Euroraum – Wirtschaft tritt weiter auf der Stelle

Die Wirtschaft im Euroraum hat im Schlussquartal stagniert.

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Christoph Weil

Commerzbank Economic Research

30. Januar 2024

Das Ergebnis fiel damit geringfügig besser aus als von der Mehrheit der vorab befragten Volkswirte erwartet. Doch dies ist nicht wirklich ein Grund zum Feiern. Seit nunmehr zwei Quartalen wächst die Wirtschaft nicht mehr, und auch die Aussichten für das erste Vierteljahr 2024 sind trübe. Wir teilen nicht den Optimismus vieler Volkswirte und auch der EZB, die eine baldige spürbare Erholung der Konjunktur erwarten.

Wirtschaft wächst seit zwei Quartalen nicht mehr

Die Wirtschaft im Euroraum hat im Schlussquartel 2023 gegenüber dem dritten Vierteljahr stagniert. Für das dritte Quartal steht zwar ofiziell noch ein leichtes Minus von 0,1% zu Buche. Allerdings dürfte dieser Wert noch auf 0,0% nach oben revidiert werden, da in vielen Ländern die Wachstumszahlen für das dritte Vierteljahr leicht nach oben korrigiert wurden. Diese Revisionen werden erst bei der 2. Schätzung für das Euroraum-BIP in die Zahlen eingearbeitet.

Faktisch ändert sich das Bild hierdurch aber nicht. Die massive Straffung der Geldpolitik hat das Wirtschaftswachstum im Sommer zum Stillstand kommen lassen (Chart 1). Aus dieser Schwächephase wird sich die Wirtschaft auch wohl kaum vor dem Frühjahr herausarbeiten, denn die Stimmungsindikatoren, insbesondere der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich, verharrten bis zuletzt im Rezessionsbereich.

Auch im weiteren Jahresverlauf ist kaum mit einem spürbaren Aufschwung zu rechnen. Denn angesichts der weiterhin hohen Inflation wird die EZB ihre Leitzinsen voraussichtlich erst ab dem Sommer senken, was sich erst 2025 positiv auf die Konjunktur auswirken dürfte. Ähnliches gilt für die anderen westlichen Notenbank, die die Zinsen massiv erhöht haben, sodass ihre Geldpolitik 2024 die Konjunktur noch bremsen wird. Auch China dürfte angesichts der Krise am dortigen Immobilienmarkt als Konjunkturlokomotive ausfallen. Damit besteht kaum Hoffnung, dass der Export das Wachstum im Euroraum stärker anfacht.