Deutschland – Inflationsrate im Januar wieder deutlich niedriger

Die deutsche Inflationsrate ist im Januar wieder deutlich von 3,7% auf 2,9% gefallen.

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Dr. Ralph Solveen

Commerzbank Economic Research

31. Januar 2024

Ausschlaggebend hierfür war die Entwicklung der Energiepreise, bei denen ein Basiseffekt wegfiel. Zudem hatten die zahlreichen zur Jahreswende wirksam gewordenen staatlichen Maßnahmen einen deutlich geringeren Effekt als von uns unterstellt. Die Kernteuerungsrate ist nur leicht von 3,5% auf 3,4% gefallen, wobei die Teuerungsrate bei Dienstleistungen Anzeichen einer Stabilisierung zeigt.

Die deutsche Inflationsrate ist zu Beginn des Jahres wieder deutlich von 3,7% auf 2,9% gefallen ist. Dies in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Teuerungsrate im Dezember durch einen Basiseffekt bei den Energiepreisen nach oben verzerrt war, der nun wegfiel. Die Kernrate ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise ging hingegen nur geringfügig von 3,5% auf 3,4% zurück.

Mit dem signifikanten Rückgang war die Teuerungsrate deutlich niedriger als wir dies erwartet hatten. Offensichtlich haben die zahlreichen zur Jahreswende wirksam gewordenen staatlichen Maßnahmen (unter anderem höhere Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants, höherer CO2-Preis und Ende der Preisbremsen bei Strom und Gas) den Verbraucherpreisindex weniger stark steigen lassen als wir dies zuvor unterstellt hatten. So sind zum Beispiel die Gaspreise trotz des Endes der Preisbremse in einigen Bundesländern im Vergleich zum Dezember deutlich gefallen.

Wichtiger ist sowieso der unterliegende Preisauftrieb, da er einen Einfluss darauf haben dürfte, wann und wie schnell die EZB ihre Zinsen senken wird. Ein Blick auf die Details zeigt, dass der sich abzeichnende leichte Rückgang der Kernteuerungsrate alleine auf einen geringeren Anstieg der Warenpreise (ohne Energie und Nahrungsmittel) zurückzuführen ist. Hier fiel die Teuerungsrate auf Basis der bisher verfügbaren Länder-Ergebnisse deutlich von 4% auf 2,3% (Chart 1), was einmal mehr bestätigt, dass die Unternehmen ihre in den vergangenen beiden Jahren deutlich gestiegenen Kosten für Vorprodukte und Rohstoffe inzwischen weitgehend an ihre Kunden weitergegeben haben. Hingegen ist die Teuerungsrate bei Dienstleistungen nach einem Rückgang in den vergangenen Monaten wieder etwas gestiegen. Zwar ist dies in erster Linie wohl durch den Mehrwertsteuereffekt bei Restaurants und einen stärkeren Anstieg der (immer sehr volatilen) Preise für Pauschalreisen zu erklären. Aber auch ohne diese Effekte deutet sich hier eine Stabilisierung der Teuerungsrate auf immer noch hohem Niveau an.

Wir gehen davon aus, dass der aktuelle starke Anstieg der Löhne die Preise für Dienstleistungen weiter anschieben wird und somit dafür sorgen wird, dass sich der unterliegende Preisauftrieb über dem EZB-Ziel von 2% stabilisieren wird. Dies wird die EZB zwar nicht von Zinssenkungen abhalten – wir rechnen für Juni mit dem ersten Schritt –, aber wohl dazu beitragen, dass sie die Geldpolitik langsamer lockern wird als der Markt dies derzeit erwartet.