Gelassen den eigenen Weg gehen

Ein Gespräch mit Mady Morrison über Unabhängigkeit, Selbstfürsorge und finanzielle Verantwortung

Mady Morrison erreicht mit Yoga ein Millionenpublikum. Im Gespräch erzählt sie, warum Unabhänigkeit für sie mit Verantwortung beginnt, was es heißt, gut für sich selbst zu sorgen – und weshalb sie auch ihre finanzielle Zukunft bewusst plant.

Mit Ihrem Yoga begleiten Sie viele Menschen durch ihren Alltag. Dürfen wir den Blick zum Auftakt einmal umdrehen: Wie beginnt eigentlich ein ganz normaler Morgen bei Ihnen?

Den ganz normalen Morgen gibt es bei mir kaum. Wenn ich zu Hause bin, beginnt er mit meinem Hund. Er freut sich einfach, dass ich da bin, wedelt mit dem Schwanz. Dieser kleine Moment lässt mich gleich mit einem Lächeln freudig in den Morgen starten. Danach gehe ich mit ihm Gassi, frühstücke – und nein: Ich springe nicht jeden Morgen sofort auf die Yogamatte.

Kein täglicher Sonnengruß?

Nein. Nicht immer zur gleichen Zeit. Yoga ist fester Bestandteil meines Lebens, aber ich lasse mir bewusst Raum, es flexibel in meinen Tag zu integrieren. Wenn ich müde bin, ist ausreichend Schlaf für mich wichtiger, als mir um fünf den Wecker zu stellen, nur um noch Yoga zu machen. Yoga heißt für mich auch, gut mit mir umzugehen und zu spüren: Was brauche ich heute?

Ihre Arbeit sieht von außen ziemlich entspannt aus. Ist sie das auch?

Nicht immer. Vieles von dem, was ich heute mache, verbindet unterschiedliche Seiten von mir. Bei YouTube und Instagram konzipiere ich meine Videos vom Anfang bis zum fertigen Schnitt, für unser nachhaltiges Modelabel entwickle ich Ideen und Kollektionen. Dabei hilft mir mein Studium im Kommunikationsdesign sehr.

Und auch meine Liebe zum Film spielt eine große Rolle. Meine Mutter ist Maskenbildnerin, und ich wollte früher selbst zum Film. Heute kann ich vieles davon zusammenbringen – als Gestalterin, vor und hinter der Kamera.

Sie wirken intuitiv. Dahinter steckt aber offenbar auch ziemlich viel Disziplin.

Das gehört für mich zusammen. Vom Babysitten über die Arbeit im Restaurant bis zur Promoterin und Hostess habe ich früh vieles ausprobiert. Mit 18 habe ich meinen ersten Gewerbeschein beantragt, um selbstständig arbeiten und eigene Projekte verfolgen zu können. Mir war wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen, auf eigenen Beinen zu stehen und mein Leben selbst in der Hand zu haben.

Woher kam dieses frühe Bedürfnis nach Unabhängigkeit?

Sicher auch von meiner Mutter. Sie war alleinerziehend, hatte ein Kind, einen Hund, ein Haus und hat ihr Leben sehr selbstständig gestaltet. Gleichzeitig ließ sie mir viel Freiheit. Ihr Grundsatz war: Solange du deinen Schulabschluss machst und glücklich bist, darfst du deinen Weg gehen. Von ihr habe ich gelernt, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören.

Und irgendwann kam Yoga dazu. Wie fing das an?

Durch meine Großmutter und meine Sportlehrerin. Meine Oma machte Yoga, und meine Sportlehrerin baute den Sonnengruß in den Unterricht ein. Ich kannte Yoga damals eher als etwas, das vor allem ältere Frauen machten – besonders auf dem Land. Einige Mitschüler fanden es eher merkwürdig. Mich machte es neugierig.

Also suchte ich mit einer Freundin einen Yogakurs. Wir waren mit Abstand die Jüngsten. Nach der Stunde hatte ich ein friedvolles Gefühl, das ich aus keiner anderen Sportart kannte. Später kaufte ich mir von meinem Taschengeld ein Yogabuch und übte zu Hause weiter.

