Euroraum – Inflationsrate fällt auf 2,8%

Mit Blick auf die Inflation ist der Einstieg ins Jahr 2024 erfreulich verlaufen.

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Christoph Weil

Commerzbank Economic Research

2. Februar 2024

Die wieder höhere Mehrwertsteuer auf Erdgas und Restaurantdienstleistungen sowie der gestiegene CO2-Preis in Deutschland haben einen weiteren Rückgang der Inflationsrate im Euroraum nicht verhindert. Sie fiel von 2,9% im Dezember auf 2,8% im Januar. Maßgeblich hierfür war der fortgesetzte Rückgang der Teuerungsrate ohne die volatilen Preise für Energie, Nahrungs- und Genussmittel, die weiter von 3,4% auf 3,3% sank. Die Tauben im EZB-Rat dürften sich bestätigt fühlen in der Forderung nach raschen Zinssenkungen.

Nach vorläufigen Berechnungen von Eurostat fiel die Inflationsrate im Euroraum von 2,9% im Dezember auf 2,8% im Januar, und damit nicht ganz so stark wie von den vorab befragten Volkswirten erwartet (siehe Tabelle). Zum Rückgang beigetragen hat einmal mehr der schwächere Preisanstieg bei Nahrungsmitteln. Die Vorjahresveränderungsrate fiel von 6,1% auf 5,7%. Der Preisrückgang bei Energie fiel mit -6,3% etwas geringer aus als im Vormonat (-6,7%).

Kernteuerungsrate fällt auf 3,3%

Besonders erfreuen dürfte die EZB der fortgesetzte Rückgang der Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel, die von 3,4% auf 3,3% nachgab. Dies deutet darauf hin, dass der unterliegende Preisauftrieb weiter nachgelassen hat. Vor allem der Anstieg der Preise für Waren ohne Energie hat sich merklich abgeschwächt – von 2,5% auf 2,0% (Chart 1). Hier macht sich das Ende der Materialengpässe und wieder sinkende Energiekosten positiv bemerkbar.

Die Teuerungsrate bei Dienstleistungen verharrte dagegen den dritten Monat in Folge bei 4,0%. Zwar dämpft der Rückgang der Preise für Kraftstoffe und Nahrungsmittel auch in diesem Sektor den Preisauftrieb. Demgegenüber stehen aber die kräftig gestiegenen Lohnkosten, die einen großen Einfluss auf die Dienstleistungspreise haben.

Unterliegender Preisauftrieb dürfte zunächst weiter nachlassen

Die wieder billigere Energie und kaum noch steigende Nahrungsmittelpreise werden den Preisanstieg bei nicht-energetischen Waren und Dienstleistungen noch einige Monate dämpfen. Die Kernteuerungsrate dürfte bis zur Jahresmitte auf 2,5% sinken.

Mittelfristig aber wieder höhere Inflationsraten

Im späteren Jahresverlauf dürften dann aber die Unternehmen die zuletzt deutlich gestiegenen Lohnkosten in stärkerem Umfang an ihre Kunden weitergeben und sich die Kernteuerungsrate bei knapp 3% einpendeln.

EZB wird ihre Leitzinsen wohl ab Juni senken

Vor diesem Hintergrund wäre es verfrüht, den Sieg über die Inflation zu verkünden. Wir halten die Markterwartungen von Leitzinssenkungen um insgesamt 150 Basispunkte bis Ende des Jahres nach wie vor für übertrieben. Wir rechnen nur mit Zinssenkungen von zusammen 75 Basispunkten.