US-Arbeitsmarkt überrascht wieder mal

Die Beschäftigung in den USA ist im Mai unerwartet kräftig um 272 Tsd gestiegen, das Wachstum der Stundenlöhne hat sich wieder beschleunigt.

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Bernd Weidensteiner

Commerzbank Economic Research

7. Juni 2024

Dagegen ist die auf einer anderen Umfrage beruhende Arbeitslosenquote leicht auf 4,0% gestiegen, dem höchsten Wert seit Januar 2022. Die Daten sprechen nicht für eine Zinssenkung der Fed in der nächsten Zeit.

Kräftiger Stellenzuwachs...

Der US-Arbeitsmarkt hat die Prognostiker wieder einmal überrascht: Der Stellenzuwachs lag im Mai mit 272 Tsd um nahezu 100 Tsd über den Vorhersagen. Der Jobaufbau ruhte auf breiter Basis, nur wenige Branchen verzeichneten einen Stellenrückgang. Bei den "Payrolls" zeigen sich bislang keinerlei Schwächezeichen. Der Sechsmonatsdurchschnitt, der die üblichen kurzfristigen Volatilitäten bei der Beschäftigungsveränderung glättet, ist sogar leicht auf 255 Tsd. gestiegen. Alles in allem läuft der Stellenaufbau seit über einem Jahr sehr stabil.

Der durchschnittliche Stundenlohn stieg um 0,4% gegenüber dem Vormonat, nach +0,2% im April. Auch dies war stärker als erwartet. Im Vorjahresvergleich stiegen die Löhne um 4,1%.

... bei gleichzeitigem Anstieg der Arbeitslosenquote

Der andere Teil des Arbeitsmarktberichts, die Haushaltsumfrage, liefert allerdings ein anderes Bild. Die auf dieser Umfrage beruhende Zahl der Beschäftigten ist gefallen, und die Arbeitslosenquote hat auf 4,0% zugelegt (seit Februar 2022 hatte sie unter 4% gelegen). Im Mai war sie 0,6 Prozentpunkte höher als im Tief vor rund einem Jahr.

Die Haushaltsumfrage hat eine deutlich kleinere Stichprobe als die Befragung der Unternehmen (die Grundlage der Daten zur Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft). Sie ist auch deshalb deutlich volatiler. Ein möglicher Grund für die in den letzten zwei Jahren festzustellende schlechtere Entwicklung der Beschäftigungszahl der Haushaltsumfrage (ein Zuwachs von 2,8 Millionen gegenüber 6,6 Millionen bei der Unternehmensumfrage) dürfte die Erfassung der vielen eingewanderten Arbeitskräfte sein. Diese werden besser in der Unternehmensumfrage abgedeckt; die Haushaltsumfrage dürfte hier einen deutlichen Nachlauf haben. Wir würden daher die kräftigen Stellengewinne bei der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft betonen, weniger die Zahlen der Haushaltsumfrage.

Mit Stellenzuwächsen von über 250 Tsd läuft der Arbeitsmarkt weiterhin recht heiß. Zwar finden sich an anderer Stelle Anzeichen einer Beruhigung. So waren im April – den letzten verfügbaren Zahlen – noch knapp 8,1 Millionen Stellen unbesetzt und damit 4 Millionen weniger als am Hochpunkt vor zwei Jahren. Dies spricht für eine allmähliche Normalisierung der Nachfrage nach Arbeitskräften.

Keine rasche Zinssenkung der Fed

Für die Fed heißt es somit Abwarten. Der Arbeitsmarkt läuft weiterhin zu gut, um eine wirkliche Entlastung beim Inflationsdruck zu bringen. Gleichzeitig verringert der kräftige Jobaufbau das Risiko einer wirtschaftlichen Abschwächung. Wir sehen uns in unserer Prognose bestärkt, dass die Fed erst im Dezember die Leitzinsen erstmals senkt.