Liquide Mittel: Ein kritischer Erfolgsfaktor

Liquidität einfach erklärt: Was sind liquide Mittel? Warum sind sie so wichtig? Und wie kann man liquide Mittel berechnen?

Close-Up auf gestapelte Euro-Scheine

Kennen Sie den Liquiditätsgrad Ihres Unternehmens? Wenn nicht, können Sie das jetzt ändern und diese wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahl für Ihr Unternehmen genau bestimmen. Liquide Mittel berechnen – so einfach geht es.

Ohne liquide Mittel kein Erfolg

Die Zahlen sprechen für sich: Laut Statistischem Bundesamt mussten zwischen Mai 2019 und Mai 2020 mehr als 107.000 Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmelden, weil sie zahlungsunfähig waren. Darunter waren auch gesunde Betriebe mit tragfähigem Geschäftsmodell und guter Auftragslage. Ursache für die Insolvenz waren meist Probleme mit der Liquidität. Doch was sind liquide Mittel eigentlich? Und wie kann man liquide Mittel berechnen?

Was sind liquide Mittel?

„Liquide“ bedeutet wörtlich übersetzt „flüssig“. Liquide Mittel sind also die finanziellen Mittel, die dafür sorgen, dass Sie flüssig bleiben, sprich: die Verbindlichkeiten Ihres Unternehmens begleichen können. Dazu zählen Miete, Gehälter, offene Rechnungen oder Produktionskosten.

Zu den liquiden Mitteln gehören die Teile des Gesamtvermögens, die entweder direkt zur Verfügung stehen oder aber zeitnah in Geld verwandelt werden können. Liquide Mittel sind Teil des Umlaufvermögens und befinden sich auf der Seite der Aktiva Ihrer Bilanz.

Liquide Mittel 1., 2. und 3. Ordnung

Man unterscheidet drei Kategorien liquider Mittel:

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Liquide Mittel 1.Ordnung

Flüssige Mittel, die sofort zur Verfügung stehen. Dazu zählen Guthaben auf Bankkonten, Kassenbestände und bereits eingeräumte, aber noch nicht beanspruchte Kredite.

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Liquide Mittel 2. Ordnung

Alle Vermögenswerte, die sich innerhalb weniger Tage in Bargeld umwandeln lassen. Dazu gehören Schecks, Wertpapiere, Wechsel und kurzfristige Zahlungsforderungen Ihres Unternehmens, die durch den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen entstanden sind.

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Liquide Mittel 3. Ordnung

Güter, die zwar einen konkreten Wert haben, aber erst noch verkauft und zu Geld gemacht werden müssen. Deshalb werden Sie häufig als Liquiditätsreserven bezeichnet. Dazu zählen Waren, Rohstoffe, Maschinen oder Immobilien.

Den liquiden Mitteln Ihres Unternehmens stehen die finanziellen Verpflichtungen gegenüber, denen Sie nachkommen müssen. Gelingt Ihnen das Begleichen der Forderungen pünktlich und vollständig, ist die Liquidität Ihres Unternehmens gut und alles in Ordnung. Stehen aber zu dem Zeitpunkt, wo sie gebraucht werden, nicht genug liquide Mittel zur Verfügung, gefährdet das Ihre Zahlungsfähigkeit. Das kann auch dann passieren, wenn Ihre Auftragslage gut ist. Zum Beispiel, weil Kunden die Rechnungen verspätet begleichen – Sie die für den Auftrag benötigten Waren oder Fremdleistungen aber sofort bezahlen müssen. Dann entsteht ein Liquiditäts-Engpass, der im schlimmsten Fall zur Insolvenz führen kann. In jedem Fall aber sorgt der Liquiditäts-Engpass dafür, dass Ihnen unternehmerischer Handlungsspielraum verloren geht und Wachstums-Chancen nicht genutzt werden können. Denn um zu expandieren, müssen Sie neue Aufträge meist vorfinanzieren oder in Technik und Personal investieren. Das ist ohne genügend liquide Mittel nicht möglich.

Liquide Mittel berechnen: So geht's

Dazu ermitteln Sie zunächst die flüssigen Mittel, die zum Stichtag Ihrer Berechnung vorhandenen sind. Kategorisieren Sie sie wie beschrieben nach liquiden Mitteln 1., 2. oder 3. Ordnung. Anschließend stellen Sie sie den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber.

Liquidität 1. Grades

Für die Berechnung der Liquidität 1. Grades, der sogenannten Cash Ratio oder Bar-Liquidität, setzen Sie die liquiden Mittel und die kurzfristigen Verbindlichkeiten ins Verhältnis:

So gehts:

  • Bei „flüssige Mittel“ tragen Sie in die Formel die Summe aller verfügbaren Barmittel ein: Schecks, Bank- und Kassenbestände, diskontfähige Wechsel.
  • Als „kurzfristige Verbindlichkeiten“ notieren Sie alle Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr. Dazu kommen Steuerrückstellungen und andere erforderliche Rückstellungen für Gehälter, Miete, Strom, Kredittilgungen, Versicherungen, Umsatzsteuer, Materialkosten und so weiter. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind also ein Mix aus variablen und fixen Kosten.

