Deutschland – Viele Großaufträge, aber Trend zeigt nach unten

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie sind im Dezember gegenüber November um 8,9% in die Höhe geschossen.

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Dr. Ralph Solveen

Commerzbank Economic Research

6. Februar 2024

Allerdings ist dies alleine auf eine ungewöhnlich hohe Zahl an Großaufträgen zurückzuführen, die die Produktion auf kürzere Sicht kaum beeinflussen. Rechnet man diese heraus, ist das Auftragsvolumen sogar kräftig um 2,2% gefallen. Dies zeigt einmal mehr, dass eine Wende zum Besseren für die deutsche Wirtschaft nicht in Sicht ist.

Auf den ersten Blick sind dies gute Zahlen: Die deutsche Industrie erhielt im Dezember 8,9% mehr Aufträge als im November. Allerdings ist dies alleine auf ungewöhnlich umfangreiche Großaufträge zurückzuführen. So haben sich die (immer sehr volatilen) Bestellungen im Bereich sonstiger Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe etc.) verdoppelt. Natürlich müssen auch Großaufträge abgearbeitet werden. Allerdings erfolgt dies häufig mit einer beträchtlichen zeitlichen Verzögerung und passiert zumeist über einen längeren Zeitraum. Somit ist die Kerngröße ohne Großaufträge für die konjunkturelle Tendenz in den kommenden Monaten wesentlich aussagekräftiger, und hier verzeichneten die Statistiker im Vergleich zum Vormonat ein Minus von 2,2%. Wenn man von den Monaten rund um den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 absieht, waren die Auftragseingänge ohne Großaufträge damit so niedrig wie zuletzt Mitte 2010 (Chart). Sehr schwach waren unter anderem die Aufträge der Auto-Industrie, die gegenüber dem Vormonat um fast 15% zurückgingen.

Die heutigen Zahlen zeigen einmal mehr, wie stark die deutsche Wirtschaft darunter leidet, dass die in den vergangenen knapp zwei Jahren erfolgten Zinserhöhungen der Zentralbanken die Nachfrage nach Industriegütern bremst. Die sich in den Ergebnissen der Unternehmenbefragungen zeigende schlechte Stimmung der Unternehmen, die zunehmend auch über fehlende Aufträge klagen, spricht dagegen, dass es schon bald eine Wende zum Besseren geben wird. Vielmehr ist zu befürchten, dass die deutsche Wirtschaft auch zu Beginn des neuen Jahres schrumpft und für das gesamte Jahr 2024 am Ende ein Minus zu Buche stehen wird.