Wann wurde aus dieser Neugier ein Beruf?

Sehr langsam – und ohne großen Plan. Während meines Designstudiums machte ich eine Yogalehrerausbildung und begann zu unterrichten. Ich wollte meiner Generation Yoga näherbringen. Social Media und YouTube erschienen mir dafür ideal.

„Es dauerte einen Moment, bis ich mich traute, mein erstes Video hochzuladen. Anfangs erreichte ich vielleicht 50 oder 100 Menschen. Als ich irgendwann die erste Auszahlung von YouTube erhalten hatte, dachte ich: Vielleicht kann daraus wirklich etwas entstehen.“

Heute sind es mehr als vier Millionen Menschen allein auf YouTube. Wann haben Sie gemerkt: Das ist längst mehr als ein schönes Projekt?

Das kam nach und nach. Für mich war zunächst wichtig, dass ich meine Rechnungen bezahlen konnte und Freude an meiner Arbeit hatte. Als alles größer wurde, haben mein Freund und ich gemeinsam entschieden, meine Arbeit professioneller und langfristiger aufzustellen.

Unser erstes eigenes Produkt war ein Yoga-Kalender mit Aufnahmen aus Island. Und als daraus Schritt für Schritt ein Unternehmen wurde, entstand auch der Kontakt zur Commerzbank.

Wie haben Sie diesen ersten Kontakt erlebt?

Ich habe mich ernst genommen gefühlt. Ich war Ende 20, wirkte wahrscheinlich noch jünger und wusste selbst nicht, wie weit mich meine Arbeit einmal tragen würde. Anderswo hatte ich manchmal das Gefühl, nicht wirklich als selbstständige Frau wahrgenommen zu werden.

Bei der Commerzbank war das anders. Das Gespräch fand auf Augenhöhe statt. Ich konnte Fragen stellen und fühlte mich gut aufgehoben. Mein damaliger Berater begleitet mich bis heute.

Was ist Ihnen bei einer Bank wichtig?

Vertrauen, Verständlichkeit und Verlässlichkeit. Finanzielle Themen können komplex sein. Mir ist wichtig, jemanden an meiner Seite zu haben, der meine Bedürfnisse versteht, mich bei meinen Entscheidungen unterstützt und nicht nur darauf schaut, wo ich heute stehe, sondern auch darauf, wohin ich möchte.

Zurück zum Yoga: Was hat es eigentlich mit Ihnen selbst gemacht?

Das habe ich erst nach einigen Jahren verstanden. Veränderungen geschehen oft sehr leise. Ich war immer voller Energie und manchmal etwas unkonventionell. Yoga hat mir geholfen, bewusster mit dieser Energie umzugehen und mir öfter einen Moment des Innehaltens zu erlauben. Für mich bedeutet Yoga deshalb auch, achtsam mit mir selbst umzugehen. Und wenn ich das tue, verändert sich auch, wie ich anderen Menschen begegne.

Yoga ist für Sie also viel mehr als das, was auf der Matte passiert?

Ja. Es gibt diesen schönen Satz: Yoga ist nicht nur ein Workout, sondern ein Work-in. Der Körper hilft uns dabei, auch nach innen zu schauen. Aber die eigentliche Yogapraxis beginnt für mich, wenn ich die Matte zusammenrolle und wieder mit mehr Ruhe und Gelassenheit im Alltag ankomme.

„Für mich bedeutet Yoga deshalb auch, achtsam mit mir selbst umzugehen. Und wenn ich das tue, verändert sich auch, wie ich anderen Menschen begegne.“

Viele Menschen schreiben Ihnen, dass Ihre Videos sie durch schwere Zeiten begleitet haben. Andere erzählen, dass sie während einer Stunde plötzlich weinen. Was macht das mit Ihnen?

Es berührt mich sehr. Ein Satz, der mich begleitet, lautet: All feelings are welcome. Ich glaube, wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir Gefühle wegdrücken oder so tun, als müssten wir immer funktionieren.

„Beruf, Familie und all die Verpflichtungen des Alltags nehmen viel Raum ein – und manchmal verlieren wir uns selbst dabei etwas aus dem Blick. “

Im Moment sprechen viele über Longevity. Sie selbst sprechen lieber über Lebensqualität. Warum?

