Was die Ifo-Enttäuschung bedeutet

Die Stagnation des Ifo-Geschäftsklimas nach drei Anstiegen in Folge ist eine Enttäuschung.

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Dr. Jörg Krämer

Commerzbank Economic Research

27. Mai 2024

Die weiter gestiegenen Geschäftserwartungen schlagen sich nicht so schnell in einer besseren Geschäftslage nieder. Die deutsche Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal noch nicht nennenswert wachsen. Wir zeigen, warum es mit dem Bruttoinlandsprodukt ab der Jahresmitte trotzdem nach oben gehen sollte.

Nach drei Anstiegen in Folge hat das Ifo-Geschäftsklima im Mai stagnierte. Der Indexwert von 89,3 lag merklich unter den Erwartungen der Volkswirte (Konsens: 90,4; Commerzbank: 90,5). Die Stagnation wurde durch einen Rückgang der Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage verursacht (88,3 nach 88,9), der die weitere Verbesserung der Geschäftserwartungen (90,4 nach 89,7) gerade kompensierte.

Warum es nach einer Stagnation im zweiten Quartal ...

Alles in allem zeigen die heutigen Ifo-Zahlen, dass sich die weiter gestiegenen Geschäftserwartungen nicht so schnell in eine bessere Geschäftslage niederschlagen. Das stützt unsere Prognose, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal nicht zulegen dürfte, zumal wegen der ungewöhnlich milden Witterung Bautätigkeit ins erste Quartal vorgezogen wurde.

... trotzdem nach oben gehen sollte

Aber ab der Jahresmitte dürfte es mit dem deutschen Bruttoinlandsprodukt wieder nach oben gehen:

  • Die Stagnation des Geschäftsklimas im Mai ging nur auf einen Rückgang bei den Dienstleistungen zurück. In den anderen Sektoren, insbesondere im richtungsweisenenden verarbeitenden Gewerbe, ging es mit dem Geschäftsklima weiter bergauf (Chart).
  • Der zusammengefasste Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor ist bereits drei Mal in Folge deutlich gestiegen und weist in der Grundtendenz nach oben. Das gilt auch für den entsprechenden Index im Euroraum, der einen recht engen Zusammenhang mit dem Bruttoinlandsprodukt aufweist.
  • Die Wirkung konjunktureller Belastungsfaktoren klingt ab. So liegen die sehr starken Leitzinserhöhungen mittlerweile mehr als ein Jahr zurück, und der Anstieg der Energiepreise nach Beginn des russischen Angriffskriegs ist mehr als zur Hälfte rückgängig gemacht.

Fazit: Aufwärts, aber ohne großen Schwung

Alles in allem erwarten wir, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt ab der Jahresmitte wieder zulegen wird. Allerdings dürfte die Aufwärtsbewegung moderat ausfallen – auch weil die Bundesregierung die seit vielen Jahren zu beobachtende Erosion der Standortqualität nicht entschieden angeht. Für den Durchschnitt von 2024 erwarten wir eine Stagnation des Bruttoinlandsprodukts (0,0%), und für 2025 ein Plus von 0,8%.

Den vollständigen Text finden Sie im Download-PDF.