Fed signalisiert Zinssenkung, aber noch nicht für März

Die Fed hat ihre Leitzinsen auf der heutigen Sitzung unverändert gelassen.

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Bernd Weidensteiner, Dr. Christoph Balz

Commerzbank Economic Research

31. Januar 2024

Die US-Notenbank hat aber ihren Zinsausblick geändert und den Verweis auf mögliche weitere Zinserhöhungen gestrichen. Stattdessen öffnet sie die Tür für Zinssenkungen, auch wenn sie hierfür erst noch mehr Sicherheit gewinnen will, dass die Inflation wirklich besiegt ist. Eine Zinssenkung bereits auf der nächsten Sitzung im März ist unwahrscheinlich.

Die Entscheidung: Die Fed hat ihre Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der Leitzinskorridor bleibt damit bei 5,25%-5,50%.

Die Fed hat ihre Forward Guidance angepasst; dies war ebenfalls zu erwarten gewesen: Die Fed urteilt, dass die Risiken für das Erreichen ihres Inflations- und Beschäftigungsziels jetzt besser balanciert seien. Das Risiko einer zu hohen Inflation dominiert damit nicht mehr so wie in den letzten Jahren. Die Fed hat konsequenterweise auch die bisherige Tendenz zu möglicherweise nötigen weiteren Zinserhöhungen aus dem Kommuniqué gestrichen. Stattdessen verweist sie jetzt explizit auf die Voraussetzungen für Zinssenkungen. Sie stellt dabei fest, dass der Zeitpunkt hierfür erst gekommen ist, wenn sie sicherer ist, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung des 2%-Ziels bewegt. Am Abbau ihres Wertpapierportfolios hält sie vorerst in unvermindertem Tempo (also bis zu 80 Mrd. Dollar im Monat) fest. Die heutigen Entscheidungen fielen einstimmig.

Pressekonferenz: Fed-Chef Powell stellte fest, dass die Inflationsdaten der letzten sechs Monate positiv gewesen seien (in dem halben Jahr bis Dezember lagen sowohl Gesamt- als auch Kernrate der Inflation auf Jahresrate hochgerechnet bei oder leicht unter 2%). Die Frage sei jetzt, ob diese Daten ein klares Signal gäben, dass die Inflationsrate tatsächlich nachhaltig beim 2%-Ziel ankommen würde. Die Fed sei diesbezüglich zwar zuversichtlicher geworden, aber noch nicht zuversichtlich genug, um jetzt schon die Zinswende einzuleiten.

Powell bemühte sich, Erwartungen rascher Zinssenkungen zu dämpfen. Eine Senkung bereits auf der März-Sitzung hält Powell aus heutiger Sicht für unwahrscheinlich; dies sei nicht das Basisszenario. Die Fed will offensichtlich weitere Daten abwarten. Damit will die Fed auch vermeiden, erneut von der Wirtschaft überrascht zu werden. Erneut wurden die Sorgen der Fed vor einer verfrühten Zinssenkung deutlich. Dann könnte die Notenbank in die Verlegenheit zu kommen, erneut die Richtung wechseln und die Leitzinsen wieder anheben zu müssen.

Powell betonte, dass die Fed nicht darauf aus sei, die Wirtschaft abzuschwächen und keinen schwächeren Arbeitsmarkt sehen wolle. Dies ist eine spürbare Akzentverschiebung. Letztes Jahr ging die Fed noch davon aus, dass sich die Wirtschaft deutlich abkühlen müsse, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Jetzt ist die Inflation aber gefallen, ohne dass sich die Wirtschaft an Schwung verloren hat.

Auf der Sitzung habe man laut Powell erneut über die Bilanz der Fed gesprochen. Man werde auf der nächsten Sitzung im März intensiv in die Diskussion über den weiteren Abbau des Wertpapierbestandes der Fed einsteigen.

Unsere Interpretation: Es war schon länger klar, dass sich die Fed 2024 mit Zinssenkungen befassen wird. Die auf der letzten Sitzung im Dezember aktualisierten Projektionen der Fed-Oberen sehen bis Jahresende schließlich drei Zinsschritte nach unten vor. Es bleibt nur noch das genaue Timing zu klären. Die relativ robusten Konjunkturdaten der letzten Zeit setzten die Notenbank allerdings nicht unter unmittelbaren Handlungsdruck. Es bleibt Zeit, weitere Daten abzuwarten, um sich eines Siegs über die Inflation wirklich sicher zu sein. Wir halten unsere Prognose einer ersten Senkung um 25 Basispunkte im Mai – also auf der übernächsten Sitzung – weiterhin für plausibel. Bis zum Jahresende erwarten wir fünf weitere Senkungen im gleichen Ausmaß.