EZB – Lagardes doppelte Botschaft
Auf der heutigen Pressekonferenz hat Präsidentin Christine Lagarde eine Zinserhöhung auf der nächsten Sitzung im Dezember in Aussicht gestellt.
Commerzbank Economic Research
29.10.2026
Alles spricht für eine Leitzinserhöhung im Dezember, ...
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte für die meisten überraschend, dass der Rat auf der heutigen Sitzung über eine Zinserhöhung diskutiert habe. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die zuletzt deutlich gestiegenen Energiepreise und Inflationsrisiken. Diese hätten eine Zinserhöhung rechtfertigen können, sagte Lagarde. Letztlich habe sich der Rat aber einstimmig gegen eine Zinserhöhung entschieden. Für die nächste Sitzung im Dezember stellte sie jedoch einen Zinsschritt in Aussicht: "Die Richtung der Reise ist ziemlich klar." Wir erwarten wie die meisten Volkswirte eine Zinserhöhung im Dezember.
... aber Lagarde dämpfte wegen Frankreichs Haushaltskrise darüber hinausgehende Zinserhöhungserwartungen
Aber das war nicht die gesamte Botschaft Lagardes. Sowohl im Kommuniqué, als auch während der Pressekonferenz betonte sie, dass der jüngste Anstieg der Anleiherenditen die Finanzierungsbedingungen verschlechtert habe, was für sich genommen für weniger Wachstum und weniger Inflation spräche. Damit spielte sie indirekt auf die französische Haushaltskrise an, die im Fall der Fälle das Potential hätte, die Währungsunion zu destabilisieren. Lagardes indirekte Botschaft war, wegen Frankreich nicht zu viele Zinserhöhungen einzupreisen. Sie dürfte wissen, dass die Anleihen des hoch verschuldeten Frankreichs doppelt so stark wie Bundesanleihen von sinkenden Leitzinserwartungen profitieren. Dass Frankreichs Haushaltskrise eine wichtige Rolle im Denken der EZB spielte, sah man auch an Lagardes Bemerkung, dass die EZB über Instrumente verfüge, ungerechtfertigte und ungeordnete Bewegungen an den Rentenmärkten zu verhindern. Sie spielte damit auf das TPI-Anleihekaufprogramm an.
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