Ich möchte nicht einfach nur möglichst lange leben, sondern möglichst lange gesund, beweglich und frei bleiben. Was ich heute mit Yoga und Sport für mich tue, sehe ich als Investition in mein Zukunfts-Ich.

Ich möchte auch später noch mit meinem Hund auf dem Boden sitzen und ohne Schwierigkeiten wieder aufstehen können. Oder selbstverständlich an ein oberes Schrankfach kommen. Ich achte auf Bewegung, Schlaf und Ernährung, ohne daraus ein strenges Regelwerk zu machen. Hin und wieder ein Glas Wein oder ein Stück von Omas Erdbeertorte genieße ich durchaus. Mir geht es nicht um Verzicht, sondern darum, ein Gefühl dafür zu behalten, was mir guttut.

Sie nennen das eine Investition in Ihr Zukunfts-Ich. Gilt das inzwischen auch für Ihre Finanzen?

Ja. Lange habe ich vor allem in meine Arbeit und neue Ideen investiert. Inzwischen denke ich stärker darüber nach, wie ich das, was entstanden ist, für meine persönliche Zukunft absichere.

Deshalb beschäftige ich mich mit langfristiger Vorsorge, breit gestreuten ETFs und dem Gedanken an eine Immobilie als Kapitalanlage. Ich möchte verstehen, was ich tue – und gleichzeitig Menschen an meiner Seite haben, denen ich vertraue.

Was bedeutet finanzielle Sicherheit für Sie – gerade weil Ihnen Freiheit so wichtig ist?

Vor allem, Entscheidungen nicht aus Angst oder Zwang treffen zu müssen. Finanzielle Stabilität gibt mir den Raum, kreativ zu denken, mir Zeit zu nehmen und nicht jedes Projekt annehmen zu müssen. Geld ist für mich weniger Status als eine Grundlage für Selbstbestimmung.

Gleichzeitig weiß ich, dass nichts von dem, was entstanden ist, selbstverständlich ist. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit.

„Geld kann Sicherheit schaffen, Möglichkeiten eröffnen und Zukunft absichern. Es sollte aber nicht bestimmen, wer ich bin.“

Muss Erfolg für Sie immer weiteres Wachstum bedeuten?

Nein. Wir hatten zeitweise ein größeres Team und haben uns später bewusst wieder verkleinert. Mehr Wachstum bedeutet auch mehr Strukturen, mehr Verantwortung – und manchmal weniger persönliche Freiheit.
Natürlich soll das, was wir aufgebaut haben, gesund und wirtschaftlich stabil sein. Aber Erfolg bedeutet für mich nicht, dass jedes Jahr jede Zahl größer werden muss. Entscheidend ist, dass meine Arbeit zu meinem Leben passt und ich die Freude daran nicht verliere.

Warum wollten Sie Botschafterin der Commerzbank werden?

Ich war bereits Kundin und hatte über Jahre gute Erfahrungen gemacht. Für etwas zu stehen, mit dem ich selbst keine Verbindung habe, wäre für mich nicht infrage gekommen.
Außerdem kommt es für mich immer auf die Menschen an. Bei der Entwicklung der Kampagne hatte ich von Anfang an das Gefühl: Das passt menschlich und inhaltlich zu mir. Und ich finde es wichtig, gerade jüngere Menschen darauf aufmerksam zu machen, sich früh mit ihrer finanziellen Zukunft und Vermögensplanung zu beschäftigen. Ich glaube, es hilft, dabei einen Partner an der Seite zu haben, der Orientierung gibt und Dinge verständlich macht.

Wenn wir uns in fünf Jahren wiedersehen: Woran würden Sie merken, dass es gute Jahre waren?

Daran, dass ich mir die Freude an dem bewahrt habe, was ich tue. Ich möchte neugierig und kreativ bleiben, gesund sein und ein abwechslungsreiches Leben führen. Gute Jahre wären für mich Jahre, in denen ich mich weiterentwickelt habe – und gleichzeitig bei mir geblieben bin.

Interview: Peter Lewandowski

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