht.
Was macht den Standort aus?
Es gibt hier viele Ausgründungen von Universitäten, die TU München spielt da natürlich eine wichtige Rolle. Dazu kommt eine gute Anzahl von großen Investoren, Eigenkapitalgebern, die bereit sind, junge Unternehmen zu finanzieren. Auch sitzen hier sehr starke Unternehmen aus der Industrie. Alles zusammen ergibt eine über viele Jahre erfolgte, fokussierte Clusterbildung, die dazu führt, dass dieser Standort so attraktiv ist – nicht nur für Verteidigungsunternehmen. Schauen Sie doch nur, wohin Apple oder Microsoft gehen. Oder nehmen Sie Martinsried mit seinen starken Biotech-Unternehmen. Ich könnte noch viele Beispiele aufzählen. Wir müssen überall die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft intensivieren. So ist im Übrigen auch das Silicon Valley groß geworden.
Wie groß ist der Anteil von Rüstung am Commerzbank-Geschäft?
In unserem Kreditbuch stehen im Firmenkundenbereich 115 Milliarden Euro. Auf Verteidigung entfällt ein vergleichsweise kleiner, einstelliger Milliardenbetrag. Aber wie gesagt, das klassische Kreditgeschäft ist hier nicht das Entscheidende.
Rüstung galt vor nicht allzu langer Zeit als nicht salonfähig. Viele Banken haben die Kreditvergabe in dem Bereich ausgeschlossen.
Wir waren in unserer Haltung immer klar, auch als das noch nicht en vogue war. Die Bank hat auch in der Vergangenheit immer gesagt, dass sie bei der Kreditvergabe im Firmenkundenbereich zu den Unternehmen in der Verteidigungsbranche steht, weil sie an das Recht glaubt, dass sich souveräne Staaten verteidigen dürfen – auch in einer Zeit, als das noch Kritik hervorgerufen hat. Genauso klar war auch immer, dass wir keine Geschäftsbeziehungen zu den Herstellern geächteter Waffen unterhalten.
Niemand lebt gern in einer Welt, in der das Rüstungsgeschäft boomt. Wie ist Ihre Erwartung für die Branche?
Sie haben Recht, das wünscht sich niemand. Doch es ist eine Realität, mit der wir konfrontiert sind. Wir werden in Deutschland eine weitere Stärkung der Bundeswehr haben, auch Europa wird weiter in dem Bereich investieren. Das geht auch nicht anders. Wir müssen in der Lage sein, uns selbst zu verteidigen – da haben wir Nachholbedarf. So sehr wir das auch bedauern mögen.
Mit freundlicher Genehmigung des Münchner Merkur