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12. Oktober 2010

Commerzbank-Konjunkturprognose 2011: Wachstumstempo verlangsamt sich

● Niedrigzinspolitik verhindert erneute Rezession in den Industrieländern
● Krämer: "Deutschland bleibt auf der Überholspur, Peripherieländer holen aber auf"


"Das Wachstumstempo verlangsamt sich, die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken wird eine erneute Rezession in den Industrieländern aber verhindern. In den USA steht die Fed weiter auf dem Gaspedal, dort stellt der Arbeitsmarkt inzwischen das größte Problem dar. Dass Deutschland vor dem Rest des Euroraumes liegt, ist keine Eintagsfliege. Die Konjunktur in China normalsiert sich, bricht aber nicht ein." Diese Kernaussagen treffen die Volkswirte der Commerzbank in ihrer heute in Frankfurt vorgestellten "Konjunkturprognose 2011".

Deutschland: Outperformer im Euroraum

Die deutsche Wirtschaft wird zwar das zuletzt rasante Wachstumstempo nicht halten können. Sie wird aber auf Erholungskurs bleiben. Trotz einer nicht mehr ganz so lebhaften globalen Nachfrage werden die deutschen Exporte weiterhin solide zulegen. "Deutschland bleibt auf der Überholspur, die Peripherieländer holen aber auf. Dass Deutschland vor dem Rest des Euroraumes liegt, ist keine Eintagsfliege", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Für 2010 erwartet Krämer eine Wachstumsrate von 3,3%. 2011 werden die Exporte deutlich langsamer steigen, in der Bauwirtschaft wird sich das Auslaufen der Konjunkturpakete negativ bemerkbar machen, sodass sich das Wachstum auf 2% abschwächt.

Bereinigt um saisonale Schwankungen wird sich die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten weiter zurückbilden, für 2011 erwarten die Commerzbank-Volkswirte eine Arbeitslosenquote von 7,2% (2010: 7,7%). Das verbesserte konjunkturelle Umfeld hat die Gewerkschaften ermutigt, höhere Lohnsteigerungen zu fordern. Aber die meisten Tarifverträge in Deutschland haben die Löhne bis Ende 2011 fixiert. Bis über den Weg höherer Löhne die Inflation stärker anzieht, dürfte also noch einige Zeit vergehen. Krämer: "Im nächsten Jahr dürfte die Inflation deutlich unter 2% bleiben."

USA: Arbeitsmarkt im Seitwärtsgang

Die US-Wirtschaft hat zuletzt negativ überrascht, das Risiko einer erneuten Rezession ist gestiegen. Für eine Fortsetzung der moderaten Aufwärtsbewegung spricht jedoch nicht nur die sehr expansive Geldpolitik, sondern auch die fortgeschrittene Konsolidierung bei den privaten Haushalten. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass es sich nur um eine für diese Phase des Aufschwungs übliche Wachstumsdelle handelt", sagte Christoph Balz, US-Volkswirt der Commerzbank. Für die USA erwarten die Commerzbank-Volkswirte für 2010 ein Wachstum von 2,6% und für 2011 von 2,3%.

Der Arbeitsmarkt ist wie üblich der Schlüssel zum Verständnis der US-Geldpolitik. In der aktuellen Schwächephase dürfte die Arbeitslosenquote bis zum Jahresende noch einmal leicht zulegen, ohne allerdings wie 2003 ein neues Hoch zu erreichen. Hierauf wird die Fed voraussichtlich mit zusätzlichen expansiven Maßnahmen reagieren und Anfang November weitere Anleihekäufe beschließen. Die Fed dürfte angesichts des mäßigen Wachstums erst 2012 von der Nachhaltigkeit des Aufschwungs überzeugt sein und die Zinsen anheben.