Fazit: Liegt die ermittelte Liquidität über 100 Prozent, würden Ihre liquiden Mittel alleine ausreichen, um zum Stichtag der Berechnung alle kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bezahlen. Ihre Zahlungsfähigkeit wäre also sehr hoch. Die Liquidität 1. Grades sollte nicht zu groß sein, sondern eher zwischen 10 und 30 Prozent liegen.

So wichtig eine gute Liquidität für Ihr Unternehmen ist: Zu viele liquide Mittel bringen keinen Vorteil. Wer in der komfortablen Situation ist, einen Überschuss an liquiden Mitteln zu haben, sollte diese lieber für Innovationen und Wachstum ins Unternehmen investieren. Das generiert Rendite bzw. Umsatz.

Liquidität 2. Grades

Bei der Liquidität 2. Grades, auch Quick Ratio oder Einzugsliquidität genannt, berücksichtigen Sie zusätzlich auch Ihre kurzfristigen Forderungen. So finden Sie heraus, ob Ihre Forderungen und liquiden Mittel Ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten decken.

So gehts:

  • Bei „flüssige Mittel“ tragen Sie wieder die Summe aller Barmittel ein und berücksichtigen dabei Schecks, Kassenbestand, Bankguthaben und Wechsel.
  • Unter „kurzfristige Forderungen“ notieren Sie alle Forderungen mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.


Die „kurzfristigen Verbindlichkeiten“ sind identisch mit denen für die Berechnung der Liquidität 1. Grades. Hier können Sie denselben Wert einsetzen.


Fazit: Das Ergebnis sollte zwischen 100 und 120 Prozent betragen. Liegt Ihre Liquidität unter 100 Prozent, kann dies ein Hinweis auf mangelnde Zahlungsfähigkeit und damit zu geringe liquide Mittel sein.

Liquidität 3. Grades

Der Unterschied zur Berechnung der Liquidität 2. Grades liegt darin, dass hierbei zusätzlich noch die Lagervorräte mit einfließen. Man spricht dabei auch von der Current Ratio bzw. der umsatzbedingten Liquidität.

So gehts:

  • Die jeweiligen Zahlen können Sie einfach aus der Berechnung Ihrer Liquidität 2. Grades übernehmen.
  • Unter „Vorräte“ tragen Sie den Bilanzwert Ihrer Waren im Lager ein.


Fazit: Das Ergebnis sollte bei mindestens 120 Prozent liegen. Ist es kleiner, kann dies auf Probleme im Vertrieb oder bei der Preisgestaltung hindeuten. Ein Wert über 150 Prozent ist häufig ein Indiz dafür, dass zu viel Kapital im Lager gebunden ist.


Jetzt wissen Sie, wie Sie liquide Mittel berechnen und können exakt ermitteln, wie es um die Liquidität Ihres Unternehmens bestellt ist. Wenn sich dabei herausstellt, dass Sie nicht über genügend liquide Mittel verfügen, um allen Verbindlichkeiten pünktlich nachzukommen, gefährdet das Ihre Zahlungsfähigkeit. Dann sollten Sie umgehend handeln und mit gezielten Maßnahmen Ihre Liquidität verbessern.

Liquide Mittel managen

Hierbei zeigt sich: Der Grad der liquiden Mittel ist ein Faktor, den gerade junge und wachsende Unternehmen stets im Blick behalten müssen, weil er sich ständig ändert. Aus dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen resultieren Umsätze, die bei Zahlungseingang zu Einnahmen werden. Ihnen gegenüber stehen verschiedenste Ausgaben wie Gehälter, Sozialabgaben und Steuern, Kosten für Fremdleistungen, Miete und Versicherungen, Ausgaben für Betriebsmittel und Investitionen, die ebenfalls schwanken. Jede dieser Transaktionen erhöht oder verringert Ihre Liquidität. Damit einerseits die Zahlungsfähigkeit erhalten bleibt, andererseits aber nicht durch zu hohe liquide Mittel zu viel Kapital ungenutzt brach liegt, sollten Sie die Liquidität Ihres Unternehmens immer wieder neu berechnen.
Dabei bilden diese Berechnungen natürlich jeweils nur den aktuellen Stand ab. Sie sagen nichts Verlässliches darüber aus, wie sich die Liquidität Ihres Unternehmens entwickeln wird. Dafür sind auch die zukünftigen Zahlungsströme entscheidend.

Liquidität braucht Management
Deshalb ist eine fundierte und vorausschauende Liquiditätsplanung für jedes Unternehmen ein Muss. Sie schafft die Grundlage für kontinuierliches Liquiditätsmanagement – und damit die Voraussetzung, um den Erfolgsfaktor Liquidität jederzeit gezielt zu steuern.