Euroraum: Gespaltene Konjunkturentwicklung

"Wir erwarten, dass die Euro-Wirtschaft im Winterhalbjahr 2010/11 deutlich schwächer wachsen wird. Das Konjunkturgefälle innerhalb des Euroraums dürfte dabei eher noch zunehmen," skizzierte Krämer das Konjunkturbild im Euroraum. Auf der einen Seite ist Deutschland, dessen Wirtschaft 2010 um mehr als 3% wachsen dürfte. Auf der anderen Seite stehen die von der Staatsschuldenkrise getroffenen Peripherieländer, die weiterhin nur eine blutleere Aufwärtsbewegung sehen. In der Summe wird der Euroraum ohne Deutschland in diesem Jahr lediglich um 1,0% zulegen und damit nicht einmal das im langjährigen Durchschnitt übliche Wachstum von knapp 2% erreichen. Dort wird der wirtschaftliche Schmerz gemessen an der Arbeitslosenquote anders als in Deutschland weiter zunehmen. Die EZB wird bei ihren geldpolitischen Entscheidungen auf die Krisenländer Rücksicht nehmen und den Leitzins 2011 nicht erhöhen.

Inflation wird auch in den kommenden ein bis zwei Jahre kaum ein Thema sein. Die Löhne, die die Inflation maßgeblich bestimmen, werden weiterhin nur moderat steigen. Die hohe Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Sorgen um die Arbeitsplätze werden die Arbeitnehmer dazu bewegen, weiterhin Lohnzurückhaltung zu üben. Und auch für die Unternehmen ist der Preissetzungsspielraum begrenzt. So sind die Produktionskapazitätennoch immer unterausgelastet. Für 2011 prognostizieren die Volkswirte der Commerzbank eine Inflationsrate von 1,7%, nach voraussichtlich 1,5% in diesem Jahr.

Peripherieländer gewinnen an Wettbewerbsfähigkeit

Auch wenn an den Finanzmärkten derzeit die Staatsfinanzen der Peripherieländer des Euroraumes im Mittelpunkt stehen: Die eigentlichen Probleme dieser Länder und damit der Währungsunion liegen wesentlich tiefer und sind in den unterschiedlichen strukturellen Gegebenheiten zu finden. Diese haben dazu geführt, dass die Peripherieländer deutlich an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Schließlich sind dort die Lohnstückkosten seit der Jahrtausendwende zwischen 30% und 40% gestiegen. Gerade die Krise könnte jetzt dort die Wende zum Besseren bringen.

"Die Löhne in den Peripherieländern haben bereits auf die Krise reagiert, allerdings unterschiedlich stark. Während Irland und Spanien in Bezug auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit bereits etwas Boden gut gemacht haben, konnten die anderen Länder bisher allenfalls ein weiteres Zurückfallen gegenüber Deutschland verhindern", sagte Ralph Solveen, Autor der Sonderstudie. In den kommenden Jahren dürften die Peripherieländer ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder verbessern. Eine erfolgreiche Aufholjagd wird es allerdings nur mit strukturellen Reformen geben. Auch weil Spanien bereits erste Schritte übernommen hat, erscheinen neben Irland dort die Erfolgsaussichten derzeit am größten.

Das Gefälle bei der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Euroraums wird sich allein dadurch verringern, dass die Löhne in Deutschland stärker zulegen werden. Allerdings wird diese Beschleunigung noch etwas auf sich warten lassen. Denn in den meisten der großen Branchen stehen erst Ende 2011/Anfang 2012 wieder Tarifverhandlungen an. So ist wohl erst 2012 damit zu rechnen, dass die Tariflöhne schneller zulegen. Dann wird diese Bewegung aber wohl kräftig ausfallen.

Die Konjunkturprognose sowie die Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Peripherieländer finden Sie unter: Link zu CBCM


Pressekontakt:
Michael Machauer +49 69 136 43439
Sandra Fohlmeister +49 69 136 42762


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Über die Commerzbank
Die Commerzbank ist die führende Privat- und Firmenkundenbank in Deutschland. Mit den Segmenten Privatkunden, Mittelstandsbank, Corporates & Markets, Central & Eastern Europe sowie Asset Based Finance bietet die Bank ihren Kunden ein attraktives Produktportfolio und ist insbesondere für den exportorientierten Mittelstand ein starker Partner in Deutschland und weltweit. Mit rund 1.200 Filialen verfügt die Commerzbank über das dichteste Filialnetz der deutschen Privatbanken. Sie hat mehr als 60 Standorte in gut 50 Ländern und betreut 14 Millionen Privat- sowie eine Million Geschäfts- und Firmenkunden. Im Jahr 2009 erwirtschaftete sie mit rund 63.000 Mitarbeitern Bruttoerträge von 10,9 Milliarden Euro.

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